Katharina von Alexandrien

Sie war Tochter heidnischer Eltern,  wurde von einem Einsiedler zu Christentum bekehrt. Sie überzeugte zahlreiche Philosophen vom Christentum. Sie wurde ohne Nahrung in ein Verlies gesperrt und dort auf wunderbare Weise am Leben gehalten.  Ihre Hinrichtung funktionierte erst im zweiten Anlauf.  Sie blieb bis zuletzt freundlich und gefasst, ja heiter.

Moderne Forschung behauptet: Die im 3. oder 4. Jahrhundert ermordete hochgebildete Christin Katharina gab es gar nicht, sie ist eigentlich eine legendäre Antwort auf die von einem christlichen Mob ermordete Philosophin Hypatia.

Die Argumentation „Katharina ist eigentlich Hypatia mit vertauschten Rollen“ beruht auf der Überzeugung,  dass alles an der Katharinenlegende unwahrscheinlich ist.

sed contra:

Jede Legende ist „unwahrscheinlich“; alltägliche Ereignisse eignen sich nicht zur Legende. Aber unwahrscheinlich heißt nicht unmöglich (fragen Sie einen atheistischen Statistiker, wenn Sie mir nicht glauben). Auch werden Legenden meist im Laufe der Zeit ausgeschmückt. Da werden Wunder vergrößert oder dazugetan,  die Zahl der Bekehrten übertrieben usw. Das ändert nichts an der ursprünglichen tatsächlichen Wundertätigkeit und nichts an tatsächlichen Bekehrungen.
Es ist untergegangen,  unter welchem von drei kurz aufeinander folgenden brutalen Christenverfolgern Katharina ermordet wurde, Maxentius, Maximinius oder Maximinian. Das ist nun wirklich verständlich. Man benutzte Kürzel, die Zeit war im Grunde die gleiche, und an Christenhass nahmen sie sich auch nicht viel.

Und die Wunder,  die Katharina erlebte? Nun, warum soll eine Frau nicht auf irgendwie wunderbare Weise länger überleben,  als man angenommen hätte? Bei dem heiligen Maximilian Kolbe (hier mal ein Guter mit ähnlich klingendem Namen,  bitte nicht verwechseln) spricht unsere staubtrockene Zeit vor seinem Tod nicht von einem Wunder, aber dass er länger im Hungerbunker überlebte als physiologisch eigentlich möglich, ist erwiesen. Auch, dass er dabei keine irdische Hilfe hatte. Bleibt nur göttliche Hilfe.  Und genau die schreibt die Legende der heiligen Katharina in ihrem Hungerbunker zu.

Die Gleichsetzung mit Hypatia heißt: 1. Die Christen sind so! Erst eine Heidin umbringen,  dann eine Märtyrin erfinden mit gleichen Merkmalen! 2. Hypatia war eine außergewöhnlich gebildete Frau in einem Umfeld,  das Frauen eher keine Bildung zugestand. Katharina – außergewöhnlich gebildet in einem Umfeld,  das Frauen eher keine Bildung zugestand – kann es nicht gegeben haben. 3. Hypatia starb durch die Schandtat einer Gruppe von Christen.  Das ist erwiesen.  Katharina starb durch das grausame Urteil eines Heiden.  Das kann ja gar nicht sein. Das gab’s ja nie und nimmer.

Seit dem 8. Jahrhundert wird Katharina verehrt. Es gibt Reliquien. Nun wäre es möglich,  dass bei der Verehrung die Geschichten verschiedener Frauen,  die als Christinnen zu Tode gebracht wurden,  ineinanderfließen. Damit hätte ich nicht das geringste Problem. Es ist leider sicher, dass weit mehr als nur ein paar Frauen im 3. und 4. Jh. auf widerliche Art ermordet wurden, weil sie Christus nachfolgten und weil sie Frauen waren. Das Martyrium von Christinnen ist sehr oft auch sexualisiert. „Heirate einen Heiden oder stirb.“ Und auch,  dass unter diesen Christinnen überdurchschnittlich Gebildete waren, ist nicht unwahrscheinlich. Das Christentum breitete sich zunächst in Großstädten aus.

Ehrliche Forschung ist wichtig und gut. Aber die „moderne Forschung“,  die im Falle Katharina von Wikipedia und leider auch vom Ökumenischen Heiligenlexikon bemüht wird, scheint mir weniger modern als kulturkämpferisch.

Mit dem Argument „Es gibt keine zeitgenössische Quelle,  also hat es die Frau nicht gegeben“ lässt sich knapp die Hälfte der spätantiken Menschheit ausradieren. Das ist mir zu billig, um Forschung genannt zu werden.

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Unsere Liebe Frau vom Sonnenblumenfeld

Heute nachmittag war in der Kapelle des St-Gertrauden-Krankenhauses wieder einmal die Praystation statt mit Lobpreis, Gebeten, Segnung und Evangelienauslegung – diesmal mit wenig Teilnehmern, nicht weniger schön!

Aus irgendeinem Grund wurde diesmal keine Bildwand aufgestellt, der Projektor warf Hintergrundbilder und Liedtexte direkt an die Wand. Das führte zu einem sehr schönen Effekt: die Marienstatue stand unter wechselnden Landschaften, zuerst unter Sonnenblumen. Und da sie ja die „wahre Sonne“ auf dem Arm trägt, passte das sehr gut.

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Christkönig

Melodie: Großer Gott, wir loben Dich

König über Welt und Zeit,
Christus, lass uns vor Dir knien!
Mach zum Dienen uns bereit!
Der uns Zeit und Welt geliehen,
Lehr uns lieben, lehr uns seh’n,
Lass uns fest im Glauben steh’n.

Dir gehört das Himmelreich,
Du hältst uns den Himmel offen,
Du machst Herzen froh und weich,
Lässt uns lieben, glauben, hoffen.
Du bist Wort und Brot und Wein,
Heilst und lädst uns täglich ein.

Du bist allen Lebens Kraft,
Zeigst den Weg und schenkst das Leben,
Gibst dem dürren Reise Saft,
Hast uns Geist und Sinn gegeben.
König über Zeit und Welt,
Hilf uns tun, was Dir gefällt!

Auf des Bundesbogens Thron
Sitzt Du zu des Vaters Rechten,
Sieger über Satans Hohn,
Überwinder alles Schlechten.
König über Welt und Zeit,
Dein ist alle Herrlichkeit!

© Claudia Sperlich

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Endlich

Ungeschaffen, doch geboren,
Mensch und Gott und Wunderwirker,
tot, bestattet,  auferstanden,
Du wirst endlich wiederkommen,
und die ganze Welt wird heil.

© Claudia Sperlich

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Wintertag

Für mich ein wundervoller Tagesbeginn! Das bereifte Laub sieht zauberhaft aus.

Jean Richepin (1849-1926)
Erster Frost
Zyklus: Bettlerlieder

Seht, da kommt der Winter, Mörder armer Leute.

Wie einem harten Herrn die Büttel vorausgehn,
so laufen vor ihm her durch die Straßen der Frost
mit weißen Fingern und der mürrische Nordwind.

Die Bengel fliehn, man hört ihren Atem keuchen,
sie kleben ihre Hände an den Mund, klopfen
die trockne Erde kräftig mit ihren Füßen.
Der Hund schießt wie ein Blitz vorbei und wittert nichts.
Die Herrn, unter den Hüten zugeknöpft und steif,
buckeln und tauchen die Nase in den Kragen.
Die Frauen halten, wie Traber im vollen Lauf,
den Hals nach vorne, rückwärts die Ellenbogen,
das Kreuz hohl. Ihr Schritt lässt in flotter Bewegung
die Tournüren auf dem Hintern Wellen schlagen.

Oh wie schön, wie wunderschön ist der erste Frost!
Wenn die Kälte von außen an die Scheibe schlägt,
funkelt diese innen von zarten Kristallen
und schillert unter dem perlmuttenen Glimmer
wie von gezeichneten Blumen und Akanthen.
Die Bäume kleiden sich in knisternde Seide,
blass und fein wie altes Silber ist der Himmel.

Seht, da kommt der Winter, Mörder armer Leute.

Seht, da kommt der Winter im Mantel aus Eis.
Platz da! der König kommt und brüllt, Platz da, Platz da!
Nordwind schlägt dem Bengel, daß er läuft, die Knute
hart auf die Waden. Der Wind stopft hundert Nadeln
den zugeknöpften Herren in den Kragen.
Der Hund trägt hinten am Rücken eine Stange,
und die Frauen fühlen freche kleine Finger
tückisch unter ihre letzten Röcke kriechen,
klemmen die Knie zusammen, das schließt die Schenkel.
Die Häuser qualmen zum Himmel wie die Schweizer.

An heitre Herde setzen sich die Herrn mit Hut;
die Wärme wird ihnen die Haut entspannen.
Die Frauen raffen ihre Röcke wadenhoch,
schützen die Haut vor den flammenden Scheiten,
strecken die langen Hände mit Rosenfingern
zu ihrem zärtlichen Liebsten, der sie weichküsst.
Auf Glückliche wartet ein schön warmes Zimmer!
Doch der laufende Bengel, der alte streunende Hund,
die Armen, Kleinen, die vielen Bedürftigen…

Seht, da kommt der Winter, Mörder armer Leute.

© der Übertragung: Claudia Sperlich

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Blindes Vertrauen

Lk 18,35-43

Als Jesus in die Nähe von Jericho kam, saß ein Blinder an der Straße und bettelte. Er hörte, dass viele Menschen vorbeigingen, und fragte: Was hat das zu bedeuten? Man berichtete ihm: Jesus von Nazaret geht vorüber. Da rief er: Jesus, Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Die Leute, die vorausgingen, befahlen ihm zu schweigen. Er aber schrie noch viel lauter: Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Jesus blieb stehen und ließ ihn zu sich herführen. Als der Mann vor Ihm stand, fragte ihn Jesus: Was willst du, dass ich dir tue? Er antwortete: Herr, ich möchte sehen können.

Da sagte Jesus zu ihm: Sei sehend! Dein Glaube hat dich gerettet.

Im selben Augenblick konnte er sehen.
Da pries er Gott und folgte Jesus nach.
Und das ganze Volk, das dies gesehen hatte, lobte Gott.

***

Alle wollen den Meister sehen und hören. Die Menge drängt sich,  Bewunderer,  Kritiker und Neugierige – und der Blinde nimmt das wahr und fragt: Was ist los?

Wahrscheinlich bekommt der Blinde mehr als eine Antwort.  Der gute Rabbi aus Nazaret! Der Spinner aus Nazaret! Der Mann, der meinen Bruder geheilt hat! Jesus, Er soll angeblich der Messias sein! Ist Er! Ach Quatsch!

Der Blinde hat natürlich auch von Jesus gehört – alle Welt spricht ja von Ihm. Er hofft von ganzem Herzen,  dass dieser Mann wirklich der ersehnte Messias ist. Und weil er nicht so einfach aufspringen und hinlaufen kann – als Blinder hat er es schwer, sich durch eine Menschenmenge den Weg zu bahnen – schreit er, was er so hofft: Jesus,  Sohn Davids, hab Erbarmen mit mir!

Sohn Davids ist ein messianischer Titel. Und jetzt werden viele wirklich grantig. Da will ein blinder Bettler höhere Theologie treiben, beurteilen, ob dieser Rabbi ohne Ausbildung der Messias sein kann,  das geht ja nun gar nicht. Man will ihm den Mund verbieten.

Aber der Mann schreit noch lauter. Jesus,  Erbarmen! Und Jesus übergeht wieder einmal die öffentliche Meinung, fordert den Blinden auf, zu Ihm zu kommen,  fordert andere auf, ihm dabei zu helfen.

Und dann diese seltsame Frage. Der Blinde steht vor Ihm, aufgeregt, etwas ängstlich,  erwartungsvoll, und Jesus fragt ihn, was Er denn tun soll. Ist das nicht klar? Aber Jesus will von dem Blinden selbst hören, was er will.

Herr, ich möchte sehen können. – Und Jesus sagt einfach: Sei sehend!, und schon sieht der Mann Ihn. Dein Glaube hat dich gerettet, fügt Jesus an. Wie jetzt, hat Jesus etwa kein Wunder vollbracht? Kann ein Blinder einfach sehend werden, wenn er nur fest daran glaubt? Manche Esoteriker nehmen das an. Aber natürlich hat Jesus ein Wunder gewirkt, natürlich wäre der Blinde ohne Ihn noch immer blind. Der Glaube des Blinden war aber notwendig dazu. Ohne Glauben hätte der Blinde nicht nach Jesus gerufen, Ihn nicht um Erbarmen angefleht. Ohne Glauben wäre er still sitzen geblieben und hätte gewartet, bis die Menge sich soweit zerstreut hätte, dass er wieder in Ruhe betteln konnte.

Warten wir nicht stumm auf Gottes Hilfe.  Sagen wir Ihm, was wir wollen. Und lassen wir uns von keiner Menschenmenge den Mund verbieten. Wenn das, worum wir Gott bitten,  in diesem Moment das Beste für uns ist, wird Er es uns geben. Wenn nicht,  gibt Er es uns später, oder Er gibt uns etwas Besseres.

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Lebensschutz darf nicht sentimental sein!

Mal angenommen,  Ihr findet eine hilflose Person auf. Erste Hilfe ist unbedingt vonnöten.  Richtet Ihr Euch dann danach, wie hübsch oder niedlich oder liebenswert die Person ist? Ich hoffe das nicht.

Genauso wenig darf es beim Schutz der Schwächsten – der Ungeborenen, der Behinderten, der Kranken, der Alten – um Sympathie oder Niedlichkeit gehen.

Das wird auch den zu Schützenden nicht gerecht,  selbst wenn sie niedlich und sympathisch sind. Ein Kind mit Downsyndrom ist auch in Trotzphase mit Rotznase unbedingt schützenswert. Menschen mit ganz und gar nicht hübschen und niedlichen Körpern haben genau dieselbe immanente unzerstörbare Menschenwürde und das damit zusammenhängende Lebensrecht wie die Niedlichen und Lieben.

Immer wieder wird mit herzigen Bildern von Down-Syndrom-Kindern gesagt, wie liebevoll und wunderbar diese Menschen sind, und dass sie uns helfen, versöhnlich und liebevoll miteinander umzugehen,  dass wir von ihnen das Verzeihen lernen können usw. Das ist gut gemeint,  schlecht getan.

Mit solchen lieben Artikelchen werden Behinderte verzweckt. „Liebt sie, denn sie machen die Welt besser“ heißt im Grunde: Wenn sie die Welt nicht deutlich besser machen würden, müsste man sie nicht lieben.

Es wird in diesen Artikeln auch verschwiegen, mit welchen Problemen Down-Syndrom-Menschen zu kämpfen haben. Herzfehler, Darmverschluss, kognitive Schwierigkeiten, geringe Lebenserwartung gehören zu den häufigeren Symptomen.

Einige Symptome kann man gut behandeln. Und natürlich können schwere Symptome auftreten, müssen aber nicht. Es gibt milde Formen der Trisomie, die ihre Träger an gar nichts hindern, und schwere, deren Träger niemals selbstständig leben können – und alles dazwischen.  Und natürlich ist jeder einzelne Mensch,  ob mit oder ohne Trisomie, mit Lebensrecht und Menschenwürde begabt.

Es ist und bleibt wichtig,  auf die unbedingte Würde und das unbedingte Lebensrecht jedes Menschen hinzuweisen.  Es ist aber meiner Ansicht nach nicht nur falsch, sondern irreführend,  wenn man hierzu ausschließlich auf die Gefühlsebene abzielt. Ein Mensch ist nicht lebenswert, weil er lieb und süß ist,  sondern weil er Mensch ist. Und Schwangeren, die ein Trisomiekind erwarten, ist durch ein bonbonrosa „Alles wird wundervoll“ nicht geholfen, vielmehr durch Aufklärung und Zeigen aller möglichen Hilfsangebote.

Dass man dabei trotzdem auch mit Freude und einem Stück Sentimentalität auf ein niedliches Baby gucken kann und soll, ist klar. Aber es darf niemals bei dem geführten Blick bleiben. Lebensschutz beinhaltet auch den sachlichen Blick des Arztes. Und wenn das Kind nicht Trisomie hat, sondern eine schwer entstellende Behinderung oder Krankheit, wenn „oh wie süß“ keinem über die Lippen geht, mindert das seinen Wert nicht im Geringsten.

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Martinshörnchen

Das Martinshorn hört man oft in Berlin. Weniger bekannt ist das Martinshörnchen, das nur zweimal jährlich,  zu Allerheiligen und am Martinstag, auf meinen Balkon kommt.

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Sankt Martin

Zu diesem so volkstümlichen Fest eines heiligen Asketen hole ich zwei Gedichte wieder vor.

Martin von Tours
Melodie: Großer Gott, wir loben dich

Martin mußte lange Zeit
Als Soldat des Kaisers leben.
Waffen und Soldatenkleid
Trug er nur mit Widerstreben,
Wollte, statt im Heer zu stehn,
Jesu Friedenswege gehn.

Als er um den Abschied bat,
Ließ der Kaiser ihn nicht ziehen,
Sprach von Feigheit und Verrat.
Martin sprach: „Ich will nicht fliehen,
Doch auch Blut vergießen nicht:
Christus ist mein Friedenslicht.“

„Ohne Waffen laß mich gehn,
Ohne Furcht vor Kriegsgefahren.
Wehrlos will vorm Feind ich stehn,
Jesu Kreuz wird mich bewahren.
Jesus ist mein guter Hirt,
Der den Frieden schaffen wird.“

Bischof Martin folgte Gott,
Tat und lehrte Sein Erbarmen,
Teilte gerne in der Not
Brot und Wissen mit den Armen.
Eigne Not galt ihm gering,
Bis sein Weg zu Ende ging.

„Herr, es ist ein harter Streit,
Deinen Dienst zu tun im Leben.
Und ich kämpfte lange Zeit!
Willst Du mir nun Abschied geben,
Ruh ich gern, doch auf Dein Wort
Führ ich Deine Sache fort.“

Martins tapfrer Lebenslauf
Ist im Frieden ausgeklungen.
Gott nahm Seinen Diener auf,
Engel haben ihm gesungen,
Trugen ihn nach Leid und Streit
In die lichte Ewigkeit.

© Claudia Sperlich

Und wenn es mal wieder nicht wirklich was mit Martin und dem Christentum zu tun hatte:

Ach Martin

Martin, ach, Laternenlicht
wär dir wohl noch recht geworden,
auch die lauten Kinderhorden,
aber Heidentum doch nicht!

Nur Kostümfest und Geschrei,
Glühwein dann und Würstchenessen,
kannste als Asket vergessen,
wärste eh nicht gern dabei!

Martin, trotz der Feierei
ohne Glaubensgrund und Wissen
wollen wir dich doch nicht missen –
steh uns armen Toren bei!

Bitt für uns mit frommem Sinn,
Gott woll uns den Tand vergeben!
Lass die armen Gänse leben,
den Klamauk nimm freundlich hin,

hilf, die Großen wachzurütteln,
bis sie sich zu Gott gewandt,
nimm die Kleinen bei der Hand!
Sonst ist dieses Fest zum Schütteln.

© Claudia Sperlich

Beide Gedichte aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte. tredition 2015

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Friedrich Schiller gratuliert

Er wird heute 266 Jahre alt, und ich habe nichts für ihn. Aber er hat das entzückendste aller Geburtstagsgedichte geschrieben.

Zum Geburtstage der Frau Griesbach
In Karlchen Schillers Namen

Mach auf, Frau Griesbach! Ich bin da
Und klopf‘ an deine Türe.
Mich schickt Papa und die Mama,
Daß ich dir gratuliere.

Ich bringe nichts als ein Gedicht
Zu deines Tages Feier,
Denn alles, wie die Mutter spricht,
Ist so entsetzlich teuer.

Sag selbst, was ich dir wünschen soll,
Ich weiß nichts zu erdenken.
Du hast ja Küch‘ und Keller voll,
Nichts fehlt in deinen Schränken.

Es wachsen dir fast auf den Tisch
Die Spargeln und die Schoten,
Die Stachelbeeren blühen frisch
Und so die Renekloden.

Bei Stachelbeeren fällt mir ein:
Die schmecken gar zu süße,
Und wenn sie werden zeitig sein,
So sorge, daß ich’s wisse.

Viel fette Schweine mästest du
Und gibst den Hühnern Futter.
Die Kuh im Stalle ruft muh, muh!
Und gibt dir Milch und Butter.

Es haben alle dich so gern,
Die Alten und die Jungen,
Und deinem lieben, braven Herrn
Ist alles wohl gelungen.

Du bist wohlauf, Gott Lob und Dank!
Mußt’s auch fein immer bleiben;
Du, höre, werde ja nicht krank,
Daß sie dir nichts verschreiben.

Nun lebe wohl! ich sag Ade.
Gelt, ich war heut bescheiden?
Doch könntest du mir, eh ich geh
’ne Butterbemme schneiden.

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