Der mir von früheren Zeiten her bekannte Internet-Terrorist, der mich und andere jahrelang mit widerwärtigstem antisemitischem Spam genervt hat, ist wieder aus der Versenkung aufgetaucht. Über Kontaktformular schrieb er mir, wobei natürlich seine Mailadresse ungültig ist – insofern hat sich nichts geändert. Deshalb kann ich ihm nicht diskret und direkt antworten und mache das also öffentlich. Ich gebe die Hoffnung nicht auf, daß es nützt.
Seine Mail:
Hallo Claudia,
Ich bin es, der [hier folgt eine Reihe seiner antisemitischen Aliasnamen sowie sein vermutlich echter Name].
Wir kennen uns ja bereits.
Ich bitte Dich um Entschuldigung fuer die Belaestigungen in den vergangenen Jahren. Da ich mich ueber Deine Person und Wertsvorstellungen informiert habe, kann ich hiermit offiziell bestaetigen, dass ich keinen Hass gegen Dich hege.
Bitte verstehe jedoch, dass mir Juden zuwider sind. Dieses Gesindel steht fuer all die Dinge, gegen die wir Christen (ja, ich bin auch ein Katholik) kaempfen.
Also bitte Claudia, lass uns den Streit der vergangenen Tage beilegen und fuer eine bessere Welt eintreten. Eine Welt ohne juedischen und islamischen Terror waere doch durchaus wuenschenswert.
In diesem Sinne wuensche ich ein gesegnetes Jahr 2016 – selbtsverstaendlich ohne Semiten .
Gruss,
Der [antisemitischer Aliasname]
Nachdem ich heute morgen einen engagierten und klugen Aufruf zum Respekt vor dem Gegner gelesen habe, hier meine Antwort:
Eine lauwarme Entschuldigung für fortgesetzten nächtlichen Telephonterror, Beleidigungen und Bedrohungen, mit der Ankündigung, daß Du weitermachen wirst und einem toten Link – Du kannst doch selbst nicht glauben, daß das irgendetwas wert ist.
Auch ich hasse Dich nicht. Ich mache einen Unterschied zwischen Sünder und Sünde. Ich hasse den Antisemitismus. Du bist ein schlechter Mensch, und Du steuerst geradewegs auf die Hölle zu, aber ich hoffe und bete, daß Du Dich bekehrst.
Kehr um. Ich meine es ernst. Hör auf mit Deinem widerlichen Hass gegen das erwählte Volk Gottes, dem unser Herr Jesus Christus in Seinem Erdenleben angehörte.
Auch wenn ich nicht glaube, daß Du das auch nur ansatzweise verstehst – Du hast wahrscheinlich nur eine Chance, wenn Du umkehrst, Gott demütig um Vergebung bittest und für Deine abartigen Hassparolen und Deinen vollständigen Mangel an Liebe büßt. Als Katholik weißt Du, was ein Beichtstuhl ist. Nutze ihn.
Lies den Katechismus, besonders die Nr. 839-840 (im Kompendium: 169). Dort heißt es:
„Diejenigen endlich, die das Evangelium noch nicht empfangen haben, sind auf das Volk Gottes auf verschiedene Weise hingeordnet“
Das Verhältnis der Kirche zum jüdischen Volk. Indem die Kirche, das Gottesvolk im Neuen Bund, sich in ihr eigenes Mysterium vertieft, entdeckt sie ihren Zusammenhang mit dem jüdischen Volk [Vgl. NA 4], „zu dem Gott, unser Herr, zuerst gesprochen hat“ (MR, Karfreitag 13: große Fürbitte 6). Im Unterschied zu den anderen nichtchristlichen Religionen ist der jüdische Glaube schon Antwort auf die Offenbarung Gottes im Alten Bund. Das jüdische Volk besitzt „die Sohnschaft, die Herrlichkeit, die Bundesordnungen, ihm ist das Gesetz gegeben, der Gottesdienst und die Verheißungen, sie haben die Väter, und dem Fleisch nach entstammt ihnen der Christus“ (Röm 9,4-5), denn „unwiderruflich sind Gnade und Berufung, die Gott gewährt“ (Röm 11,29).
Blickt man auf die Zukunft, so streben das Gottesvolk des Alten Bundes und das neue Volk Gottes ähnlichen Zielen zu: Die Ankunft (oder die Wiederkunft) des Messias. Auf der einen Seite wird die Wiederkunft des gestorbenen und auferstandenen Messias erwartet, der als Herr und Sohn Gottes anerkannt ist; auf der anderen Seite erwartet man für das Ende der Zeiten das Kommen des Messias, dessen Züge verborgen bleiben – eine Erwartung, die freilich durch das Drama der Unkenntnis oder des Verkennens Jesu Christi begleitet wird.
Nimm die Aussagen des Heiligen Vaters (und aller Päpste des 20. und 21. Jhs.) über das Judentum zur Kenntnis.
Glaub der katholischen Kirche. Wer das tut, kann kein Antisemit sein.
Natürlich kann es sein, daß Du in Gottes Augen wegen Deiner Geschichte oder wegen eines schweren geistigen Defekts nicht voll schuldfähig bist. Das weiß ich nicht. Aber Umkehr ist in jedem Fall wichtig.
Friede über Israel!




















