Nicht nur Protestanten feiern heuer ein rundes Jubiläum.
Im September 517 wurde im burgundischen Epao, nicht weit von Vienne, ein kleines, aber nicht unwichtiges Konzil abgehalten. Den Vorsitz hatten der Heilige Viventiolus, Erzbischof von Lyon, und der Heilige Avitus, Bischof von Vienne.
511 hatte es in Orléans ein Konzil gegeben, von dessen Vätern hier zwar keiner anwesend war, aber alle Teilnehmer in Epao kannten die Beschlüsse von Orléans, die nun teils bestätigt, teils modifiziert und teils weiterentwickelt wurden. Im Wesentlichen ging es in beiden Konzilien um kirchliche Disziplin und Struktur, daneben auch um liturgische Fragen. (Einer der Konzilsbeschlüsse prägt seitdem die Kirchenarchitektur: Das Verbot, Altäre aus einem anderen Material als Stein zu errichten.) Im Kampf gegen Irrlehren, besonders gegen den Arianismus, hatte sich Avitus zwar besonders hervorgetan, das war aber kein Thema des Konzils.
Die Bußzeit für rückkehrwillige Abtrünnige wurde verkürzt. Auch gab es Beschlüsse zum Schutz von Leibeigenen; hier wurden die Beschlüsse von Orléans, die jede Züchtigung bei Strafe der Exkommunikation verboten, teilweise zurückgenommen. Es war zwar weiterhin verboten, Sklaven zu schlagen (einzige erlaubte Körperstrafe war die Kahlrasur), exkommuniziert wurde aber nur noch, wer seinen Sklaven tötete.
Bischöfe bekamen höhere Verantwortung; Priester mussten Reisen und den Handelsgebrauch von kirchlichem Eigentum vom Bischof genehmigen lassen. Zugleich wurde klargestellt, daß die hohen Befugnisse den Bischof nicht unantastbar machten – für ihn galt das Strafrecht in genau der gleichen Weise wie für einfache Kleriker.
Der Zölibat war für Geistliche noch nicht vorgeschrieben (Avitus war als Bischof Amtsnachfolger seines Vaters), aber er zeichnete sich schon ab: Verwitwete wiederverheiratete Männer sowie Männer, die Witwen geheiratet hatten, wurden von den Weihen ausgeschlossen. Neben dem Klosterleben für Männer wurde nun auch das für Frauen geregelt. Askese wurde allgemein von Geistlichen und Ordensleuten verlangt. Geistliche waren gehalten, sich deutlich von der versnobten Welt zu unterscheiden; sie durften ausdrücklich weder jagen noch Hunde halten. (Möglicherweise waren diese Verbote auch darin begründet, daß Jagd und Hundehaltung mit heidnischen Kulten in Verbindung gebracht werden konnten.)
Der Kurs von Epao ist klar: Kirche muss strukturiert sein, Christen haben sich an ihr Wort zu halten, Snobismus ist unchristlich, geprügelt wird nicht und basta.



