Vierte Tür

Gustav Schüler
Mach uns rein

Mach uns rein, die wir im Staube sind!
Blind und arm und hilflos, hilf uns allen!
Weil wir jeder Angst zum Raube sind,
Weil wir immer wieder niederfallen.

Mach uns rein, dann sind wir klar und kühn,
Können allem Blendwerk fest begegnen,
Können, wenn die Seelen hocherglühn,
Andre ärmere Menschenseelen segnen.

Mach uns rein! Du bist ein Meer von Licht!
Ach, wir schreien ja vor Finsternissen!
Sieh uns an, sieh an, verwirf uns nicht,
Also dir zu Füßen hingerissen!

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Dritte Tür

Gustav Schüler
Du Wurzel aller Wesen

Ach, du Wurzel aller Wesen,
Ach, du Quelle aller Kraft,
Hort der Huld, laß mich genesen
Von dem Fluch der Leidenschaft!

Ungemessen Meer der Güte,
Nimm mich auf in deine Flut,
Mache meines Lebens Blüte,
Die versengte, wieder gut.

Rüste meine tauben Nächte
Mit der Frühe heiligem Licht,
Retter, recke deine Rechte,
In der Finsternis Gericht!

Ach, du Wurzel aller Wesen,
Ach, du Quelle aller Kraft,
Hort der Huld, laß mich genesen
Von dem Fluch der Leidenschaft!

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Zweite Tür

Gustav Schüler
Zu Gott

All unsere Zeit ist ein Geschrei nach Gott.
Wer Ohren hat, der muss das Tosen hören.
Ein Rufen, unvermischt mit gellem Spott,
Ein Sturm von Stimmen, Welten zu empören.

Wie rast der Schrei und stößt durch unsere Zeit!
Ihr Geister auf! – Die Nacht ist nicht zu tragen! –
In Not und Zorn und tiefbestürztem Streit
Die schweren Finsternisse zu zerschlagen!

Die Angst um Gott schlägt schütternd auf uns ein
Und jeder Schritt weint auf nach seinen Wegen,
Fast fleht am Menschheitswege jeder Stein:
„Kommt denn den Suchern noch kein Licht entgegen?“

Vorausgestürmt! Es ist wie eine Schlacht!
Was heut nicht wurde, daß es morgen werde!
Wir reißen doch aus sturmergrimmter Nacht
Ein wegerhellend Schimmern auf die Erde!

Die Menschheit fiebert. Geister glühn empor,
Mit Schwung getränkt, mit Kräften, stürmisch großen.
Schon stehn sie hin bis an der Himmel Tor,
Mit Lustgeschrei die Pforten einzustoßen.

Zu Gott hinauf! Und wenn uns gleich sein Licht
Jäh in die Augen fällt wie rote Kohlen,
Wir schreien auf, doch lassen wir ihn nicht,
Wir müssen ihn zu uns herniederholen!

Laßt alles fallen! Lust und Leid sei tot,
Verloschen aller Hoffnung bunte Gaben –
Gott, höre uns und unsers Schreiens Not:
Wir müssen dich für unsere Kinder haben!

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Der Dezember beginnt sehr schön

… mit einem Kirchenbild auf der Straße und zwei Blumen in der Vase.

Marienkirche in der Pfütze
Amaryllis

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Erste Tür

Gustav Schüler
Advent

Komm zu uns, wir warten dein!
Himmelskönig, komm hernieder!
Schon entbrennt der Lichter Schein,
Und schon rüsten sich die Lieder.
Und die arme, dunkle Welt
Sehnt sich weinend dir entgegen –
Unser Herz, du Himmelsheld,
Wartet schon an deinen Wegen.

Gastlich wird jedwedes Haus,
Die Erkorenen zu empfangen,
In die Lande weit hinaus
Schlägt ein sehnendes Verlangen.
Du, der innerlichste Schuld
Leicht macht gleich den Flocken Schnees –
O du Bringer aller Huld,
Du Bezwinger allen Wehes!

Du, den wir so heiß erfleht,
Komm, die Zeit will sich erfüllen,
Daß des Lebens König geht
Niedrig in den niedern Hüllen –
Komm, wir warten! Tausend sind
Die zu dir die Augen heben.
Wolltest, lichtes Himmelskind,
Ihrer Sehnsucht Heilung geben!

Komm, die Welt ist leidenswund,
Hat an Not so viel zu tragen.
Komm herbei, daß uns dein Mund
Wieder wolle Wahrheit sagen!
Freude, Licht und Liebesmacht
Sollen leuchtend wieder werden –
O du heilige Freudennacht,
Friede, Friede sei auf Erden!

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Die Droste kommt. Wer noch?

Hier noch einmal der ganz genaue Termin meiner nächsten Veranstaltung – in der Hoffnung auf zahlreiche Hörer. Es lohnt!

Gleich einer Mänade im Sturm – Annette Freiin von Droste-Hülshoff

Am Donnerstag, 3. Dezember
18.30 Uhr
St. Marien (StM), Bergheimer Platz 1, 14197 Berlin – Kleiner Pfarrsaal

Die Droste war eine äußerst produktive Dichterin mit unverwechselbarem Stil, wachen Geistes, mit scharfer Beobachtungsgabe und vom westfälischen Katholizismus tief geprägt. Ihre dichtenden Zeitgenossen, darunter Schiller und Goethe, nahmen sie kaum wahr, und bis heute wird der größte Teil ihres gewaltigen Werks kaum gelesen – obwohl sie zweifellos zu den bedeutendsten deutschen Literaten gehört.

Der Eintritt ist frei, eine Spende für die Sanierung der Orgel ist erbeten.

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ad Te levavi

Die Sonntage im Advent haben Namen – ad Te levavi sind die Anfangsworte des 25. Psalms.

Mein Adventskranz – wie immer selbstgemacht – hat heuer drei Teelichte (weil die samt hübschen Gläsern im Haus waren und ich keine Lust hatte, schon wieder Kerzen zu kaufen) und ein Osterlicht – letzteres wird zum Sonntag Gaudete brennen.

Erster Advent

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Licht im Dunkel

Wenn die Tage zu dunkel sind – einfach mal wieder in die Kirche gehen. Da ist Licht. Die ist Licht. Die kündet das Licht.

Marienkirche Friedenau
Marienkirche Friedenau
Marienkirche Friedenau

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Zwei Adventskalender

Mein lyrischer Adventskalender enthält in diesem Jahr fast nur Gedichte des zu Unrecht ziemlich unbekannten christlichen Dichters Gustav Schüler; nur am Nikolaustag wird es eines von mir geben, das hat ja schon Tradition.
Meine Leser werden nicht viele ausdrücklich auf den Advent bezogene Gedichte finden. Aber Advent ist ganz wetter- und kulturunabhängig eine Zeit der Erwartung und Vorbereitung, eine Zeit der Buße mit dem Blick auf das Kommen Jesu Christi. Davon handeln die vorgestellten Gedichte.

Außerdem gibt es den Adventskalender der Blogoezese, von dem zur Stunde zwar noch nicht feststeht, ob er vollständig wird – aber mindestens 17 Beiträge wird er haben, darunter auch einen von mir.

Heute Abend beginnt die Adventszeit – und zur Einstimmung gibt es ein Gedicht von Max von Schenkendorf:

Im Winter

Die Tage sind so dunkel,
Die Nächte lang und kalt;
Doch übet Sternenfunkel
Noch über uns Gewalt.

Und sehen wir es scheinen
Aus weiter, weiter Fern‘,
So denken wir, die Seinen,
Der Zukunft unsres Herrn.

Er war einmal erschienen
In ferner sel’ger Zeit,
Da waren, ihm zu dienen,
Die Weisen gleich bereit.

Der Lenz ist fortgezogen,
Der Sommer ist entflohn:
Doch fließen warme Wogen,
Doch klingt ein Liebeston.

Es rinnt aus Jesu Herzen,
Es spricht aus Jesu Mund,
Ein Quell der Lust und Schmerzen,
Wie damals, noch zur Stund‘.

Wir wollen nach dir blicken,
O Licht, das ewig brennt,
Wir wollen uns beschicken
Zum seligen Advent!

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Sanguis martyrum semen est Christianorum

Jetzt hört mal genau zu, Ihr Terroristen!

Was die Überschrift heißt, könnt Ihr ergoogeln, dazu wird es bei Euch ja wohl noch gerade langen.

Daß Ihr Josef Bordat und seine Familie mit Mord bedroht, weil er glaubt und schreibt, was Ihr nicht glaubt und schreibt, ist niederträchtig, zivilisationsfern – und unfassbar dämlich.

Ja, ich habe Angst – um Josef und die Seinen, um sich irgendwie christlich äußernde Menschen überhaupt, und um Eure Seelen. Ihr tut gerade alles dafür, in die Hölle zu kommen, und ich kann Euch versichern, das ist nicht im Sinne der Christen. Tatsächlich werde ich überaus glücklich sein, sollte ich Euch irgendwann im Himmel treffen – weil das bedeutet, daß Ihr Euch mit Gott versöhnt habt. Was ja einstweilen nicht abzusehen ist.

Um die Kirche habe ich keine Angst.

Die Kirche ist zu allen Zeiten überall dort, wo sie verfolgt wurde, gewachsen. Das Martyrologium Romanum ist ein dickes Buch, in dem Menschen aufgelistet sind, die zum spirituellen Wachstum der Kirche ebenso beigetragen haben (und nach meinem Glauben immer noch beitragen) wie zum messbaren Wachstum. Ich hoffe und bete zwar, daß Josef nicht im Martyrologium Romanum landet, sondern seine segensreiche Arbeit noch mindestens vier (besser fünf oder sechs) Jahrzehnte lang von der Erde aus tut. Aber wenn Ihr Terroristen tatsächlich schafft, ihn oder andere Christen umzubringen, dann wird das für Euch die größte Pleite des Lebens.

Ihr Terroristen werdet die Kirche nicht zerstören, wenn Ihr Gläubige umbringt. Und Ihr werdet die Kirche auch nicht zerstören, wenn Ihr es bleiben lasst. Verstanden? Bringt Ihr ihn um, wird die Kirche wachsen, weil sie durch das Blut der Märtyrer wächst. Lasst Ihr ihn leben, wird die Kirche wachsen, weil sie durch gute, gescheite Apologeten wächst. Ihr habt in dieser Hinsicht nicht den Hauch einer Chance!

Christus ist der Herr.
Christen sind Knechte und Mägde des Herrn. Das heißt: Sie sind bereit, für diesen Herrn zu sterben – weil Er das für sie auch schon getan hat, weil Er ewig und allmächtig ist.
Christen sind Knechte und Mägde des Herrn – und keines anderen. Wir Christen sind nicht Eure Untertanen. Ihr könnt einzelne Christen physisch vernichten, aber sie werden ewig leben. Genau wie die Kirche.

Ihr seid mit ziemlicher Sicherheit zu bescheuert, um das zu verstehen. Aber vielleicht langt es noch gerade, um zu sehen, daß wir Christen uns nicht einschüchtern lassen.
Wir sind nämlich nicht feige.

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