Vier Todesfälle in Jerusalem

Matthäus 27,3-5

Als nun Judas, der ihn ausgeliefert hatte, sah, dass Jesus verurteilt war, reute ihn seine Tat. Er brachte den Hohepriestern und den Ältesten die dreißig Silberstücke zurück und sagte: „Ich habe gesündigt, ich habe unschuldiges Blut ausgeliefert.“ Sie antworteten: „Was geht das uns an? Das ist deine Sache.“ Da warf er die Silberstücke in den Tempel; dann ging er weg und erhängte sich.

Wenn ein katholischer oder orthodoxer  Christ eine Sünde bereut, kann er bei einem Priester beichten, und Gott vergibt die Sünde vollkommen – auch dann, wenn er seinen besten Freund ans Messer geliefert hat. Ein Priester,  der einem Beichtkind trotz ehrlicher und offenbar vollständiger Beichte die Absolution verweigert, ist ein Unding (ich weiß nicht,  ob so etwas je geschehen ist).

Nun ist Gottes Verzeihungsbereitschaft keine Erfindung des Christentums. Das Erste Testament ist voll von Worten über den gnädigen und barmherzigen Gott (z.B. Jesaja 1,18: Kommt doch, wir wollen miteinander rechten, spricht der Herr. Sind eure Sünden wie Scharlach, weiß wie Schnee werden sie. Sind sie rot wie Purpur, wie Wolle werden sie.) Die damals amtierenden Hohepriester und Ältesten wussten und ignorierten das. „Dein Problem! Geht uns nichts an!“ Der Selbstmord des Judas geht damit auch auf ihre Kappen.

Judas wird in Legende und Ikonographie als Höllenkandidat gesehen. Aber er bereute, er brachte das Geld zurück,  und er tat das zu einer Zeit,  als eine Rettung Jesu vor dem Foltertod vielleicht noch möglich gewesen wäre. – Ja, aber der Selbstmord! – Einerseits ist das eine schwere Sünde (von Selbstmord als Folge der Krankheit Depression spreche ich hier ausdrücklich nicht). Andererseits glaube ich aus den genannten Gründen,  dass Gott auch diese Sünde vergeben kann.  Tatsächlich wissen wir, dass die Heiligen bei Gott sind, aber wer in der Hölle ist,  wissen wir nicht. Ich würde mich freuen,  in der ewigen Seligkeit auch Judas zu umarmen.

Drei Kreuzigungen sind für diesen Tag verbürgt. Markus und Matthäus sprechen von zwei neben Jesus gekreuzigten Räubern, die in den Hohn der Schaulustigen über Ihn einstimmen. Johannes erwähnt die beiden nur als „zwei andere“. Bei Lukas 23,39-43 sind die beiden grundverschieden dargestellt:

Einer der Verbrecher, die neben Ihm hingen, verhöhnte Ihn: „Bist Du denn nicht der Christus? Dann rette Dich selbst und auch uns!“ Der andere aber wies ihn zurecht und sagte: „Nicht einmal du fürchtest Gott? Dich hat doch das gleiche Urteil getroffen. Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“ Dann sagte er: „Jesus, denk an mich, wenn Du in Dein Reich kommst!“ Jesus antwortete ihm: „Amen, ich sage dir: Heute noch wirst du mit Mir im Paradies sein.

Das muss kein Widerspruch sein. Ein Umschwung, eine plötzliche Erkenntnis  ist immer möglich,  besonders in Extremsituationen. Zahlreiche Konversionen geben davon Zeugnis. Jedenfalls war der erste Mensch,  dem die Auferstehung zum Leben von höchster Autorität zugesagt wurde,  ein Krimineller. Das gibt wirklich allen Hoffnung.

Von dem anderen Räuber heißt es nur,  dass er Jesus verspottet hat. Traditionell gilt er deshalb als Höllenkandidat.  Und wiederum: Das wissen wir nicht! Auch er kann im letzten Augenblick eine innere Umkehr vollzogen haben. Dass die nicht verbürgt ist,  heißt nichts. Denn das hörbare Sprechen ist schwer, wenn man kaum noch Luft bekommt.

Jesus,  der Messias,  dessen Tod Christen heute feiern,  weil sie an Seine Auferstehung glauben, ist der Grund,  warum heute auch an einen Verräter und zwei Räuber gedacht wird. Durch Ihn bekommt jeder immer wieder eine neue Chance. Ergreifen muss man diese Chance allerdings selber – und sei es durch ein einfaches „Herr, es tut mir leid, verzeih mir“.

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Der längste Tag fängt abends an

Heute abend beginnt das Triduum Paschale – die Feier, die sich vom Gründonnerstag abends bis zum Ostersonntag morgens erstreckt. In der katholischen Kirche endet der Gottesdienst am Gründonnerstag – an dem wir die Einsetzung der Eucharistie und die Weihe und Sendung der Apostel als Priester feiern – anders als andere Messen, es ist ein offenes Ende ohne Sendung der Gemeinde. Der Karfreitag ist dann die Fortsetzung dieser Liturgie, am Karsamstag (der Grabesruhe Christi) schweigt die Kirche den Tag über und am Abend beginnt die Osternacht – wiederum als Fortsetzung dieser großen Feier. In der Osternacht und am Ostermorgen werden wir jubeln über den großen Sieg, den Christus errungen hat.

Dieser „lange Tag“ ist emotional anstrengend und zugleich wundervoll, und ich freue mich jedes Jahr besonders auf ihn. Heute abend wird die Orgel verstummen, morgen werde ich in der Karfreitagsliturgie singen. (Ein wenig Lampenfieber habe ich auch.)

Gründonnerstag
Melodie: GL 145

Beim letzten Paschamahle saß Jesus mit den Seinen,
und Seine Worte scheinen in unsre Welt als Licht,
Vermächtnis, Trost und Mahnung: So ist der Herr zugegen
auf allen Erdenwegen, das Wort verlässt uns nicht.

Er mahnte Seine Jünger: Wohl besser nie geboren,
als ganz und gar verloren und niemals mehr Ihm nah!
Doch wer bei Ihm will bleiben, wer Ihn noch liebt im Sterben,
der wird Sein Reich auch erben, dem sagt Er: Ich bin da.

Er machte sich zum Diener, dass wir einander dienen,
Er ist als Licht erschienen, dass jeder leuchten kann.
Er gab uns Seine Weisung als Prüfstein für das Handeln.
Wer so sich lässt verwandeln, wird frei von finstrem Bann.

Dann sprach Er Seinen Segen, den Dank für Gottes Güte,
für dieser Erde Blüte, und Dank für Brot und Wein.
„Mein Leib, für euch gegeben! Mein Blut, für euch vergossen!”
Wer dieses Mahl genossen, den lädt Er zu sich ein.

In Ihm ist Gott verherrlicht! Wir singen Seine Ehre,
doch wären wir wie Meere voll stetem Jubelklang,
und leuchteten wie Sonnen, und wie die Adler flögen,
genug wär kein Vermögen zu würdigem Gesang.

© Claudia Sperlich

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Kargedanken

Exodus 21,28-32 bestimmt die Haftung bei tödlichen Unfällen durch Nutztiere (hier: Rinder; ich vermute, dass die Rechtspraxis für entsprechende Unfälle mit anderen Nutz- bzw. Haustieren Vergleichbares vorsah.

Wenn ein Rind einen Mann oder eine Frau so stößt, dass der Betreffende stirbt, dann muss man das Rind steinigen und sein Fleisch darf man nicht essen; der Eigentümer des Rinds aber bleibt straffrei. Hat das Rind aber schon früher gestoßen und hat der Eigentümer, obwohl man ihn darauf aufmerksam gemacht hat, auf das Tier nicht aufgepasst, sodass es einen Mann oder eine Frau getötet hat, dann soll man das Rind steinigen und auch sein Eigentümer muss sterben. Will man ihm stattdessen eine Sühneleistung auferlegen, soll er als Lösegeld für sein Leben so viel geben, wie man von ihm fordert. Stößt das Rind einen Sohn oder eine Tochter, verfahre man nach dem gleichen Recht. Stößt das Rind einen Sklaven oder eine Sklavin, soll der Eigentümer dem Herrn dreißig Silberschekel zahlen; das Rind aber soll gesteinigt werden.

Dreißig Silberschekel, also etwa 168 Gramm Silber, waren der Preis für einen fahrlässig getöteten Sklaven. Für diesen Preis wurde der Gottesknecht Jesus verraten. In der Spätantike war es genug für ein landwirtschaftlich unattraktives Gelände von knapp 200 Quadratmetern (vgl. Mt. 27,6-8; Apg. 1,18f). Wahrlich kein gutes Geschäft!

Wer glaubt,  Jesus Christus abschaffen zu können oder gar zu müssen  – wie zahlreiche moderne Atheisten  – benimmt sich wie ein gereizter Ochse. Aus christlicher Sicht ist das allerdings kein Grund zur Steinigung, sondern zum fürbittenden Gebet.

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Magnolia soulangeana

Sie steht auf dem Schillerplatz in Friedenau und hat nichts zu tun als schön zu sein. Das ist sie aber auch meisterlich!

Sie gehört zu den meistphotographierten Bäumen Berlins,  und oft entspinnen sich nette Plaudereien zwischen den Photographen oder den einfach Staunenden. Sie hat hier zwar keinen ökologischen Nutzen,  aber umso mehr sozialen Nutzen, einfach weil sie herumsteht und schön ist.

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Frühlingsansichten

Hier einige Photos der letzten Tage.

Zunächst einige schon einige Wochen alte, fast Übersehenes: Das erste Eichhörnchenbild ohne störende Glasscheibe dazwischen, im Gegenlicht! Außerdem zwei Krähen auf einem Baum.

Blick in den Vorgarten.

Und zuletzt noch: die belebten Steine der Heilig-Kreuz-Kirche in Wilmersdorf! Die lebendigen Steine in der Kirche verstehen sich von selbst.

Gesegnete Karwoche allen!

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Grüne Zweige

Nun hängen die gesegneten Zweige frisch und grün glänzend in meiner Stube. In einem Jahr werden sie eine hellbraune oder beige Farbe annehmen und dann verbrannt werden. Mit der Asche wird den Gläubigen am nächsten Aschermittwoch ein Kreuz auf die Stirn gezeichnet.

Dies frische Grün ist das Hoffnungszeichen der Heiligen Woche. Der „Palmbuschen“ bleibt als Zeichen da, auch wenn er welkt. Ich möchte voll Hoffnung bleiben,  auch wenn ich vielleicht steinalt werde.

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Palmsonntag

Melodie: GL499 (

Lasst uns mit frischen Zweigen
dem Herrn entgegengeh’n,
in Ehrfurcht uns verneigen,
voll Liebe auf Ihn seh’n.
Der Gutes tat und lehrte,
der Wasser macht zu Wein,
der selbst dem Satan wehrte,
zieht nun als König ein!

Verdorrt sind bald die Zweige
in dieser Leidenszeit.
Doch niemals geht zur Neige,
was uns im Herzen schreit:
Bleib in den dunklen Stunden
bei uns mit Deinem Licht,
die Sünder lass gesunden,
sei gnädig im Gericht!

Durch Nöte und Beschwerden
lass Du uns sicher geh’n.
Im Himmel und auf Erden
Dein Wille soll geschehn.
Wenn wir einst vor Dir stehen,
ob jung, ob lebenssatt,
dann lass mit Dir uns gehen
in Deine goldne Stadt.

Nun wollen wir Dir singen:
Hosanna Davidssohn!
Du endest unser Ringen,
Du bist der höchste Lohn,
Nur Du kannst Liebe geben
in Zeit und Ewigkeit!
Ich leg vor Dich mein Leben,
mein Herr, ich bin bereit.

© Claudia Sperlich

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In neun Monaten ist Weihnachten!

Das feiert die Kirche heute.

Empfängnis

Mein Herr und Heiland,  in die Welt gekommen,
Noch in Marias Leib und nicht erkennbar,
Der Ungeschaffne vom Geschöpf nicht trennbar,
Ihr selbst bewusst,  doch noch nicht wahrgenommen!

Und Dir noch unbewusst das eigne Sein,
Ganz Mensch und doch sich selbst ganz unbekannt,
Ganz Gott und allen Menschen zugewandt,
Vollkommnes Menschenkind, noch zellenklein!

So winzig klein ist jeder Mensch gewesen,
So groß an Liebe nie ein Mensch geworden
Wie Du, der Herrscher aller Ewigkeit.

Du Menschenopfer, von Dir selbst erlesen,
Für dieser Menschheit Hochmut, Trug und Morden:
Zu diesem Opfer war nur Gott bereit.

©

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Hörnchen von hinten

Selbst in der Rückansicht ist es niedlich und hübsch!

Übrigens sitzt es da nicht sinnend oder meditierend, sondern – wie üblich – eine Nuss essen. Zwei Sekunden später war es schon wieder woanders.

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Gerechtigkeit und Gnade

Johannes 8,1-11

In jener Zeit ging Jesus zum Ölberg. Am frühen Morgen begab Er sich wieder in den Tempel. Alles Volk kam zu Ihm. Er setzte sich und lehrte es. Da brachten die Schriftgelehrten und die Pharisäer eine Frau, die beim Ehebruch ertappt worden war. Sie stellten sie in die Mitte und sagten zu Ihm: Meister, diese Frau wurde beim Ehebruch auf frischer Tat ertappt. Mose hat uns im Gesetz vorgeschrieben, solche Frauen zu steinigen. Was sagst Du? Mit diesen Worten wollten sie Ihn auf die Probe stellen, um einen Grund zu haben, Ihn anzuklagen. Jesus aber bückte sich und schrieb mit dem Finger auf die Erde. Als sie hartnäckig weiterfragten, richtete Er sich auf und sagte zu ihnen: Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie. Und Er bückte sich wieder und schrieb auf die Erde. Als sie das gehört hatten, ging einer nach dem anderen fort, zuerst die Ältesten. Jesus blieb allein zurück mit der Frau, die noch in der Mitte stand. Er richtete sich auf und sagte zu ihr: Frau, wo sind sie geblieben? Hat dich keiner verurteilt? Sie antwortete: Keiner, Herr. Da sagte Jesus zu ihr: Auch Ich verurteile dich nicht. Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Die Szene ist dramatisch. Die ertappte Frau wird Jesus vorgeführt – man mag sich vorstellen, wie es ihr dabei geht. Sie ist voll Angst,  sie weiß ja, was ihr dem Gesetz nach blüht. Vermutlich erwartet sie, dass Jesus sich ihr streng zuwendet.

Der Herr scheint zunächst geradezu gleichgültig. Er hockt sich hin und schreibt mit dem Finger irgendetwas in den Staub, würdigt die Ankläger keiner Antwort.

Erst auf hartnäckiges Fragen antwortet Er mit einer Autorität,  der sich auch die Schriftgelehrten und Pharisäer nicht entziehen können.

Wer von euch ohne Sünde ist, werfe als Erster einen Stein auf sie.

Das trifft die frommen Leute – ja, fromm waren sie schon und wollten im Grunde Gottes Recht durchsetzen, hatten über ihrem Eifer aber Gottes Liebe und Gnade vergessen. Jetzt werden sie daran erinnert, die mit der größten Lebenserfahrung zuerst: Ich bin ja selber nicht ohne Sünde! Und manch einer mag denken: Warum haben wir eigentlich nicht den Geliebten dieser Frau festgenommen, für den das Gesetzdoch die gleiche Strafe vorschreibt? Könnte es sein, weil wir Männer sind?

Jedenfalls erinnert sich plötzlich jeder seiner eigenen Erlösungsbedürftigkeit. Und alle gehen weg, peinlich berührt von den Worten des Mannes, den sie eben noch aufs Glatteis führen wollten.

Jesus lässt die Frau frei mit einer einzigen Zusage: Auch Ich verurteile dich nicht – und einer einzigen Weisung: Geh und sündige von jetzt an nicht mehr!

Er weiß, wie schwer das dieser Frau fallen wird. Ihr Ruf ist zerstört,  wahrscheinlich auch ihre Ehe. Er mutet uns zu, zeitliche Folgen der Sünde teilweise auch zu tragen. Aber Er will nicht,  dass wir an der Sünde sterben,  und schon gar nicht,  dass wir in Sünde sterben und ewig verloren gehen.

Jesus will unser Leben, für immer und ewig. Um unsere Sünden in den Staub zu schreiben, wird Er sich opfern.

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