Pater Burkard O.P. Mein ganz persönlicher Nachruf.

Pater Burkard von den Dominikanern in Berlin-Moabit starb am 5. November, gut neunzigjährig. Sechzig Jahre lang war er mit Leidenschaft Seelsorger, und viele Berliner hatten ihn als gütigen Beichtvater kennengelernt. Ich wohne nicht in oder nahe bei Moabit und lernte ihn vor etwas über einem Jahr in anderem Zusammenhang kennen.

Ich wollte ein Gelübde ablegen und hatte mit einem anderen Priester darüber gesprochen. Der hatte mir geraten, auch mit P. Burkard zu sprechen, da dieser so viel Erfahrung habe.

Ich traf im Besprechungszimmer der Dominikaner einen im wörtlichen wie bildlichen Sinne aufrechten Geistlichen, der eine Art geistlicher wie geistiger Stärke und Freundlichkeit ausstrahlte. Er hörte mich wach und interessiert an, stellte mir dann viele Fragen und machte sich Notizen. Zwischendurch sagte er mehrmals, wie um Entschuldigung bittend, ich möge ihn nicht für inquisitorisch halten. Ich versicherte ihm, den Eindruck habe ich gar nicht.

Aber ich war ein wenig bange, was seine Einschätzung meines Unterfangens sein möchte. Denn ich hatte mir fest vorgenommen, auf ihn zu hören – und wenn er nun sagen würde: „Liebe Frau, schlagen Sie sich das mal schön aus dem Kopf“, dann würde ich auch auf ihn hören, aber es nicht im Wortsinn wollen.

Er fragte mich genau nach meiner persönlichen Situation, nach meiner Familie, meinem kirchlichen Leben, endlich auch danach, ob ein Gelübde, das die tägliche Feier der Heiligen Messe und tägliche Anbetung beinhaltet, praktisch auf jeden Fall möglich sei. Hier konnte ich sehr ruhig antworten – in Berlin kann ich mir täglich aussuchen, in welcher der vielen Kirchen ich zur Messe gehe, morgens oder abends, und in St. Clemens sogar mittags – und zur Anbetung offen ist St. Clemens immer, Tag und Nacht, und mehrere Kirchen in meiner Reichweite zumindest tagsüber.

Damit war für ihn soweit alles klar; er sagte bedächtig, daß aus seiner Sicht kein äußeres Hindernis bestehe. Etwas schüchtern fragte ich nun, ob er denn den Eindruck habe, daß mein Wunsch vernünftig sei. Er lachte ein wenig, sehr freundlich, und meinte, er sei kein Prophet – aber ich solle es ruhig machen, nur vernünftigerweise vorerst auf drei Jahre begrenzen. Er empfehle übrigens einen Termin, der mir irgendetwas sagt – mein Namenstag vielleicht, oder mein Taufdatum? – Beides sei mir ein wenig zu lang hin, wandte ich ein. – Nun, dann vielleicht einfach den ersten Adventssonntag, gleich zum Beginn des Kirchenjahres. (Das waren keine zwei Monate mehr.)

So geschah es also. Ich habe ihm wenige Monate später noch ganz kurz nach einer Messe sagen können, wie glücklich ich sei mit dem Gelübde – und ich sah, wie ihn das freute. Ich hätte ihm gerne nächste Woche, nach meinem „Einjährigen“, noch etwas ausführlicher gesagt, wie dankbar ich ihm bin und wie glücklich mein Gelübde mich macht. Stattdessen habe ich heute den Herrn gebeten, ihm das zu sagen. Und ich glaube, wenn ich kommenden Montag meinen ersten Jahrestag feiere, feiert Pater Burkard mit. Eingeladen ist er jedenfalls.

Gott, Pater Burkard ist nun bei Dir – vielleicht noch auf dem Weg, in dem Zustand der Sehnsucht, den wir Purgatorium nennen, aber ich kann mir nicht vorstellen, daß er lange dort sein muss. Wie auch immer: Er hat heilig gelebt, hat Dich geliebt und seinen Nächsten geholfen, Dich zu lieben.
Ich danke Dir, Herr, dafür, daß Pater Burkard hier gelebt hat. Ich hatte in ihm einen weisen und gütigen Berater.
Gott, für mich ist heute ein Tag der Freude, weil ich dadurch, daß ich bei Requiem und Begräbnis für ihn beten konnte, ihm etwas vergelten konnte.
Halt ihn an Deinem Herzen, Herr, Du gnädiger Richter, Du großherziger König. Nimm ihn auf in die Schar Deiner Heiligen. Amen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Pater Burkard O.P. Mein ganz persönlicher Nachruf.

  1. C.Becker schreibt:

    Sehr schön und anrührend.

  2. Gerd schreibt:

    Wir werden wohl alle an ihm einen weisen und gütigen Berater im Himmel haben. Mit der Hoffnung, dass Pater Burkard auch auf den Kommentator dieser Zeilen seine Fürsprache ausdehnen möchte. Danke, dass ich ihn auf diese Weise kennen lernen durfte.

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