Scala Santa

Zyklus: Rompilger

Die Stufen, über die der Herr sich schleppte,
von Geißelhieben blutend – oben stand
Pilatus, sah mit Ekel und mit Sorge
das Blut auf saubren weißen Marmor tropfen
(das geht nie wieder ab, das dunkelt nach) –

Die Stufen ließ die fromme Kaiserin
mit diesem Blut, das Er für sie vergossen,
verschiffen von Jerusalem nach Rom,
und wo der Herr einst stand vor jenem Römer,
birgt die Kapelle Ihn im Tabernakel.
Die Marmorstufen sind mit Holz verkleidet,
gehöhlt und und blank gewetzt von Pilgerknien.

Ich knie nieder auf der ersten Stufe
und rufe betend in mein Herz Sein Leiden,
Sein Blut – viel mehr als Tropfen auf der Treppe –
den Tod, den Er für mich und alle litt.
Ich bete kniend Stufe über Stufe
und bitte: Herr, hilf mir, das Kreuz zu tragen,
das Du mir gibst, kein anderes zu wünschen.
Ich will nichts tun als Deinen Willen. Hilf!

Ein Steinbild liegt vor der Kapelle: Jesus,
der Christus, tot, mit Seinen offnen Wunden.
Ich küsse Ihm die Füße, und ich weiß:
Dem Lebenden werd ich die Füße küssen.

© Claudia Sperlich

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Roswitha von Kirchberg

Vor 411 Jahren starb, erst 27jährig, die Dominikanerin Roswitha von Kirchberg. Ihre Eltern waren reich (die Mutter, Anna Sudermann, stammte aus einer bedeutenden Kölner Familie, der Vater, Heinrich Tretsch, war als Kaufmann in Stuttgart zu großem Vermögen gekommen), und als einziges von sechs Kindern, das die Volljährigkeit erlebte, wäre Roswitha eine gute Partie gewesen. In der Tat hatte ihr Vater ein Arrangement getroffen, durch das Roswitha bereits zwölfjährig mit dem Stuttgarter Kaufmannssohn Hannes Schickhard verlobt wurde (wie aus der gut erhaltenen Familienchronik hervorgeht) und das wirtschaftlich für beide Familien ein großer Gewinn gewesen wäre. Aber es kam anders.

Die Echtheit eines fragmentarisch erhaltenen Briefes, in dem Roswitha an ihre Eltern schreibt: Ihr seyd guthe Ältern, aber er ist thörig und darzu noch heretisch, war lange Zeit umstritten, wird heute aber von der Fachwelt mehrheitlich angenommen. Sicher ist jedenfalls, daß die junge Dame den Schickhard nicht heiratete, sondern 1592 als Vierzehnjährige bei den Dominikanerinnen in Kloster Kirchberg um Aufnahme bat, wie aus den dort erhaltenen Listen hervorgeht.

Schickhard hatte keine Einwände dagegen – sollte der Brief tatsächlich echt sein und er davon erfahren haben, eine verständliche Haltung. Über Reaktionen der Eltern wissen wir nichts. Erhalten ist aber ein Schriftstück aus dem Jahr 1594, in dem eine Ordensschwester (vermutlich die Priorin) die Novizin so beschreibt:

Dank sey Gott für diese junge Schwester! Haben wir in diesem Seculo so gar schlimme Zeiten erlitten und verschuldet, so blühet uns nun mit diesem Mägdgen eine tugendhafte Rose, zugleich scheynet sie mir einen Schatz an Wissenschafft im Haupt und an Freundlichkeyt im Herzen zu tragen. Sie geht gar klug um mit den Dingen der Welt, versteht das Wesen des ungerechten Mammonis wohl und weiß klug der mit der Wirtschafft betraueten Schwester beyzustehen, ist aber von zu großer Frömmigkeyt, der Raffgier zu verfallen, und will gern alles Erwirtschafftete ad majorem Dei gloriam den Siechen und den Armen schencken und sie sich und uns allen so, dem Worte unseres Herrn Jesu Christo getreu, zu Freunden machen, deren Fürbitte Er wol hören wird. Zudem weiß sie so kunstvoll zu dichten und zu malen, daß es eyne Freude ist, ihre Finger von Tinte und Farbe fleckicht zu sehen, so sie nicht gerade mit der Bereitung von tüchtigen Heylmitteln beschäftiget sind.

Die in dem Schriftstück erwähnten schlimmen Zeiten waren mehrere Jahrzehnte des geistlichen und sittlichen Niederganges; Roswithas Postulat fällt in die Zeit der Erneuerung des Ordens.

Von der so hochgelobten Roswitha ist leider bislang nur ein kurzes Schriftstück der Fachwelt bekannt. Es ist eine kleine Abhandlung über die unbefleckte Empfängnis Mariens, aus demselben Jahr wie der obige lobende Vermerk der Schwester, also 160 Jahre vor Verkündung des Dogmas der Unbefleckten Empfängnis entstanden. Roswitha schreibt:

zu Kirchberg, den VIII. December 1594.
Da die seelige Gottes=Mutter und immerwerende Jungfrau Maria, die engel=gleiche Königinn des Himmels und der Erde, diß alles nur aus GOTTES, des HERREN, Gnade war und sein konnte, da sie also Mutter und Jungfrau unseres Herrn und Erlösers nur sein konnte, weil ER es wollte, nicht weil sie es verdienet haben könnte, so muß man sich fragen, mit welchem Rechte Duns Scotus annimmt, sie selbst sey empfangen und gebooren ohne den Makel der Erbsünde, den doch wir unglücklichen Mentschen alle seit dem Crimen Evæ in uns tragen. Denn es sagt ja der schottische Gelehrte, potuit, decuit, fecit, also: GOTT habe diß gekonnt (was kein Christen=Mentsch bezweiffeln darff), es sey ziemlich gewesen (was keines Beweises bedarff, was aber selbst als Beweiß nicht genügen kann), und so habe ER es gewirckt. Nun ist aber des HERRN All=Macht nicht das selbige wie ein Beweiß SEINES Wirckens, und ist mir ein zu geringes Argumentum die blooße Annahme der Schicklichkeit, da diese ja dem mentschlichen Ermessen unterlieget.
Die Lutteraner und andere Hæretici theilen denn auch nicht diese Annahme, wiewohl sie ja (wenn auch in unvollkommener Weise) den HERRN JESUM CHRISTUM ehren und anbeten.
Es giebt indeß einen Hinweiß, daß diese Annahme wahr ist, welchen Duns Scotus nicht sah. Es war ja Anna, die Mutter Mariæ, unfruchtbar durch GOTTES Rathschluß, biß ihr Eheherr, Joachim, vierzig Tage lang in der Wüste gefastet hatte und sie darnach bey ihm lag. Gleicherweise fastete der HERR vierzig Tage lang in der Wüste, biß ER zu lehren begann und die ersten Jünger als Anfang SEYNER Braut, der Kirche, IHM folgeten. Nun ist die Kirche als Braut des Herrn ohne Makel, und hat ja ER selbst gesagt, die Pforten der Hölle werden sie nicht überwinden. (Daß gilt, und wenn Tausend und Abertausend selbst in der Kirche, weil sie eben Mentschen und also Sünder sind, Sünden thun. Sie können die Braut schmähen, aber nicht vernichten.) Maria aber ist Braut des HERRN, da sie durch den Heiligen Geist empfieng. Ihr Leben ward begonnen nach dem vierzig=tägigen Fasten des Joachim, wie das Leben der Kirche nach dem Fasten des HERRN. So ist auch die Jungfrau Maria wie ein vorweggenommenes Spiegel=Bild der Kirche, und können zwar Mentschen sie lestern und unsinnige Dinge über die Allerseeligste sagen, damit aber ihre Reinheit und Würde nicht mindern.
Der HERR hat die Kirche gewollt und gegründtet als unzerstörbar bis zum Ende der Welt, und ER hat gleichermaßen SEINE Braut und Mutter gewollt und geschaffen als unverletzt von Anfang an.
So muß ich, was ich bey Scoto lese, nicht nach Mentschen-Sinn fassen, nicht dencken, es sey dem HERRN schicklich erschienen, so wie nostra ætate die langen Kleider der Frauen, sondern schicklich in dem Sinne, daß nichts anderes passen kann für die erwählte Jungfrau, denn bewaart zu seyn vor aller Zeit, für alle Zeit. Ist also nicht, was wir Schicklichkeit nennen, das, wovon Duns Scotus spricht, sondern ist viel eher die Kunst der Logica.

Roswitha scripsit.

Es ist nicht sicher, ob das Manuskript, das Roswitha gegen Ende des zweiten Jahres ihres Ordenslebens – also sechzehnjährig und sicher noch als Novizin – in gewiß etwas altkluger, aber doch erstaunlich gebildeter Weise schrieb, noch eine Fortsetzung oder Überarbeitung erfuhr, und ob sie die von der oben zitierten Ordensschwester gehegten Hoffnungen erfüllte. Derzeit wird geforscht, ob Roswitha weitere Schriften hinterlassen hat – kein ganz leichtes Unterfangen, da die Ordensschwestern ihre Arbeiten in der Regel nicht signierten; das genannte Dokument bildet eine Ausnahme.

Besonders interessant ist Roswithas Bezug auf die zu ihrer Zeit durchaus nicht populäre mittelalterliche Theologie; die Schrift lässt vermuten, daß auch Alanus ab Insulis ihr nicht unbekannt war.

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Vatikanische Museen

An vielem bin ich nur vorbeigegangen – mir ging es um Michelangelo – und in der Sixtinischen Kapelle habe ich nicht photographiert. Aber um sie herum und auf dem Weg zu ihr. Ich habe sogar dem Heiligen Vater in den Garten geguckt – wenn auch nur von außen, wie die Bilder zeigen.
Die Kapelle ist natürlich gesteckt voll mit Menschen, die Bilder sehen wollen, und viele von ihnen haben an dem Ort in seiner eigentlichen Bedeutung weniger Interesse. Aber sie ist ein heiliger Ort.

Zyklus: Rompilger
Sixtinische Kapelle

Erschaffung und Verführung und Verbannung,
der Alte und der Neue Bund, und alle,
die je von ferne den Messias ahnten –
des Gottesvolks Geschichte ist lebendig
und ruft mich zum Betrachten und Erinnern.

Der auferstandne Weltenrichter Christus
strahlt ohne Zorn und in vollkommner Ruhe,
weist von sich alle, die Ihn von sich weisen,
winkt alle, die Ihn lieben, an Sein Herz.

© Claudia Sperlich

VatikanVatikanVatikanVatikanVatikanVatikanBlick aus den Vatikanischen MuseenVatikanische GärtenVatikanVatikanische GärtenVatikanische GärtenVatikanische Gärten
Vatikanische Gärten

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Petersdom

Petersdom
PetersplatzUm den Vatikan herum - 30
Kolonnaden Petersplatz

Zyklus: Rompilger

Säulengänge, die den Platz umarmen,
Stufen, die empor zur Kirche leiten,
Bildwerk lässt die Pracht des Himmels ahnen
und die Kuppel himmlisches Gewölbe.

Jeder Schritt eröffnet neue Blicke
auf die stein- und bildgewordne Predigt,
alles kündet Gottes Macht und Liebe
und vollkommne Ordnung Seiner Schöpfung.

St Peter - Vorbereitung der Generalaudienz
St PeterPetersplatzSt PeterPetersplatzSt PeterGeneralaudienzGeneralaudienzGeneralaudienz
Generalaudienz
Generalaudienz
St Peter - Weihwasserbecken

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Die Mauer des Vatikan

Zyklus: Rompilger

Ummauert ist der Vatikan, umschanzt
vor bösem Ansturm – und die Mauer ist
ein Bild der Mauer um die Himmelsstadt,
ein Bild des Herrn, der Seine Kirche hütet.

Vor dieser Mauer sind die Wege still,
kaum ahnt man noch die übervolle Stadt.
Die bildervollen Augen ruhen aus,
und lächelnd denke ich: Ein feste Burg…

Um den Vatikan herum - 1Um den Vatikan herum - 2Um den Vatikan herum  - 3Um den Vatikan herum - 4Um den Vatikan herum - 5Um den Vatikan herum - 6Um den Vatikan herum  - 7Um den Vatikan herum - 8Um den Vatikan herum - 9Um den Vatikan herum - 10Um den Vatikan herum - 11Um den Vatikan herum - 12Um den Vatikan herum - 13Um den Vatikan herum - 14Um den Vatikan herum - 15Um den Vatikan herum - 16Um den Vatikan herum - 17Um den Vatikan herum - 18Um den Vatikan herum - 19Um den Vatikan herum - 20Um den Vatikan herum - 21Um den Vatikan herum - 22Um den Vatikan herum - 23Um den Vatikan herum - 24Um den Vatikan herum - 25Um den Vatikan herum - 26Um den Vatikan herum - 27Um den Vatikan herum - 28Um den Vatikan herum - 29Um den Vatikan herum - 30

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San Giovanni in Laterano

Zyklus: Rompilger

Der Heiland mit dem Kreuz grüßt mich vom Giebel.
Ich trete betend durch die Heilge Pforte
und steh voll Ehrfurcht in der Königshalle.

So viele marmorweiße Heilge stehen
und sagen: Wir sind nur ein kleiner Teil
der unermesslichen Gefolgschaft Jesu,
erwählt vom Herrn und Ihn aus Liebe wählend.

Die weiße Kathedra vor goldnem Grund
ist Christi Thron, trägt Diener Seiner Diener
und wird von Jesus Christus selbst getragen.

Mein Jesus, Dir will ich für immer danken,
Dich liebe ich. Bei Dir, Herr, will ich bleiben.

© Claudia Sperlich

San Giovanni in Laterano
San Giovanni in Laterano
San Giovanni in LateranoSan Giovanni in Laterano
San Giovanni in Laterano
San Giovanni in LateranoSan Giovanni in Laterano
Franziskus
FranziskusFranziskus

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Zurück aus Rom mit Bildern und Versen

Freunde hatten mich eingeladen, mit ihnen nach Rom zu pilgern. Am Ende gab es noch einen Abstecher nach Assisi. Ich kam heute vormittag zurück, überglücklich und voll Erinnerungen an eine Woche voll Segen.

Nun habe ich mehr Eindrücke gesammelt, als in einen Blogartikel passen. Ich fange also an mit einer kleinen Bildergalerie an. In der Folge werde ich jeder Kirche, zu der mir ein Gedicht einfällt, einen Beitrag widmen.

Monika und Karsten
Das FahrzeugMärkische Landschaft
Restmüll - nicht gleichgültigRom - GlyzinienTiberRomRomRomRömischer BrunnenRom
Blühender Lorbeer

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Emmaustag

Emmausgang

Wo immer Menschen miteinander sprechen
von Angst und Trauer und von tiefem Sehnen
und dabei doch das Brot mit Fremden brechen –

Wo immer Menschen Trauer, Not und Sorgen
und selbst die Hoffnungslosigkeiten teilen
und doch den Fremden bitten: Bleib bis morgen –

Wo immer Menschen noch im Leid gedenken
des Nächsten und ihm Mahl und Dach gewähren,
da bist Du, Gott, und wirst Dich ihnen schenken.

© Claudia Sperlich

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Christus ist auferstanden! Halleluja!

Auferstehung

Wie das geschah? Ich weiß es nicht und werde
nicht kühn behaupten, daß es sicher sei.
Doch glaube ich, da wurde einer frei,
den hielt kein Kreuz, kein Grab und keine Erde.

Der war so sicher, daß die Liebe lebte,
rief sie noch an in der Verlassenheit.
Er war nicht gegen Schmerz und Angst gefeit,
er trauerte und litt, er weinte, bebte,

er irrte und er glaubte sich verlassen
und brachte doch nicht fertig, Den zu hassen,
Der ihn in diese harte Welt gegeben.

Voll Angst, allein, in Tränen, abgemattet,
gefoltert, tot, in einer Gruft bestattet –
trat neu und ewig er ins frohe Leben.

© Claudia Sperlich

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Grabesruhe

Nikodemos

Zu meiner Stellung wollte es nicht passen,
mit diesem Mann vertraulich umzugehen.
Ich hielts geheim – und brannte, Ihn zu sehen.
Sein Wort war immer auch als Tat zu fassen.

Wie wir in dunklem Mutterschoß entstehen
und ihn zu Licht und Tätigkeit verlassen,
so lehrte Er, aus engen düstern Gassen
ins Licht zu treten, in des Geistes Wehen.

Und diesen Lehrer wollten Lehrer richten!
Umsonst versuchte ich, den Streit zu schlichten.
Ich konnte nichts mehr tun für diesen Frommen.

Wir haben abends Ihn vom Kreuz genommen,
gewaschen und gesalbt, zu Grab getragen.
Zwei Tage später hörte ich es sagen…

© Claudia Sperlich

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