Brot und Wein, Fleisch und Blut

oder: Warum ich glaube, Christus zu essen.

Leib Christi. Amen.
Blut Christi. Amen.

Ich glaube nicht, Menschenfleisch und Menschenblut zu mir zu nehmen. Der Priester sagt auch nicht „Leib Jesu“ und „Blut Jesu“, dann bezöge er sich ausschließlich auf die Menschennatur des Herrn und hätte Unrecht. Sondern er sagt „Leib Christi“ und „Blut Christi“, bezieht sich also auf die göttliche Natur des Herrn.

Die Erscheinungsform von Brot und Wein bleibt gleich. Sie bleibt auch physiologisch genau so wirksam wie vor der Wandlung. Sollte jemand unmittelbar nach dem Kommunionempfang sterben, könnte ein Pathologe nichts anderes feststellen, als daß er zuletzt ein kleines Stück ungesäuertes Brot und (sofern er unter beiderlei Gestalt empfangen hat) einen Schluck Weißwein zu sich genommen hat.

Ich glaube, Leib und Blut des Herrn zu mir zu nehmen. Ich glaube, daß in der Wandlung genau das geschieht, was Jesus Christus in den Einsetzungsworten beim letzten Abendmahl sagte und was der Priester an Seiner Statt bei der Messe sagt:

Denn am Abend, an dem er ausgeliefert wurde und sich aus freiem Willen
dem Leiden unterwarf,
nahm er das Brot und sagte Dank, brach es,
reichte es seinen Jüngern und sprach:

Nehmet und esset alle davon:
Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird.

Ebenso nahm er nach dem Mahl den Kelch,
dankte wiederum, reichte ihn seinen Jüngern und sprach:

Nehmet und trinket alle daraus:
Das ist der Kelch des neuen und ewigen Bundes,
mein Blut, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden.
Tut dies zu meinem Gedächtnis.

Ich vertraue darauf, daß Jesus Christus hier, wie auch sonst, Recht hat und daß ich Ihn wörtlich nehmen darf. Die Transsubstantation ist Geheimnis des Glaubens und beispielloses Wunder. Eucharistische Wunder bestätigen allerdings diesen Glauben.

Gott nährt mich mit sich selbst und bleibt unverändert. Er lässt sich ins Tabernakel sperren und bleibt frei. Er lässt sich anschauen und bleibt den Blicken entzogen. Jesus Christus ist nicht „im“ Brot, wie ich schon öfter gehört habe, sondern Er ist die konsekrierte Hostie selbst.
Verstanden?
Nein?
Ich auch nicht. Aber ich glaube es – nicht im Sinne von annehmen, sondern von vertrauen. Dies Vertrauen ist begründet. Ich weiß aus Erfahrung, daß der Glaube an Jesus Christus trägt.

Und deshalb hat es Sinn, vorm Tabernakel zu knien. Deshalb kann ich sagen: Ich gehe zu Jesus Christus, wenn ich in die Kirche gehe. Er ist Gott und ist überall, aber im Tabernakel ist er als Hostie leiblich.

Ich sehne mich danach, Ihn in Seiner unverhüllen, menschlichen Gestalt zu sehen – und das werde ich, ewig. In diesem Leben darf ich Ihn sehen und schmecken in Gestalt der Hostie. Vorgeschmack der Seligkeit!

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Abendlied einer Genervten

Gut Nacht! Es endet heute
Mein Tag mit Wahnsinns Beute:
Ich werde diffamiert
Von einem dummen Bazi
Und unbelehrten Nazi,
Der meinen Namen nutzt – und schmiert.

Daß er sich doch bekehre
Zu Christi guter Lehre,
Verleumdung lasse sein!
Nur leider ist wahrscheinlich
Ihm alles Gute peinlich.
Die Welt und er sind sehr gemein.

Die Welt ist voller Hammel,
Und ich hab etwas Bammel,
Daß mancher ihm das glaubt.
Hol ihn zu deinen Schafen,
Und lass mich trotzdem schlafen,
Wenn er mir Ruf und Nerven raubt.

Und wenn er so bescheuert
Zur Höllenpforte steuert
Mit seinem Rassenquark,
Herr, nimm doch diesen Pickel
Zur rechten Zeit beim Wickel,
Du bist ja gnädig und bist stark!

Ich kann ihm nicht vergeben,
Und fühl mich grade eben
Alt wie Methusalem.
Du aber kannst verzeihen
Und Weisheit ihm verleihen!
Und Frieden gib Jerusalem.

© Claudia Sperlich

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Liebesbrief an die Kirche

Liebe Kirche,

ja, Du, Du eine, heilige, katholische, Du Braut Christi!
Auch wenn wir uns fast täglich sehen und ich ja auch ein Teil von Dir bin, also ein ganz ganz kleines Teilchen, möchte ich Dir auch mal persönlich schreiben.

Viele, die zu Dir gehören, und noch mehr, die es nicht tun, zetern ja ständig über Dich. Und auch ich zetere manchmal – entschuldige bitte, Du Liebe. In Wirklichkeit geht es ja nicht um Dich, wenn ich zetere – sondern um meine Wahrnehmung von Menschen, die ich nicht so liebe, wie ich sollte, und darum, daß Menschen Dir von innen her schaden. (Ich nehme mich da nicht aus – denn ich bin ja eine Sünderin.)

Das ist schwierig zu begreifen und zu unterscheiden. Liebe Kirche, ich möchte Dir gerne helfen – und sehe, daß in Wahrheit Du mir hilfst. Ich möchte, daß Du lebst, und weiß, daß ich ohne Dich schon längst nicht mehr leben würde. In einer rein menschlichen Beziehung ist der Satz „Ich kann ohne dich nicht leben“ ein Alarmsignal und sollte den so Angesprochenen in die Flucht treiben. Aber die Beziehung zwischen Dir und mir ist ja göttlich, nicht menschlich – und in der Tat kann ich ohne Dich nicht leben und würde es auch nicht wollen.

Ich bin so froh, daß es Dich gibt und daß ich durch Dich den Herrn empfangen darf, und daß Du immer die Arme offenhältst und mich aufnimmst, daß ich durch Dich die Vergebung empfangen darf, was immer ich anstelle, daß ich vor dem Tabernakel knien und den Herrn anbeten darf – und daß ich für Dich schreiben und singen darf.

Der Herr hat ja versprochen, daß Du bleibst. Das ist ein großer Trost in Zeiten, wo so viele Deiner Treuen vertrieben und ermordet  und so viele schöne Gebäude, die zu Dir gehören, zerstört werden, und wo andererseits so schrecklich viele Menschen in Dir und in Deinem Namen Dinge sagen, die Du nicht sagst, weil der Herr sie nicht sagt.

Liebe Kirche, heute sagst Du es ausdrücklich: Du bist Wohnung Gottes unter den Menschen, geschmückte Braut Christi, heilige Stadt Gottes. Ich liebe Dich.

Deine Claudia

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Anregung zum Welttag des Buches

Kurz und knapp: Lest!
Zum Beispiel etwas von Josef Bordat:
Credo. Wissen, was man glaubt
ders.: Das Gewissen. Ein katholischer Standpunkt

Etwas von Harald Stollmeier:
Das Kreuz aus Krippenholz. Christliche Gedichte
Märchen vom Erwachsenwerden
Märchen von Liebe und Mut

Und das ein oder andere meiner Bücher:
Archipoeta – der Erzdichter
Hymnarium – lateinische Hymnen der Kirche neu übersetzt
Lass mich bekennen Deine Mandelblüte. Gedichte

Aber vor allem und ganz unbedingt lest dies Buch – es lohnt in ganz besonderer Weise!

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Herzlichen Glückwunsch, Josef!

Josef Bordat zum Geburtstag

Leb hoch, Du Streiter für die Gotteswahrheit!
Sei radikal vor jenen Radikalen,
Die Schreckensbilder von der Kirche malen
Mit Pech und Schwefel, aber ohne Klarheit.

Doch Du, im Herzen stark,im Kopfe klar,
Verteidige die Schrift mit Deinen Schriften
Vor jenen aller Logik baren Giften,
In wirrer Welt leg Christi Lehre dar.

Gib weiter Laut, wenn Ungerechtigkeit
Und Wut und Hetzerei zum Himmel schreit,
Mach unverdrossen unsern Herrn bekannt!

Ich danke Gott für Männer mit Verstand:
Las Casas, Leibniz, Thomas von Aquin
Und nicht zuletzt den Josef von Berlin!

© Claudia Sperlich

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Eine neue Seite im Internet

Nun gibt es auch eine Seite für die Übersetzerin Claudia Sperlich mit einigen Arbeitsproben – hier im Internet.
Auf daß ich mit Aufträgen überhäuft werde!

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Hörnchen untersucht den Balkonkasten

Es frisst auch Minze, vermutlich auch Basilikum (leider gibt es davon keine Beweisphotos). Aber wer will ihm das übelnehmen? Rosmarin und Oregano mag es nicht.

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Liebe Leser!

Bitte tut, was Eure Bezeichnung sagt – lest!

Zum Beispiel meine Bücher.

Zunächst einmal wäre da das kürzlich erschienene Hymnarium, eine zweisprachige Ausgabe lateinischer Hymnen der Kirche, mit meinen Übersetzungen.

In der Welt ein jedes Wesen
Ist uns Buch und ist Gemälde,
Ist uns gleichsam Spiegelbild,
Unsers Lebens, unsers Todes,
Unsers Standes, unsers Schicksals
Sicheres Erkennungsmal.

Unsern Stand erklärt die Rose
Anmutsvoll, da sie ihn bildet,
Deutung unsrer Lebenszeit:
So wie diese blüht frühmorgens,
Blüht auch und verblüht die Blume
In der greisen Abendzeit.

Dann ist da der Archipoeta, der liederliche und geniale Dichter des 12. Jhs., dessen Lieder in meiner Übertragung in eine biographische Novelle eingeflochten sind. Weitere Personen: Rainald von Dassel, Erzbischof von Köln, Reichskanzler Italiens und Deutschlands; Kaiser Friedrich II., genannt Barbarossa; mehrere Päpste; eine Adlige; eine Wirtstochter.
Die Originaltexte des Archipoeta sind im Anhang zu finden.

Der Archi­poeta wird auf Rainalds Geheiß versorgt und beherbergt, nimmt das nicht immer wahr, singt für andere, solange der Erzbischof fort ist – und unternimmt einige Dinge, die er nicht vorhat, dem hohen Herrn zu verraten. Wer kann widerstehen, wenn er nicht gerade ein Heiliger ist? Der Wein der Tavernen ist nicht so edel wie der auf Rainalds Tafel, aber unverdünnt. Beim Spiel gewinnt er einmal ein Obergewand, verliert es kurz darauf wieder.
Wein und Spiel machen zugleich lustig und müde und wecken die Sehnsucht nach älteren Genüssen. Es ist nicht gut, daß der Mensch allein sei. Zwar darf es so nicht zugehen, aber wie soll er sich wehren gegen die Übermacht einer schier allmächtigen Venus?

Mein Gedichtband Lass mich bekennen Deine Mandelblüte hat hervorragende Rezensionen erhalten von Alipius Müller, Harald Stollmeier, Heike Sander, Felix Honekamp und Mara Moeller.

Mandelzweig und Eisensäule
Jer. 1,11-19

Wie Eisensäulen trage mich der Glaube,
wie alter Städte Mauern stark und fest.
Bewahre, Gott, am Kapitäl die Taube,
behüt am Zinnenkranz das Schwalbennest!

Lass mich bekennen Deine Mandelblüte,
das Wort, das jenen fruchtet, die Du liebst.
Wo Niedertracht die Menschlichkeit verbrühte,
lass mich vertrauen, dass Du Leben gibst.

Wenn sie Dein Wort verachten, mich bedrohen,
hilf, dass nicht Feigheit meinen Geist bezwingt.
Gib, dass ich mutig singe Deine frohen
Verheißungen, und dass mein Lied gelingt.

Und schließlich gibt es ein wunderschönes Buch für Latein- und Gartenfreunde – die Hortorum Libri IV des Jesuitenpaters René Rapin (1620-1687) mit wissenschaftlicher Einführung und Anmerkungen durch Dr. A. Wimmer. Auch dies ist eine zweisprachige Ausgabe; Rapin schrieb lateinische Hexameter, und ich habe sie im Auftrag der Pückler-Gesellschaft metrisch übertragen.

Kaum weicht Winterluft neuer Wärme, erweitert die Erde
Ihren Schoß, und wo immer ihn die Keime durchbrechen,
Breitet sich über die Beete die große Fülle der Blumen,
Und, ein Verzückter, wirst du deines Gartens Werke bestaunen.

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Es frühlingt!

Und das wird man ja wohl noch zeigen dürfen!

Die Akelei, die so zart wirkt, so robust ist und sich ganz ohne gärtnerische Sorgfalt vermehrt,

Akelei

die Schachblume mit dem lustigen lateinischen Namen Fritillaria meleagris,

Schachblume

die Tulpe, hier ein dickes, sonniges Exemplar.

Tulpe

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Liebe, Freude und die katholische Kirche

Cum lætitia – mit Freude – habe ich das apostolische Schreiben Amoris lætitia (Die Freude der Liebe) gelesen. Es wurde ja schon Minuten nach seinem Erscheinen viel Unfug darüber geschrieben; ich habe es gründlich gelesen und keinen Unfug darin gefunden. Es enthält kein Wort, das nicht gut katholisch wäre – das belegen zahlreiche Zitate aus Schreiben früherer Päpste und aus dem Katechismus der Katholischen Kirche. Es ist eine Exhortatio – Ermunterung – im besten Sinne; Franziskus schreibt in klaren, erfrischenden Worten, worum es der Kirche Christi im Kern geht und immer gehen muss – nicht, worum es ihr nach Meinung modernistischer Schwafelhänse zu gehen hat. Im folgenden gebe ich wieder, was ich aus diesem Schreiben ziehe. Wer die 304 Seiten nicht lesen möchte, mag sich hier bedienen, aber zugleich bedenken, daß dieser Artikel meine ganz persönliche Kurzfassung der Exhortatio ist.

Der Heilige Vater äußert sich – wie seine Vorgänger, wie die Kirche von Anfang an – eindeutig zur Liebe in Ehe und Familie, zur Weitergabe des Lebens, zur Bewahrung des Menschenlebens in allen Phasen.

87. Die Kirche ist eine Familie aus Familien, die durch das Leben aller Hauskirchen ständig bereichert wird. …

Daß ich selbst als Sprößling einer atheistischen Familie und als alleinstehende alte Schachtel weder Mutter noch Tochter einer solchen Hauskirche sein darf, macht das päpstliche Schreiben nicht irrelevant für mich. Die Familien, die den Glauben pflegen, tun das für mich mit. Tatsächlich sind Kirche und Glaube gut für die Familie und sind Familien, in denen dies bekannt ist, gut für die Kirche und die Weitergabe des Glaubens. Gläubige Familien sind ein Gewinn für gläubige Alleinstehende. Daß ich mir dies klarmache, ist ein Effekt dieses Schreibens.

Das vierte Kapitel (dessen Lektüre ich hier besonders empfehle) legt das wunderbare Liebeslied des Paulus im ersten Brief an die Korinther aus. Kostprobe:

92. Langmut zu besitzen bedeutet nicht, uns ständig schlecht behandeln zu lassen oder physische Aggressionen hinzunehmen oder zuzulassen, dass man uns wie Objekte behandelt. Das Problem besteht, wenn wir verlangen, dass die Beziehungen himmlisch oder die Menschen vollkommen sind oder wenn wir uns in den Mittelpunkt stellen und erwarten, dass nur unser eigener Wille erfüllt wird. Dann macht uns alles ungeduldig, alles bringt uns dazu, aggressiv zu reagieren. Wenn wir die Langmut nicht pflegen, werden wir immer Ausreden haben für Antworten aus dem Zorn heraus, und schließlich werden wir uns in Menschen verwandeln, die nicht verstehen zusammenzuleben, die unsozial sind und unfähig, die eigenen Instinkte zurückzudrängen, und die Familie wird zu einem Schlachtfeld. Darum ermahnt uns das Wort Gottes: „Jede Art von Bitterkeit, Wut, Zorn, Geschrei und Lästerung und alles Böse verbannt aus eurer Mitte!“ (Eph 4,31). Diese Langmut festigt sich, wenn ich anerkenne, dass der andere genauso ein Recht hat, auf dieser Erde zu leben, gemeinsam mit mir und so wie er ist. Es ist nicht wichtig, ob er eine Störung für mich ist, ob er meine Pläne durchkreuzt, ob er mir lästig ist mit seinem Wesen oder mit seinen Ideen, wenn er nicht ganz das ist, was ich erwartete. Die Liebe hat immer ein tiefes Mitgefühl, das dazu führt, den anderen als Teil dieser Welt zu akzeptieren, auch wenn er anders handeln sollte, als ich es gerne hätte.

Auch wenn diese Schriftstelle in diesem Schreiben ausdrücklich auf die Familie bezogen ist, fühle ich mich als Teil der Kirche, also der christlichen Familie als Ganzes, angesprochen. Die folgenden Mahnungen, glaubensschwächeren Familienmitgliedern gegenüber niemals eingebildet zu sein, in der Familie keinen Tag im Streit enden zu lassen und gerne zu vergeben, nehme ich mir in diesem Sinne zu Herzen. Gleiches gilt für die Erläuterung des schwierigen Pauluswortes Die Liebe … glaubt alles, das weder religiösen Glauben noch Märchenglauben bedeutet, sondern das liebende Vertrauen, das den anderen nicht auf Schritt und Tritt kontrollieren muss.

In geradezu poetischer Sprache – und zugleich mit klarem Blick für die unausweichlichen menschlichen Schwierigkeiten – erläutert Franziskus das Sakrament der Ehe. Und natürlich bleibt er auch hier, allen Unkenrufen und Forderungen zum Trotz, ganz und gar katholisch. Unverbindliche Partnerschaften, die das unauflösliche Sakrament nicht wagen, nennt er egoistisch, opportunistisch und kleinlich [132] – und bestätigt damit meine Ansicht, daß katholisch das genaue Gegenteil von spießig ist.

In ein Schreiben, das sich in wesentlichen Teilen an christliche Eheleute und solche die es werden wollen, richtet, gehört auch eine Passage über Sexualität. Auch hier schreibt Franziskus nichts Neues, aber das Alte zum Teil in neuen Worten:

152. Wir dürfen also die erotische Dimension der Liebe keineswegs als ein geduldetes Übel oder als eine Last verstehen, die zum Wohl der Familie toleriert werden muss, sondern müssen sie als Geschenk Gottes betrachten, das die Begegnung der Eheleute verschönert. Da sie eine Leidenschaft ist, die durch die Liebe, welche die Würde des anderen verehrt, überhöht ist, gelangt sie dahin, eine „lautere schiere Bejahung“ zu sein, die uns das Wunderbare zeigt, zu dem das menschliche Herz fähig ist, und „für einen Augenblick ist […] das Dasein wohlgeraten“.

Auch wenn es hunderttausendfach behauptet wird: Die Kirche wertet die Sexualität nicht ab, sondern auf. Genaue Lektüre des entsprechenden Abschnittes und Studium der angegebenen Quellen hülfe, das zu begreifen – wenn Begreifen im Sinn der Kirchenbasher läge. Die katholische Ehemoral erscheint bei oberflächlicher Lektüre als Idyll. Aber sie ist eine Aufgabe, eine Herausforderung, und es geht um Annahme aller Schrullen, Schwierigkeiten, Verfehlungen, Behinderungen, sogar aller Unausstehlichkeiten in der erweiterten Familie – nicht um stille Hinnahme von Gewalt und anderen Sünden, sondern um liebende Annahme, wo immer es irgend möglich ist, um Bereitschaft zur Vergebung und um Hilfe, wo Teile der Familie scheitern. Hier ist neben guter pastoraler Ausbildung auch die Hilfe von Psychopädagogen, Familienärzten, Ärzten für Allgemeinmedizin, Sozialarbeitern, Kinder-, Jugend- und Familienanwälten Laienmitarbeiter für die Familienpastoral [204] gefragt.

Brautleuten legt der Heilige Vater besonders ans Herz, auf eine gründliche pastorale Ehevorbereitung nicht ein geld- und kräftezehrendes Riesenfest folgen zu lassen, sondern eine schlichte und schöne Feier, in deren Zentrum das Sakrament steht – nicht die Fête, die Liebe – nicht der Konsum. Angesichts der unsäglichen Angebote für bis ins Detail durchgeplante Hochzeitsfeiern mit utopischen Ansprüchen ist dieser Abschnitt nur allzu berechtigt. Tiefere, haltbarere Freude kann durch das gemeinsame Gebet füreinander wachsen.

Als künftige Trauzeugin lese ich die Aussagen des Heiligen Vaters über das, was eine gelingende Ehe bedingt und was eheliche Liebe ihrer Umgebung schenken kann, und kann sie verstehen und bejahen, auch wenn ich selbst die Erfahrung gelingender Partnerschaft nicht gemacht habe. Eine wahrhaft christliche Ehe bereichert eben auch die Alleinstehenden in ihrer Umgebung – weil Liebe strahlt. In den irgendwann auch zu erwartenden schwierigen Zeiten sehe ich meine Aufgabe, mit Gebet und Hilfsbereitschaft im Hintergrund zu stehen und gewissermaßen zurückzustrahlen.

Auch die mögliche Notwendigkeit einer Trennung von Tisch und Bett wird nicht verschwiegen. Die seelische Not Getrennter, Geschiedener und Verlassener macht intensive Pastoral nötig; damit einhergehende materielle Not erfordert besondere Solidarität, zumal sie die seelische Not oft verstärkt. Getrennten Ehepartnern, die nicht in neuer Partnerschaft leben, empfiehlt der Heilige Vater besonders den Trost der Eucharistie. Geschiedene in neuer Verbindung müssen deutlich spüren, daß sie nicht aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgestoßen sind:

243. … Diese Fürsorge bedeutet für das Leben der christlichen Gemeinschaft keine Schwächung ihres Glaubens und ihres Zeugnisses im Hinblick auf die Unauflöslichkeit der Ehe. Im Gegenteil, sie bringt gerade in dieser Fürsorge ihre Nächstenliebe zum Ausdruck.

Und – dürfen wiederverheiratete Geschiedene nun die Eucharistie empfangen oder nicht? Nein, dürfen sie nicht – denn darüber steht in dem Schreiben nichts Neues, und das heißt: es gilt das Alte. Gut so, denn es ist wahr und bewährt. Wer das schlimm findet, mag sich kundig machen – der Codex Iurix Canonici und andere relevante Schriften sind online, auch die eindeutige Aussage des Heiligen Vaters zu diesem Thema.

Der pastorale Umgang mit wiederverheirateten Geschiedenen muss jedoch von Barmherzigkeit geprägt sein und den Einzelfall beachten. Das heißt nicht, daß sie dann doch die Eucharistie empfangen dürfen – sondern daß seelsorgerlich auf ihre besondere Situation eingegangen wird und sie niemals aus der Kirche ausgesperrt werden. Es ist vielmehr Aufgabe der Kirche, Sündern (also allen) zu helfen, so gut wie möglich in der Gnade zu leben.

Die christliche Familie ist Zeichen der Liebe und Fülle Gottes, ist Ort der Heilung und Geborgenheit – trotz all ihrer Brüche und Makel, die sie natürlich auch hat. Sie lebt ihre besondere Spiritualität, indem sie zugleich Hauskirche und lebendige Zelle für die Verwandlung der Welt ist [324], und bei aller Liebe zu meinen atheistischen Eltern kann ich sagen: die christliche Familie steht meilenweit über dem, was ich als gute, liebevolle, wohlsituierte Familie erlebt und  kennengelernt habe. Eine Familie, in der nicht gebetet wird, in der nicht Jesus der erste Ansprechpartner ist, hat Löcher, die man nicht flicken kann.

Ich bin froh über die christlichen Familien, die auch mich mittragen – obwohl ich kein Familienmitglied bin -, einfach dadurch, daß sie Jesus lieben, einander lieben und diese Liebe ausstrahlen.

Als Glied der katholischen Kirche bin auch ich Familienmitglied einer sehr großen Familie und hoffe, dies wenigstens gelegentlich so zu sein, wie der Heilige Vater in Amoris lætitia empfiehlt.

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