Was mir unter einem Gingko einfiel

… an einem herrlichen Oktobertag:

Gingkoblätter

Nova Gingko biloba

Dieses Baums Blatt, esoterisch
Schon von Goethe angehaucht,
Gibt zu denken mir: Ach wär isch
So berühmt und so erlaucht

Wie der, den sie Fürsten nennen,
So als ob kein andrer blüht!
Wahrlich, bessere zu kennen
Lohnt dem Herz und dem Gemüt.

Des Geheimrats Sinn zu kosten
Ist voll Zwiespalt wie dies Blatt:
Sprachlich immer auf dem Posten,
Macht er größre Denker platt.

© Claudia Sperlich

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Krabats Vater

Google macht mich mit einem netten Bildchen darauf aufmerksam: Der 2013 gestorbene Autor Otfried Preußler wäre heute 94 Jahre alt.
Der Roman Krabat, in dem der satanische Müller durch ein frommes junges Mädchen besiegt wird, hat mich als Jugendliche stark beeindruckt. Die Szene, in der die Kantorka in der Osternacht „Christ ist erstanden“ anstimmt, hat mich schon damals berührt, als ich noch eine hochnäsige kleine Atheistin war und Ostern nur mit bunten Eiern verband. Wirklich verstanden habe ich dies Buch erst in der Osternacht 1984, in der ich getauft wurde.

Preußler schreibt über den Krabat:

Mein Krabat ist keine Geschichte, die sich nur an junge Leute wendet, und keine Geschichte für ein ausschließlich erwachsenes Publikum. Es ist die Geschichte eines jungen Menschen, der sich mit finsteren Mächten einlässt, von denen er fasziniert ist, bis er erkennt, worauf er sich da eingelassen hat. Es ist zugleich meine Geschichte, die Geschichte meiner Generation, und es ist die Geschichte aller jungen Leute, die mit der Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin verstricken. Da gibt es nur einen Ausweg, den einzigen, den ich kenne: den festen Willen, sich davon freizumachen, die Hilfe von treuen Freunden – und jene Hilfe, die einem aus der Kraft der Liebe zuwächst, der Liebe, die stärker ist als die Macht des Bösen und alle Verlockungen dieser Welt.

Quelle

Wenige Tage nach Preußlers Tod habe ich ihm ein Denkmal gesetzt, das ich hier wieder vorhole.

Denkmal für Otfried Preußler

Die Augen sind umkränzt von Lächelfalten,
Und auf den Schultern sitzen kluge Raben,
Die sich dem Bösen einst verschrieben haben,
Bis eine Frau sie löst aus Teufelswalten.

Ein Räuber bittet nicht um milde Gaben
Und raubt die Kaffeemühle einer Alten –
Doch unrecht Gut wird niemals lang behalten,
Am Ende siegt die Freundschaft zweier Knaben.

Da spielt ein Wassermann im Mühlenweiher,
Um mondbeglänzte Burg fliegt ein Gespenst,
Ein muntres Hexchen zähmt den wilden Besen.

Mir war in Jugendtagen Freiheitsfeier,
Was mir noch heut aus Deinen Büchern glänzt!
Ich hoffe, lang noch werden sie gelesen.

© Claudia Sperlich

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Eine kleine Geschichte

… habe ich heute gehört und gebe sie in meinen Worten wieder.

Ein alter Mann saß am Stadttor.
Ein Fremder kam und fragte ihn:
„Ich möchte mich in dieser Stadt umsehen. Wie sind die Leute hier denn so?“
Der Alte fragte zurück:
„Wie sind sie denn da, wo du herkommst?“
„Oh, die sind lieb! Großzügig, freundlich, herzlich – es lässt sich gut leben dort!“
„Nun, hier sind die Leute im Großen und Ganzen genau so.“

Nach einer Weile kam ein anderer Mann und fragte:
„Wie sind die Leute in dieser Stadt?“
Der Alte fragte zurück:
„Wie sind sie denn da, wo du herkommst?“
„Ein furchtbares Pack! Geizig, gemein, grob – es hat schon seine Gründe, warum ich nicht mehr dort sein will.“
„Nun, hier sind sie im Wesentlichen auch nicht anders.“

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Johannes der Täufer – mein Vortrag als mp3

Hier ist er, der gestern ausgestrahlte Vortrag über Johannes den Täufer.
Man kann ihn auf Radio Horeb wie üblich auch als Podcast herunterladen oder beim CD-Dienst des Radios bestellen.

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Heute auf Radio Horeb: Johannes der Täufer

Heute Nachmittag um 16.30 Uhr bin ich auf Radio Horeb zu hören zur Frage „Was bewirkt der Heilige Geist in Johannes dem Täufer?“
Wie üblich, ist mein Vortrag hinterher als Podcast hörbar.

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Darf man Menschenleben gegeneinander abwägen?

Die ze.tt, der junge Partner von ZEIT Online, bringt unter dem Titel „Mein Leben darf wichtiger sein als das werdende Leben – eine Fotografin dokumentiert ihre Abtreibung“ ein Interview mit Esther Mauersberger, die damit natürlich nicht ihre Abtreibung dokumentiert, sondern die ihres Kindes.

Frau Mauersberger ist Geburtsfotografin und Mutter zweier Kinder; sie beschäftigt sich also als Berufstätige und als Mutter mit jungen Menschen. Ihre Homepage zeigt mir, daß sie ihr Handwerk versteht; ihre ungestellten Bilder Neugeborener sind sehr schön. Ich habe auch keinen Grund, an ihrer Liebe zu ihren lebenden Kindern zu zweifeln. Aber das Interview macht mich traurig und zornig und lässt mich denken, diese Frau macht sich absichtlich dümmer, als sie ist.

Der Artikel beginnt mit den üblichen pathetischen Vorwürfen gegenüber allen, die Abtreibung nicht gut finden – hier hat die Journalistin nichts ausgelassen, Abtreibung als völlig normal und jeden, der dagegen ist, als unnormal und ein bißchen doof darzustellen:

Wie es ist, ungewollt schwanger zu werden, kann wohl keine nachfühlen, die diese Situation noch nicht selbst durchlebt hat. Noch immer wird Schwangerschaftsabbrüchen viel Voreingenommenheit entgegengebracht, noch immer gibt es Frauen, die für ihre Entscheidung verurteilt werden. In einer Welt, in der Verhütung weiterhin primär als Frauensache verstanden wird, sind Schuldzuweisungen schnell gemacht.

Natürlich kann man nur nachfühlen, was man erlebt hat. Daraus zu schließen, man dürfe nur eine Meinung und eine Haltung haben zu dem, was man erlebt hat, ist unsinnig. (Sonst dürfte kein junger Mensch eine irgendwie geartete Einstellung zum Umgang mit älteren Menschen haben.)
Abtreibung falsch finden und Frauen, die abgetrieben haben, verurteilen sind zwei verschiedene Dinge. Zwischen Tat und Täter muss unterschieden werden. In der katholischen Kirche nennt man das „die Sünde hassen und den Sünder lieben“. Für mich heißt das in diesem Fall: Keinesfalls hasse ich Frau Mauersberger; sollte ich doch Hass ihr gegenüber empfinden, wäre das beichtpflichtig. Aber ich finde Abtreibung schrecklich und bin der Meinung, daß sie damit eine Schuld auf sich geladen hat. Wie weit der Erzeuger des Kindes schuldig geworden ist, kann ich nicht beurteilen.

Zu den Photos gehört auch eines von einem Zettel mit einem maschinengeschriebenen Gedicht.

5+1
wie mein körper festhält
wie er so selbstverständlich
brütet
das gewaltsame beenden dieses prozesses
das bereitet mir schmerzen
ich hoffe du verzeihst

Einige Sätze des Interviews haben mich besonders aufgeregt:

Angeblich zerstörte ich ein ungeborenes Leben.

Ja, so nennt man das, wenn man einen lebenden Menschen in einem sehr frühen Stadium umbringen lässt. Ein wenig Biologie gefällig? Bei der Verschmelzung von Samenzelle und Eizelle entsteht ein neues Lebewesen, gleicher Art wie die Eltern, mit einem doppelten Chromosomensatz und einer eigenen DNA.

Ich darf mich wichtig nehmen, ich bin der Rede wert. Und das lebende Leben darf wichtiger sein als das werdende, potenzielle Leben.

Nochmals: Es ist nicht „potentielles“, sondern wirkliches Leben, nicht werdend, sondern seiend. Es ist, wenn die Eltern Menschen sind, ein Mensch. Und Menschen darf man nicht umbringen.

Ganz rational betrachtet werden bei verschwendeten Ejakulationen mehr Zellen getötet als bei einem Schwangerschaftsabbruch.

Das ist jetzt wirklich blöd, gelle? Erstens sterben bei einem verschwendeten Samenerguß ausschließlich Samenzellen. Das sind Zellen, die außerhalb des Körpers nicht lebensfähig sind. Zweitens (falls jetzt noch jemand mit den vielen ohne Wissen und Willen der Mutter vorzeitig gestorbener Embryonen kommt) ist es moralisch ein Unterschied, ob die Oma von alleine die Treppe herunterfällt oder ob der Enkel sie herunterschubst. Ebenso, ob ein Mensch im Embryonalstadium ohne Zutun der Mutter, durch Krankheit oder Unfall, stirbt, oder ob er vergiftet oder zerrissen wird.

Die Interviewte wollte „hin zu mehr Rationalität“ in der Beurteilung von Abtreibung. Ich hoffe, ich konnte helfen.

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Über Schutzengel

… ist neulich auf kath.net etwas von mir erschienen. Auch wenn das Schutzengelfest (2. Oktober) nun vorbei ist: Das Wirken Gottes durch Seine Schutzengel ist nicht vorbei, und also mache ich noch einmal darauf aufmerksam.

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Gerechtigkeit oder was?

Fast jeder wird bestätigen, daß Gerechtigkeit ein hohes Gut ist. Aber was genau ist eigentlich Gerechtigkeit?

Wenn alle des Gleiche bekommen? Also unabhängig von Leistung und Bedürfnissen? Und wer bestimmt, was man „braucht“?
Wenn jeder bekommt, was ihm zusteht? Aber wer bestimmt, was wem zusteht?
Wenn jeder bekommt, was er verdient – im Guten wie im Bösen?
Verdient irgendjemand zehntausend Euro im Monat? Das Finanzamt sagt: Ja. Aber kann man bei jedem Menschen, der regelmäßig viel Geld auf sein Konto bekommt, sagen, daß er das „verdient“? Viel Geld bekommt vielleicht auch ein Waffenschieber oder ein Zuhälter. Ist das „Verdienst“? Wenn er es versteuert, aus der Sicht des Finanzamtes: Ja. Aber in dem Sinne, in dem man sagt „Das hat er für seine harte Arbeit auch wirklich verdient“, wohl eher nicht.

Gerechtigkeit wird auch gerne im Zusammenhang mit Strafmaß gefordert, und zwar meist in der Hoffnung auf ein hohes Strafmaß. „Er soll eine gerechte Strafe bekommen“ – das sagt kaum einer über einen Eierdieb, für den er ein Wochenende mit sozialer Arbeit angemessen fände. Als gerecht werden oft genug Strafen empfunden, die in europäischen Demokratien längst abgeschafft sind.

Über gerechten Lohn und gerechte Strafe gibt es sehr verschiedene Auffassungen. Mir bleibt also nichts anderes übrig, als mich an die höchste Instanz zu wenden, wenn ich wissen will, was Gerechtigkeit ist. (Die höchste Instanz ist nicht der Bundesgerichtshof.)

Und da erfahre ich: Gerechtigkeit ist das Gegenteil von Sünde. Damit gibt es nur einen ganz Gerechten, nämlich Gott – weil Menschen nun einmal Sünder sind, auch wenn es ihre Aufgabe ist, so gerecht wie möglich zu leben.

Nun gehört zu Gottes Liebe eine weitere Eigenschaft, nämlich die Barmherzigkeit. Er ist der, der auch einen Mörder aufnimmt, wenn der Mörder seine Tat bereut und Ihn um Verzeihung bittet. Das bedeutet nicht, daß die Tat ungeschehen gemacht wird – die Auswirkungen jeder Tat bleiben bestehen.

Liebe und Barmherzigkeit sind auch im Spiel, sooft es nicht an Leistung gekoppelt wird, wenn jemand bekommt, was er zum Leben braucht. Jemandem die Nahrung nicht vorenthalten, wenn er keine Arbeit und keine Ersparnisse hat, ist barmherzig – und es ist gerecht, denn Gerechtigkeit bejaht das Leben.

Ich werde mit meinen Gedanken über Gerechtigkeit an kein Ende kommen, aber immerhin so weit: Gerechtigkeit und Barmherzigkeit sind keine Gegensätze, sondern gehören zusammen und können beide nicht bestehen ohne Liebe.

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Hörnchen hinter trüber Scheibe

Irgendwie werden die Photos nicht so besonders, wenn man keine Lust hat, die Fenster entweder zu putzen (lästig) oder zu öffnen (kalt). Aber immerhin – es ist erkennbar.

Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen
Eichhörnchen

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Zum Rosenkranzmonat Oktober

Rosenkranz

Ein Kreuz und neunundfünfzig Perlen gleiten
Durch meine Finger, stetig, ohne Hast.
Bei Jesus und Maria halt ich Rast,
Sie helfe mir, für Ihn mich zu bereiten.

In alle Tage meines Lebens passt
Zu allen stürmischen und ruhigen Zeiten
Der Reigen der Gebete, die mich leiten,
Der Kranz, der Jesu Liebeswerk umfasst.

So wie Dein Leib den Leib des Herrn umschloss,
Umschließt die Perlenschnur des Herren Leben
Und stillt die grauen Ängste, die mich plagen.

Du Erste, die für Ihn ihr Blut vergoss,
In deren Mutterhand Er sich gegeben –
Trag mein Gebet zu dem, den Du getragen.

© Claudia Sperlich

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