Myriam aus Qaraqosh

In den letzten Tagen gab es einige Diskussionen auf facebook über Jesu Worte zur Feindesliebe. Mir fiel nicht zum ersten Mal auf, daß es unter westlichen Christen durchaus die Haltung gibt „Das kann Jesus nicht gesagt haben, das geht eh nicht“. Und leicht ist es keineswegs, aber das hat Jesus ja auch nie behauptet. In diesem Zusammenhang fiel mir Myriam wieder ein.

Im Februar 2015 wurde die damals zehnjährige Myriam Behnam, eine Christin aus Qaraqosh im Irak, in einem Flüchtlingslager in Erbil interviewt. Ihr erstaunliches Zeugnis ging um die Welt – und ist wert, wieder einmal gehört zu werden.

Wie geht es dir, Myriam?
Gut, und dir?
Mir geht es prima. – Du siehst wirklich unser Programm?
Ja.
Magst du Sat-7 Kids?
Ja.
Woher kommst du? Bist du auch aus Qaraqosh?
Ja, ich bin aus Qaraqosh.
Du bist zehn Jahre alt, stimmts?
Ja.
Wie lange bist du schon in diesem Lager?
Vier Monate.
Was vermisst du am meisten aus Qaraqosh, was du hier nicht hast?
Wir hatten da ein Haus, und wir hatten dort Spaß, und hier haben wir das nicht. Aber, Gott sei Dank, Gott sorgt für uns.
Wie meinst du das, daß Gott für euch sorgt?
Gott liebt uns, und Er wollte nicht, daß IS uns umbringt.
Du weißt, wie sehr Gott dich liebt, nicht wahr?
Ja, Gott liebt uns alle, nicht bloß mich, Gott liebt jeden.
Glaubst du, daß Gott auch die liebt, die dir wehgetan haben, oder nicht?
Er liebt die, aber Satan liebt Er nicht.
Was empfindest du gegenüber denen, die dich von zu Hause vertrieben haben und dich in solche Not gebracht haben?
Ich will denen nichts tun, ich will nur Gott bitten, ihnen zu vergeben.
Und kannst du ihnen auch vergeben?
Ja.
Aber das ist sehr schwierig – oder ist es leicht, denen zu vergeben, die bewirkt haben, daß ich leide?
Ich bringe die nicht um. Warum sollte ich sie umbringen? Ich bin nur traurig, daß sie uns von zu Hause vertrieben haben. Warum haben sie das getan?
Du warst gern in deiner Schule in Qaraqosh, nicht wahr?
Ja, ich war immer die Klassenbeste.
Hattest du auch Schulfreunde?
Ja.
Sind die hier bei dir? Oder ist keiner von ihnen hier?
Einige sind hier, aber ich weiß nicht wo genau.
Vielleicht schauen ja einige von ihnen gerade jetzt Sat-7 Kids im Fernsehen. Was möchtest du ihnen gern sagen?
Bevor ich herkam, hatte ich eine Freundin. Sie hieß Sandra, und wir haben immer den ganzen Tag zusammen verbracht. In der Schule waren wir den ganzen Tag zusammen. Obwohl wir keine Nachbarn waren, hatten wir einander sehr lieb. Wenn eine der anderen Unrecht getan hat, haben wir einander immer vergeben. Manchmal haben wir gespielt und sind in Streit geraten, aber wir haben einander immer vergeben. Wir hatten einander sehr lieb, und jetzt möchte ich sie einfach sehen.
Du weißt nicht, wo sie ist, oder?
Nein, das weiß ich nicht.
Wenn Sandra uns nun sieht, wird sie dir sicher ihre Grüße schicken, und ich bin sicher, daß sie dich liebt, Myriam.
Sie liebt mich sehr. Und ich liebe sie auch und hoffe, sie hier eines Tages zu sehen.
Sicher, und ich hoffe, wir können bei dir sein, wenn du Sandra triffst.
Hoffentlich.
Was meinst du?
Ich hoffe, wir kommen wieder nach Hause und sie kommt wieder nach Hause, und wir können uns wieder treffen.
Ich hoffe, ihr kommt in ein Zuhause, das besser ist als euer früheres Zuhause.
Wenn Gott will! Nicht was wir wollen, sondern was Gott will, denn Er weiß.
Bist du nicht manchmal traurig? Glaubst du zum Beispiel, Jesus hat dich verlassen?
Nein. Manchmal weine ich, weil wir unser Zuhause und Qaraqosh verlassen haben, aber ich bin nicht wütend auf Gott, weil wir Qaraqosh verlassen haben. Ich danke Ihm, weil Er für uns gesorgt hat. Auch wenn wir hier leiden, Er sorgt für uns.
Du hast mich so viel gelehrt.
Danke. Du hast mir auch etwas beigebracht.
Was habe ich dir beigebracht?
Du hast mir beigebracht… du hast mir nichts beigebracht, was ich meine, ist: du hast Anteil an mir genommen. Du hast Anteil an mir genommen. Ich hatte Gefühle, und ich wollte, daß die Leute wissen, wie ich mich fühle… die Kinder hier…
Weißt du, daß Jesus dich niemals verlassen wird?
Er wird mich nie verlassen. Wenn du wirklich gläubig bist, wird Er dich nie verlassen.
Kennst du ein Lied, das du gerne singst, wenn du alleine bist, und durch das du zu Jesus sprichst? Oder erinnerst du dich an gar nichts mehr?
Ich kenne ein paar Lieder.
Würdest du mir dein Lieblingslied vorsingen? Nur ein kurzes Lied, das du uns vorsingen kannst – was meinst du?
Hier ist ein Lied: (singt) Wie froh ist der Tag, an dem ich zum Glauben an Christus kam. Meine Freude war vollkommen bei Tagesanbruch, und voll Dankbarkeit sang meine Stimme. Meine Liebe zu meinem herrlichen Retter wird von Tag zu Tag wachsen. Ein neues Leben, ein freudiger Tag, wenn ich mit dem, den ich liebe, wieder vereint werde. Von Liebe bewegt, kam Er – oh was für eine wunderbare Liebe! Er machte mich wieder gerecht durch einen wahrhaftigen Bund. Meine Liebe zu meinem herrlichen Retter wird von Tag zu Tag wachsen. Ein neues Leben, ein freudiger Tag, wenn ich mit dem, den ich liebe, wieder vereint werde.

Myriam wurde im Juli 2015 von einem amerikanischen Reporter interviewt und zeigte ein bemerkenswertes Verständnis von der Dreieinigkeit und von der Bibel. Sie nennt die Auferstehung „die einzige Geschichte in der Bibel“ – hat also begriffen, daß alles andere in der Bibel auf Jesus hin verstanden werden kann.

In der Bibel sagt Jesus zu uns: „Habt keine Angst, Ich bin bei euch“, und Er hat auch gesagt „Vergebt anderen“. Gleich wie sehr sie euch hassen, ihr müsst ihnen vergeben. Jesus ist mein Vater, und Er ist mein Schöpfer. Ich habe keinen Besseren als Ihn. Als IS uns von zu Hause vertrieben hat, war Seine Hand über uns, und Er hat uns gerettet.
Wenn Myriam erwachsen ist, will sie bei Ärzten ohne Grenzen mitmachen.
Es gibt überall Menschen, die medizinische Behandlung brauchen, aber nicht bekommen, weil sie nicht genug Geld haben, um zum Arzt zu gehen. Und in der Regel sind die Ärzte auch nicht ihre Nachbarn. Jesus hat gesagt: „Umsonst habt ihr’s empfangen, umsonst sollt ihr geben.“ Deshalb sollen wir sie lieben und ihnen Behandlung geben.
Myriam sagt, sie liebt die Bibel, weil sie Gottes Liebesgeschichte mit den Menschen ist.
Die einzige Geschichte in der Bibel ist die Geschichte von der Auferstehung des Herrn Jesus Christus. Durch diese Geschichte können wir Hilfe erlangen.
Wenn ich bete, so bete ich, Gott möge uns helfen, wieder nach Hause zu gehen, und auch, daß der Friede Gottes auf den ganzen Irak kommt, und auch, daß Gott IS vergeben möge.
Die Worte, die ich zu euch sage, kommen nicht irgendwoher. Sie kommen vom Heiligen Geist. Der Heilige Geist hat mir die Worte gegeben, die ich euch sagen soll.
Myriams stolzer Vater sagt:
Ich glaube, Gott hat mir eine gute Tochter gegeben – daß sie das Wort Jesu durch die Medien verbreitet. Nicht für den Ruhm, sondern um Gottes Wort allen Menschen zu geben, die im Frieden leben.
Myriams Mutter Alice brachte ihren Kindern viele religiöse Lieder bei. Sie sagt:
Es scheint, daß der Heilige Geist ihnen in die Herzen gegeben hat, diese Lieder zu lieben und diesen Teil ihrer Persönlichkeit ganz Gott zu weihen, und Gott zu preisen, und so lieben sie diese Art des Lobpreises besonders. Und schließlich mahnt Myriam Kinder in den USA und anderswo, Gott zu lieben und ihren Glauben mit Freunden zu teilen.
Und wieder Myriam:
Sie brauchen keine Angst zu haben. Und auch wenn Dinge in ihrem Leben passieren, sollten sie von uns und unseren Leben lernen. Das ist nicht um etwas zu bekommen oder selbst berühmt zu werden, sondern um Gottes Willen, weil Gott lebt, und wir wollen alles zur Ehre Gottes tun, und auch um Gott in unseren Leben zu preisen.

Kurz vor Weihnachten 2015 besuchte der selbe Reporter Myriam wieder in Erbil und brachte ihr viele Postkarten und Bilder mit, die für sie und alle Flüchtlingskinder bei Sat7 eingegangen waren – Kinderbilder und Grüße aus aller Welt.
Myriam wurde völlig überrascht; sie saß in einem Klassenraum, als der Reporter kam.

Ab 2:06:
Ein Freund namens Sam Evans fragt: Was ist das Geheimnis deiner Stärke bei all diesen schrecklichen Dingen, die der Feind dir angetan hat?
Ich widerstehe dem Bösen mit Jesus Christus.
Eine unserer Freundinnen namens Megan schickt einen Brief und fragt Myriam: Welchen Rat kannst du Menschen geben, die Verfolgung leiden?
Ich sage ihr, sie soll unerschütterlichen Glauben behalten. Das sollte sie. Sie muss unerschütterlichen Glauben haben, denn dann wird sie Gott vertrauen, und ihr Vertrauen zu Gott wird ihr Liebe geben und Kraft, um das Leid der Verfolgung zu ertragen.
Möchtest du den Mächtigen der Welt vielleicht eine Botschaft sagen?
Ich möchte ihnen sagen: Betet zu Jesus, denn Er ist alles im Leben. Er hat ihnen das Leben gegeben und beschirmt sie in harten Zeiten. Ich möchte ihnen sagen, sie sollen Liebe im Herzen haben und Barmherzigkeit für andere. Wir leiden jetzt. Aber sie sollten Liebe und Barmherzigkeit im Herzen haben.
Es gibt einen Dialekt namens Sorath, nicht wahr, Myriam?
Ja.
Und in dem kann man das Gebet des Herrn sprechen. Kannst du es in Sorath aufsagen?
(Myriam und ihre beiden Freundinnen sprechen das Gebet des Herrn.)
Was würdest du all den Leuten heute sagen, die versuchen dir zu sagen, daß sie dich unterstützen und lieben?
Ich möchte ihnen sagen: Ich danke euch allen, denn ihr habt mir ein Gefühl von Sicherheit und Frieden gegeben. Ich danke auch all jenen, die für mich und für das ganze irakische Volk gebetet haben. Ich danke allen Kindern, die mir diese Geschenke geschickt haben.

Myriam ist nun ungefähr zwölf Jahre alt. Vielleicht ist sie wieder zu Hause in Qaraqosh – leider habe ich keine weiteren Nachrichten. Hoffen und beten wir, daß sie auch weiter so eine mutige, gläubige, vergebende Christin bleibt!

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Pane del Cielo – Himmelsbrot

Heute findet in vielen – hoffentlich sehr, sehr vielen – Gemeinden die „äußere Feier“ des Fronleichnamsfestes statt. In unserer Gemeinde werden wir wieder ein Lied singen, das der Hl. Alfonso Maria de Liguori gedichtet hat – in meiner Übertragung, singbar auf die Melodie O Bread of Heaven.

In diesem Schleier, Himmelsbrot,
Verbirgst du meinen wahren Gott;
mein teurer Hort, ich liebe dich,
Mein liebster Jesus, du gibst dich
All jenen, die dich lieben, Gott,
In der Gestalt von schlichtem Brot.

O Lebensnahrung, du gibst mir
Das Pfand des ewgen Lebens hier;
Ich lebe nicht aus eigner Kraft,
Gott lebt in mir, der Leben schafft,
Ihm dank ich Nahrung und Geleit,
Er führt mich in die Seligkeit.

O Liebesband, vereine recht
Den lieben Herrn mit seinem Knecht:
Wenn ich nur lebe liebesleer,
Begehr ich nicht zu leben mehr,
Weil es für mich kein Leben gibt,
Lieb ich nicht den, der mich so liebt.

Du zündest, mächtger Feuerbrand,
Das Herz voll Sehnsucht, den Verstand,
Dich sucht mein Herz: Ach komm, o Herr,
Komm und entzünde mich noch mehr;
Brennt schon mein Feuer heiß und hoch,
Ist deine Liebe stärker noch.

O holder Blitz, wenn meinen Gott
Ich kränkte, tut Vergeltung not:
Auf, schlage meine Seele wund,
Sie sterbe für des Lebens Grund.
Du selber gabst dein Leben hin,
Weil du mich liebst mit Herz und Sinn.

Geliebtes Gut, du bandest mich
Mit vielen Ketten fest an dich.
O süße Liebe, dir allein
schenk ich mein Herz, dein will ich sein
Für immer, denn du gabst dich mir,
Nun will ich selbst mich geben dir.

Geliebter, du erwartest mich
Im Himmel, daß ich liebe dich
Ganz unverstellt. So wird es sein,
Das hoff‘ ich, Gott und Leben mein!
Verwehren kann der Himmel nicht,
Was er mir gibt und was er spricht.

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

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Bilder aus St Marien in Friedenau

In den letzten Wochen sind einige Bilder meiner Heimatkirche entstanden, und Fronleichnam ist eine schöne Gelegenheit zur Veröffentlichung. Es ist eine schöne Kirche, und mir gefällt, wie uneinheitlich die Ziegel und Natursteine sind.

St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien Friedenau
St Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien Friedenau
St Marien FriedenauSt Marien Friedenau
St Marien Friedenau
St Marien Friedenau

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Gedichte zu Fronleichnam

Fronleichnam

Der Herr zieht vorbei
im strömenden Regen.
Ich knie vor Ihm
auf nasser Straße.
Als Katholikin
bin ich erkennbar
am Fleck auf der Hose
und pfeif auf dem Heimweg
voll heiliger Speise
das Tantum ergo.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

*

Fronleichnam am Gendarmenmarkt

I

Mein Herz fasst die Freude nicht,
die Gott mir schenkt –
mein ganzer Leib ist erfüllt
bis in Finger- und Zehenspitzen
von goldener, quellender, leuchtender
Freude aus Gott, meinem Herrn:
Er hat meine Sünden vergeben,
ich darf Seinen Leib empfangen,
ich darf Ihn kniend verehren,
mit Ihm durch die Straßen ziehen.

II

Selbst die Amseln singen heute lauter –
zwar nur weil sie festlichen Gesang
konkurrierend überbrücken wollen,
aber immerhin: Sie sind in Schwung,
wenn bei Wandlung und vor der Monstranz
alle Menschen schweigen vor dem Herrn,
modulieren ungebremst die Amseln,
und mein Ohr hört Gotteslob darin.

© Claudia Sperlich

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Seiten sperren, Seiten entsperren

Ich hatte mich hier ziemlich heftig über eine Bibliothek geärgert. Nun aber hat mir ein Mitarbeiter der Bibliothek sehr genau erklärt, wie es zu einer solchen Sperrung kommen kann, nämlich durch die Unvollkommenheit des Algorithmus, und dadurch, daß eine Bibliothek leider auch zum Aufsuchen von Schmuddel-, Sekten- und Gewaltseiten mißbraucht wird, wenn sie sich nicht schützt.

Der Mitarbeiter hatte sich über den von mir überspitzt erhobenen Vorwurf der Diktatur zu Recht geärgert, und ich habe ihn (den Vorwurf, nicht den Mitarbeiter) gelöscht.

Ärgerlich bleibt es, daß offenbar der beste Algorithmus nicht imstande ist, die Homepage einer Römisch-katholischen Gemeinde von einer gefährlichen Sekte zu unterscheiden. Aber der Geist der Unterscheidung ist eben auch der Geist der Weisheit, und wenn ich selbst einen gar nicht weisen Vorwurf formuliere, kann ich von einem Algorithmus nicht mehr verlangen.

Liebe Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, entschuldige bitte. Ich werde künftig bei gesperrten Seiten mal einfach tief durchatmen.

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„Katholisch“ und „Kulte“: Ganz, ganz böse!

Die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek in Berlin-Steglitz ist ein angenehmer Ort. Der Bestand ist sehenswert für eine Bezirksbibliothek. Die Bibliothek ist kinderfreundlich mit einem feinen Kinderbuchbestand und gemütlichen Kinder-Sitzecken sowie gelegentlich Lesungen für Kinder. Sie ist jugendfreundlich mit einer großen Menge an Jugendbüchern und einem Computerbereich direkt daneben, bei dem sehr darauf geachtet wird, daß kein Jugendlicher länger als eine Stunde am PC sitzt. Sie ist auch Erwachsenenfreundlich mit vielen Büchern zu vielen Themen, mit guten Buch-Recherchemöglichkeiten und Sitzgelegenheiten mit und ohne Schreibtisch, zum Lümmeln und Schmökern ebenso wie zum konzentrierten Arbeiten, und mit PCs auch in dem Bereich für die „Großen“. Es gibt in einer Ecke der Bibliothek ein kleines, günstiges und nettes Café. Die Mitarbeiter sind freundlich, die ganze Bibliothek ist hell und gepflegt.

Eine überspitzt formulierte Bemerkung über die Ingeborg-Drewitz-Bibliothek habe ich gelöscht, nachdem ich eine erklärende Mail bekam mit der Zusicherung, die betreffenden Seiten wieder zuzulassen.

Mein Blog ist von den hiesigen PCs aus nicht aufrufbar. Argument: Hassrede und Gewalt.
blockierte_Seiten1

Die Homepage der katholischen Kirchengemeinde Maria unter dem Kreuz ist ebenfalls von hier nicht aufrufbar. Argument: Kulte.
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Beschwert habe ich mich bereits, das nützt aber nichts.

Liebe Ingeborg-Drewitz-Bibliothek, cultus heißt verehrt. cultura heißt das, was verehrt wird. Kult und Kultur haben miteinander zu tun. Die ursprüngliche Bedeutung des zugrundeliegenden Verbs colere ist übrigens anbauen. Dort, wo das Getreide für Brot angebaut wird, wird auch Gott verehrt und werden am Ende auch Universitäten und Bibliotheken gebaut. Essen, beten, bilden – das gehört zusammen.

Aber macht nur weiter so. Solltet Ihr irgendwann den Bestand an religiösen Büchern verramschen, nehm ich den Ratzinger / Benedikt XVI. und den Franziskus.

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Was am Katholizismus so klasse ist: Das Purgatorium!

Jetzt, wird mancher denken, ist sie völlig ausgetickt. Was ist daran schön?

Ich mag meine Dusche. Wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin, werde ich unweigerlich dreckig – Straßenstaub, Schweiß und was in der Stadt- oder Landluft so herumfliegt, pappt nach einer längeren Fahrt an meinem Körper. So schön die Fahrt war, das ist eklig, und zu Hause bin ich froh, wenn ich mich davon befreien kann.

In diesem Leben pappt so einiges an meiner Seele. Vieles davon geht in der Duschkabine ab, die man Beichtstuhl nennt. Aber anderes, wie die klammernden bösen Neigungen oder die Schäden, die ich anderen Menschen zugefügt habe, oder die hartnäckigen Reste von Übelnehmerei, schlimmstenfalls auch ungebeichtete Sünden, bringe ich beim letzten Atemzug nicht herunter. (Das Gebet um eine gute Sterbestunde schließt ein, das am Ende möglichst wenig Gruseliges an der Seele klebt.) Es ist jedenfalls damit zu rechnen, daß man mit nicht so ganz blütenweißer Seele stirbt.

Ich brauche aber nicht zu befürchten, daß ich mit meinen dreckigen Klamotten zwischen den strahlend weiß gekleideten Bewohnern des goldenen Himmlischen Jerusalem herumlaufen muß. Ich muß – und darf – vorher einen Reinigungsprozess durchlaufen, das Purgatorium (von lat. purgare, reinigen). Der deutsche Ausdruck Fegefeuer entstand durch die Vorstellung, daß die Seelen im Feuer geläutert werden, wie Edelmetalle.

Das Purgatorium hat übrigens, entgegen einem schier unausrottbaren Irrtum, rein gar nichts zu tun mit der Vorstellung eines Limbus, wo es kein Leid gibt, aber auch keine höchste Glückseligkeit in der Anschauung Gottes. Diese Vorstellung entstand, weil man glaubte, Ungetaufte könnten auf keinen Fall in den Himmel kommen, auch wenn sie unschuldig waren. (Genaueres zur Idee des Limbus – auch, daß es hierüber sehr positive Auffassungen gibt – steht bei Kathpedia.)

Ich nehme an, daß ich im Purgatorium sehr genau erfahre, in welchem Maße andere Menschen durch meine Schuld gelitten haben. Das ist, wenn man genau darüber nachdenkt, keine schöne Vorstellung – die Folgen seiner eigenen Sünden genau so empfinden, wie andere sie empfinden mußten. Aber dennoch ist das Purgatorium ein Zustand der Hoffnung, denn es ist klar, daß es ein notwendiger Durchgang ist und danach die ewige Seligkeit kommt.

Nein, schön ist das Purgatorium nicht. Aber klasse ist es, daß es das gibt – daß man befähigt wird, vollkommen rein in den Himmel zu kommen. (Übrigens auch, wenn man nicht glaubt, daß es ein Purgatorium gibt. Ob man etwas glaubt oder nicht ändert ja nichts an seiner Existenz.)

Purgatorium

Meine Sünden ziehen Bahnen,
weiter, als ich sehe,
Folgen kann ich kaum erahnen,
bis ich vor Dir stehe.

Jeden werd ich sehen, jeden,
den ich je verletzte,
den mein Gift geschliffner Reden
je ins Unrecht setzte,

Jeden auch, dem ich versagte
seinen Teil der Gaben,
jeden, über den ich klagte,
ohne Grund zu haben,

Jeden, den ich falsch gerichtet,
vorschnell ausgeschlossen,
den mein Leichtsinn hat vernichtet,
dessen Blut geflossen,

Jeden, den ich zwang zu dulden
Worte oder Taten,
Jeden, der durch mein Verschulden
selbst in Schuld geraten…

Herr, ich darf schon heute wissen:
Du wirst mir vergeben.
Doch erst wird mein Herz zerrissen –
und dann kann ich leben.

© Claudia Sperlich

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Immer noch: Gesegnete Pfingsten!

Heiliger Geist: Auch heute wird Er besonders gefeiert, erbeten, ersehnt. Zu rechnen ist mit Ihm immer.

Hrabanus Maurus (780-856) dichtete viel, meist in der klassischen Form des Hexameters.
In einer uns vertrauteren, für ihn noch recht modernen Liedform schrieb er den Pfingsthymnus Veni Creator Spiritus. In meiner Übersetzung:

Komm, schöpfrischer Geist, besuche
Der Deinen Denken, erfülle
Mit himmlischer Gnade die Seelen
All jener, die Du geschaffen.

Der Du der Tröster genannt wirst,
Geschenk des Gottes, des höchsten,
Lebendger Quell, Feuer, Liebe
Und unsre geistliche Salbung.

Du siebengestaltge Gnade,
Du Finger der Rechten Gottes,
Du Heilsversprechen des Vaters,
Du schenkst der Kehle die Sprache.

Entzünde ein Licht den Sinnen,
Voll Liebe gieße die Herzen,
Die Schwäche unseres Leibes
Mach stark durch dauernde Tugend.

Vertreib den Feind in die Ferne,
Gib uns beständigen Frieden.
Wenn Du als Leiter vorangehst,
So meiden wir alles Übel.

Durch Dich lass den Vater uns kennen,
Und lass uns den Sohn verstehen,
An Dich, den Geist dieser beiden,
Lass Du uns alle Zeit glauben.

aus: Hymnarium. Lateinische Hymnen der Kirche neu übersetzt

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Gesegnete Pfingsten!

Allen Lesern wünsche ich segensreiche, geistvolle, frohe Pfingsttage!

Pfingsten

Licht unter Schwingen der Taube
trägt und schwindet ganz sacht:
Geist senkt sich auf die Erde,
Einer hörts und gibt Acht.

Taubenschwingen im Lichte
schweben und steigen empor:
Geist hebt sich über die Erde,
Einer sagts anderen vor.

Einer schwingt sich im Lichte,
wie die Taube so hoch:
suchend, Ihn zu verstehen,
tasten die anderen noch.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

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Und wieder eine schicke Rezension!

Harald Stollmeier, der Eisvogel, war so freundlich, mein Büchlein „Die Befreierhervorragend zu rezensieren.

Dreizehn Geschichten reihen sich in Claudia Sperlichs neuem Büchlein scheinbar unschuldig aneinander und erinnern an Kafka („Das Amt“), Stanilaw Lem („Die Befreier“) und Edgar Allan Poe („Weihnachtsfeier mit Autorenlesung“). Alle Geschichten zeichnet eine aufmerksame Feinfühligkeit aus, verbunden mit dem Verzicht auf Verurteilungen. Um so kälter läuft es dem Leser den Rücken herunter, wenn ihm selber klar wird, womit er es zu tun hat, um so mehr, wenn der Sprecher sich nicht als böse versteht sondern als gut und beispielsweise aufrichtig hofft, dass man eines Tages keine behinderten Föten mehr entsorgen muss („Genetisch einwandfrei“).
Die Welt, in der Sperlichs Geschichten handeln, ist erkennbar unsere, leicht überzeichnet. Stellenweise nur sehr leicht: Wenn einer Arbeitslosen die Leistungen gestrichen werden, weil sie nicht als “Vollstreckerin” arbeiten will („Ein Job fürs Leben“), dann ist die Analogie zu Hebammen oder Ärzten, die ihren Arbeitsplatz verlieren, weil sie nicht an Abtreibungen mitwirken wollen, nur deshalb nicht sofort offensichtlich, weil Deutschland keine Todesstrafe hat.

Zwei nicht minder erfreuliche Rezensionen gab es schon neulich. In der von Josef Bordat heißt es:

Mit „Die Befreier“ hält man ein Stück unterhaltsam geschriebener Gegenwartsanalyse in Händen, die klar Position bezieht. Dadurch, dass entscheidende Themen angerissen werden, vor allem aber dadurch, dass ruhig und gelassen erzählt wird, wie es morgen werden könnte, wenn fortgesetzt wird, was heute mehrheitsfähig ist – oder auf direktem Weg dazu. Claudia Sperlich scheut nicht die unzeitgemäße Warnung vor den unguten Tendenzen unserer Tage: Biozentrismus, Transhumanismus, Sozialfaschismus. Ein wichtiges Buch.

Und Tobias Klein schreibt:

Einen Teil der Geschichten siedelt die Autorin in einer möglichen nahen Zukunft an – und die sieht nicht rosig aus: Da soll nach der Wiedereinführung der Todesstrafe eine arbeitslose Metzgerin zur Henkerin umgeschult werden; da wandeln sexuell gehemmte Wissenschaftler auf Frankensteins Spuren, um sich durch Genmanipulation die perfekte Partnerin zu „erschaffen“; da bringen militante Tierbefreier, ohne selbst die Konsequenzen ihres Handelns zu überschauen, die Zivilisation zu einem mindestens partiellen Zusammenbruch. In diesen Zukunftsvisionen, ebenso aber auch in einigen der anderen Texte der Sammlung artikuliert sich ein starkes Interesse der Autorin an ethischen Fragen – gepaart mit einem nicht geringen Maß an Skepsis gegenüber gewissen Erscheinungsformen des wissenschaftlich-technologischen und gesellschaftlichen „Fortschritts“. Nicht nur in diesem Zusammenhang spielt auch der katholische Glaube der Autorin immer wieder eine Rolle in ihren Geschichten – mal ganz offen, mal eher durch die Hintertür.

Ich finde, man sollte auf die Herren Stollmeier, Bordat und Klein hören.

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