Karfreitag

Kreuzweg

Vom Holz bedrückt, geht barfuß Er auf Steinen.
Ein Stolpern, Fallen, mühsam Weitergehen.
Verstummt und bleich sieht Er die Mutter stehen.
Ein Fremder stützt Ihn, macht die Last zur seinen.

Auf Seiner Stirn ein Tuch, wie sanftes Wehen.
Die jähe Schwäche in geschundnen Beinen.
Die Frauen, die in Angst und Mitleid weinen.
Und wieder stürzt Er, sieht die Welt sich drehen.

Die Blöße ist zu sehn. Die Gaffer kommen.
In Unterarmen reißen Nagelwunden.
Ersticken und Verbluten und Vergehen.

Mit Leiter, Zange, Seil vom Kreuz genommen.
Im Grab verborgen, von der Welt geschwunden.
Gebrochen ist das Recht, um zu erstehen.

© Claudia Sperlich

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Gründonnerstag

Eucharistie

Ich kann es nicht begreifen, doch ich glaube,
Daß Du, mein Gott, mir wirst, was Du mir gibst,
Von mir Dich essen läßt, weil Du mich liebst,
Und ich Dich nicht vermindre, nicht beraube,

Daß Du verdunstest nicht und nicht verstiebst!
Dies ist doch Korn und Brot und Wein und Traube
Nicht Schöpfer, nur Geschöpf, ist Staub vom Staube,
Wie ich, wie was Du kelterst, was Du siebst.

So seh ich Dich, mein Gott, den Überreichen:
Du gibst Dich selbst in den geschaffnen Zeichen.
Du teilst das Brot, schenkst vielen reichlich ein.

Du bist der Gastfreund und bist Trank und Speise.
Ich nehme, esse, trinke – und ich preise.
Du lieferst Dich mir aus in Brot und Wein.

© Claudia Sperlich

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Mittwoch der Karwoche

Stammtisch in Jerusalem

So viele hat er schon dazu gebracht,
Familie, Arbeit, Häuser zu verlassen.
Er geht mit Kollaborateuren Prassen,
mit leichten Mädchen trifft er sich bei Nacht.

Er mault auch über unsre Tempelkassen.
Mit seiner Sippe hat er sich verkracht.
Die Plebs hat nun zum König ihn gemacht,
ja, er macht Eindruck auf die dummen Massen.

Erst neulich ist er in die Stadt gezogen
auf einem Esel – es war nicht mal seiner,
hat sich bejubeln lassen von der Menge.

Gesindel schob sich zu ihm durchs Gedränge.
Man liebt ihn. Er ist nicht wie unsereiner.
Denn eines stimmt – er hat noch nie gelogen.

© Claudia Sperlich

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Dienstag der Karwoche

Jesus Befreier

Du willst bestürmt sein von mir,
Gott meines Heiles,
und Du bestürmst mich darum.

Ich bitte, gewähre mir,
Herr meiner Seele,
für immer vor Dir zu knien.

Du hältst mein Herz in der Hand,
Licht meines Lebens,
Du führst mir mich selbst vor Augen.

Ich bin voll Reue und Scham,
Richter und Retter,
ich kann meine Schuld nicht tilgen.

Du bist mein Hoffnungslicht,
Jesus, Befreier,
zeig Du mir den Weg aus dem Elend.

© Claudia Sperlich

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Montag der Karwoche

Hingabe

Nicht verweigert, nicht entzogen
hat sich mir mein Herr und Gott.
Gleich wie tief ich falle, Er
trägt mich, hilft mir wieder auf,
schon im Augenblick der Bitte.

Da ich zu Ihm kam in Sünde,
da ich ohne Recht Ihn bat –
und wann wär ich denn im Recht –
hat Er Seinen Leib, Sein Blut
nicht entzogen, nicht verweigert.

Immer, wenn ich daran denke –
jeden Tag denk ich daran –
fühl ich, wie mein Herz sich dehnt,
wie es Gott entgegenwächst,
nicht entzieht und nicht verweigert.

© Claudia Sperlich

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Internetwirrsal

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Gesegneten Palmsonntag!

Sowie eine gesegnete Karwoche wünsche ich allen Lesern!
Eigentlich ist Karwoche (d.h. „Jammerwoche“) ein schlechtes Wort für die Woche, die uns an das Erlösungswerk Jesu Christi erinnert. In französischer, englischer und holländischer Sprache ist es die Gute Woche mit dem Guten Freitag. Verlieren wir das nie aus dem Blick!

Die Zweige, die heute gesegnet wurden, gleich ob Buchsbaum oder Olivenbaum oder Palme, mögen uns daran erinnern.

Kreuz mit Palmarumzweigen
Kreuz mit PalmarumzweigenKreuz mit Palmarumzweigen
Kreuz mit Palmarumzweigen
Kreuz mit Palmarumzweigen

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Palmarum

Palmzweige

Ich habe Dir nichts vor die Füße zu breiten
als meine Sünden und Schwächen,
meine Gebrechen,

und wenn die Gedanken in Schrift sich verdichten,
Worte, die manchmal gelingen,
dann noch mein Singen.

Das Schlimme, das ich aus mir selber geschaffen,
Gutes, das Du mir gegeben –
das ist mein Leben.

Dies schillernde Leben aus Gift und aus Freude
leg ich, mein Herr, den ich grüße,
vor Deine Füße.

© Claudia Sperlich

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Samstag der fünften Fastenwoche

Joseph

Er wurde nie von seinem Herrn gefragt,
ob er den sonderbaren Ziehsohn wollte.
Er lernte träumend, wie er handeln sollte –
und blieb bei ihr und hat sich nicht beklagt.

Schon möglich, daß er trauerte und schmollte,
vielleicht von Zorn und Zweifel angenagt.
Doch hat das Ungewohnte er gewagt,
als das verheißne Wort ihn überrollte.

Er richtete, so gut es ging, die Hütte
und legte seinen Mantel auf die Schütte,
damit Maria weich lag und der Knabe.

Er brachte beide durch als Gastarbeiter.
Die Träume blieben seine Wegbereiter.
Vielleicht sah er den Sohn als Gottesgabe.

© Claudia Sperlich

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Freitag der fünften Fastenwoche

Du kamst als Sturm

Du kamst nicht wie ein leichtes Säuseln,
Du kamst als Sturm, der meine Knie beugte.
Du kamst – und ich erkannte Dich nicht sicher,
ich fragte, und Du gabst mir keine Antwort.
Du drängtest mich: Bereue, büße, glaube!
Ich fragte Dich: Bist Du es, Herr? Du, Jesus?
Da sagtest Du nicht Ja, nicht Nein – bestürmtest
mein Herz, Dir zu vertrauen und zu glauben.
Wer sonst als Du soll mich vertrauen heißen?

Herr, ich bin schwach und schände Deine Gaben,
bin leicht wie dürres Laub und träg wie Steine
und bitte Dich: Lass tiefer mich bereuen
und lass mich ernster büßen meine Sünden,
und gib, Herr Jesus Christus, daß ich liebe.

© Claudia Sperlich

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