Stéphane Mercier ist Philosoph und Theologe. Sein Profil ist auf der Seite des Institut d’Études Théologiques in Brüssel zu sehen, einer kleinen Universität der Gesellschaft Jesu. Jedoch wurde er vor kurzem vom Dienst suspendiert.
Über seine Vorlesungen zur Anthropologie heißt es auf der Seite der Universität (hier in meiner Übersetzung):
Jedes schlüssige ethische Konzept ist auf einer bestimmten Idee des Menschen begründet, die sich im Rahmen einer philosophischen Anthropologie entwickelt. Unsere Beschäftigung mit der Geschichte (Aristoteles, die Stoiker, Augustinus, Thomas von Aquin, Ignatius…) und den Themenkreisen (Körper/Seele, die Freiheit und ihr Sinn, Individuum/Gesellschaft…) bietet eine kritische Betrachtung der menschlichen Natur, ihrer einzigartigen Würde und ihrem unausweichlichen Anteil am Mysterium.
Stéphane Mercier hat an seine Studenten ein fünfzehnseitiges Papier verteilt, in dem er Abtreibung als ein Übel darstellt. Er geht darin auch auf das Problem der Schwangerschaft durch Vergewaltigung ein und äußert sinngemäß, ein Übel (Vergewaltigung) könne nicht durch ein größeres Übel (Tötung eines Unschuldigen) beseitigt werden. Wörtlich stellt er in dem Papier die Frage:
Ist Mord nicht ein größeres Verbrechen als Vergewaltigung?
Dies wurde ihm von Studenten so ausgelegt, als habe er Vergewaltigung verharmlost. Hat er aber nicht! Denn „A ist schlimmer als B“ ist eine völlig andere Aussage als „B ist nicht besonders schlimm“. Das sollte man, wenn man Philosophie studieren will, schon wissen.
Schon kurz vorher hatte Mercier für Empörung unter seinen Studenten gesorgt. Er hatte nämlich der Äußerung eines Priesters zugestimmt, daß homosexuelle Akte nicht in Ordnung seien.
Nun hat die Universität, die sich auf ihrer Homepage der ignatianischen Spiritualität und dem Studium der Heiligen Schrift verpflichtet sieht, aufgrund der Denunziation durch einen Studenten den Dozenten vom Dienst suspendiert. Weil er lehrt, was auch die katholische Kirche lehrt!
Am vergangenen Sonntag nahm der Suspendierte am Marsch für das Leben in Brüssel teil. Er sagte dort:
Als Philosoph habe ich die Aufgabe, frei über den Sinn und die Würde des Lebens nachzudenken. Meiner Ansicht nach sollte auch eine katholische Universität die Würde des Lebens verteidigen. Ich glaube, daß die Studenten vollkommen imstande sind, kritisch nachzudenken und den Wert der freien Meinungsäußerung zu begreifen.
(meine Übersetzung; Quelle)
Der Präsident des IET, Père Thierry Lievens, stellt die Universität so vor:
Das Institut d’Études Théologiques ist eine jesuitische Einrichtung. Seine Pädagogik wurzelt in der Spiritualität des Ignatius von Loyola. Diese nun begründet sich auf einer Überzeugung: In der regelmäßigen Schriftlesung, die sie sich zugleich aller von moderner Herangehensweise an biblische Texte gebotenen Hilfsmittel bedient, ergreift man wieder mit festem Willen das Geschenk der kirchlichen Tradition in Verbindung mit den Herausforderungen der heutigen Welt und gibt davon in persönlicher Weise Rechenschaft.
(meine Übersetzung)
Stéphane Mercier hat in der Tat das Geschenk der kirchlichen Tradition in Verbindung mit den Herausforderungen der heutigen Welt ergriffen und gibt davon in persönlicher Weise Rechenschaft. Und deshalb wurde er suspendiert.
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