Ein Gelübde

Die katholische Kirche kennt neben Ordens- Weihe- und Ehegelübden auch persönliche Gelübde. Hier verspricht der Gläubige – und zwar freiwillig und ohne jeden Druck – entweder eine Sache oder eine Tat oder Lebensweise. Gültig und damit bindend ist ein Gelübde dann, wenn es im Einklang mit dem katholischen Glauben steht, frei und überzeugt von einem Menschen mit ausreichender Vernunft abgelegt wird und weder innere noch äußere Gründe dagegenstehen (also Vernunft und Glaube für die Beurteilung dieses Gelübdes hinreichen und keine Hindernisse im Weg stehen).

Von einem privaten und ohne Zeugen im Gebet abgelegten Gelübde kann jeder Priester in der Beichte befreien. Es gibt aber auch das öffentliche und feierliche Gelübde – das wird vor einem Priester abgelegt. Davon kann nur der Papst entbinden.
Nachzulesen ist das im CIC, Buch IV, Titel 5, Kapitel 1, Can. 1191-1198.

Genau dies habe ich heute in St. Lambertus nach der Heiligen Messe vor Priester und Gemeinde getan.

Nach Kreuzzeichen und Vaterunser fragte der Priester, ob dies Gelübde „ein freiwilliges und überlegtes, mögliches und Gott gemachtes Versprechen sei, dessen vorsätzlicher Bruch einer sakrilegischen Sünde gleichkommt.“

Ja!

Dann kniete ich vorm Tabernakel nieder und sagte:

Ich gelobe, über die Zeit von drei Jahren – von heute an – keusch zu leben, dem Herrn und der Kirche gehorsam, in evangelischer Armut so besitzend, als besäße ich nicht,
täglich an der Heiligen Messe teilzunehmen,
täglich wenigstens eine halbe Stunde lang in Anbetung zu verharren, entweder vor dem Tabernakel oder bei der Eucharistischen Anbetung,
häufig, das heißt mindestens einmal im Monat, das Sakrament der Versöhnung zu empfangen.

Nun gab er mir den Segen, und wir beteten das Ave Maria.

Habe ich mich nun zu etwas gezwungen, mich in eine selbstgemachte Unfreiheit begeben? Ganz im Gegenteil. Ich habe bestätigt, was ich privat schon vor längerer Zeit gelobt habe und praktiziere. Ich akzeptiere nur einen Herrn – den aber liebe ich so, daß ich ganz bei Ihm sein will. Ihm will ich dienen. Kein anderer darf über mich verfügen. Eigentlich habe ich gelobt, genau das zu tun, was ich am liebsten tue.

Natürlich habe ich mich gebunden. Vielleicht wird es auch Tage geben, an denen die Versuchung groß ist, fernzubleiben. Aber gegen Versuchungen gibt es ja das Mittel des Gebetes. Viel öfter werde ich auch weiterhin einfach glücklich sein über genau das, was ich gelobt habe.

Auf den Rat eines weisen Dominikaners hatte ich beschlossen, dies Gelübde zunächst auf drei Jahre zu beschränken. Ich kann es nach Ablauf dieser Zeit erneuern – und dann für immer. Danach sehne ich mich.

Wie sich das gehört, gab es hinterher noch den säkularen Teil – ich lud den Priester und meine lieben Freunde Suse und Tobias auf einen Kaffee ein.

Und wieder einmal gibt es das Wesentliche auch als Sonett:

Gelübde

Mein Jesus, Dir allein will ich gehören,
Gehorsam, arm und keusch will ich Dir dienen,
Will knien vor Dir, von Deinem Licht beschienen,
Will Dir bekennen, Dich bekennend hören.

Und will die Welt mit arroganten Mienen
Und seichten Spiegelungen mich betören,
Nimm weg die Geister, die den Geist verstören,
Bekehre uns. Gib Frieden, Herr, auch ihnen.

Mein Heiland, keinen andern will ich haben!
Aus Dir entspringen alle meine Gaben,
Die Lebenskraft aus frischem Wurzeltriebe.

Ich weiß schon, Herr – ich nütze keinem Orden.
Ich bin nur Dichterin, sonst nichts geworden.
Und doch gelobe ich – weil ich Dich liebe.

© Claudia Sperlich

Ich bin glücklich!

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Ad te levavi

Erster Advent

Auf diesen Tag freue ich mich schon lange!
Einerseits, weil er der erste Adventssonntag ist, der Beginn des Kirchenjahrs, und einfach schön.
Andererseits verrate ich später. Vorerst gibt es nur ein paar Bilder aus der Sakristei, die in keinem besonderen Zusammenhang mit meiner kribbeligen Vorfreude stehen.

Sakristei
Sakristei
Hostien

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Der Glaube der Atheisten ist so seltsam.

Kaum gibt man sich in der Nähe eines kampflustigen Atheisten als Katholik zu erkennen, kommt die Rede auf die katholische Sexualmoral – als ob das Christentum nichts anderes als diese beinhaltet! Einem Atheisten gegenüber kann ich oft nicht einmal von meiner Begeisterung für Gregorianik und für mittelalterliche Hymnendichtung reden (geschweige denn über meine Liebe zu Jesus Christus), ohne daß er binnen dreißig Sekunden fragt, was wir eigentlich gegen Schwule haben. Dann wird versucht, mich zu überzeugen, daß das Christentum falsch sei wie jede andere Religion auch, und begründet wird dies gern damit, daß es alt sei und sich auf ein altes Buch beziehe. Im weiteren Verlauf kommt dann noch die Theodizeefrage.

Daß ich der Bibel und der Kirche vertraue, hat seinen Grund in langjähriger Erfahrung und in der Beschäftigung mit der Bibel und verschiedenen Formen der Exegese.
Ganz zu Anfang stand ein Damaskuserlebnis, aber ich glaube, wer das begreift, ist kein Atheist. Mir wurde klar, daß es absurd ist, nicht an Gott zu glauben, und daß biblische Aussagen ernstzunehmen sind. Daß ich vor diesem Anfang in Bezug auf Religion doof war, richtig, richtig doof, gestehe ich gern.

Ich weiß aus Erfahrung, daß es für mich und andere besser ist, wenn ich katholisch bin, als wenn ich es nicht bin. Leider beharren viele Atheisten mit religiöser Inbrunst darauf, ich müsse mich irren. (Ach, hätten wir Katholiken doch mehr Missionare mit diesem Eifer – bloß gescheiter und erfolgreicher müssten sie sein!)

Da kommen sie also mit der Theodizeefrage und mit den Droh- und Strafreden der Bibel, und daß es unbiblisch sei, die wegzuerklären. Die Theodizeefrage kann ich nicht beantworten. Schon habe ich in atheistischen Augen verloren, denn die Möglichkeit, daß Menschen schlicht nicht imstande sind, Gott ganz zu erfassen, aber dennoch wissen können, daß er allmächtig und allgütig ist, wird verworfen. Was man nicht vollkommen verstehen kann, kann nicht sein – so argumentieren selbst gebildete Atheisten angesichts der Frage, ob es Gott geben kann. Kein redlicher Wissenschaftler argumentiert so.

Georg Christoph Lichtenberg fällt mir ein. „Wenn ein Buch und ein Kopf zusammenstoßen und es klingt hohl, ist das allemal im Buch?

Gottes Erbarmen zeigt sich in der Schrift immer wieder, und in Jesus vollendet Er dies Erbarmen. Nur wird alles, was nicht leicht zu lesen ist, alles, was die Intelligenz und Bildung eines Paulus oder Johannes und die Begeisterung und Liebe eines Petrus oder einer Mirjam von Magdala benötigt, um verstanden zu werden, missachtet. Man könnte sein neo-humanistisches Hirn ja verwirren.

Nachdem man mir mehrfach blinden Glauben vorgeworfen hat, was eigentlich „eines denkenden Menschen unwürdig“ sei,  wird behauptet, es gebe keine einzige Bibelstelle, laut der Gott unsere Entscheidungsfreiheit schätzt. Die Zeugen Jehovas, also die besten Bibelauskenner (wirklich, so nennt sie ein Diskutant), kennen keine Stelle, laut der Gott unseren freien Willen schätzt.

Gott will in der Tat, daß wir die Wahrheit akzeptieren und auf Ihn vertrauen – ganz einfach, weil das der Weg zu ewiger Freude ist. Er will unsere Freiheit (denn nur aus eigener Entscheidung kann man überhaupt glauben), und Er weist darauf hin, welchen Weg wir einschlagen sollen, um unserer selbst willen. Weltlich gesprochen: Ich bin frei darin, zu entscheiden, ob ich auf der Avus Skateboard fahren lerne. Nicht frei bin ich darin, die Konsequenzen zu tragen, wenn ich mich dafür entscheide. Und dennoch kann ich nach einer Fehlentscheidung Gottes Hilfe erfahren, wenn ich mich ehrlichen Herzens an Ihn wende.

Die Zeugen Jehovas (mit denen und in deren Argumentationsweise Atheisten überraschend gern argumentieren) halte ich zwar für die besten Bibel-in-einer-strittigen-Übersetzung-auswendig-Kenner, nicht aber für bibelkundig. Ich werde ja auch kein Mathematiker, wenn ich Formeln auswendig lerne, ohne sie zu verstehen. Die Zeugen Jehovas haben niemals gelernt, über die Schrift nachzudenken wie die Rabbinen oder wie Augustinus oder wie Thomas von Aquin. Sie sind von vielem überzeugt, was aus der Bibel keineswegs begründbar ist, und verwerfen anderes, was in der Bibel steht oder mit gutem Grund aus ihr abgeleitet wird. Auch haben sie das Konzept der Barmherzigkeit nie begriffen. Christen im eigentlichen Sinne sind sie nicht, da sie die Göttlichkeit Jesu leugnen – also einen Punkt, der für das Christentum konstitutiv ist. Atheistische Fragesteller aber zitieren die Zeugen Jehovas oft und gern und argumentieren wie sie.

Und dann kommt das mit der Homosexualität. Warum wir Katholiken die Schwulen so hassen. Ich antworte, daß sie das keinesfalls tun, wie man dem KKK entnehmen kann, und bin kühn genug, auf die Bruderschaft des Weges hinzuweisen, eine Vereinigung von Schwulen, die keusch leben, weil sie das Ausleben von Homosexualität aus christlicher Überzeugung nicht richtig finden. Sage noch ein paar Sätze darüber, daß Sexualität nach kirchlicher Überzeugung eine wundervolle, in sich heilige Sache ist, von Gott gegeben – und daß sie immer eine Offenheit für Kinder beinhalten soll.

Nun folgt: die Kulturgeschichte der Sexualität sei eine Geschichte von Gewalt und Macht.

Die Kulturgeschichte der Sexualität (und aller anderen Dinge auf der Welt) ist auch das, aber keineswegs nur das. Mir sind zahlreiche Werke bekannt, die von einer fröhlichen, unverklemmten und nach christlichen Maßstäben legitimen Sexualität sprechen, allen voran Bilder des frommen Calvinisten Rembrandt. Abgesehen davon ist „Kulturgeschichte“ und „Geschichte des Christentums“ nicht ganz dasselbe. Daß Frauen im antiken Griechenland rechtlos waren, geht nicht auf die Kappe des Christentums – daß Frauen der Spätantike massenhaft zum Christentum konvertiert sind, hatte einsehbare Gründe.

Nun  werde ich  auf zölibatäre Triebunterdrückung angesprochen, die angeblich ganz furchtbar ist, schrecklich und ungesund und eigentlich gar nicht möglich. Einvernehmlicher Sex sei immer eine Privatsache, in die niemand sich einmischen dürfe.

Man mischt sich also fröhlich ein, wenn Menschen aus freiem Willen keinen Sex haben, aber wenn sie Sex haben, darf man keine Meinung dazu haben? Das finde ich bizarr – umso mehr, als von atheistischer Seite der Hinweis folgt, risikobehaftete und verletzungsträchtige Sexualpraktiken seien unmoralisch und schädlich, worüber „wir“ uns wohl einig seien.

Ich bin durch staatliches Gesetz verpflichtet, den Trieb, meinem Diskussionspartner tatsächlich oder verbal eine zu scheuern, zu unterdrücken, was ihm gewiß recht ist. Die Kirche hingegen fordert zwar auch, daß ich es sein lasse (die Ohrfeige ist hier nicht ultima ratio!), trägt mir aber zugleich auf – und hilft mir – diesen Trieb zu sublimieren, indem ich ihn vor Jesus trage und Ihn bitte, meine Aggressionen in etwas Gutes zu wandeln, zum Beispiel in einen Blogartikel.

Nun folgt ein süffisanter Hinweis, daß die Schwangerschaft einer Jungfrau biologisch nicht möglich sei. Ja, lieber Atheist, das weiß ich. Deshalb sprechen wir im Falle der Seligen Jungfrau und Gottesmutter von einem Wunder.

Nach einem kurzen Exkurs des Atheisten, daß Muslimen die Selbstbefriedigung verboten sei und der Islam höchst gewalttätig, und da sehe man mal, wohin Triebunterdrückung führt, gebe ich auf. Christen ist ebenfalls die Selbstbefriedigung verboten; ich scheuere ihm trotzdem keine, und wenn doch, dann nicht deshalb.

Falls der Exkurs über die Muslime bedeuten sollte, daß alle Religionen gleich schrecklich sind und die Welt ohne Religion ein besserer Ort wäre, möge der Atheist sich bitte mal genau mit der Geschichte der religionslosen Staaten beschäftigen. Also mit der UdSSR, dem nationalsozialistischen Deutschland, der DDR, Kambodscha unter den Roten Khmer, der Sozialistischen Republik Vietnam, der Volksrepublik China, der Repubik Kuba, Nordkorea.

Nun ist er beleidigt, der Atheist. Und er hat mich immer noch nicht gefragt, warum ich überhaupt an Jesus glaube und was ich davon habe, was die Sakramente eigentlich sind, warum ich mit Flammen im Herzen vor einem Stück Brot knie, warum es Gelübde gibt und was mich am Aquinaten so fasziniert und an der Gregorianik, warum ich glaube, es gebe einen ursächlichen Zusammenhang zwischen Religion und Kultur, und wieso ich im Advent faste. Im Grunde hat er Antworten auf Vorwürfe provoziert, um diese dann als unvollkommen, unsachlich, ausweichend, naiv oder eines denkenden Menschen unwürdig zu bezeichnen. Er war also von vornherein keine Sekunde lang an einem Dialog interessiert, sondern daran, seine unverrückbare Meinung über eine Religion, von der er keine Ahnung hat, in wohlgesetzten Worten zu äußern.

Zum Ausgangspunkt: Ich verstehe den Glauben der Atheisten nicht, weil die kämpferischen Atheisten (um die, die mich einfach in Ruhe lassen, geht es hier nicht)

  • Gespräche anfangen, ohne die Gegenseite überhaupt wahrnehmen zu wollen,
  • immer von Sex reden, wenn sie „katholisch“ hören, und zwar sofort und pausenlos, und das Christentum auf die katholische Sexualmoral reduzieren,
  • jedes Argument für die Wahrheit des Christentums beantworten, indem sie zum nächsten Thema abschwenken oder behaupten, daß man eben spinnt,
  • sich niemals auf geistig hochstehende christliche Denker beziehen, sondern mit Vorliebe auf Sektierer, auf Zeugen Jehovas und Muslime,
  • mit Vorliebe zu Beginn einer Diskussion Kreide verspeisen, um am Ende in gebildet scheinender Weise zu sagen, daß man mit Christen eben nicht reden kann, nachdem sie den auskunftswilligen Christen mit indiskreten Fragen bombardiert haben, aber immer noch nicht wissen wollen, wer dieser Jesus eigentlich ist.

Ich gehe soweit zu sagen, daß ich Atheismus bescheuert finde. Symptome hierfür habe ich angegeben. Der eigentlich Grund aber ist auch der Grund von allem anderen. Der eigentliche Grund ist Gott.

Atheisten! Bei Christen klingeln und sagen „Wir wollen mit Ihnen über die Sinnlosigkeit des Christentums sprechen“ ist sinnlos. Wenn Ihr mit Christen über das Christentum diskutieren wollt, informiert euch erst einmal über das Christentum. Neben Bibeln gibt es in jeder öffentlichen Bücherei auch etwas von Ratzinger / Benedikt XVI. Im CIC und im Katechismus steht Grundsätzliches. Josef Bordat schreibt gut verständlich. Radio Horeb bietet zahlreiche Informationen (z.B. in der Sendereihe Credo) und ist zudem unterhaltsam.

Allerdings kann es bei genauer Information über das Christentum auch passieren, daß man es auf einmal mag. Daß man (Pech für den Atheismus – Glück für den Atheisten) auf einmal erkennt, wie sinnvoll Jesajas Aufruf ist:

Mache dich auf, werde Licht! Denn dein Licht kommt, und die Herrlichkeit des Herrn geht auf über dir!
Jes. 60,1

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Keine Diskussion mit Lebensschützern!

Gestern fand in der immer noch katholischen Kirche St. Bonifatius ein häretisches Event statt, in dessen Folge zwei Abtreibungsbefürworterinnen über Frauenrechte sprachen. Tobias Klein hat hierüber bereits berichtet, dennoch schildere ich es aus meiner Sicht – denn es geht mich in besonderer Weise an.

Ich möchte an dem ökumenischen Gottesdienst nicht alles kritisieren. Die beiden musizierenden Frauen – Geige, Keyboard und Gesang – waren ausgezeichnete Musikerinnen; besonders die Stimme der Keyboarderin hat es mir angetan. Die Lieder waren zum großen Teil auch wirklich schön (nur das letzte war wirklich das Letzte, vielleicht werde ich es hier gelegentlich verreißen), und das heitere klassische Stück, das die beiden zum Abschluss spielten, stimmte mich versöhnlich. Diese Stimmung sollte sich später geben… aber eines nach dem anderen.

Die Geschichte der Susanna war das Thema, und man hätte sie in einem ökumenischen Gottesdienst (als solcher firmierte das Event) aus der Bibel vorlesen können. Stattdessen gab es eine Zusammenfassung der Geschichte und eine Art Interview mit Susanna. Außerdem stand die Kirche voll mit Dingen zum Mitmachen. Wachsstifte und Papier, um Nein zu schreiben. Blätter, auf die man seine Vorstellung vom Paradies schreiben sollte (ich schrieb: Dort wird niemand Anstoß daran nehmen, daß ich vor Jesus knie und Ihm die Füße küsse). Es lagen Zettel mit Zitaten über Machtmissbrauch aus. Und man konnte eine Kerze anzünden und still beten. Das fand ich vernünftig. Man konnte sich auch den Segen zusprechen und die Hände salben lassen. Nachdem vorher in den Gebeten Gott ständig als „sie“ bezeichnet worden war und das Gebet des Herrn verfälscht worden war, scheute ich davor zurück.

Das Gebet des Herrn war hier nämlich kein Gebet des HERRN. Es begann „Gott, Du eine in den Himmeln“, und statt der Worte „und führe uns nicht in Versuchung“ (gr. καὶ μὴ εἰσενέγκῃς ἡμᾶς εἰς πειρασμόν, lat. et ne nos inducas in tentationem) sollte man beten „und führe uns in der Versuchung“. Natürlich ist das eine legitime Bitte, aber sie steht nicht im Gebet des Herrn. Mich beschlich der Verdacht, sie sei gewählt worden, weil sie einfacher zu verstehen ist als die wortgetreue Übersetzung. Ich möchte aber als Frau so ernst genommen werden, daß man mir mir auch in einem als „ökumenischer Frauengottesdienst“ bezeichneten Dingsda die schwierigen Texte der Bibel zumutet. Im Wortlaut.

Auch der Schlußsegen richtete sich an irgendein weibliches Wesen, nicht an den Gott Abrahams, Isaaks und Jakobs. Warum in ökumenischen Gottesdiensten übrigens immer gesagt werden muss, daß Gott lacht oder lächelt, weiß ich auch nicht. Selbstverständlich stelle ich mir Gott humorvoll vor (Er muss es einfach sein, um solche Aktionen zuzulassen). Aber wenn man immer wieder betonen muß, daß „sie lacht“, ist das einfach verkrampft.

Anlass der Aktion war der Internationale Tag gegen Gewalt an Frauen, an dem in St. Bonifatius immer irgendetwas stattfindet. Nach dem Gottesdings, oder Göttinnendienst, oder was auch immer es war, sprachen im Pfarrsaal Frau Dr. Eva Högl  (SPD) und Birte Rohles (Terre des Femmes) über die Neufassung des Sexualstrafrechts, die unter dem Motto „Nein heißt Nein“ endlich durchgesetzt wurde. Über die Geschichte dieses Paragraphen und auch über seine wohl tatsächliche Notwendigkeit lernte ich viel. Ich hatte ihn zunächst für überflüssig gehalten, weil ja das Gesetz Nötigung, Beleidigung und Körperverletzung verbietet und ich der Meinung war, bei einer Vergewaltigung kommt das ohnehin alles zusammen. Frau Högl erläuterte auf meine Frage sehr gut, daß es hier doch große Lücken im Gesetz gebe und die genannten Tatbestände eben nicht jede sexuelle Nötigung erfassen. Wenn das so ist, muss es diese Ergänzung im Strafrecht wohl wirklich geben; abschließend beurteilen kann ich es als juristischer Laie nicht.

Eine  Frau wollte thematisieren, daß – wie sie meinte – eine erhebliche Bedrohung von muslimischen Flüchtlingen ausgehe.Es gab mehrere halblaute Rufe aus dem Publikum, aber die Moderatorin war schnell dabei, die Gemüter zu beruhigen und sehr sachlich zu sagen, dies sei nicht Thema des Abends. Ich hätte mir durchaus eine Antwort der Referentinnen gewünscht; sie hätten hier die Möglichkeit gehabt, die offen rassistischen Vorwürfe zu widerlegen. Stattdessen wurde die Frau mit ihren zwar dummen, aber doch subjektiv ernsten Bedenken alleingelassen. Suse Kleins zutreffende Äußerung, es gebe seit Beginn der großen Migrationsbewegungen unserer Tage keinen signifikanten Anstieg an Sexualstraftaten in Deutschland, und der ebenfalls zutreffende Einwurf von irgendwo, die meisten Sexualstraftaten finden im Kreis der Familie statt, gingen in empörtem Gemurmel unter.

Es gab noch mehrere Diskussionsbeiträge aus dem Publikum – im Wesentlichen handelte es sich um Zustimmung zu den Referentinnen. Dann meldete ich mich noch einmal mit einer Frage, die mir am Herzen lag.

Es ist richtig, daß das Gesetz die Schwachen schützt – und daß diese besondere Novelle nötig war, haben Sie gut erklärt. Nun frage ich mich aber, wie es mit dem Schutz der Menschen steht, die noch nicht Nein sagen können.

Entrüstetes Murmeln allenthalben.

Ich meine die Ungeborenen, Sie sprechen sich ja beide deutlich für ein Recht auf Abtreibung aus. Es scheint mir unlogisch…

Vielstimmiges Gebrüll. „Das gehört nicht hierher, Sie schreiben ja auch in diesem Hetzblatt kath.net“, röhrte ein eisgrau behaarter Herr. (Vermutlich meinte er den Artikel des neben mir sitzenden Tobias Klein, vielleicht hielt er mich für seine Ghostwriterin.)

Ich versuchte es noch einmal:

Es scheint mir unlogisch, daß Sie für Frauenrechte kämpfen, aber ein „Recht auf Abtreibung“ öffentlich fordern.

Ich wurde nun auch von den Referentinnen niedergebrüllt. Die Moderatorin tat nichts – außer den Referentinnen zustimmend zuzunicken. Ich versuchte zu argumentieren, daß ich als Katholikin ein Problem mit Abtreibungsbefürwortern in einem Pfarrsaal habe. Das wurde laut missbilligt.

Die Veranstaltung endete bald, und ich wurde von einer Zuhörerin beschuldigt, ich hätte die Diskussion gesprengt.

Nein, das habe ich nicht. Eine wildgewordene Horde Irrer hat das getan, und eine Moderatorin sowie zwei Referentinnen haben es nicht verhindert. Ihre Proteste gegen offenen Rassismus waren viel, viel leiser und kürzer. Diesen allen schrieb jemand ins Stammbuch:

eritis sicut Deus, sapientes bonum et malum.

 

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Frei sein

… kann ich auch dazu, meine Freiheit aufzugeben.
Oder eine größere Freiheit zu erlangen.
„Haben“ im Sinne von „besitzen“ kann man sie ja eigentlich nicht, die Freiheit.

Freiheit

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie zähmen,
bis sie mir fräße aus der Hand
und keine Freiheit mehr wäre.

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie mästen,
bis sie einschliefe am Futtertrog
und keine Freiheit mehr wäre.

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie schlachten,
ich lüde all meine Freunde zu mir,
mit mir die Freiheit zu fressen.

Die Freiheit könnte ich haben,
doch niemals behalten,
ich lass sie frei und geb mich dem,
der mir die Freiheit gegeben.

Die Freiheit find ich im Herzen,
im göttlichen Herzen,
der Heiland hat es mir offengelegt,
Er gab sich für mich gefangen.

© Claudia Sperlich

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Dies Video ist in Frankreich verboten.

Es zeigt fröhliche Menschen mit Down-Syndrom, die einer besorgten Frau antworten.
Die Frau wird am Anfang zitiert:

Ich erwarte ein Baby. Ich habe festgestellt, daß er das Down-Syndrom hat. Ich habe Angst: Was für eine Art von Leben wird mein Kind haben?

Hier die Antworten auf Deutsch:

Liebe werdende Mama,
hab keine Angst.
Dein Kind wird viele Dinge tun können.
Es wird Dich umarmen können, es wird auf Dich zulaufen können, es wird sprechen können und Dir sagen, daß es Dich liebt.
Es wird in die Schule gehen können wie alle anderen. Es wird schreiben lernen, und es wird Dir schreiben, wenn es eines Tages weit weg ist. Denn tatsächlich wird es auch reisen können. Es wird seinem Vater helfen können, sein Fahrrad zu reparieren. Es wird arbeiten können und sein Geld verdienen. Und von seinem Lohn wird es Dich zum Essen einladen. Oder es wird eine Wohnung mieten und allein leben.
Manchmal wird es schwierig sein. Sehr schwierig. Fast unmöglich. Aber ist das nicht genau so bei allen Müttern?
Liebe werdende Mama, Dein Kind wird glücklich sein. Genau wie ich. Und auch Du wirst glücklich sein.
Stimmts, Mama?

Ein französisches Gericht hat am 10. November 2016 in zweiter Instanz ein Urteil bestätigt, dies Video dürfe im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden. Begründung: Frauen, die abgetrieben haben, können durch dies Video in Gewissensnöte gebracht werden.

Kinder, aus denen man keine funktionierenden Muster-Citoyens machen kann, sind in Frankreich zum vorgeburtlichen Abschuss freigegeben. Haben sie liebende Eltern, lachen sie, freuen sie sich ihres Lebens, sind sie selbstbewußt und erstaunlich selbständig, ist das für die Grande Nation eine unerträgliche Schande, die niemand sehen soll.

Quelle hier und hier

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Zyklische Sonette auf Radio Horeb

Das Buch ist ja nicht erst seit gestern auf dem Markt.
Radio Horeb hat es auch nicht erst gestern, sondern schon am 1. November vorgestellt – aber ich hatte das ganz vergessen. Die Aufnahme war eher nebenher entstanden, direkt nach der Aufnahme meines letzten Credo-Beitrages. Heute wurde ich daran erinnert.

Hier ist die mp3, von 0:14:39 bis 0:25:37 geht es um mein Buch Zyklische Sonette, aus dem ich auch einen kleinen Zyklus vorlese.

Nun denn – hört und kauft!

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Christus ist König!

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Christkönigsskulptur von Jan Eloy und Leo Brom an der St.-Martins-Kirche in Groningen, Niederlande (1936) – Quelle: Wikipedia

Dieser Zimmermannssohn, Wanderprediger, Lehrer, Dornengekrönte, Gekreuzigte, Auferstandene, Verklärte, Herr und Gott, Weltenrichter, Heiland –

Er ist der, dem ich unbedingt gehorsam sein will.
Vor anderen Herren und Damen bin ich nur vielleicht und nur bedingt gehorsam – weil ich (in wenigen Fällen) ihre Autorität für gottgegeben halte, oder weil ich das Befolgen bestimmter Regeln für sinnvoll halte, oder weil ich ganz einfach gezwungen werde (letzteres in meiner Heimat derzeit eher selten).

Ich weiß, daß ich dies aus einer sehr sicheren Position heraus schreibe. Zugleich werden hunderte, tausende meiner Glaubensgeschwister ermordet – und von Ihm zum ewigen Leben gebracht -, weil sie keinen anderen König als Ihn anerkennen. Christus ist König aller Welt und König der Märtyrer.

Christus ist König – dagegen sind alle anderen Herrschaftsmodelle nur albern.

Christkönig

Kein andrer beherrscht mich – ich bin
nur Sein. Seine Magd. Für immer.
König mit dem durchbohrten Herzen,
mit Dornenkrone und Kreuz, die Hände
einladend, segnend, heilend – verwundet
von Zimmermannsnägeln.

Kein andrer soll mir befehlen,
es sei denn, auf Sein Wort.
Er ist allmächtiger König.
Er – der Messias. Mein Heiland.

© Claudia Sperlich

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Der Blogoezesanen-Adventskalender naht!

Mitbürger! Blogger! Katholiken!

Wie in den vergangenen Jahren, soll es auch heuer wieder einen Adventskalender der Blogoezese geben.

Heike Lux, Weihrausch und Gnadenvergiftung, hat wieder die Organisation auf sich genommen. (Trefflich! Tausend Dank!)

Zur Stunde brauchen wir noch Beiträge für den 4., 7., 14., 19., 21., 22. Dezember. Ich habe für den 3. und 10. Dezember etwas vorbereitet; wer auf den 3. gehofft hat, kann den Termin bekommen, ich veröffentliche den Beitrag dann an einem der anderen noch freien Tage oder außerhalb des Adventskalenders.

Das nächste Bloggertreffen und die nächste Einladung in Rom steht und fällt mit dem Adventskalender! (Glaube ich jedenfalls. Man kann nie wissen.) Also bloggt, was das Zeug hält!

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Zum Martinstag

Über den liebenswürdigen Heiligen, der so folkloristisch gefeiert wird, habe ich auf meinem alten Blog schon mehrmals geschrieben. Heute kopiere ich einfach etwas von dort – es ist ja alles immer noch wahr.

Kirchengeschichte zum Martinstag habe ich in meiner Studienzeit gelernt.

Einen Choral habe ich auch für ihn geschrieben.

St. Martin
Melodie: Großer Gott, wir loben dich

Martin mußte lange Zeit
Als Soldat des Kaisers leben.
Waffen und Soldatenkleid
Trug er nur mit Widerstreben,
Wollte, statt im Heer zu stehn,
Jesu Friedenswege gehn.

Als er um den Abschied bat,
Ließ der Kaiser ihn nicht ziehen,
Sprach von Feigheit und Verrat.
Martin sprach: „Ich will nicht fliehen,
Doch auch Blut vergießen nicht:
Christus ist mein Friedenslicht.“

„Ohne Waffen laß mich gehn,
Ohne Furcht vor Kriegsgefahren.
Wehrlos will vorm Feind ich stehn,
Jesu Kreuz wird mich bewahren.
Jesus ist mein guter Hirt,
Der den Frieden schaffen wird.“

Bischof Martin folgte Gott,
Tat und lehrte Sein Erbarmen,
Teilte gerne in der Not
Brot und Wissen mit den Armen.
Eigne Not galt ihm gering,
Bis sein Weg zu Ende ging.

„Herr, es ist ein harter Streit,
Deinen Dienst zu tun im Leben.
Und ich kämpfte lange Zeit!
Willst Du mir nun Abschied geben,
Ruh ich gern, doch auf Dein Wort
Führ ich Deine Sache fort.“

Martins tapfrer Lebenslauf
Ist im Frieden ausgeklungen.
Gott nahm Seinen Diener auf,
Engel haben ihm gesungen,
Trugen ihn nach Leid und Streit
In die lichte Ewigkeit.

© Claudia Sperlich

Und angesichts der alljährlichen Martinsgaudi schrieb ich:

Ach Martin

Martin, ach, Laternenlicht
wär dir wohl noch recht geworden,
auch die lauten Kinderhorden,
aber Heidentum doch nicht!

Nur Kostümfest und Geschrei,
Glühwein dann und Würstchenessen,
kannste als Asket vergessen,
wärste eh nicht gern dabei!

Martin, trotz der Feierei
ohne Glaubensgrund und Wissen
wollen wir dich doch nicht missen –
steh uns armen Toren bei!

Bitt für uns mit frommem Sinn,
Gott woll uns den Tand vergeben!
Laß die armen Gänse leben,
den Klamauk nimm freundlich hin,

hilf, die Großen wachzurütteln,
bis sie sich zu Gott gewandt,
nimm die Kleinen bei der Hand!
Sonst ist dieses Fest zum Schütteln.

© Claudia Sperlich

Und wie war das nun mit dem Mantel?

Jeder Offizier besaß einen Mantel, bestehend aus einem anliegenden Oberteil und einem darangesetzten Unterteil, einer Art Rockschoß. Das Oberteil wurde vom römischen Heer gestellt. Das Unterteil hatte der Soldat selbst zu besorgen. Was Martin – der nur widerstrebend dem Militär angehörte – tat, war nicht nur gütig, es war auch subversiv.
Das Oberteil konnte er nicht weggeben, es gehörte ihm ja nicht. Aber das Unterteil konnte er verschenken – damit war zwar der Mantel zerstört, und sicher hat ihm das neben dem Gespött der Kameraden auch eine Disziplinarstrafe eingetragen, aber es war kein Eigentumsdelikt, und der Bettler hatte etwas, um sich einzumummeln.

Das lateinische Wort gladius wird üblicherweise mit Schwert übersetzt. Bei diesem Wort denken wir meist an eine Langwaffe; tatsächlich bezeichnete es in den ersten Jahrhunderten der Christenheit (und vorher) ein einschneidiges Kurzschwert, dessen Länge variierte. (So hat Petrus, als er bei Jesu Festnahme zum gladius griff, auch nicht mehr gehabt als eine Art Taschenmesser – wie man heute legal im Anglerbedarf kaufen kann.)
Man kann sich das leicht klarmachen. Mit einer Langwaffe eine Naht auftrennen, ohne wesentlich mehr kaputtzumachen, oder auch jemandes Ohr abschlagen, ohne daß es zugleich den Rest des Kopfes trifft – das ist praktisch unmöglich. Mit einem größeren Taschenmesser geht das schon leichter. (Lassen Sie, geneigter Leser, es trotzdem bleiben, jedenfalls das mit dem Ohr. Das mit dem Mantel ist schon in Ordnung.)

Martin, als Offizierssohn zwangsverpflichtet und selbst Offizier, aber ohne Freude daran, interessiert sich seit seiner Schulzeit für das Christentum. Beim Militär wird das nicht gern gesehen, er ist trotz seines hohen Postens ein Außenseiter.
Er sieht einen Bettler am Straßenrand. Denkt vielleicht: Ach, meine Luxusprobleme – dem hier geht es wirklich miserabel. Spontan fasst er den Entschluss, zu helfen, will am liebsten den Mantel als Ganzes weggeben – aber das geht nicht, ruft er sich zur Ordnung, der Mantel gehört mir ja nicht… das heißt: Die Hälfte gehört mir schon! Steigt vom Pferd, setzt sich neben den Bettler (die Kameraden gucken schon komisch!), zieht den Mantel aus, nimmt das Dolchmesser her und trennt mit heimlichem Grinsen (Die werden sich wundern in der Kaserne!) die Naht auf. Legt dem Bettler das Unterteil des Mantels – nun einfach ein großes rechteckiges Stück roten Wollstoff – um die Schultern: Hier, du sollst ja nicht frieren!
Zieht das Oberteil wieder über – es schließt nun in Hüfthöhe ab mit ausgefranster Kante und wirkt ziemlich albern. Die Leute gucken komisch. Und Martin strahlt übers ganze Gesicht und betet im Stillen: Danke, Herr! Beschütze den Bettler – und bitte, lass mich meine Vorgesetzten ertragen, egal was sie tun.
Der Bettler fühlt auf der Haut den soliden, dicken Wollstoff. Warm. Und rot. Martin schaut zurück und denkt: Der Herr hat auch einen roten Mantel umgehabt – von einem Soldaten.

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