Gestern Abend wurden auf einem Weihnachtsmarkt in Magdeburg über siebzig Menschen Opfer eines Terroristen, der mit dem Auto ungebremst durch die Menge fuhr. Ein Erwachsener und ein Kleinkind starben. Von den zahlreichen Verletzten sind fünfzehn schwerverletzt, es wird möglicherweise noch mehr Tote geben. [edit: Inzwischen ist von fünf Toten und etwa 200 Verletzten die Rede.]
Der Täter: 50 Jahre alt, stammt aus Saudi-Arabien, lebt seit 2006 in Deutschland, hat unbefristete Aufenthaltsgenehmigung.
Aaaah, natürlich, so einer…
Nein, eben nicht.
Der Täter: Facharzt der Psychiatrie, extremer Islamkritiker, wirbt für die AfD, zitiert Alice Weidel affirmativ.
Es ist egal, welchem Extremismus man anhängt – am Ende müssen Unschuldige dran glauben.
Ich rief gestern Abend auf Facebook zum Gebet auf. Eine Frau kommentierte:
Hilft nicht. Hat nicht geholfen, den Anschlag zu verhindern. Wird auch nicht helfen, weitere zu verhindern.
Das ist eine Instinktlosigkeit, die nicht weit von der Geisteshaltung „Fremdes Leid geht mich nichts an“ entfernt ist. Natürlich kann ich nicht erwarten, dass jeder Gebet für sinnvoll hält. Aber man muss nicht immer und überall seine Meinung kundtun. Man muss auf einem Begräbnis nicht sagen, dass man den Toten nicht mochte, und man muss einen Aufruf zum Gebet für Opfer und Angehörige nicht ins Lächerliche ziehen.
Stattdessen könnte man fragen, warum Christen überhaupt beten, und warum sie es immer nach Katastrophen tun. Man könnte dann die Antwort bekommen: Weil Christen glauben, dass Gott ihr Gebet hört. Weil sie glauben, dass Trost nicht nur für sie selbst daraus entstehen kann. Weil sie auch an Wunder glauben, aber das ist genau in diesem Fall nicht das Wichtigste. Weil sie glauben, dass die Bitte um Gottes Segen für die Opfer Sinn hat auch dann, wenn die Beter selbst den Sinn nicht sehen.
Wenn die Christen hier irren, ist es besser (medizinisch nachweisbar heilsamer und angenehmer), im Irrtum zu verharren. Wenn Atheismus auf der Wahrheit beruht, ist die Wahrheit gesundheitsschädlich und ungenießbar. Dann irre ich mich lieber.
Und wenn das Christentum die Wahrheit kündet, dann ist die Wahrheit schön und gut und ewig und am Ende stärker als jeder Terror. Dann bleibe ich lieber bei der Wahrheit.
Ich bete für die Opfer jenes Terroristen, für ihre Freunde und Angehörigen, für die verwaisten Eltern. Ich versuche auch, für den Terroristen zu beten, und hoffe, dass er sein Unrecht einsieht und bereut.
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