Keine Diskussion mit Lebensschützern!

Gestern fand in der immer noch katholischen Kirche St. Bonifatius ein häretisches Event statt, in dessen Folge zwei Abtreibungsbefürworterinnen über Frauenrechte sprachen. Tobias Klein hat hierüber bereits berichtet, dennoch schildere ich es aus meiner Sicht – denn es geht mich in besonderer Weise an.

Ich möchte an dem ökumenischen Gottesdienst nicht alles kritisieren. Die beiden musizierenden Frauen – Geige, Keyboard und Gesang – waren ausgezeichnete Musikerinnen; besonders die Stimme der Keyboarderin hat es mir angetan. Die Lieder waren zum großen Teil auch wirklich schön (nur das letzte war wirklich das Letzte, vielleicht werde ich es hier gelegentlich verreißen), und das heitere klassische Stück, das die beiden zum Abschluss spielten, stimmte mich versöhnlich. Diese Stimmung sollte sich später geben… aber eines nach dem anderen.

Die Geschichte der Susanna war das Thema, und man hätte sie in einem ökumenischen Gottesdienst (als solcher firmierte das Event) aus der Bibel vorlesen können. Stattdessen gab es eine Zusammenfassung der Geschichte und eine Art Interview mit Susanna. Außerdem stand die Kirche voll mit Dingen zum Mitmachen. Wachsstifte und Papier, um Nein zu schreiben. Blätter, auf die man seine Vorstellung vom Paradies schreiben sollte (ich schrieb: Dort wird niemand Anstoß daran nehmen, daß ich vor Jesus knie und Ihm die Füße küsse). Es lagen Zettel mit Zitaten über Machtmissbrauch aus. Und man konnte eine Kerze anzünden und still beten. Das fand ich vernünftig. Man konnte sich auch den Segen zusprechen und die Hände salben lassen. Nachdem vorher in den Gebeten Gott ständig als „sie“ bezeichnet worden war und das Gebet des Herrn verfälscht worden war, scheute ich davor zurück.

Das Gebet des Herrn war hier nämlich kein Gebet des HERRN. Es begann „Gott, Du eine in den Himmeln“, und statt der Worte „und führe uns nicht in Versuchung“ (gr. καὶ μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν, lat. et ne nos inducas in tentationem) sollte man beten „und führe uns in der Versuchung“. Natürlich ist das eine legitime Bitte, aber sie steht nicht im Gebet des Herrn. Mich beschlich der Verdacht, sie sei gewählt worden, weil sie einfacher zu verstehen ist als die wortgetreue Übersetzung. Ich möchte aber als Frau so ernst genommen werden, daß man mir mir auch in einem als „ökumenischer Frauengottesdienst“ bezeichneten Dingsda die schwierigen Texte der Bibel zumutet. Im Wortlaut.

Auch der Schlußsegen richtete sich an irgendein weibliches Wesen, nicht an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Warum in ökumenischen Gottesdiensten übrigens immer gesagt werden muss, daß Gott lacht oder lächelt, weiß ich auch nicht. Selbstverständlich stelle ich mir Gott humorvoll vor (Er muss es einfach sein, um solche Aktionen zuzulassen). Aber wenn man immer wieder betonen muß, daß „sie lacht“, ist das einfach verkrampft.

Anlass der Aktion war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, an dem in St. Bonifatius immer irgendetwas stattfindet. Nach dem Gottesdings, oder Göttinnendienst, oder was auch immer es war, sprachen im Pfarrsaal Frau Dr. Eva Högl  (SPD) und Birte Rohles (Terre des Femmes) über die Neufassung des Sexualstrafrechts, die unter dem Motto „Nein heißt Nein“ endlich durchgesetzt wurde. Über die Geschichte dieses Paragraphen und auch über seine wohl tatsächliche Notwendigkeit lernte ich viel. Ich hatte ihn zunächst für überflüssig gehalten, weil ja das Gesetz Nötigung, Beleidigung und Körperverletzung verbietet und ich der Meinung war, bei einer Vergewaltigung kommt das ohnehin alles zusammen. Frau Högl erläuterte auf meine Frage sehr gut, daß es hier doch große Lücken im Gesetz gebe und die genannten Tatbestände eben nicht jede sexuelle Nötigung erfassen. Wenn das so ist, muss es diese Ergänzung im Strafrecht wohl wirklich geben; abschließend beurteilen kann ich es als juristischer Laie nicht.

Eine  Frau wollte thematisieren, daß – wie sie meinte – eine erhebliche Bedrohung von muslimischen Flüchtlingen ausgehe.Es gab mehrere halblaute Rufe aus dem Publikum, aber die Moderatorin war schnell dabei, die Gemüter zu beruhigen und sehr sachlich zu sagen, dies sei nicht Thema des Abends. Ich hätte mir durchaus eine Antwort der Referentinnen gewünscht; sie hätten hier die Möglichkeit gehabt, die offen rassistischen Vorwürfe zu widerlegen. Stattdessen wurde die Frau mit ihren zwar dummen, aber doch subjektiv ernsten Bedenken alleingelassen. Suse Kleins zutreffende Äußerung, es gebe seit Beginn der großen Migrationsbewegungen unserer Tage keinen signifikanten Anstieg an Sexualstraftaten in Deutschland, und der ebenfalls zutreffende Einwurf von irgendwo, die meisten Sexualstraftaten finden im Kreis der Familie statt, gingen in empörtem Gemurmel unter.

Es gab noch mehrere Diskussionsbeiträge aus dem Publikum – im Wesentlichen handelte es sich um Zustimmung zu den Referentinnen. Dann meldete ich mich noch einmal mit einer Frage, die mir am Herzen lag.

Es ist richtig, daß das Gesetz die Schwachen schützt – und daß diese besondere Novelle nötig war, haben Sie gut erklärt. Nun frage ich mich aber, wie es mit dem Schutz der Menschen steht, die noch nicht Nein sagen können.

Entrüstetes Murmeln allenthalben.

Ich meine die Ungeborenen, Sie sprechen sich ja beide deutlich für ein Recht auf Abtreibung aus. Es scheint mir unlogisch…

Vielstimmiges Gebrüll. „Das gehört nicht hierher, Sie schreiben ja auch in diesem Hetzblatt kath.net“, röhrte ein eisgrau behaarter Herr. (Vermutlich meinte er den Artikel des neben mir sitzenden Tobias Klein, vielleicht hielt er mich für seine Ghostwriterin.)

Ich versuchte es noch einmal:

Es scheint mir unlogisch, daß Sie für Frauenrechte kämpfen, aber ein „Recht auf Abtreibung“ öffentlich fordern.

Ich wurde nun auch von den Referentinnen niedergebrüllt. Die Moderatorin tat nichts – außer den Referentinnen zustimmend zuzunicken. Ich versuchte zu argumentieren, daß ich als Katholikin ein Problem mit Abtreibungsbefürwortern in einem Pfarrsaal habe. Das wurde laut missbilligt.

Die Veranstaltung endete bald, und ich wurde von einer Zuhörerin beschuldigt, ich hätte die Diskussion gesprengt.

Nein, das habe ich nicht. Eine wildgewordene Horde Irrer hat das getan, und eine Moderatorin sowie zwei Referentinnen haben es nicht verhindert. Ihre Proteste gegen offenen Rassismus waren viel, viel leiser und kürzer. Diesen allen schrieb jemand ins Stammbuch:

eritis sicut Deus, sapientes bonum et malum.

 

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Frei sein

… kann ich auch dazu, meine Freiheit aufzugeben.
Oder eine größere Freiheit zu erlangen.
„Haben“ im Sinne von „besitzen“ kann man sie ja eigentlich nicht, die Freiheit.

Freiheit

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie zähmen,
bis sie mir fräße aus der Hand
und keine Freiheit mehr wäre.

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie mästen,
bis sie einschliefe am Futtertrog
und keine Freiheit mehr wäre.

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie schlachten,
ich lüde all meine Freunde zu mir,
mit mir die Freiheit zu fressen.

Die Freiheit könnte ich haben,
doch niemals behalten,
ich lass sie frei und geb mich dem,
der mir die Freiheit gegeben.

Die Freiheit find ich im Herzen,
im göttlichen Herzen,
der Heiland hat es mir offengelegt,
Er gab sich für mich gefangen.

© Claudia Sperlich

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Dies Video ist in Frankreich verboten.

Es zeigt fröhliche Menschen mit Down-Syndrom, die einer besorgten Frau antworten.
Die Frau wird am Anfang zitiert:

Ich erwarte ein Baby. Ich habe festgestellt, daß er das Down-Syndrom hat. Ich habe Angst: Was für eine Art von Leben wird mein Kind haben?

Hier die Antworten auf Deutsch:

Liebe werdende Mama,
hab keine Angst.
Dein Kind wird viele Dinge tun können.
Es wird Dich umarmen können, es wird auf Dich zulaufen können, es wird sprechen können und Dir sagen, daß es Dich liebt.
Es wird in die Schule gehen können wie alle anderen. Es wird schreiben lernen, und es wird Dir schreiben, wenn es eines Tages weit weg ist. Denn tatsächlich wird es auch reisen können. Es wird seinem Vater helfen können, sein Fahrrad zu reparieren. Es wird arbeiten können und sein Geld verdienen. Und von seinem Lohn wird es Dich zum Essen einladen. Oder es wird eine Wohnung mieten und allein leben.
Manchmal wird es schwierig sein. Sehr schwierig. Fast unmöglich. Aber ist das nicht genau so bei allen Müttern?
Liebe werdende Mama, Dein Kind wird glücklich sein. Genau wie ich. Und auch Du wirst glücklich sein.
Stimmts, Mama?

Ein französisches Gericht hat am 10. November 2016 in zweiter Instanz ein Urteil bestätigt, dies Video dürfe im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden. Begründung: Frauen, die abgetrieben haben, können durch dies Video in Gewissensnöte gebracht werden.

Kinder, aus denen man keine funktionierenden Muster-Citoyens machen kann, sind in Frankreich zum vorgeburtlichen Abschuss freigegeben. Haben sie liebende Eltern, lachen sie, freuen sie sich ihres Lebens, sind sie selbstbewußt und erstaunlich selbständig, ist das für die Grande Nation eine unerträgliche Schande, die niemand sehen soll.

Quelle hier und hier

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Zyklische Sonette auf Radio Horeb

Das Buch ist ja nicht erst seit gestern auf dem Markt.
Radio Horeb hat es auch nicht erst gestern, sondern schon am 1. November vorgestellt – aber ich hatte das ganz vergessen. Die Aufnahme war eher nebenher entstanden, direkt nach der Aufnahme meines letzten Credo-Beitrages. Heute wurde ich daran erinnert.

Hier ist die mp3, von 0:14:39 bis 0:25:37 geht es um mein Buch Zyklische Sonette, aus dem ich auch einen kleinen Zyklus vorlese.

Nun denn – hört und kauft!

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Christus ist König!

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Christkönigsskulptur von Jan Eloy und Leo Brom an der St.-Martins-Kirche in Groningen, Niederlande (1936) – Quelle: Wikipedia

Dieser Zimmermannssohn, Wanderprediger, Lehrer, Dornengekrönte, Gekreuzigte, Auferstandene, Verklärte, Herr und Gott, Weltenrichter, Heiland –

Er ist der, dem ich unbedingt gehorsam sein will.
Vor anderen Herren und Damen bin ich nur vielleicht und nur bedingt gehorsam – weil ich (in wenigen Fällen) ihre Autorität für gottgegeben halte, oder weil ich das Befolgen bestimmter Regeln für sinnvoll halte, oder weil ich ganz einfach gezwungen werde (letzteres in meiner Heimat derzeit eher selten).

Ich weiß, daß ich dies aus einer sehr sicheren Position heraus schreibe. Zugleich werden hunderte, tausende meiner Glaubensgeschwister ermordet – und von Ihm zum ewigen Leben gebracht -, weil sie keinen anderen König als Ihn anerkennen. Christus ist König aller Welt und König der Märtyrer.

Christus ist König – dagegen sind alle anderen Herrschaftsmodelle nur albern.

Christkönig

Kein andrer beherrscht mich – ich bin
nur Sein. Seine Magd. Für immer.
König mit dem durchbohrten Herzen,
mit Dornenkrone und Kreuz, die Hände
einladend, segnend, heilend – verwundet
von Zimmermannsnägeln.

Kein andrer soll mir befehlen,
es sei denn, auf Sein Wort.
Er ist allmächtiger König.
Er – der Messias. Mein Heiland.

© Claudia Sperlich

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Der Blogoezesanen-Adventskalender naht!

Mitbürger! Blogger! Katholiken!

Wie in den vergangenen Jahren, soll es auch heuer wieder einen Adventskalender der Blogoezese geben.

Heike Lux, Weihrausch und Gnadenvergiftung, hat wieder die Organisation auf sich genommen. (Trefflich! Tausend Dank!)

Zur Stunde brauchen wir noch Beiträge für den 4., 7., 14., 19., 21., 22. Dezember. Ich habe für den 3. und 10. Dezember etwas vorbereitet; wer auf den 3. gehofft hat, kann den Termin bekommen, ich veröffentliche den Beitrag dann an einem der anderen noch freien Tage oder außerhalb des Adventskalenders.

Das nächste Bloggertreffen und die nächste Einladung in Rom steht und fällt mit dem Adventskalender! (Glaube ich jedenfalls. Man kann nie wissen.) Also bloggt, was das Zeug hält!

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Zum Martinstag

Über den liebenswürdigen Heiligen, der so folkloristisch gefeiert wird, habe ich auf meinem alten Blog schon mehrmals geschrieben. Heute kopiere ich einfach etwas von dort – es ist ja alles immer noch wahr.

Kirchengeschichte zum Martinstag habe ich in meiner Studienzeit gelernt.

Einen Choral habe ich auch für ihn geschrieben.

St. Martin
Melodie: Großer Gott, wir loben dich

Martin mußte lange Zeit
Als Soldat des Kaisers leben.
Waffen und Soldatenkleid
Trug er nur mit Widerstreben,
Wollte, statt im Heer zu stehn,
Jesu Friedenswege gehn.

Als er um den Abschied bat,
Ließ der Kaiser ihn nicht ziehen,
Sprach von Feigheit und Verrat.
Martin sprach: „Ich will nicht fliehen,
Doch auch Blut vergießen nicht:
Christus ist mein Friedenslicht.“

„Ohne Waffen laß mich gehn,
Ohne Furcht vor Kriegsgefahren.
Wehrlos will vorm Feind ich stehn,
Jesu Kreuz wird mich bewahren.
Jesus ist mein guter Hirt,
Der den Frieden schaffen wird.“

Bischof Martin folgte Gott,
Tat und lehrte Sein Erbarmen,
Teilte gerne in der Not
Brot und Wissen mit den Armen.
Eigne Not galt ihm gering,
Bis sein Weg zu Ende ging.

„Herr, es ist ein harter Streit,
Deinen Dienst zu tun im Leben.
Und ich kämpfte lange Zeit!
Willst Du mir nun Abschied geben,
Ruh ich gern, doch auf Dein Wort
Führ ich Deine Sache fort.“

Martins tapfrer Lebenslauf
Ist im Frieden ausgeklungen.
Gott nahm Seinen Diener auf,
Engel haben ihm gesungen,
Trugen ihn nach Leid und Streit
In die lichte Ewigkeit.

© Claudia Sperlich

Und angesichts der alljährlichen Martinsgaudi schrieb ich:

Ach Martin

Martin, ach, Laternenlicht
wär dir wohl noch recht geworden,
auch die lauten Kinderhorden,
aber Heidentum doch nicht!

Nur Kostümfest und Geschrei,
Glühwein dann und Würstchenessen,
kannste als Asket vergessen,
wärste eh nicht gern dabei!

Martin, trotz der Feierei
ohne Glaubensgrund und Wissen
wollen wir dich doch nicht missen –
steh uns armen Toren bei!

Bitt für uns mit frommem Sinn,
Gott woll uns den Tand vergeben!
Laß die armen Gänse leben,
den Klamauk nimm freundlich hin,

hilf, die Großen wachzurütteln,
bis sie sich zu Gott gewandt,
nimm die Kleinen bei der Hand!
Sonst ist dieses Fest zum Schütteln.

© Claudia Sperlich

Und wie war das nun mit dem Mantel?

Jeder Offizier besaß einen Mantel, bestehend aus einem anliegenden Oberteil und einem darangesetzten Unterteil, einer Art Rockschoß. Das Oberteil wurde vom römischen Heer gestellt. Das Unterteil hatte der Soldat selbst zu besorgen. Was Martin – der nur widerstrebend dem Militär angehörte – tat, war nicht nur gütig, es war auch subversiv.
Das Oberteil konnte er nicht weggeben, es gehörte ihm ja nicht. Aber das Unterteil konnte er verschenken – damit war zwar der Mantel zerstört, und sicher hat ihm das neben dem Gespött der Kameraden auch eine Disziplinarstrafe eingetragen, aber es war kein Eigentumsdelikt, und der Bettler hatte etwas, um sich einzumummeln.

Das lateinische Wort gladius wird üblicherweise mit Schwert übersetzt. Bei diesem Wort denken wir meist an eine Langwaffe; tatsächlich bezeichnete es in den ersten Jahrhunderten der Christenheit (und vorher) ein einschneidiges Kurzschwert, dessen Länge variierte. (So hat Petrus, als er bei Jesu Festnahme zum gladius griff, auch nicht mehr gehabt als eine Art Taschenmesser – wie man heute legal im Anglerbedarf kaufen kann.)
Man kann sich das leicht klarmachen. Mit einer Langwaffe eine Naht auftrennen, ohne wesentlich mehr kaputtzumachen, oder auch jemandes Ohr abschlagen, ohne daß es zugleich den Rest des Kopfes trifft – das ist praktisch unmöglich. Mit einem größeren Taschenmesser geht das schon leichter. (Lassen Sie, geneigter Leser, es trotzdem bleiben, jedenfalls das mit dem Ohr. Das mit dem Mantel ist schon in Ordnung.)

Martin, als Offizierssohn zwangsverpflichtet und selbst Offizier, aber ohne Freude daran, interessiert sich seit seiner Schulzeit für das Christentum. Beim Militär wird das nicht gern gesehen, er ist trotz seines hohen Postens ein Außenseiter.
Er sieht einen Bettler am Straßenrand. Denkt vielleicht: Ach, meine Luxusprobleme – dem hier geht es wirklich miserabel. Spontan fasst er den Entschluss, zu helfen, will am liebsten den Mantel als Ganzes weggeben – aber das geht nicht, ruft er sich zur Ordnung, der Mantel gehört mir ja nicht… das heißt: Die Hälfte gehört mir schon! Steigt vom Pferd, setzt sich neben den Bettler (die Kameraden gucken schon komisch!), zieht den Mantel aus, nimmt das Dolchmesser her und trennt mit heimlichem Grinsen (Die werden sich wundern in der Kaserne!) die Naht auf. Legt dem Bettler das Unterteil des Mantels – nun einfach ein großes rechteckiges Stück roten Wollstoff – um die Schultern: Hier, du sollst ja nicht frieren!
Zieht das Oberteil wieder über – es schließt nun in Hüfthöhe ab mit ausgefranster Kante und wirkt ziemlich albern. Die Leute gucken komisch. Und Martin strahlt übers ganze Gesicht und betet im Stillen: Danke, Herr! Beschütze den Bettler – und bitte, lass mich meine Vorgesetzten ertragen, egal was sie tun.
Der Bettler fühlt auf der Haut den soliden, dicken Wollstoff. Warm. Und rot. Martin schaut zurück und denkt: Der Herr hat auch einen roten Mantel umgehabt – von einem Soldaten.

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Rabourdin, die Vendée und ein Dokudrama

Der Film The Hidden Rebellion (original: La Rébellion Cachée) des französischen Filmemachers Daniel Rabourdin kann als Stream oder auf DVD gesehen werden.

Die Bürger der Vendée, zumeist Bauern und Handwerker, verteidigten ihren Glauben und den König gegen die Revolutionsgarden. Es ging ihnen unter dem fortschrittlichen und menschenfreundlichen Louis XVI. gut. Die Revolutionäre verlangten von ihnen Verleugnung ihres Glaubens, Abgabe von hohen Steuern und Beteiligung aller wehrfähigen Männer an den Kämpfen – auch mitten in der Erntezeit. Die Vendéer weigerten sich.

Sie waren tapfere Kämpfer und hatten zunächst Erfolge. Aber dem Schreckensregime waren sie nicht gewachsen. Der größte Teil der Vendéer – Männer, Frauen, Kinder – wurde guillotiniert, erschossen, erschlagen, ertränkt, verbrannt. In französischen Schulbüchern kommt das nicht vor. Die Täter werden immer noch mit Straßennamen geehrt, die Opfer sollen vergessen werden. Auch in Deutschland ist zwar die französische Revolution, nicht aber der Widerstand der Vendée Unterrichtsstoff. Zu Recht spricht der Historiker Reynald Secher von einem Memorizid, einem Mord an der Erinnerung.

Der Katholik Daniel Rabourdin hat diesen Film ohne eigene Mittel gemacht. Er hat, um Geld zu sparen, seine Wohnung aufgegeben, in einem Zelt gelebt und die Versicherung gekündigt. Er hat Laien dafür gewonnen, unentgeltlich als Schauspieler mitzumachen – und die Laien spielten mit professionellem Können.

Der Film ist dokumentarisch – Historiker sprechen, zeitgenössische Bilder und Karten werden gezeigt – und zugleich mit eindrucksvollen spielfilmartigen Szenen. Der Terreur wird dabei einerseits sehr genau gezeigt, andererseits hausiert Rabourdin nicht mit Scheußlichkeiten. Das Fallbeil wird in Bewegung gezeigt, man hört das Sausen und sieht die blutgetränkte Schürze des Henkers – aber man sieht keine abgeschlagenen Köpfe. Die Frau, deren Kind vor ihren Augen ermordet wird, sieht man, das Bajonett des Revolutionärs auch – alles Weitere darf man sich selbst ausmalen, und das ist hart genug. Der Film ist an keiner Stelle voyeuristisch, er lässt uns weinen, aber nicht erbrechen. Auch liegen allen Szenen gut dokumentierte Tatsachen zugrunde. Erhaltene Aussagen von Vendéern werden zitiert.

Als kleines Manko empfinde ich, daß der Film die Vendéer allzu gut darstellt. Denn es hat zweimal Vergeltungsmaßnahmen gegen Revolutionäre gegeben. Eine weitere wurde vom Kommandanten Maurice d’Elbée verhindert. (Damals waren Revolutionäre in einer Kirche gefangengehalten, die Bauern wollten sie für ein kürzlich verübtes Massaker mit dem Leben bezahlen lassen. D’Elbée befahl den Vendéern, das Vaterunser zu beten, und sagte darauf, wenn sie „wie auch wir vergeben“ gebetet hätten, so müssten sie das auch tun. Sie hörten auf d’Elbée. – Was für eine Filmszene hätte daraus werden können!)

An den Vendéern wurde nicht „nur“ eine Reihe von Massakern verübt. Es war ein Völkermord, wie der Film deutlich zeigt. Die offen – auch schriftlich – erklärte Absicht der Revolutionäre war die vollständige Vernichtung der Vendéer.

Großen Eindruck hat mir ein französischer Historiker gemacht, der anfangs sagt, er glaubt nicht an Gott – und dann kenntnisreich aufzeigt, daß religionsfeindliche Systeme regelmäßig in die Katastrophe führen. Diese feine Unterscheidung zwischen „Ich glaube nicht an Gott“ und „Du darfst nicht an Gott glauben“ wünsche ich mir von vielen.

Rabourdin hat den Vendéern ein Denkmal gesetzt. Das französische Fernsehen ist einstweilen nicht daran interessiert, dies Denkmal zu zeigen. Gut, daß wir Dank moderner Technik auf ein tendenziöses, atheistisch und wissenschaftsfeindlich geprägtes Fernsehen nicht angewiesen sind!

The Hidden Rebellion sollte im Geschichtsunterricht gezeigt werden, und wer immer über die großen Errungenschaften der französischen Revolution spricht, müsste verpflichtet werden, diesen Film zu sehen.

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Thomas in Roßlau

Morgen halte ich in der Herz-Jesu-Kirche in Dessau-Roßlau einen Vortrag über Thomas von Aquin!
Ich freue mich sehr, habe gut geprobt und gerade wieder einmal festgestellt, daß Adoro Te devote eine der schönsten Liebeserklärungen an Gott ist. Die aquinatischen Hymnen werde ich in meiner Übersetzung vorstellen und kann sagen, das lohnt.

Um 18.45 wird die Messe gefeiert, und danach geht es um den großen Aquinaten. Also flugs notieren, wer es noch nicht notiert hat und morgen abend Zeit hat!

Mittwoch, 9. November
19.30 Uhr
Gottheit tief verborgen – Thomas von Aquin
Vortrag
Eintritt frei, Spende erbeten
Herz-Jesu-Kirche
Schillerplatz
06862 Dessau-Roßlau

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Novemberkolumne

… auf kath.net. Von mir. Über Beichte, Buße und Sühne.

Man stelle sich vor: Ich gehe ohne Anmeldung zu einem König und bitte um eine Privataudienz, und zwar jetzt gleich. Vielleicht muss ich überhaupt nicht warten, vielleicht kurze Zeit, keinesfalls lange, und keinesfalls ist der König ungehalten – im Gegenteil, er freut sich, dass ich komme. Ich bin wirklich allein mit ihm, kein Sekretär und kein Sicherheitsmann ist dabei.

Und dann knie ich vor dem König, lege als Geschenk einen Haufen Müll vor seine Füße (ein Teil davon schon gammelig und stinkend) und sage: „Herr, bring das bitte zur Mülltonne.“

Und daraufhin ist der König nicht etwa empört, sondern sagt ganz freundlich: „Gerne, Tochter. Hast du noch mehr Müll? Immer her damit – ich will ihn ganz!“

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