Astern

Zum Ausklang des Sommers eines der schönsten Gedichte von Gottfried Benn.

Astern – schwälende Tage,
alte Beschwörung, Bann,
die Götter halten die Waage
eine zögernde Stunde an.

Noch einmal die goldenen Herden,
der Himmel, das Licht, der Flor,
was brütet das alte Werden
unter den sterbenden Flügeln vor?

Noch einmal das Ersehnte,
den Rausch, der Rosen Du –
der Sommer stand und lehnte
und sah den Schwalben zu,

noch einmal ein Vermuten,
wo längst Gewißheit wacht:
Die Schwalben streifen die Fluten
Und trinken Fahrt und Nacht.

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Vier Worte,  drei Worte

Melodie wird noch gesucht. GL 280 ginge, ich will aber was Flotteres.

Nur vier Worte will ich sagen:
Herr, erhöre mein Gebet!
Weißt Du doch seit alten Tagen,
wie es um die Erde steht.
Voller Krieg und Streit und Sünde
ist sie seit so langer Zeit,
jeder findet seine Gründe –
mach zur Umkehr uns bereit!

Mach uns frei, Dir ganz zu dienen,
weise, mutig, froh und treu,
ohne Groll und saure Mienen,
vor dem Feinde ohne Scheu!
Gleich was andre Menschen sagen,
gleich ob uns ein Heer bedroht,
lass uns tapfer ohne Klagen
standhaft bleiben in der Not.

Nimm die Ängste und die Sorgen,
gib uns Umsicht und Geduld,
lass in Freiheit uns geborgen
sein bei Dir trotz aller Schuld.
Dann erscheinen Satans Lügen
wie ein kindisches Geplärr,
und im Zweifel dann genügen
nur drei Worte: Gott ist Herr.

© Claudia Sperlich

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Johannes der Täufer

Melodie: Hoch sei gepriesen unser Gott (GL 384)

Du hast den Heiland schon erkannt
als ihr noch beide ungeboren.
Du bist dem Herrn vorausgesandt,
zum Wegbereiter auserkoren.
Du Rufer voller Leidenschaft,
du mahnst zur Umkehr alle Sünder;
Elia gleich, voll Geist und Kraft,
bist du der größte aller Künder.

„Ich taufe euch mit Wasser nur,
doch nach mir wird ein Größrer kommen,
Er war vor mir, auf Seiner Spur
wird jeder Weg zum Heil genommen.
Er tauft mit Feuer – Er ist Licht,
Er tauft mit Geist – Er will euch führen!
Ich bin gering und tauge nicht,
Ihm die Sandalen aufzuschnüren.“

Als Jesus an den Jordan kam,
hast du in Ihm das Lamm gesehen,
das alle Sünden auf sich nahm,
umgeben von des Geistes Wehen.
Ihn, der sich nie mit Gott entzweit,
hast du getauft auf Seine Bitte,
erfülltest die Gerechtigkeit
an dem, der aller Welten Mitte.

Du scheutest vor Herodes nicht:
„Des Bruders Frau darfst du nicht nehmen!“
Du drohtest ihm mit dem Gericht -
da ließ er dich gefangen nehmen.
Du fragtest aus der Kerkerhaft:
„Ist Jesus der, auf den wir hoffen?“
„Die Blinden sehn durch Seine Kraft,
den Toten steht das Leben offen!“

Du warst geschlachtet wie im Spiel:
Ein Fest, ein Tanz und ein Versprechen,
ein Kind, benutzt zu bösem Ziel -
so ließ Herodias sich rächen.
Doch der, dem du den Weg gebahnt,
der dir Prophetenmut gegeben
und dessen Reich du vorgeahnt,
Er gab dir ewig frohes Leben.

© Claudia Sperlich
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Augustinus

Als junge Frau las ich seine Bekenntnisse in einer lateinisch-deutschen Ausgabe, und ich kann behaupten,  daß ich eine Menge meiner Lateinkenntnisse direkt von Augustinus habe.  Außerdem stammt aus den Confessiones eines meiner liebsten Zitate.

optimus minister tuus est, qui non magis intuetur hoc a te audire quod ipse voluerit, sed potius hoc velle quod a te audierit.

Dein bester Diener ist nicht der, der lieber von Dir zu hören begehrt,  was er selber will, sondern der vielmehr das will, was er von Dir hört.

Diesen Satz kann ich seitdem auswendig und versuche mit schwankenden Erfolg,  ihn zu beherzigen.

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Monica

Melodie: Befiehl du deine Wege

In ihrer Jugend brannte
In Herz und Seele schon
Ein Licht, da sie bekannte
Sich zu dem Gottessohn.
Von Demut und von Güte
War Monica beseelt,
Und wo der Hader glühte,
Hat nie ihr Trost gefehlt.

Sie weinte im Gebete
Für ihren wilden Sohn,
Und für den Gatten flehte
Sie oft vor Gottes Thron.
Den überreichen Segen
Hat Gott ihr spät gewährt:
Zu Jesu Wort und Wegen
Sich Mann und Sohn bekehrt.

Wenn Traum und Bilder schweigen
Und auch die Seele schweigt,
Dann werden wir uns neigen
Vor dem, der uns gezeigt
In einem Atemholen,
In Augenblickes Zeit,
Daß Er uns anbefohlen
Die frohe Ewigkeit.

© Claudia Sperlich

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Kein blinder Führer sein! Nicht heucheln!

Mt 23,13-22

In jener Zeit sprach Jesus:
Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr verschließt den Menschen das Himmelreich. Ihr selbst geht nicht hinein; aber ihr lasst auch die nicht hinein, die hineingehen wollen.

Weh euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr zieht über Land und Meer, um einen einzigen Menschen für euren Glauben zu gewinnen;
und wenn er gewonnen ist, dann macht ihr ihn zu einem Sohn der Hölle, der doppelt so schlimm ist wie ihr selbst.

Weh euch, ihr seid blinde Führer!

Ihr sagt: Wenn einer beim Tempel schwört, so ist das kein Eid; wer aber beim Gold des Tempels schwört, der ist an seinen Eid gebunden.

Ihr blinden Narren!

Was ist wichtiger: das Gold oder der Tempel, der das Gold erst heilig macht?

Auch sagt ihr: Wenn einer beim Altar schwört, so ist das kein Eid; wer aber bei dem Opfer schwört, das auf dem Altar liegt, der ist an seinen Eid gebunden.

Was ist wichtiger:
das Opfer
   oder der Altar, der das Opfer erst heilig macht?

Wer beim Altar schwört, der schwört bei ihm und bei allem, was darauf liegt. Und wer beim Tempel schwört, der schwört bei ihm und bei dem, der darin wohnt. Und wer beim Himmel schwört, der schwört beim Thron Gottes und bei dem, der darauf sitzt.

Jesu Mahnung an die Schriftgelehrten und Pharisäer geht jeden an, der mit Auslegung und Erklärung der Heiligen Schrift zu tun hat. Auch Eltern, Paten,  Religionslehrer, Nachbarn neugieriger Atheisten usw.

Authentisch sollen wir sein, das leben, was wir erklären. Wer von Gott spricht,  soll es so tun, daß sein Gegenüber Lust bekommt, diesen Gott kennenzulernen.

Das heißt nicht,  daß man Gott verharmlosen soll – genau dagegen wehrt sich Jesus! Wir dürfen Gottes Wort nicht zu Tode interpretieren oder nach Belieben weglassen, nur weil es gerade nicht schmeichelt.
Aber jede Art von Mission kann nur erfolgreich sein, wenn sie von Liebe und Begeisterung geprägt ist.

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Einer ordne sich dem anderen unter.

Die heutige Lesung aus dem Neuen Testament ist Epheser 5,21-32, und das ärgert viele. Mich nicht, und ich erkläre gern, warum ich die Perikope so gut finde.

Es beginnt ganz einfach: 

Einer ordne sich dem andern unter in der gemeinsamen Furcht Christi!

Das betrifft alle, Männer wie Frauen (und, wie aus der Fortsetzungin Eph. 6 hervorgeht, Kinder und Erwachsene und sogar Sklavenund Freie).  Kein Mensch soll sich über andere stellen,  jeder soll anderen dienen.

Jetzt kommt die so gescholtene Stelle:

Ihr Frauen euren Männern wie dem Herrn; denn der Mann ist das Haupt der Frau, wie auch Christus das Haupt der Kirche ist.
Er selbst ist der Retter des Leibes. Wie aber die Kirche sich Christus unterordnet, so sollen sich auch die Frauen in allem den Männern unterordnen.

Christus ist der Maßstab. Er zwingt nicht,  verletzt nicht,  beleidigt nicht, verlangt nichts Schlechtes und nichts Unmögliches. Er ist „Retter des Leibes“, also des Lebens. Frauen sollen sich niemandem unterordnen, der verletzt,  beleidigt,  Schlechtes verlangt und zerstörerisch wirkt, sondern sich nur in vergleichbarer Weise unterordnen wie die Kirche es gegenüber Christus tut. Die Frau wird hier mit der Kirche,  der Braut Christi,  verglichen.

Nun wendet Paulus sich an die Männer:

Ihr Männer, liebt eure Frauen, wie auch Christus die Kirche geliebt und sich für sie hingegeben hat, um sie zu heiligen, da Er sie gereinigt hat durch das Wasserbad im Wort!

So will Er die Kirche herrlich vor sich hinstellen, ohne Flecken oder Falten oder andere Fehler; heilig soll sie sein und makellos.

Die Männer sollen also bereit sein,  aus Liebe alles für ihre Frauen zu tun und zu erdulden, denn so ist Christus gegenüber der Kirche. So schön, so heilig sollen sie ihre Frauen finden wie Christus die Kirche,  und natürlich ist das auch ein Aufruf,  als Mann nichts zu tun, was die Heiligkeit der Frau gefährden könnte.

Darum sind die Männer verpflichtet, ihre Frauen so zu lieben wie ihren eigenen Leib. Wer seine Frau liebt, liebt sich selbst.

Keiner hat je seinen eigenen Leib gehasst, sondern er nährt und pflegt ihn, wie auch Christus die Kirche.

Denn wir sind Glieder seines Leibes.

Darum wird der Mann Vater und Mutter verlassen und sich an seine Frau binden und die zwei werden e i n Fleisch sein.

Dies ist ein tiefes Geheimnis; ich beziehe es auf Christus und die Kirche.

Paulus mahnt die Männer nicht nur, die Goldene Regel zu befolgen wie jeder vernünftige Mensch. Er vergleicht das Eheleben nochmals eindrücklich mit der bräutlichen Liebe zwischen Christus und der Kirche. So wie ein Neubekehrter sich von alten Bindungen trennt, um Christus zu folgen, trennt der junge Ehemann sich vom Elternhaus,  um sich ganz mit seiner Frau zu vereinen.

Der Schlussatz Eph.5,33 wird leider nicht in der Messe gelesen; er fasst zusammen:

Indessen sollt auch ihr, jeder Einzelne, seine Frau lieben wie sich selbst, die Frau aber ehre ihren Mann.

In so einer (freilich idealen) Ehe folgen beide Eheleute Christus,  ordnen sich einander unter, und keiner tut dem anderen etwas Schlechtes an. Ich kann mich darüber nicht aufregen.

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Ein aufrechter Kriminalist

Quelle: Wikipedia

Vor 85 Jahren  – kurz vor Ausbruch des 2. Weltkrieges – starb Ernst Gennat, der 1904 seine Arbeit bei der Kriminalpolizei Berlin begonnen hatte.  Er führte die Mordkommission ein und sorgte dafür, daß die Polizei bei Mordfällen schnell vor Ort war. Er modernisierte Verhörtechnik und Spurensicherung und baute einen Polizeiwagen so aus, daß er vor Ort als mobiles Ermittlungsbüro diente.

Über seine äußerst  erfolgreiche Arbeit und seine Persönlichkeit informiert Wikipedia ausgezeichnet. Ich möchte hier nur drei Dinge zu seiner besonderen Ehre hervorheben.

Er verbot seinen Mitarbeitern strikt jegliche Gewalt gegen Verdächtige, auch sie nur hart anzufassen. Seine Verhöre glichen oft eher netten Plaudereien  und waren gerade dadurch erfolgreich.

In der Nazizeit machte er seine Arbeit weiter und blieb dabei redlich.  Er vermied jegliche sprachliche Angleichung an die neuen Machthaber. Auf seiner Dienststelle waren die meisten Mitarbeiter keine Nazis.

Kurz vor seinem Tod heiratete er eine Kollegin,  die geäußert hatte, sie wolle unter diesen Machthabern nicht mehr Polizistin sein. Dadurch bekam sie eine seiner hohen Position entsprechende Witwenrente und musste nicht mehr arbeiten.

Requiescat in pace.

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Dank an die Polizei und einen Sprayer

An die Berliner Polizei, weil sie eine Pro-Palästina-Demonstration aufgelöst hat, ehe es zu irgendwelchen Ausschreitungen kam, und weil sie eine jüdische Buchhandlung beschützt hat, die sonst vielleicht auch nicht unbeschädigt geblieben wäre.

Und an einen Sprayer (obwohl ich meistens gegen unerbetene Graffiti an Häusern bin), weil er den dummen Slogan „Free Gaza“ zu der gänzlich unpolitischen, menschenfreundlichen Bitte um „Free Gazpacho“ geändert hat.

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Rosen, Phlox, Goldrauten

So wundervoll, so spätsommerlich-üppig ist der Garten! Ich freue mich jeden Tag daran. Die Rosen blühen zum zweiten Mal, und nun sind auch die Goldrauten fast vollständig erblüht. Die mag ich besonders, und obwohl sie keine einheimischen Blumen sind (aber sie verdrängen auch nichts), haben sie für mich immer mit Heimatgefühl zu tun. Denn sie blühten, als ich als junge Frau für ein Jahr nach Paris fuhr. Ich sagte zu der Freundin, die mich zur Bahn gebracht hatte, etwas wehmütig: „Jetzt blühen die Goldrauten, und ich fahre weg.“ Sie lachte, meinte, die gebe es doch wirklich überall. In Paris fand ich sie nur auf dem Blumenmarkt, und sie waren teurer als Rosen.

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