Schnee

Hübsch sieht das aus!
Leider wird der Schnee in der Stadt sehr bald zu graubraunem Matsch. Aber vom Schreibtisch aus sehe ich in Gärten. Und am Schreibtisch habe ich viel zu tun.

Verschneiter Garten
Verschneiter Balkonkasten

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Porto sieben Pfennig

In einem vergilbten Taschenbuch von 1958 mit Pindars Oden fand ich eine Postkarte. Kein Liebesbrief, keine vergessene Mitteilung, sondern eine Blankopostkarte an den Wilhelm Goldmann Verlag, die ich an der Perforierung heraustrennte.

Postkarte Goldmannverlag

Wenn Sie auf der Rückseite dieser Karte nur Ihre Anschrift eintragen und die Sie interessierenden Gebiete in den Vierecken ankreuzen, beträgt das Porto innerhalb Deutschlands 7 Pfennig. Bei weiteren Eintragungen bitte als Postkarte frankieren.
Goldmann-Bücher erhalten Sie in allen Buchhandlungen und an den meisten Bahnhofskiosken.

Postkarte Goldmannverlag

Verehrter Leser,
senden Sie bitte diese Karte ausgefüllt an den Verlag. Sie erhalten sofort kostenlos den illustrierten Gesamtkatalog zugestellt
WILHELM GOLDMANN VERLAG MÜNCHEN 8

Diese Karte entnahm ich dem Buch: ………………….
Mein Urteil über das genannte Buch lautet: ………………….

Mein Urteil lautet, ich mag Ludwig Woldes Übersetzung nicht sonderlich, und irgendwie kann ich mit Pindar generell nicht so viel anfangen. Aber die Karte finde ich amüsant und werde sie vielleicht abschicken. Allerdings habe ich keine 7-Pfennig-Briefmarke.

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Heiligkeit und Hosen

Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber Bloggerkollege Tobias Klein machte mich darauf aufmerksam, daß das Tragen von Hosen bei Frauen in bestimmten sich katholisch empfindenden Kreisen verpönt ist und mit größerer Vehemenz thematisiert wird als andere, womöglich bedeutendere Probleme unserer Zeit und des katholischen Glaubens.
Ich bin eine Sünderin und, ich gestehe es, vollkommen ungeeignet, mit dieser Sorte Katholiken zu sprechen. Sie würden auf mich auch nicht hören.
Aber auf die Heiligen hören sie doch sicher. Und so zitiere ich zum Thema „Frauen mit Hosen“ aus den Prozessakten der Heiligen Johanna von Orléans, anno Domini 1431.

Donnerstag, 22. Februar, Verhör durch Magister Jean Beaupère.

Jeanne: … Nachdem ich Vaucouleurs verlassen hatte, erreichte ich Saint-Urbain und übernachte­te in der Abtei. Ich war in Mannskleidern. Baudricourt hatte mir ein Schwert gege­ben. Ich hatte keine anderen Waffen. Ein Ritter, ein Junker und vier Bewaffnete be­gleiteten mich. Unterwegs kamen wir durch Auxerre. Dort hörte ich in der Kathedrale die Messe. Und hierauf hatte ich häufig meine Stimmen. …

Dienstag, 27. Februar, Verhör durch Magister Jean Beaupère.

Beaupère: Ist es Gott, der Euch geboten hat, Mannskleider anzulegen?
Jeanne: Das Gewand ist gleichgültig; es ist nebensächlich. Ich habe diese Kleider auf keines Menschen Rat angelegt. Ich habe weder diese Kleider angelegt noch irgend et­was sonst getan, was nicht auf Geheiß Gottes und Seiner Engel geschehen wäre.
Alles, was ich getan habe, ist auf Befehl Gottes. Wenn Er mir befehlen würde, mich anders zu kleiden, so täte ich es. Denn es wäre Sein Befehl.

Samstag, 3. März, Verhör durch einen Richter.

Richter: Haben Euch die Geistlichen, die Euch in Poitiers einen Monat lang prüften, und die anderen, die Euch drei Wochen lang examinierten, gefragt, ob es auf Befehl Eurer Stimmen war, daß Ihr Mannskleider annahmt?
Jeanne: Ich erinnere mich nicht.
Richter: Hat man Euch im Schlosse Beauvoir darüber keine Frage gestellt?
Jeanne: Ja doch. Und ich habe geantwortet, ich würde sie nicht ablegen ohne die Er­laubnis Gottes.

Montag, 12. März, Verhör durch Jean de la Fontaine.

de la Fontaine: Hat Euch Robert de Beaudricourt ersucht, Mannskleider anzulegen, oder war es Euer eigener Wille?
Jeanne: Es war mein Wille. Kein Mensch hat es von mir verlangt.
de la Fontaine: War es die Stimme, die Euch Mannskleider anzulegen gebot?
Jeanne: Alles, was ich an Gutem getan habe, das habe ich auf Befehl der Stimmen ge­tan. Was das Kleid angeht, so antworte ich Euch ein andermal. Im Augenblick habe ich keine Weisung darüber. Aber morgen werde ich darauf antworten.
de la Fontaine: Empfandet Ihr es nicht als schlecht, die Mannskleider anzulegen?
Jeanne: Nein. Und wäre ich jetzt noch in diesem Mannskleid auf der anderen Seite, und könnte ich darin fortführen, was ich vor meiner Gefangennahme begann, es wäre eine große Wohltat für Frankreich, will mir scheinen.

Mittwoch, 14. März, Verhör durch einen Richter.

Richter: Jetzt hört einmal her: Ihr habt Paris an einem Feiertag angegriffen, Ihr habt das Pferd des Monseigneur von Senlis genommen, Ihr habt Euch vom Turm in Beau­revoir gestürzt, Ihr tragt Mannskleider, Ihr habt den Tod des Franquet von Arras ge­billigt – und Ihr meint, keine Todsünde begangen zu haben!

Jeanne: Zum vierten, dem Mannskleid: Da ich es auf Gottes Geheiß und in seinem Dienst tra­ge, glaube ich nicht, mich gegen ihn zu vergehen. Wenn es ihm gefällt, mir ein ande­res anzubefehlen, so werde ich dies hier sofort ablegen.

Im Klagebegehren, verlesen am Mittwoch, 28. März, heißt es über die Heilige, sie sei angeklagt…

… als Kriegshetzerin, die grausam nach Menschenblut dürstet und zu seinem Vergießen anspornt, die Ehrbarkeit und Schicklichkeit ihres Geschlechts verletzend und unehrerbietig und unpassend Kleid und Beruf der Krieger annehmend, weswegen sie vor Gott und den Menschen verabscheuungswürdig ist, als Verächterin göttlicher und natürlicher Ordnung sowie der kirchlichen Disziplin…

Montag, 28. Mai, Verhör durch Pierre Cauchon.

Cauchon: Was soll das heißen?
Jeanne: Ja, ich habe die Mannskleider wieder angenommen und die Frauenkleider ab­gelegt.
Cauchon: Warum? Wer hat sie Euch annehmen heißen?
Jeanne: Ich selbst. Freiwillig. Ich trage sie lieber als Frauenkleider.
Cauchon: Ihr hattet versprochen und geschworen, sie nicht wieder zu tragen.
Jeanne: Es war schicklicher, da ich in der Umgebung von Männern bin.

Ich bin zwar keineswegs heilig, aber ich trage gern Hosen. Ich habe damit kein Problem, solange ich nicht Katholiken vom Schlage eines Pierre Cauchon oder Jean Beaupère als Delinquentin gegenüberstehe. Sollte ich deshalb so enden wie Jeanne d’Arc, hoffe ich, das Patronat für die Hersteller kleidsamer Damenhosen zu bekommen.

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Eine Orgel bittet um Hilfe

Die Feith-Orgel (Baujahr 1925) der Kirche St. Marien in Berlin-Friedenau muß dringend saniert werden.

Eine Besonderheit dieser Orgel ist, daß sie aus zwei von vornherein zusammengehörigen, übereinander hängenden Orgeln besteht, jede mit ihrer eigenen Mechanik. Für den Organisten ist das eine besondere Herausforderung, weil er den Klang der unteren Orgel von vorn und direkt hört, den der oberen aber etwas zeitversetzt und aus der Apsis, weil er vom Kirchenraum zurückgeworfen wird. Die Gemeinde hört den genauen Zusammenklang der Zwillingsorgel.

Die Orgel ist über viele Jahrzehnte eingestaubt, der Staub sitzt in den Pfeifen und beeinträchtigt den Klang. Bei der Renovierung der Kirche war die Orgel zwar so gut wie möglich abgedeckt, aber wer einmal seine Wohnung renoviert hat, weiß, daß es keinen hundertprozentigen Schutz gegen Baustaub gibt. Auch andere Schäden machen sich langsam bemerkbar – bislang wohl nicht vielen außer dem Organisten, aber es ist nur eine Frage der Zeit, wann die Schäden jedem Zuhörer deutlich wären.
Die Renovierung wird etwa 100.000,00 € kosten und drei Monate lang dauern. Denn jede einzelne Orgelpfeife muß herausgenommen und innen wie außen gründlich gereinigt werden, dann wieder eingesetzt und neu gestimmt. Auch die Elektrizität muß erneuert werden, da sie modernen Sicherheitsvorschriften nicht entspricht. Der hohe Preis ist also gemessen an den Arbeitsstunden hochqualifizierter Handwerker so teuer auch wieder nicht. (Tatsächlich werden Orgelbauer beschämend schlecht bezahlt, ebenso Organisten. Auch daran darf man ab und zu im Gebet denken oder vielleicht, wenn man z.B. Rendant ist, auch in anderer Hinsicht.)

Gemeinsam mit dem Organisten Dr. Robert Knappe bitte ich: Helft unserer Orgel, noch lange und schön zu Gottes Ehre zu klingen!

Bankverbindung:
Kath. Kirchengemeinde Maria unter dem Kreuz
IBAN DE57 3706 0193 6000 7380 32
Verwendungszweck „Orgelsanierung St. Marien“
Pax Bank eG
Eine steuerabzugsfähige Zuwendungsbestätigung wird zugeschickt, wenn zusätzlich eine Adresse im Feld Verwendungszweck bei der Überweisung angegeben wird.

Feith-Orgel - Orgelprospektwächter
Feith-Orgel - Orgelprospekt
Feith-OrgelFeith-Orgel
Feith-Orgel
Feith-OrgelFeith-Orgel

Der Blasebalg ist mit Ziegelsteinen beschwert; auf diese Weise wird der Druck erhöht. Der Organist kann so die Klangfülle „seiner“ Orgel regulieren.
Feith-Orgel - Blasebalg

Die Luft strömt durch Bleirohre, die wie dicke Kabel aussehen.
Feith-Orgel

Glockenspiel
Feith-Orgel - Glockenspiel

Feith-OrgelFeith-Orgel

Feith-Orgel

Das geknickte Rohr zerbricht Er nicht, haben wir heute in der Lesung gehört. Im Falle einer Orgel ist dieser Knick dem Platzmangel geschuldet; Orgelpfeifen werden auf diese Weise gar nicht so selten unter einer eigentlich zu niedrigen Decke aufgestellt, und den Klang beeinträchtigt das nicht.
Feith-Orgel

Feith-OrgelFeith-Orgel

Die Bemalung des Schwellkastens sieht man von unten nicht. Auch der Organist kann sie kaum bewundern – der muß sich ja auf sein Spiel konzentrieren. Sie ist dort eigentlich nur Gott sichtbar – nur für Ihn hat sich ein Maler ins Zeug gelegt.
Feith-Orgel - Orgelprospekt

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Die Rache der Orangen

Gegen Orangen aus Griechenland ist wahrscheinlich nichts Grundsätzliches einzuwenden. Im Gegenteil; Griechenland auf diese Weise zu unterstützen, finde ich sinnvoll.
Aber wenn ich mir den Produktnamen Nemesis anschaue, mache ich mir schon meine Gedanken. Zwar ist Nemesis ursprünglich eine Göttin der Gerechtigkeit, genauer: der Zuteilung des Gebührenden und des gerechten Zorns. Und natürlich gebührt einem armen Land wirtschaftliche Unterstützung (also z.B. Kauf seiner Produkte), und vielleicht gebührt mir ja auch eine vitaminreiche und kalorienarme Frucht.
Aber im heutigen Sprachgebrauch hat Nemesis ja eher den Beiklang von blindwütigem Rachedurst.
Ich glaube, ich werde die Orangen trotzdem essen.

Die Rache der Orangen

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Blogœzesane in Köln

Das Dreikönigstreffen der Blogœzesanen ist schon einige Tage her, nun endlich sind auch die Photos sichtbar.
Schön war das!

auf dem Weg
Bahnfahrt im Januar

Kormorane unter der Rheinbrücke
Kormorane

Hauptbahnhof Köln
Hauptbahnhof Köln

Kölner Konstruktionsfehler
Kölner Konstruktionsfehler

der Dom von hinten
Kölner Dom

das Weltjugendtagsdenkmal von Bert Gerresheim
Kölner Dom - Johannes Paul II und Benedikt XVI

Blogœzesane unter sich
Bloggertreffen Köln 2016
Bloggertreffen Köln 2016
Bloggertreffen Köln 2016Bloggertreffen Köln 2016
Bloggertreffen Köln 2016

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Könige bei der Erscheinung des Herrn

Epiphanias, Erscheinung des Herrn, wird heute in der katholischen Kirche gefeiert. Dreikönigstag heißt der Tag im Volksmund, nach den zu Königen umgedeuteten Weisen, die den neugeborenen Jesus verehrten.

Rainer Maria Rilke
Legende

Einst als am Saum der Wüsten sich
auftat die Hand des Herrn
wie eine Frucht, die sommerlich
verkündet ihren Kern,
da war ein Wunder: Fern
erkannten und begrüßten sich
drei Könige und ein Stern.

Drei Könige von Unterwegs
und der Stern Überall,
die zogen alle (überlegs!)
so rechts ein Rex und links ein Rex
zu einem stillen Stall.

Was brachten die nicht alles mit
zum Stall von Bethlehem!
Weithin erklirrte jeder Schritt,
und der auf einem Rappen ritt,
saß samten und bequem.
Und der zu seiner Rechten ging,
der war ein goldner Mann,
und der zu seiner Linken fing
mit Schwung und Schwing
und Klang und Kling
aus einem runden Silberding,
das wiegend und in Ringen hing,
ganz blau zu rauchen an.
Da lachte der Stern Überall
so seltsam über sie,
und lief voraus und stand am Stall
und sagte zu Marie:

Da bring ich eine Wanderschaft
aus vieler Fremde her.
Drei Könige mit magenkraft,
von Gold und Topas schwer
und dunkel, tumb und heidenhaft, –
erschrick mir nicht zu sehr.
Sie haben alle drei zuhaus
zwölf Töchter, keinen Sohn,
so bitten sie sich deinen aus
als Sonne ihres Himmelblaus
und Trost für ihren Thron.
Doch mußt du nicht gleich glauben: bloß
ein Funkelfürst und Heidenscheich
sei deines Sohnes Los.
Bedenk, der Weg ist groß.
Sie wandern lange, Hirten gleich,
inzwischen fällt ihr reifes Reich
weiß Gott wem in den Schooß.
Und während hier, wie Westwind warm,
der Ochs ihr Ohr umschnaubt,
sind sie vielleicht schon alle arm
und so wie ohne Haupt.
Drum mach mit deinem Lächeln licht
die Wirrnis, die sie sind,
und wende du dein Angesicht
nach Aufgang und dein Kind;
dort liegt in blauen Linien,
was jeder dir verließ:
Smaragda und Rubinien
und die Tale von Türkis.

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So emanzipiert wie im Mittelalter

Das Mittelalter (von dem nicht einmal Mediävisten sich einig sind, wie lange es dauerte; je nach Berechnung sind es bis zu sechshundert Jahre mehr oder weniger) wird gerne als eine Zeit der brutalen Unterdrückung der Frauen angesehen. Frauen, so hört man immer wieder, durften im Mittelalter gar nichts, sich nicht bilden, nichts selbst entscheiden, kein Eigentum haben, nicht ihre Meinung sagen.

Zum Beispiel Katharina von Siena und Hildegard von Bingen, beide zu Lebzeiten von der Männerwelt hoch geehrt, gingen ihren Weg unbeirrt, in radikaler Nachfolge Christi, ohne sich um spießige Vorbehalte und elterliche Verbote zu kümmern.

Gut, das waren nur zwei, und sie stammten aus gutsituierten Familien. Natürlich hatten unzählige Frauen, die nicht in selbstgewählter Armut, sondern in existenzieller Not lebten, keine andere Wahl als genauso zu schuften wie ihre Männer, und waren ebenso rechtlos wie diese. In unseren modernen Zeiten können Familien ihre Kinder – weniger als damals – leicht ernähren und ihnen zu Bildung verhelfen, wenn nur ein Ehepartner arbeitet… oder? Zahlreiche Eltern müssen ihre Kinder deshalb schon sehr früh und sehr lange in Kindertagesstätten geben, weil beide arbeiten müssen, um die Kinder mit mehr als Nahrung und Kleidung zu versorgen. Um „Selbstverwirklichung“ geht es dabei nur in den gehobenen Schichten, andere Leute arbeiten, um über die Runden zu kommen. Kassenfrau im Großmarkt wird kaum jemand aus Gründen der Emanzipation. Also – die Sache mit der großen Freiheit der heutigen Frau ist noch unbewiesen.

Im ritterlichen Stand tradierten Frauen die Bildung. Die Männer waren mit anderen Dingen beschäftigt, sicherten echte und vermeintliche Rechte, zogen in Kriege und kleinere Fehden, lenkten wichtige und weniger wichtige Geschäfte nach außen hin. Alphabetisierte Ritter waren selten – so selten, daß Hartmann von der Aue sein berühmtestes Werk mit der Bemerkung beginnt, er sei ein Ritter, der sogar lesen könne.

Ja schon, aber Frauen durften doch nicht an die Universität! – Universitäten kamen im 11. Jh. auf, da war das Mittelalter schon eine Weile im Gange. In der Tat waren sie Frauen verschlossen. Heute sind unter den Dozenten und Professoren etwa drei Viertel Männer – ein wahrer Fortschritt gegenüber Zeiten, in denen die meisten Männer nicht schreiben und lesen konnten.

Die wissenschaftliche Welt war in der Tat vorwiegend eine Männerwelt, wenn man mal absieht von
Lioba von Tauberbischofsheim (700/710-782), Äbtissin, wegen ihrer Bildung von Bonifatius als Mitarbeiterin in der Mission eingesetzt;
Adelheid von Burgund (931-999), Kaiserin, Regentin, Klostergründerin,
Roswitha von Gandersheim, (938- nach 974)Dichterin;
Mathilde von Tuszien (1046-1115, Stifterin und Unterstützerin mehrerer Klöster;
Heloisa (1095-1164), Äbtissin und Klostergründerin;
Hildegard von Bingen (1098-1178), Äbtissin, Klostergründerin, Mystikerin, Visionärin, Universalgelehrte, Kirchenlehrerin;
Herrad von Landsberg (1125-1195), Äbtissin, Schriftstellerin;
Marie de Champagne (1145-1198), Literaturmäzenin;
Eleonore von Aquitanien (1122-1204), Regentin, Kreuzfahrerin;
Katharina von Siena (1347-1380), Ordensfrau, Mystikerin, Visionärin, Kirchenlehrerin;
Marie de France (1135-1200), Dichterin;
Christine de Pizan (1364-nach 1429), Schriftstellerin und Philosophin –
die Liste ist unvollständig.

Die Klöster waren Bildungsorte, und zwar nicht nur für Mönche und Nonnen. Viele Kinder – auch Mädchen – wurden in Klöstern erzogen, und keineswegs alle wurden Ordensleute.

Es war für Männer und Frauen gleichermaßen schwierig, aus dem Stand, in dem sie geboren waren, auszubrechen. Heute ist das natürlich viel einfacher, die Kinder einfacher Arbeiter, die eine Universitäts- oder Geschäftskarriere machen, sind Legion… oder? Nein, wohl doch nicht.

Ein Wahlrecht der Frau gab es im Mittelalter nicht. Allerdings gab es auch kein Wahlrecht des Mannes, das kann man also nicht als spezifische Form der Unterdrückung von Frauen werten.
Und die Hexen? Zum einen war die Neuzeit, nicht das Mittelalter, die wüsteste Zeit der Hexenverfolgungen. Zum anderen fiele diesen etwa gleich viel Männer wie Frauen zum Opfer.

Ja, aber die Neuzeit! Die Revolution! Die Menschen- und besonders die Frauenrechte!
Ach ja? Fragen wir doch eine Frau der Neuzeit, die ihre Klugheit und ihr Engagement für Frauenrechte mit dem Leben bezahlte.

O Frauen! Frauen, wann legt ihr eure Blindheit ab? Was für Vorteile habt ihr durch die Revolution erhalten? Eine stärkeres Mißtrauen, eine deutlichere Verachtung.

Olympe de Gouges

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Zeit zum Arbeiten

Zum Jahresbeginn habe ich ein wenig Ordnung auf der Festplatte geschafft und dabei ein schon älteres Projekt für eine Erzählung sowie meine Fassung zweier antiker Sagen vorgekramt – und beschlossen, die Erzählung fertigzuschreiben und aus dem Sagenstoff ein Buch zu machen.
Man macht ja sonst nichts, so als Autor.
Außer proben für eine Lesereise nach Dinslaken nächste Woche. Oder für eine Radiosendung Ende des Monats.
Ab und zu ein Gedicht schreiben.
Und dann natürlich noch so banale Dinge wie Kochen und Putzen und ein bißchen für die eigene Arbeit werben.

Zum Glück ist das Jahr ja noch lang und hat sogar einen Schalttag – ich habe Zeit, ich muß sie nur weise nutzen.

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Bitte zum Jahreswechsel

Ein Sonett zur letzten Stunde des Jahres, entstanden in der vorletzten Stunde des Jahres.

Wir stehn an eines neuen Jahres Quelle,
Und jeder der noch ungelebten Tage
Erwartet Dich. Komm zu uns, Herr, und trage
Uns über Neujahrs funkelbunte Schwelle.

Gib, daß ein jeder Dich zu lieben wage,
Daß keiner mehr in fremden Dienst sich stelle.
Noch flutet diese Welt des Bösen Welle.
Vernichte Du den Urgrund aller Plage.

Ich hörte heute frohe alte Kunde:
Du bist das Wort, Du bist uns Fleisch geworden.
Komm in Dein Eigen! Endige das Morden!

Komm wieder, Herr – vielleicht in letzter Stunde
Des alten Jahres, komm in Neujahrsfrühe,
Daß endlich überall Dein Licht erblühe.

© Claudia Sperlich

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