Donnerstag der fünften Fastenwoche

Gertraud von Nivelles

Gertraud saß und Gertraud spann
schon seit Winters Kommen,
spann und betete und sann
voll Gedanken, frommen.

Gertraud hört die Engel schon,
hört das Wort des Herren,
aber nicht der Amsel Ton,
nicht Jungvogels Sperren.

Plötzlich aus des Rockens Flausch
hört sie etwas pfeifen!
Gertraud fühlt sich wie im Rausch,
spürt die Lüfte streifen

sanft ihr liebes Angesicht,
lächelt fast verwegen:
Herr, mein Leben und mein Licht,
laß mich niederlegen

nun den Rocken, und die Maus
mag ihr Nest drin bauen!
Frühling schickst Du mir ins Haus,
nun will ich ihn schauen!

Gertraud mit der Heilgenkron
hilft, so will die Sage,
gegen Dummheit, Stumpfsinn, Fron,
gegen Rattenplage.

© Claudia Sperlich

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Mittwoch der fünften Fastenwoche

Gnade und Freiheit

Herr, nur in Deiner Nähe kann ich leben,
Selbst wenn ich diese Nähe nicht mehr spüre.
Selbst wenn ich Deine Fülle nie erführe,
Wär ich von Deiner Gnade ganz umgeben.

Du rührst mich an, damit ich selbst mich rühre,
Dich suche, statt im alten Trott zu kleben.
Du willst mit Deiner Liebe mich verweben,
Du öffnest mir zu Deinem Licht die Türe.

Du reichst die Hand – ich darf sie nur erfassen,
Du zeigst den Weg – ich darf mich führen lassen,
Du bietest alles – ich darf es nur wollen.

Du zwingst mich nicht. Du willst mich nur beschenken.
Und folg ich Dir und lasse Dich mich lenken,
Dann blüht die Freiheit mir aus allem Sollen.

© Claudia Sperlich

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Das Hymnarium kann gekauft werden!

Es ist als Hardcover (16,99), Paperback (9,99) und e-book (3,99) erhältlich. Man kann es kaufen, lesen, auswendig lernen, verschenken, rezensieren, in der nächsten Pfarrei anpreisen.

Für mich ist am günstigsten, Sie kaufen es bei ihr persönlich (Bestellung über Kontaktseite). Die zweitgünstigste Möglichkeit ist der Kauf über tredition. Ob Sie über einen Großversand bestellen oder beim Buchhändler Ihres Vertrauens, ist für die Autorin gleichgültig, sie rät aber: Wenn schon Versand, dann bitte über die Buchhandlung Schwericke. Das geht genauso schnell wie bei den Amazonen, kostet keinen Cent mehr, unterstützt aber den Einzelbuchhandel.

Ich freue mich so sehr! Ob ich meine Exemplare noch in dieser Woche bekomme, weiß ich allerdings nicht. In der Karwoche ruht bei mir alles, was irgendwie mit Geschäft zu tun hat (außer daß ich natürlich weiter schreiben werde, das geht ja nun mal nicht anders). Aber spätestens in der Weißen Woche kann ich das Hymnarium auch versenden.

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Hörnchen und der 23. Psalm

Die Menschenfrau im ersten Stock lässt Du für mich sorgen; mir wird nichts mangeln. Der Herr weidet mich auf grünen Auen und führt mich zu stillen Wassern.
Eichhörnchen

Er erquickt meine Seele; Er führt mich die berankte Wand hoch um Seines Namens willen.
Eichhörnchen

Und wenn ich auch wanderte durchs Tal der Winternacht, so fürchte ich kein Unglück, denn Du bist bei mir; Dein Futter und Dein Schutz, die trösten mich.
Eichhörnchen

Die oben erwähnte Menschenfrau bereitet vor mir einen Tisch angesichts der Eichelhäher und Turmfalken.
Eichhörnchen

Du hast mein Haupt mit stattlichen Pinselohren versehen, mein Futternapf quillt über.
Eichhörnchen

Nur Güte und Gnade werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde wohnen im warmen Kobel immerdar.

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Programmhinweis: Radio Horeb

Mein Veranstaltungskalender ist mehr einen Blick wert.
Und Radio Horeb schätzt meine Mitarbeit. Am Montag der Karwoche bin ich dort um 16.30 Uhr zu hören mit einem Vortrag über Jesu Einzug nach Jerusalem (die Aufnahme war heute vormittag und ging gut).
Geplant ist außerdem für Freitag, den 27. Mai um 20.30 Uhr eine Sendung über Annette von Droste-Hülshoff.
Die Sendungen werden auch als Podcast hörbar sein.

Zudem rücken zwei Buchvorstellungen meines Archipoeta näher:
Am Dienstag, 5. April, 19.30 Uhr, in der Arche Potsdam, Am Bassin 2, 14467 Potsdam
und
am Sonntag, 10. April, 10.30 Uhr, im Kleinen Pfarrsaal von St. Marien (Gebäude hinter der Kirche, Tür links, 1. Stock, Bergheimer Platz 1, 14197 Berlin.

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Dienstag der fünften Fastenwoche

Umkehr

Du greifst in mein Herz –
lenke auch meine Schritte,
zügle auch meine Zunge,
kläre auch meine Gedanken.

Du zeigst mir mich selbst –
daß ich vor mir erschrecke,
daß ich die Schuld bekenne,
daß ich zu Dir mich wende.

Du zeigst mir den Weg –
gib mir den Mut, zu gehen,
führ mich nach Deinem Willen,
tu mir nach Deinem Willen.

© Claudia Sperlich

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Montag der fünften Fastenwoche

Überfall

Herr und Gott, Du hast mich überfallen,
unvermutet, jählings mich begnadet,
mich gerufen, Sicherheit und Ängste
gleichermaßen hinter mir zu lassen,
umzukehren, völlig Dir zu trauen,
meine Eitelkeiten abzulegen.
Gott, ich lege alle meine Sünden,
Laster, Unzulänglichkeiten, Fehler
vor Dich hin – ich habe ja nichts andres.
Führe mich, wohin Du willst, mein Gott,
tu mir, was Du willst, denn ich bin Dein.

© Claudia Sperlich

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Judica

Parusia

Komm wieder, Herr, den Streit der Welt zu schlichten!
Wenn Du nicht sichtbar alles lenkst und leitest,
wenn Du nicht über sie den Segen breitest,
dann wird die Welt sich selbst zugrunderichten.

Von neuem hat die Welt sich selbst geknechtet,
da Du sie doch von Schuld und Tod befreitest.
Solang Du, Herr, nicht wieder auf ihr schreitest,
bleibt Mensch von Mensch und Macht und Geld geknechtet.

Noch liegt die ganze Schöpfung in den Wehen.
Willst Du denn die Erlösung nicht vollenden?
Dein Reich, Herr, komme. Laß die Zeit sich wenden.
Komm wieder, Herr, und laß die Welt vergehen.

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Samstag der vierten Fastenwoche

Seine Wahl, meine Wahl

Von den Sternen steigt herab
meine Sehnsucht,
zu den Sternen fliegt hinauf
meine Sehnsucht.
Der in meinem Herzen wohnt
alle Zeiten,
der ist, der mein Herz erhebt
bis zum Vater.
Ihn, den Herrn der Sterne, liebt
meine Seele,
als Erwählte wähle ich
Ihn, den Höchsten.

© Claudia Sperlich

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Ein bescheidener Vorschlag

… der British Transplantation Society während einer Konferenz in Glasgow im Februar 2016 lautete, Müttern schwerkranker, nicht lebensfähiger Föten von der Abtreibung abzuraten.
Klingt gut, nicht? Ärzte gegen Abtreibung, auch bei todgeweihten Kindern?
Nun ja…

Ärzte hoffen, jährlich auf hundert Organspender im frühen Säuglingsalter zu kommen. Hebammen sollen über die Verwendungsfähigkeit kindlicher Organe für Transplantationen belehrt werden.

Es geht also darum, Kinder, die auch durch modernste medizinische Hilfe nicht lebensfähig gemacht werden können (z.B. wegen Anenzephalie), mit dem Ziel zur Welt zu bringen, ihre Organe für andere Menschen zu nutzen. Das bedeutet, daß das Kind nicht im Arm der Mutter stirbt, sondern noch lebend für die Transplantation vorbereitet wird und daß nach dem Hirntod der Körper künstlich am Leben gehalten wird, um die Organe entnehmen zu können. (Tatsächlich hat 2014 eine Frau dies entschieden; die Nieren ihres anenzephalen Sohnes retteten das Leben eines Erwachsenen.)

In Daily Mail äußern sich zwei Ärzte zu dem ethischen Problem, Babys zu Organspendern zu machen. In meiner Übersetzung:

PRO: Dr Joe Brierley, Facharzt, Great Ormond Street Hospital

Da täglich drei Menschen sterben, während sie auf eine Organtransplantation warten, begrüße ich alles, was die Zahl der Spender erhöht.
Es ist unbedingt notwendig, den Familien der in der Intensivpflege Sterbenden zur bestmöglichen Information zu verhelfen, damit sie diese Entscheidung treffen. Im Fall von Anenzephalie treten solche Diskussionen auf bei einer Frau, der gesagt wurde, ihre Schwangerschaft kann mit einer Totgeburt enden, oder, wenn das Kind lebend geboren wird, wird es als Neugeborenes sterben.
Auch wenn es ein Grundpfeiler guter Pflege ist, diese Information zu bieten, darf dies meiner Ansicht nach nicht benutzt werden, um eine Frau zu überzeugen, keinen Abbruch vorzunehmen.
Wenn aber die Entscheidung getroffen wird, die Schwangerschaft aus anderen Gründen fortzuführen, dann sollten alle palliativen Pflegemöglichkeiten – einschließlich Spende – diskutiert werden.
Oft machen Menschen sich mitten in der Tragödie eines Kindstodes nicht klar, daß eine Organspende geschehen kann. Aus Gründen ihrer Größe können kindliche Organe oft nur anderen Kindern helfen – aber manchmal können die Organe von Kleinstkindern auch einem Erwachsenen helfen. Nach meiner Erfahrung rettet die überwältigende Großzügigkeit von Menschen in so traurigen Situationen Leben und kann Familien, die einen schmerzlichen Verlust erleben, Trost spenden.
Natürlich ist Organspende nicht für jeden etwas, und die Aufgabe der Fachleute ist, Menschen zu unterstützen, wie immer sie auch entscheiden. Und auch wenn ein Kind geboren wird, kann es immer noch Gründe geben, die eine Spende unmöglich machen.
In den letzten zwei Jahren gab es elf Organspender im Alter unter 60 Tagen – der Mut ihrer Familien sollte uns alle inspirieren, Organspenden zu diskutieren und zu erwägen.

Für Dr Joe Brierley gibt es bei nicht überlebensfähigen Kindern zwei Möglichkeiten: 1. Abtreibung, 2. Austragen mit dem Ziel, die Organe zu verwenden. Der Gedanke, ein todkrankes Kind auszutragen und es dann bis zu seinem Tod im Arm zu halten, kommt ihm gar nicht erst.

CONTRA: Dr Trevor Stammers, Bioethiker, St Mary’s University

Es wäre ganz einfach abscheulich, sollten Transplantationsärzte Frauen, bei deren ungeborenen Kindern schwere Mißbildungen diagnostiziert wurden, auffordern, ihr Baby auszutragen, aus dem einzigen Grund, daß sein Körper nach Organen geplündert werden kann.
Mütter, die entscheiden, Babys mit so schweren Mißbildungen auszutragen – weil sie ihr Kind, so wie es ist, lieben wollen, so lange es lebt – wurden bis jetzt oft bedrängt, es doch einfach abzutreiben.
Sie wurden als dumm angesehen, wenn sie ihre Schwangerschaft fortführten. Es ist besorgniserregend, daß Mütter nun zum Austragen ermutigt werden mit der ausdrücklichen Absicht, die Organe des Kindes wegzunehmen. Was geschieht, wenn sie sich anders entscheiden, sobald sie ihren neugeborenen Sohn, ihre neugeborene Tochter sehen?
Es ist ein makabrer Vorschlag, der das öffentliche Vertrauen zur Transplantation – eine der größten medizinischen Errungenschaften in meiner Lebenszeit – untergräbt.
Das Konzept reduziert das Baby auf nichts als ein utilitaristisches Mittel zum Zweck – eine Sammlung von Ersatzteilen – statt das Leben um seiner selbst willen zu achten.
Ja, ich weiß, daß diese Organe möglicherweise das Leben anderer Menschen retten können, aber was kostet das unsere Menschlichkeit?
Die Integrität der Transplantationsmedizin wurde bereits durch den Gebrauch der Organe euthanasierter Erwachsener kompromittiert.
Die Körper von Kindern zu plündern, die ausschließlich um ihrer Organe willen geboren wurden, wird diesen Berufszweig weiter beflecken – und könnte sehr wohl zu einem weiteren Schwinden der Bereitschaft zur Organspende führen.

Auch aus der Sicht eines grundsätzlichen Befürworters von Organspenden ist es ein Unding, nicht lebensfähige Kinder nur als Ersatzteillager zu sehen. Persönlich bin ich gegen Organspenden. Ich habe das in einem längeren Artikel erklärt (hier). Meine Abneigung gegen Organspenden wächst durch Aussagen wie die von Dr. Joe Brierly. Seine Argumentation erinnert mich an Jonathan Swifts satirischen Aufsatz A Modest Proposal / Ein bescheidener Vorschlag.

Ich bin gegen Abtreibung auch bei schwer kranken und nicht lebensfähigen Kindern. Meine Gründe gegen Abtreibung sind aber niemals das Bereithalten von Ersatzteilen oder sonstige utilitaristische Erwägungen. Menschenleben ist deshalb schützenswert, weil es Menschenleben ist – nicht weil es möglicherweise anderen nützt.

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