Des Glaubens, von einer Horde elender Feiglinge regiert zu werden, die vor einem osmanischen Despoten einknicken, wenn es darum geht, Mord aus politischer Raison nicht mehr als Mord zu bezeichnen, schrieb ich einen Artikel.
Dann hieß es, der Vorwurf gegen die Regierung sei eine Ente. Daraufhin berichtigte ich den Artikel etwas beschämt.
Dann hieß es, vielleicht sei es doch keine. Mein zweimal korrigierter Artikel schien mir nun nicht mehr so gut. Ich nahm ihn kurze Zeit vom Netz, entschied mich dann doch dafür, zu genau diesem über-überarbeiteten Artikel zu stehen.
Was mich aber tatsächlich überzeugte, mit der Annahme über die Regierung wenigstens teilweise Recht zu haben, war die Einsicht, besagter Osmane werde auf jeden Fall geschont und gehätschelt. Denn so, wie das Dementi des Dementis der Armenien-Resolution formuliert ist, heißt es am Ende doch nur:
Keine Angst, keine Angst, Erdoğan!
Ich gebe gern zu, nichts von Politik zu verstehen. Das muss ich auch nicht, denn es ist nicht mein Beruf. Aber Politiker müssen ihre Arbeit so erklären können, daß auch minder Politikbegabte imstande sind, wichtige Entscheidungen zu verstehen. Die Entscheidung, daß nicht gesagt wird:
Die Türkei ist Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, das sich 1915 eines Völkermordes an den Armeniern schuldig gemacht hat, und damit basta.
– die verstehe ich nicht. Geschrieben habe ich zum Thema schon mehrmals:
Völkermord darf Völkermord heißen
Die Leugnung des Bösen
Was Europa nicht braucht
Und solange mir nicht ein hochrangiges Mitglied des Bundestags vermitteln kann, daß ich mich irre, glaube ich genau dies:
Ich werde von einer Horde elender Feiglinge regiert.
Bald sind Wahlen, und unglücklicherweise kenne ich keine wählbare und in meinem Wahlkreis antretende Partei, werde aber trotzdem wählen. Denn wenn ich schon nichts nützen kann mit meinem Stimmzettel, dann will ich wenigstens der AfD schaden. Und das ist ja dann auch irgendwie wieder ein Nutzen für dies Land.
Ein Bundestag, der die Bürger nötigt, um mehrere Ecken zu denken und Parteien nur deshalb zu wählen, weil es noch schlimmere gibt; ein Bundestag, der erst in einer Resolution beschließen muss, daß Völkermord Völkermord ist, und dann beschließt, daß diese Resolution das Papier nicht wert ist, auf dem sie gedruckt wurde, weil ein Despot meint, Völkermord sei nur dann Völkermord, wenn es seiner Reputation nicht schade – ein solcher Bundestag gehört nach Maghrebinien.












