Rabourdin, die Vendée und ein Dokudrama

Der Film The Hidden Rebellion (original: La Rébellion Cachée) des französischen Filmemachers Daniel Rabourdin kann als Stream oder auf DVD gesehen werden.

Die Bürger der Vendée, zumeist Bauern und Handwerker, verteidigten ihren Glauben und den König gegen die Revolutionsgarden. Es ging ihnen unter dem fortschrittlichen und menschenfreundlichen Louis XVI. gut. Die Revolutionäre verlangten von ihnen Verleugnung ihres Glaubens, Abgabe von hohen Steuern und Beteiligung aller wehrfähigen Männer an den Kämpfen – auch mitten in der Erntezeit. Die Vendéer weigerten sich.

Sie waren tapfere Kämpfer und hatten zunächst Erfolge. Aber dem Schreckensregime waren sie nicht gewachsen. Der größte Teil der Vendéer – Männer, Frauen, Kinder – wurde guillotiniert, erschossen, erschlagen, ertränkt, verbrannt. In französischen Schulbüchern kommt das nicht vor. Die Täter werden immer noch mit Straßennamen geehrt, die Opfer sollen vergessen werden. Auch in Deutschland ist zwar die französische Revolution, nicht aber der Widerstand der Vendée Unterrichtsstoff. Zu Recht spricht der Historiker Reynald Secher von einem Memorizid, einem Mord an der Erinnerung.

Der Katholik Daniel Rabourdin hat diesen Film ohne eigene Mittel gemacht. Er hat, um Geld zu sparen, seine Wohnung aufgegeben, in einem Zelt gelebt und die Versicherung gekündigt. Er hat Laien dafür gewonnen, unentgeltlich als Schauspieler mitzumachen – und die Laien spielten mit professionellem Können.

Der Film ist dokumentarisch – Historiker sprechen, zeitgenössische Bilder und Karten werden gezeigt – und zugleich mit eindrucksvollen spielfilmartigen Szenen. Der Terreur wird dabei einerseits sehr genau gezeigt, andererseits hausiert Rabourdin nicht mit Scheußlichkeiten. Das Fallbeil wird in Bewegung gezeigt, man hört das Sausen und sieht die blutgetränkte Schürze des Henkers – aber man sieht keine abgeschlagenen Köpfe. Die Frau, deren Kind vor ihren Augen ermordet wird, sieht man, das Bajonett des Revolutionärs auch – alles Weitere darf man sich selbst ausmalen, und das ist hart genug. Der Film ist an keiner Stelle voyeuristisch, er lässt uns weinen, aber nicht erbrechen. Auch liegen allen Szenen gut dokumentierte Tatsachen zugrunde. Erhaltene Aussagen von Vendéern werden zitiert.

Als kleines Manko empfinde ich, daß der Film die Vendéer allzu gut darstellt. Denn es hat zweimal Vergeltungsmaßnahmen gegen Revolutionäre gegeben. Eine weitere wurde vom Kommandanten Maurice d’Elbée verhindert. (Damals waren Revolutionäre in einer Kirche gefangengehalten, die Bauern wollten sie für ein kürzlich verübtes Massaker mit dem Leben bezahlen lassen. D’Elbée befahl den Vendéern, das Vaterunser zu beten, und sagte darauf, wenn sie „wie auch wir vergeben“ gebetet hätten, so müssten sie das auch tun. Sie hörten auf d’Elbée. – Was für eine Filmszene hätte daraus werden können!)

An den Vendéern wurde nicht „nur“ eine Reihe von Massakern verübt. Es war ein Völkermord, wie der Film deutlich zeigt. Die offen – auch schriftlich – erklärte Absicht der Revolutionäre war die vollständige Vernichtung der Vendéer.

Großen Eindruck hat mir ein französischer Historiker gemacht, der anfangs sagt, er glaubt nicht an Gott – und dann kenntnisreich aufzeigt, daß religionsfeindliche Systeme regelmäßig in die Katastrophe führen. Diese feine Unterscheidung zwischen „Ich glaube nicht an Gott“ und „Du darfst nicht an Gott glauben“ wünsche ich mir von vielen.

Rabourdin hat den Vendéern ein Denkmal gesetzt. Das französische Fernsehen ist einstweilen nicht daran interessiert, dies Denkmal zu zeigen. Gut, daß wir Dank moderner Technik auf ein tendenziöses, atheistisch und wissenschaftsfeindlich geprägtes Fernsehen nicht angewiesen sind!

The Hidden Rebellion sollte im Geschichtsunterricht gezeigt werden, und wer immer über die großen Errungenschaften der französischen Revolution spricht, müsste verpflichtet werden, diesen Film zu sehen.

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Thomas in Roßlau

Morgen halte ich in der Herz-Jesu-Kirche in Dessau-Roßlau einen Vortrag über Thomas von Aquin!
Ich freue mich sehr, habe gut geprobt und gerade wieder einmal festgestellt, daß Adoro Te devote eine der schönsten Liebeserklärungen an Gott ist. Die aquinatischen Hymnen werde ich in meiner Übersetzung vorstellen und kann sagen, das lohnt.

Um 18.45 wird die Messe gefeiert, und danach geht es um den großen Aquinaten. Also flugs notieren, wer es noch nicht notiert hat und morgen abend Zeit hat!

Mittwoch, 9. November
19.30 Uhr
Gottheit tief verborgen – Thomas von Aquin
Vortrag
Eintritt frei, Spende erbeten
Herz-Jesu-Kirche
Schillerplatz
06862 Dessau-Roßlau

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Novemberkolumne

auf kath.net. Von mir. Über Beichte, Buße und Sühne.

Man stelle sich vor: Ich gehe ohne Anmeldung zu einem König und bitte um eine Privataudienz, und zwar jetzt gleich. Vielleicht muss ich überhaupt nicht warten, vielleicht kurze Zeit, keinesfalls lange, und keinesfalls ist der König ungehalten – im Gegenteil, er freut sich, dass ich komme. Ich bin wirklich allein mit ihm, kein Sekretär und kein Sicherheitsmann ist dabei.

Und dann knie ich vor dem König, lege als Geschenk einen Haufen Müll vor seine Füße (ein Teil davon schon gammelig und stinkend) und sage: „Herr, bring das bitte zur Mülltonne.“

Und daraufhin ist der König nicht etwa empört, sondern sagt ganz freundlich: „Gerne, Tochter. Hast du noch mehr Müll? Immer her damit – ich will ihn ganz!“

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Kein Gebet geht ins Leere

Wir beten für die Armen Seelen, und wir wissen doch nicht, ob der Mensch, für dessen Seele wir jetzt beten, überhaupt im Purgatorium ist. Vielleicht ist er ja längst in Gottes Herrlichkeit angekommen. Oder – leider nicht auszuschließen – er hat sein Heil verscherzt und ist in einem weit schlimmeren Zustand als die Armen Seelen.

Gott aber hört unsere Gebete, da bin ich sicher – und Er wird aus jeder aufrichtigen Bitte um etwas in sich Gutes (z.B. das Seelenheil eines Menschen) auch etwas Gutes machen (z.B. das Seelenheil eines anderen Menschen).

Glücklicherweise gibt es viele Menschen, bei denen ich mir ganz sicher sein darf: Die sind bei Gott! Für ungezählte Heilige haben wir gestern gedankt. Heute beten wir für die, die auf dem letzten Wegabschnitt zur Heiligkeit sind. Und weil Gebet etwas ganz Anderes ist als Magie, können wir ausschließen, daß unsere Gebete etwas Falsches bewirken. Weil Gott Gott ist, können wir ausschließen, daß sie ins Leere gehen.

Meinem Vater zu Allerseelen

Wie ein Niegewesen
kreist der blaue Ball
Zeichen ungelesen
stumm im leeren All

Martin Sperlich

Gesucht und nicht gefunden
die Wahrheit im Menschenleben.
Hat vielen vieles gegeben,
ist ganz und gar mir verschwunden.

Ich weiß nicht, wo er gelandet.
Hat Gott ihn zu sich genommen?
Wird er noch zu Ihm kommen?
Oder ist er gestrandet?

Es geht nicht ums Wiedersehen,
um meine Sehnsucht gehts nicht.
Aber es geht um das Licht –
es geht um das Auferstehen.

Die fromme Mutter geflohen,
er selbst vom Führer verführt.
Dann hat er das Unrecht gespürt
und bereut – man musste nicht drohen.

Hat Wahrheit in Bildern gesehen
und Stückwerk fürs Ganze gehalten.
Er liebte geschaffne Gestalten
und lehrte mich, Kunst zu verstehen.

Ein Heiliger war er zwar nicht.
Doch treu und tapfer im Tragen
von schweren und schönen Tagen.
Sei ihm gnädig, Herr, im Gericht.

© Claudia Sperlich

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Allerheiligen wird heut feierlich begangen

… so dichtete es der Archipoeta. Was die Heiligen sind und was nicht, erklärt Josef Bordat.

Über einige der unzähligen Heiligen  habe ich gedichtet – man kann das in dem Büchlein Lass mich bekennen Deine Mandelblüte nachlesen (und nächstes Jahr in einem weiteren Gedichtband).

Die Kirche weiß, daß es viel mehr Heilige gibt, als sie offiziell heiliggesprochen  hat. Denn bei einer Heiligsprechung wird nicht gemacht, daß jemand heilig ist, sondern die längst bestehende Heiligkeit bestätigt. Im Grunde sagt die Kirche durch die Heiligsprechung nur: Schau an, dieser Mensch ist heilig – wir ahnten es schon, und nun sagen wir es offiziell.

Heute stelle ich einen vor, der weder selig- noch heiliggesprochen ist, aber in der Urgemeinde war und Paulus hörte – wenigstens den ersten Teil einer langen Predigt. Ich glaube, auch Eutychus ist in der Schar der Heiligen, und vermutlich hat auch jeder Kirchgänger schon Predigten erlebt, bei denen die Anrufung des Hl. Eutychus sinnvoll wäre.

Eutychus
Apg. 20,7-11

Ich wollt ihn hören! Er war groß im Lehren.
Der Tag war heiß. Die Arbeit war beschwerlich.
Ich ging trotzdem, vom neuen Weg begeistert.
Ich kam ein wenig spät. Der Raum war voll.
Ein freier Platz war noch im Fensterrahmen,
Die frische Luft ließ Müdigkeit verfliegen.

Er sprach so stark vom Herrn, vom Auferstandnen!
Der nur die Liebe ist, Er fordert Liebe,
Der uns vergibt, will, daß auch wir vergeben.

Er sprach so viel vom Herrn und Seinen Wundern.
In meinem Kopf vermengten sich die Mühen
des Tages mit den Wundern voller Liebe.
Auf Wasser gehn und Stürme stillen, heilen,
und Brot und Wein vermehren und verteilen –
ich sah Ihn lächelnd meine Lasten tragen.

Und Paulus sprach, nun leiser, vom Geheimnis
des Glaubens und von Blut und Wein und Leben,
von Opfer, Kreuzestod und Auferstehung.

Geheimis unsres Glaubens – Blut und Wein…
Die Arbeit war vollbracht – von Ihm, nicht mir…
Die Arbeit meines Tages – schwer und nichtig…
In meinem Geist vermengten sich die Worte
mit aller Last des Tages, aller Mühe
und aller Freude. Augen fielen zu.

Im Fallen dann ein jäher wacher Schreck,
dann Schmerz – und dann ein langer dunkler Gang,
am Ende helles Licht und Er im Lichte.

Und dann benommenes Erwachen. Paulus hielt mich,
in seinen Augen etwas wie Entsetzen
und etwas wie Erleichterung und Freude.
Die Freunde standen um uns, stumm vor Schrecken,
und jubelten, als Paulus sprach: Er lebt!
Und ja – ich lebe. Jesus sei gepriesen!

© Claudia Sperlich

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Immer schön katholisch bleiben!

Und, wenn es mir gelingt, gern noch katholischer werden.

Anlass für diesen Artikel ist ein anderswo zitiertes höchst engagiertes Schreiben eines Protestanten an einen Priester – eine Reihe von Imperativen, was der Priester (und mit ihm vermutlich alle Priester, deren Adressen der Absender habhaft werden konnte) zu tun und zu lassen hat.

Laien tun gut daran, die überarbeiteten Priester nach Kräften zu unterstützen. Deshalb arbeite ich den Brief hier Punkt für Punkt ab.

Ihnen gesegnete Wünsche zum Reformationsfest!

Dankeschön. Am Vorabend zum Fest Allerheiligen wünsche ich Ihnen Gottes reichen Segen.

Fahren Sie fort auf dem Weg, den unsinnigen Ablass (auch durch so genannte „Heilige Jahre“ und „Heilige Pforten“) zu beseitigen…

Um zu verstehen, was Ablass ist, muss man zunächst verstanden haben, was Fegefeuer ist. Als Fegefeuer oder Purgatorium (Reinigungsort) bezeichnet man den Zustand, in dem die Seelen Verstorbener sich befinden, wenn sie die ewige Seligkeit erlangen sollen, aber infolge ungebüßter, ungesühnter Sünden noch nicht bereit dazu sind. Biblische Argumente sind:

2 Makk. 32,45-32 erzählt, daß die im Krieg gegen die Idumäer Gefallenen „unter ihren Kleidern Amulette der Götter von Jamnia trugen, obwohl das den Juden vom Gesetz her verboten ist“. Ihr Tod wird als Konsequenz aus dieser Sünde verstanden. Die Juden „hielten sie einen Bittgottesdienst ab und beteten, dass die begangene Sünde wieder völlig ausgelöscht werde.“
Die Fürbitte für die Toten wird im Folgenden ausdrücklich mit dem Glauben an die Auferstehung erklärt; implizit sagt der Autor, daß Tote wegen der allgemeinen Neigung zur Sünde Fürbitte brauchen – und daß also die Auferstehung erst nach einer postumen Reinigung vollkommen ist.
Heilige Orte und Zeiten (z.B. das Jobeljahr) sind biblisch begründet.

In 1 Kor. 3,13-15 schreibt Paulus über die letzten Dinge:

… das Werk eines jeden wird offenbar werden; jener Tag wird es sichtbar machen, weil es im Feuer offenbart wird. Das Feuer wird prüfen, was das Werk eines jeden taugt. Hält das stand, was er aufgebaut hat, so empfängt er Lohn. Brennt es nieder, dann muss er den Verlust tragen. Er selbst aber wird gerettet werden, doch so wie durch Feuer hindurch.

Es ist also für jeden im mündigen Alter Verstorbenen damit zu rechnen, daß er für das, was dem Gericht nicht standhält – für seine im Erdenleben nicht vollkommen wiedergutgemachten Sünden – einen Reinigungsprozess durchmachen muss. Unsere Taten haben Konsequenzen, auch wenn jedem, der sich aufrichtig zu Christus bekennt, die Rettung am Ende zugesagt ist.

Ablass (den kathpedia-Artikel kann ich nur empfehlen) bedeutet, daß diese Reinigung durch Gebete und gute Werke unter bestimmten Voraussetzungen (u.a. Abkehr von der Sünde, aufrichtiger Glaube an Jesus Christus) gewissermaßen vorweggenommen werden kann, daß also das Purgatorium für einen selbst oder, wenn man darum bittet, für einen Verstorbenen gemildert oder aufgehoben wird. Ablass widerspricht also nicht Gottes Gnade, sondern bestätigt sie!

… die Vergottung Maria von Nazareths und vor allem ihre unbiblische Anrufung zu beenden…

Es ist zwar wahr, daß es – von der Kirche nicht approbierte – Übertreibungen der Marienfrömmigkeit gibt. Jedoch wird die Gottesmutter von der Kirche nicht „vergottet“. Die Bibel und die Kirche sehen sie als Mutter Jesu – also Mutter Gottes, denn Jesus ist Gott, hierüber dürfte es mit frommen Protestanten keine Uneinigkeit geben. Ferner gehen Katholiken davon aus, daß sie nicht erst am jüngsten Tag auferweckt wird, sondern bereits jetzt bei Gott in seliger Ewigkeit lebt. Die katholische Theologie identifiziert die in Off. 12 genannte Frau mit Maria (und ich wüßte nicht, womit man eine Frau, deren Sohn die gottgewollte Herrschaft über alle Welt innehat, sonst identifizieren sollte). Wenn nun diese Frau – immer noch nach dem biblischen Zeugnis der Offenbarung des Johannes – vollkommen vor der Schlange (Bild für den Teufel) bewahrt bleibt, dann auch vor der Sünde, dann auch vor den Folgen der Sünde, also dem Tod. Damit ist es logisch, daß sie nach ihrer Erdenzeit ohne Todeskampf und ohne Verwesung unmittelbar in den Himmel aufgenommen wurde. Daß sie tatsächlich vor Sünde bewahrt blieb, wird zudem damit begründet, daß sie von vornherein und ohne ihr Zutun, allein aus Gnade, würdig sein musste, Gott aufzunehmen. Mir persönlich leuchtet aber die Argumentation aus der Offenbarung noch mehr ein. Als Katholikin bin ich frei, die eine Argumentation besser zu finden als die andere – wenn nur beide der Wahrheit dienen.
Wenn Maria lebt, kann man sie auch um etwas bitten. Ob sie einer Bitte um Hilfe nachkommt, liegt bei dem, dessen Magd sie ist. Die Bitte um Fürbitte wird sie immer erfüllen. Maria oder die Heiligen um fürbittendes Gebet anzugehen ist nicht viel anders, als einem Freund zu sagen: Bete mal für mich in dieser oder jener Sache. Ein guter Freund wird das tun, wenn er kann. Maria tut es immer.

… oder die Missachtung von Frauen abzuschaffen. Da es Jüngerinnen gab, sind Priesterinnen selbstverständlich. Eine Dienstvoraussetzung durch primäre Geschlechtsmerkmale ist dümmliche Selektion, deren Qualität nicht weit von dem unseligen Zölibat entfernt ist.

Hierzu habe ich schon hier etwas geschrieben. Heute nur so viel: Männer und Frauen sind nicht nur an anatomischen Merkmalen als solche kenntlich. Was den Zölibat betrifft, so kann nur eine übersexualisierte Welt ihn verdammen. Zölibat ist radikale Nachfolge, Solidarität mit den Unbegehrten und Ungeliebten, ein Sich-Freihalten für den Herrn und den Dienst an der Gemeinde, und schließlich sagt Jesus selbst lt. Mt. 19,12:

Manche sind von Geburt an zur Ehe unfähig, manche sind von den Menschen dazu gemacht und manche haben sich selbst dazu gemacht – um des Himmelreiches willen. Wer das erfassen kann, der erfasse es.

Es gibt also eine Ehelosigkeit um des Himmelreiches willen – wir nennen sie Zölibat.

Lernen Sie wieder mit der Bibel statt die Messliturgie. Predigen Sie freudiger statt lustlos Ihre ethisch verschwurbelten Homilien herunterleiern. Nutzen Sie die Kanzeln statt der Stehpulte.

Die Messliturgie orientiert sich an der Bibel. Katholiken feiern den Herrn, in dem sie alle gottgegebenen Sinne ansprechen und nutzen. Die üppige Schönheit einer Messe offenbart den Gott des Lebens und der Fülle. (Wir haben dabei auch keine Hemmung, Bachchoräle zu singen. Sie als Protestant mögen ja auch Mozart.) Die Messe hat einen klaren Ablauf, eine Ordnung, auf die sich Christen in aller Welt verlassen können. Sie ist ein „heiliges Spiel“, bei dem der Priester an mehreren Stellen (Lesung des Evangeliums, Predigt und Eucharistie) in persona Christi handelt.

Daß im Evangelium der Herr selbst zu uns spricht, ist wieder ein Punkt, bei dem Katholiken und Protestanten sich einig sind. In der feierlichen Akklamation wird das in der Messe jedes Mal mit besonderer Freude betont. Nun ist in der Tat nicht jede Predigt so, daß der aufmerksame Hörer den Eindruck hat, den Herrn selbst zu hören. Manche Predigten haben mich auch schon dazu gebracht, im Stillen den Heiligen Geist anzuflehen. Auch das ist ja nichts Schlimmes. Gerade bei dem Priester, der mir Ihr Schreiben zeigte, ist es aber so, daß ich von ihm viele hervorragende Predigten kenne, die den Ernst und die Schönheit und die Freude der Heiligen Schrift jedem Mitdenkenden nahebringen.
Kanzeln gibt es nur noch in sehr wenigen katholischen Kirchen. Die Kanzel ist sinnvoll, wenn es darum geht, ohne Mikrophon auch die in den hinteren Bänken sitzenden Gläubigen zu erreichen. Zugleich aber erhöht sie den Geistlichen in einer Weise, die ihn optisch zu etwas anderem als einem Diener des Herrn und der Gemeinde macht. Das ist in der Tat aus katholischer Sicht richtig, weil ja der Priester während der Homilie in persona Christi spricht. Andererseits spricht für die nachkonziliaren Stehpulte, daß er zugleich eben ein Mensch ist wie alle anderen und sich von der Gemeinde nicht einen Schritt weiter entfernen soll als unbedingt nötig. Sie sehen, ich habe für beide Modelle, Kanzel und Stehpult, ein Für und ein Wider. Aber viel wichtiger als die Frage „Kanzel oder Stehpult“ ist doch, daß die Schrift gelesen und erklärt wird! Das aber geschieht in beiden Fällen.

Schwören Sie ab von diesem magischen Abendmahlsverständnis als betrieben Sie in jeder Messe geistlichen Kannibalismus und entlarven Sie den status indelebilis als das was er ist: unjesuanische Anmaßung.

Wenn Jesus sagt „Dies ist mein Leib – dies ist mein Blut“, welcher Priester dürfte es wagen, zu behaupten, das sei nicht so gemeint?
Der Herr hat die Taufe auf sich genommen und den Aposteln befohlen, in Seinem Namen zu taufen. Sollte Er da etwas Unverbindliches oder gar Banales befohlen haben?

Schaffen Sie das törichte Gerede von den „Laien“ ab: Es gibt keine professionelle Gläubigen im Gegensatz zu Amateuren!

Laie, von gr. λαός, Volk, über λαϊκός, zum Volk gehörig ist nach kirchlichem Verständnis, wer durch die Taufe zum Volk Gottes gehört. In diesem Sinne ist natürlich auch der Priester ein Laie. Jedoch ist der Klerus, von gr. κλῆρος, „Scherbe, Los“, der „ausgeloste“ Teil des Gottesvolkes, der zum priesterlichen Dienst berufene. (Es ist bei zweitausend Jahren Kirchengeschichte übrigens sinnvoll, diese zu kennen, wenn man Priester sein soll; das Studium ist fast unerlässlich – aber darum geht es hier nicht, wir sind ja nicht bei der weltlichen Bedeutung des Wortes Laie.) Der zum Priesteramt Gerufene ist nicht privilegiert durch diese Aussonderung, aber in besonderer Weise verpflichtet zu Opfer und Sühne. Kein Grund zum Neid, und vielmehr einer zum Dank, wenn ein junger Mann diesem Ruf folgt und sich auch noch darüber freut wie ein König. Amateur, also im Wortsinn: Liebhaber des Glaubens wird er mit Gottes Hilfe bleiben.

Und beherzigen Sie endlich, was Martin Luther so trefflich auf den Punkt brachte: Ein christlich Wesen besteht nicht im äußerlichem Wandel; es wandelt auch den Menschen nicht nach dem äußerlichen Stande, sondern nach dem innerlichen, d. h., es gibt ein andres Herz, einen andren Mut, Willen und Sinn, welcher dieselben Werke tut, die ein anderer ohne solchen Mut und Willen tut. Denn ein Christ weiß, dass es ganz am Glauben liegt. Darum gehet, stehet, isset, trinket, kleidet, wirket und wandelt er wie sonst ein gemeiner Mann in seinem Stande, dass man nicht seines Christentums gewahr wird, wie Christus Luk. 17,20f saget: „Das Reich Gottes kommt nicht mit äußerlichen Gebärden; man wird auch nicht sagen: Siehe hier! oder: da ist es! Denn sehet, das Reich Gottes ist inwendig in euch.“ In diesem Sinne: ecclesia semper reformanda!

Das hat Luther nett gesagt. Die katholische Kirche tat es schon von Anfang an, anderthalb Jahrtausende vor Luther, und sie wird es auch fürder tun. Dazu hat sie eine Struktur, die ihr das erleichtert. In der Tat wären Sakramente, Liturgie und priesterlicher Dienst nichts als Theater ohne den Glauben. Mit ihm aber und durch ihn sind sie das, was uns dem Herrn nahe bringt. Dazu hat der Herr uns dies alles geschenkt – daß wir die Sehnsucht nach Ihm nie verlieren, die Freude an Ihm pflegen, daß wir Seine Liebe feiern und Seine Barmherzigkeit annehmen.

reforma te ipsum!

Amen.

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Doppelrezension

Auf kath.net erschien heute eine Rezension für zwei meiner Bücher – für das Hymnarium

Claudia Sperlich, die sowohl ihre Muttersprache Deutsch als auch die Fremdsprachen Englisch, Französisch und Latein beherrscht, ist es hier gelungen, Übersetzungen der Texte aus der Originalsprache anzubieten, die sowohl dem Original ganz treu bleiben als auch dem modernen Sprachempfinden gerecht werden.

… und die Zyklischen Sonette.

In sprachlicher Meisterschaft versteht es die Autorin, die Geschichte Gottes mit dem Menschen und die Sehnsucht der Menschen zu formulieren und in wunderbare Verse einzubinden.

Das klingt ja nach wirklich guten Büchern. Sollte man kaufen.

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Blitzmerker in Friedenau

In der U-Bahnstation nächst meiner Heimatgemeinde hat jemand ein ungewöhnliches Graffito hinterlassen. Aber echt: Die Hochzeit meiner Freunde Suse und Tobias ist schon eine ganze Woche her!
Graffito

Aber macht ja nichts, man kann gar nicht oft genug sagen, daß die beiden gern und gültig verheiratet sind.

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Dem Doktor Luther kann ich mich nicht entziehen.

Mögen andere Katholiken ihn in Grund und Boden verdammen, und das auf sehr unsachliche und zum Teil auch rundheraus falsche Weise (denn Luther hat, man mag es wollen oder nicht, als Übersetzer ein großes Werk vollbracht und unsere Sprache geprägt), und mag ich auch vieles ganz falsch finden, was meine protestantischen Freunde und Glaubenshalbgeschwister ganz oder teilweise richtig finden und anderes mit jenen vereint verurteilen – Martin Luther ist mein Kollege als Dichter, und wahrlich keiner der geringsten in den Gauen von Sachsen-Anhalt.

Ein feste Burg ist unser Gott, dies protestantische Kampflied, das ich so liebe und in dem ich gar nichts finde, was ein Katholik nicht aus vollem Herzen mitsingen könnte, ist für mich eines der schönsten deutschen Glaubenslieder überhaupt, und zu meinen Wunschträumen gehört, es in einem vierstimmigen Chorsatz a capella bei der Mittwochsaudienz auf dem Petersplatz zu singen.

Ähnlich eindrucksvoll ist Luthers Adaption des 130. Psalms, Aus tiefer Not – das ist kein gemütlich-biedermeierlicher Protestantismus, sondern das Lied eines Menschen, der mit Gott und der Welt hadert und ringt, bis er endlich eingesteht: ER ist allein der gute Hirt.

Im Advent erklingt zu meiner Freude auch Luthers Übertragung des ambrosianischen Veni redemptor gentium: Nun komm, der Heiden Heiland. (Ich bin auch nicht neidisch, daß Luthers Version berühmter ist als meine. Dafür ist meine vollständiger. An dieser Stelle werbe ich frech für mein zweisprachiges Hymnarium.) Zu Weihnachten möche ich nicht auf den lutherschen Engel mit der guten neuen Mär verzichten.

Luther verehrte Maria, auch wenn er ihre leibliche Aufnahme in den Himmel nicht annahm. Die sternengekrönte Frau aus der Johannesapokalypse sah er zwar nicht als Maria, sondern als Bild der Kirche, aber das fließt für mich Katholikin ja ineinander, und ich lese das folgende Lied (das in evangelischen Kirchen so gut wie nie gesungen wird) mit katholischem Blick auf die Apokalyptische Madonna.

Ein Lied von der heiligen christlichen Kirche, aus dem 12. Kapitel der Offenb. Joh..

Sie ist mir lieb, die werte Magd
und kann ihr nicht vergessen,
Lob, Ehr und Zucht von ihr man sagt,
sie hat mein Herz besessen.
Ich bin ihr hold,
und wenn ich sollt
groß Unglück han,
da liegt nicht an;
sie will mich des ergetzen
mit ihrer Lieb und Treu an mir,
die sie zu mir will setzen
und tun all mein Begier.

Sie trägt von Gold so rein ein Kron,
da leuchten inn zwölf Sterne,
ihr Kleid ist wie die Sonne schon,
das glänzet hell und ferne;
und auf dem Mon
ihr Füße stohn;
sie ist die Braut,
dem Herrn vertraut.
Ihr ist weh und muss gebären
ein schönes Kind, den edlen Sohn
und aller Welt ein Herren,
dem sie ist unterton.

Das tut dem alten Drachen Zorn
und will das Kind verschlingen,
sein Toben ist doch ganz verlorn,
es kann ihm nicht gelingen.
Das Kind ist doch
gen Himmel hoch
genommen hin
und lässet ihn
auf Erden fast sehr wüten.
Die Mutter muss gar sein allein;
doch will sie Gott behüten
und der recht Vater sein.

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Augustinerchorherr beim Komponieren erwischt!

Ich verstehe nichts von Popmusik. Klar, ich weiß, daß Singing in the Rain schön ist und When I’m Sixty-Four auch, aber das ist schon alles. Alipius Müller hingegen versteht nicht nur etwas von, er macht Popmusik.
Neulich hatte ich mal in etwas reingehört und gefunden: Klingt nett, versteh ich aber nichts von. Aber nun hat der ehrwürdige Herr Alipius seine Leser geradezu genötigt, sein neuestes Werk zu hören, ein Stück mit dem Titel Whiskey/Zigaretten/Verlust.

Und Recht hat er! Das geht unter die Haut, das ist nicht einfach bloß Wohlfühlmusik, sondern hat Tiefgang. Musik in neblig verschleierten, gedeckten Farben, die nach nassem Herbstlaub riecht. Kultivierte Sehnsucht im Spätherbst.

Zwischen dir und dem Schlaf heißt das Album auf des Herrn Alipi Soundcloud. Ein anderes Stück mit dem poetischen Titel An deinen quellen, o niemandsland beschreibt wirklich mit nur klanglichen Mitteln tiefes, sprudelndes Wasser, und es klingt so, als ob man selbst in diesem Wasser wäre.

Das wachsende Album hat noch andere Titel, in denen ich aber nicht diese musikalische Tiefe höre. Gut anzuhören sind sie aber alle. Auch wenn man nichts von Popmusik versteht und das eigentlich auch gar nicht ändern möchte.

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