Frei sein

… kann ich auch dazu, meine Freiheit aufzugeben.
Oder eine größere Freiheit zu erlangen.
„Haben“ im Sinne von „besitzen“ kann man sie ja eigentlich nicht, die Freiheit.

Freiheit

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie zähmen,
bis sie mir fräße aus der Hand
und keine Freiheit mehr wäre.

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie mästen,
bis sie einschliefe am Futtertrog
und keine Freiheit mehr wäre.

Die Freiheit, wenn ich sie hätte,
ich würde sie schlachten,
ich lüde all meine Freunde zu mir,
mit mir die Freiheit zu fressen.

Die Freiheit könnte ich haben,
doch niemals behalten,
ich lass sie frei und geb mich dem,
der mir die Freiheit gegeben.

Die Freiheit find ich im Herzen,
im göttlichen Herzen,
der Heiland hat es mir offengelegt,
Er gab sich für mich gefangen.

© Claudia Sperlich

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Dies Video ist in Frankreich verboten.

Es zeigt fröhliche Menschen mit Down-Syndrom, die einer besorgten Frau antworten.
Die Frau wird am Anfang zitiert:

Ich erwarte ein Baby. Ich habe festgestellt, daß er das Down-Syndrom hat. Ich habe Angst: Was für eine Art von Leben wird mein Kind haben?

Hier die Antworten auf Deutsch:

Liebe werdende Mama,
hab keine Angst.
Dein Kind wird viele Dinge tun können.
Es wird Dich umarmen können, es wird auf Dich zulaufen können, es wird sprechen können und Dir sagen, daß es Dich liebt.
Es wird in die Schule gehen können wie alle anderen. Es wird schreiben lernen, und es wird Dir schreiben, wenn es eines Tages weit weg ist. Denn tatsächlich wird es auch reisen können. Es wird seinem Vater helfen können, sein Fahrrad zu reparieren. Es wird arbeiten können und sein Geld verdienen. Und von seinem Lohn wird es Dich zum Essen einladen. Oder es wird eine Wohnung mieten und allein leben.
Manchmal wird es schwierig sein. Sehr schwierig. Fast unmöglich. Aber ist das nicht genau so bei allen Müttern?
Liebe werdende Mama, Dein Kind wird glücklich sein. Genau wie ich. Und auch Du wirst glücklich sein.
Stimmts, Mama?

Ein französisches Gericht hat am 10. November 2016 in zweiter Instanz ein Urteil bestätigt, dies Video dürfe im französischen Fernsehen nicht gezeigt werden. Begründung: Frauen, die abgetrieben haben, können durch dies Video in Gewissensnöte gebracht werden.

Kinder, aus denen man keine funktionierenden Muster-Citoyens machen kann, sind in Frankreich zum vorgeburtlichen Abschuss freigegeben. Haben sie liebende Eltern, lachen sie, freuen sie sich ihres Lebens, sind sie selbstbewußt und erstaunlich selbständig, ist das für die Grande Nation eine unerträgliche Schande, die niemand sehen soll.

Quelle hier und hier

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Zyklische Sonette auf Radio Horeb

Das Buch ist ja nicht erst seit gestern auf dem Markt.
Radio Horeb hat es auch nicht erst gestern, sondern schon am 1. November vorgestellt – aber ich hatte das ganz vergessen. Die Aufnahme war eher nebenher entstanden, direkt nach der Aufnahme meines letzten Credo-Beitrages. Heute wurde ich daran erinnert.

Hier ist die mp3, von 0:14:39 bis 0:25:37 geht es um mein Buch Zyklische Sonette, aus dem ich auch einen kleinen Zyklus vorlese.

Nun denn – hört und kauft!

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Christus ist König!

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Christkönigsskulptur von Jan Eloy und Leo Brom an der St.-Martins-Kirche in Groningen, Niederlande (1936) – Quelle: Wikipedia

Dieser Zimmermannssohn, Wanderprediger, Lehrer, Dornengekrönte, Gekreuzigte, Auferstandene, Verklärte, Herr und Gott, Weltenrichter, Heiland –

Er ist der, dem ich unbedingt gehorsam sein will.
Vor anderen Herren und Damen bin ich nur vielleicht und nur bedingt gehorsam – weil ich (in wenigen Fällen) ihre Autorität für gottgegeben halte, oder weil ich das Befolgen bestimmter Regeln für sinnvoll halte, oder weil ich ganz einfach gezwungen werde (letzteres in meiner Heimat derzeit eher selten).

Ich weiß, daß ich dies aus einer sehr sicheren Position heraus schreibe. Zugleich werden hunderte, tausende meiner Glaubensgeschwister ermordet – und von Ihm zum ewigen Leben gebracht -, weil sie keinen anderen König als Ihn anerkennen. Christus ist König aller Welt und König der Märtyrer.

Christus ist König – dagegen sind alle anderen Herrschaftsmodelle nur albern.

Christkönig

Kein andrer beherrscht mich – ich bin
nur Sein. Seine Magd. Für immer.
König mit dem durchbohrten Herzen,
mit Dornenkrone und Kreuz, die Hände
einladend, segnend, heilend – verwundet
von Zimmermannsnägeln.

Kein andrer soll mir befehlen,
es sei denn, auf Sein Wort.
Er ist allmächtiger König.
Er – der Messias. Mein Heiland.

© Claudia Sperlich

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Der Blogoezesanen-Adventskalender naht!

Mitbürger! Blogger! Katholiken!

Wie in den vergangenen Jahren, soll es auch heuer wieder einen Adventskalender der Blogoezese geben.

Heike Lux, Weihrausch und Gnadenvergiftung, hat wieder die Organisation auf sich genommen. (Trefflich! Tausend Dank!)

Zur Stunde brauchen wir noch Beiträge für den 4., 7., 14., 19., 21., 22. Dezember. Ich habe für den 3. und 10. Dezember etwas vorbereitet; wer auf den 3. gehofft hat, kann den Termin bekommen, ich veröffentliche den Beitrag dann an einem der anderen noch freien Tage oder außerhalb des Adventskalenders.

Das nächste Bloggertreffen und die nächste Einladung in Rom steht und fällt mit dem Adventskalender! (Glaube ich jedenfalls. Man kann nie wissen.) Also bloggt, was das Zeug hält!

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Zum Martinstag

Über den liebenswürdigen Heiligen, der so folkloristisch gefeiert wird, habe ich auf meinem alten Blog schon mehrmals geschrieben. Heute kopiere ich einfach etwas von dort – es ist ja alles immer noch wahr.

Kirchengeschichte zum Martinstag habe ich in meiner Studienzeit gelernt.

Einen Choral habe ich auch für ihn geschrieben.

St. Martin
Melodie: Großer Gott, wir loben dich

Martin mußte lange Zeit
Als Soldat des Kaisers leben.
Waffen und Soldatenkleid
Trug er nur mit Widerstreben,
Wollte, statt im Heer zu stehn,
Jesu Friedenswege gehn.

Als er um den Abschied bat,
Ließ der Kaiser ihn nicht ziehen,
Sprach von Feigheit und Verrat.
Martin sprach: „Ich will nicht fliehen,
Doch auch Blut vergießen nicht:
Christus ist mein Friedenslicht.“

„Ohne Waffen laß mich gehn,
Ohne Furcht vor Kriegsgefahren.
Wehrlos will vorm Feind ich stehn,
Jesu Kreuz wird mich bewahren.
Jesus ist mein guter Hirt,
Der den Frieden schaffen wird.“

Bischof Martin folgte Gott,
Tat und lehrte Sein Erbarmen,
Teilte gerne in der Not
Brot und Wissen mit den Armen.
Eigne Not galt ihm gering,
Bis sein Weg zu Ende ging.

„Herr, es ist ein harter Streit,
Deinen Dienst zu tun im Leben.
Und ich kämpfte lange Zeit!
Willst Du mir nun Abschied geben,
Ruh ich gern, doch auf Dein Wort
Führ ich Deine Sache fort.“

Martins tapfrer Lebenslauf
Ist im Frieden ausgeklungen.
Gott nahm Seinen Diener auf,
Engel haben ihm gesungen,
Trugen ihn nach Leid und Streit
In die lichte Ewigkeit.

© Claudia Sperlich

Und angesichts der alljährlichen Martinsgaudi schrieb ich:

Ach Martin

Martin, ach, Laternenlicht
wär dir wohl noch recht geworden,
auch die lauten Kinderhorden,
aber Heidentum doch nicht!

Nur Kostümfest und Geschrei,
Glühwein dann und Würstchenessen,
kannste als Asket vergessen,
wärste eh nicht gern dabei!

Martin, trotz der Feierei
ohne Glaubensgrund und Wissen
wollen wir dich doch nicht missen –
steh uns armen Toren bei!

Bitt für uns mit frommem Sinn,
Gott woll uns den Tand vergeben!
Laß die armen Gänse leben,
den Klamauk nimm freundlich hin,

hilf, die Großen wachzurütteln,
bis sie sich zu Gott gewandt,
nimm die Kleinen bei der Hand!
Sonst ist dieses Fest zum Schütteln.

© Claudia Sperlich

Und wie war das nun mit dem Mantel?

Jeder Offizier besaß einen Mantel, bestehend aus einem anliegenden Oberteil und einem darangesetzten Unterteil, einer Art Rockschoß. Das Oberteil wurde vom römischen Heer gestellt. Das Unterteil hatte der Soldat selbst zu besorgen. Was Martin – der nur widerstrebend dem Militär angehörte – tat, war nicht nur gütig, es war auch subversiv.
Das Oberteil konnte er nicht weggeben, es gehörte ihm ja nicht. Aber das Unterteil konnte er verschenken – damit war zwar der Mantel zerstört, und sicher hat ihm das neben dem Gespött der Kameraden auch eine Disziplinarstrafe eingetragen, aber es war kein Eigentumsdelikt, und der Bettler hatte etwas, um sich einzumummeln.

Das lateinische Wort gladius wird üblicherweise mit Schwert übersetzt. Bei diesem Wort denken wir meist an eine Langwaffe; tatsächlich bezeichnete es in den ersten Jahrhunderten der Christenheit (und vorher) ein einschneidiges Kurzschwert, dessen Länge variierte. (So hat Petrus, als er bei Jesu Festnahme zum gladius griff, auch nicht mehr gehabt als eine Art Taschenmesser – wie man heute legal im Anglerbedarf kaufen kann.)
Man kann sich das leicht klarmachen. Mit einer Langwaffe eine Naht auftrennen, ohne wesentlich mehr kaputtzumachen, oder auch jemandes Ohr abschlagen, ohne daß es zugleich den Rest des Kopfes trifft – das ist praktisch unmöglich. Mit einem größeren Taschenmesser geht das schon leichter. (Lassen Sie, geneigter Leser, es trotzdem bleiben, jedenfalls das mit dem Ohr. Das mit dem Mantel ist schon in Ordnung.)

Martin, als Offizierssohn zwangsverpflichtet und selbst Offizier, aber ohne Freude daran, interessiert sich seit seiner Schulzeit für das Christentum. Beim Militär wird das nicht gern gesehen, er ist trotz seines hohen Postens ein Außenseiter.
Er sieht einen Bettler am Straßenrand. Denkt vielleicht: Ach, meine Luxusprobleme – dem hier geht es wirklich miserabel. Spontan fasst er den Entschluss, zu helfen, will am liebsten den Mantel als Ganzes weggeben – aber das geht nicht, ruft er sich zur Ordnung, der Mantel gehört mir ja nicht… das heißt: Die Hälfte gehört mir schon! Steigt vom Pferd, setzt sich neben den Bettler (die Kameraden gucken schon komisch!), zieht den Mantel aus, nimmt das Dolchmesser her und trennt mit heimlichem Grinsen (Die werden sich wundern in der Kaserne!) die Naht auf. Legt dem Bettler das Unterteil des Mantels – nun einfach ein großes rechteckiges Stück roten Wollstoff – um die Schultern: Hier, du sollst ja nicht frieren!
Zieht das Oberteil wieder über – es schließt nun in Hüfthöhe ab mit ausgefranster Kante und wirkt ziemlich albern. Die Leute gucken komisch. Und Martin strahlt übers ganze Gesicht und betet im Stillen: Danke, Herr! Beschütze den Bettler – und bitte, lass mich meine Vorgesetzten ertragen, egal was sie tun.
Der Bettler fühlt auf der Haut den soliden, dicken Wollstoff. Warm. Und rot. Martin schaut zurück und denkt: Der Herr hat auch einen roten Mantel umgehabt – von einem Soldaten.

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Rabourdin, die Vendée und ein Dokudrama

Der Film The Hidden Rebellion (original: La Rébellion Cachée) des französischen Filmemachers Daniel Rabourdin kann als Stream oder auf DVD gesehen werden.

Die Bürger der Vendée, zumeist Bauern und Handwerker, verteidigten ihren Glauben und den König gegen die Revolutionsgarden. Es ging ihnen unter dem fortschrittlichen und menschenfreundlichen Louis XVI. gut. Die Revolutionäre verlangten von ihnen Verleugnung ihres Glaubens, Abgabe von hohen Steuern und Beteiligung aller wehrfähigen Männer an den Kämpfen – auch mitten in der Erntezeit. Die Vendéer weigerten sich.

Sie waren tapfere Kämpfer und hatten zunächst Erfolge. Aber dem Schreckensregime waren sie nicht gewachsen. Der größte Teil der Vendéer – Männer, Frauen, Kinder – wurde guillotiniert, erschossen, erschlagen, ertränkt, verbrannt. In französischen Schulbüchern kommt das nicht vor. Die Täter werden immer noch mit Straßennamen geehrt, die Opfer sollen vergessen werden. Auch in Deutschland ist zwar die französische Revolution, nicht aber der Widerstand der Vendée Unterrichtsstoff. Zu Recht spricht der Historiker Reynald Secher von einem Memorizid, einem Mord an der Erinnerung.

Der Katholik Daniel Rabourdin hat diesen Film ohne eigene Mittel gemacht. Er hat, um Geld zu sparen, seine Wohnung aufgegeben, in einem Zelt gelebt und die Versicherung gekündigt. Er hat Laien dafür gewonnen, unentgeltlich als Schauspieler mitzumachen – und die Laien spielten mit professionellem Können.

Der Film ist dokumentarisch – Historiker sprechen, zeitgenössische Bilder und Karten werden gezeigt – und zugleich mit eindrucksvollen spielfilmartigen Szenen. Der Terreur wird dabei einerseits sehr genau gezeigt, andererseits hausiert Rabourdin nicht mit Scheußlichkeiten. Das Fallbeil wird in Bewegung gezeigt, man hört das Sausen und sieht die blutgetränkte Schürze des Henkers – aber man sieht keine abgeschlagenen Köpfe. Die Frau, deren Kind vor ihren Augen ermordet wird, sieht man, das Bajonett des Revolutionärs auch – alles Weitere darf man sich selbst ausmalen, und das ist hart genug. Der Film ist an keiner Stelle voyeuristisch, er lässt uns weinen, aber nicht erbrechen. Auch liegen allen Szenen gut dokumentierte Tatsachen zugrunde. Erhaltene Aussagen von Vendéern werden zitiert.

Als kleines Manko empfinde ich, daß der Film die Vendéer allzu gut darstellt. Denn es hat zweimal Vergeltungsmaßnahmen gegen Revolutionäre gegeben. Eine weitere wurde vom Kommandanten Maurice d’Elbée verhindert. (Damals waren Revolutionäre in einer Kirche gefangengehalten, die Bauern wollten sie für ein kürzlich verübtes Massaker mit dem Leben bezahlen lassen. D’Elbée befahl den Vendéern, das Vaterunser zu beten, und sagte darauf, wenn sie „wie auch wir vergeben“ gebetet hätten, so müssten sie das auch tun. Sie hörten auf d’Elbée. – Was für eine Filmszene hätte daraus werden können!)

An den Vendéern wurde nicht „nur“ eine Reihe von Massakern verübt. Es war ein Völkermord, wie der Film deutlich zeigt. Die offen – auch schriftlich – erklärte Absicht der Revolutionäre war die vollständige Vernichtung der Vendéer.

Großen Eindruck hat mir ein französischer Historiker gemacht, der anfangs sagt, er glaubt nicht an Gott – und dann kenntnisreich aufzeigt, daß religionsfeindliche Systeme regelmäßig in die Katastrophe führen. Diese feine Unterscheidung zwischen „Ich glaube nicht an Gott“ und „Du darfst nicht an Gott glauben“ wünsche ich mir von vielen.

Rabourdin hat den Vendéern ein Denkmal gesetzt. Das französische Fernsehen ist einstweilen nicht daran interessiert, dies Denkmal zu zeigen. Gut, daß wir Dank moderner Technik auf ein tendenziöses, atheistisch und wissenschaftsfeindlich geprägtes Fernsehen nicht angewiesen sind!

The Hidden Rebellion sollte im Geschichtsunterricht gezeigt werden, und wer immer über die großen Errungenschaften der französischen Revolution spricht, müsste verpflichtet werden, diesen Film zu sehen.

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Thomas in Roßlau

Morgen halte ich in der Herz-Jesu-Kirche in Dessau-Roßlau einen Vortrag über Thomas von Aquin!
Ich freue mich sehr, habe gut geprobt und gerade wieder einmal festgestellt, daß Adoro Te devote eine der schönsten Liebeserklärungen an Gott ist. Die aquinatischen Hymnen werde ich in meiner Übersetzung vorstellen und kann sagen, das lohnt.

Um 18.45 wird die Messe gefeiert, und danach geht es um den großen Aquinaten. Also flugs notieren, wer es noch nicht notiert hat und morgen abend Zeit hat!

Mittwoch, 9. November
19.30 Uhr
Gottheit tief verborgen – Thomas von Aquin
Vortrag
Eintritt frei, Spende erbeten
Herz-Jesu-Kirche
Schillerplatz
06862 Dessau-Roßlau

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Novemberkolumne

auf kath.net. Von mir. Über Beichte, Buße und Sühne.

Man stelle sich vor: Ich gehe ohne Anmeldung zu einem König und bitte um eine Privataudienz, und zwar jetzt gleich. Vielleicht muss ich überhaupt nicht warten, vielleicht kurze Zeit, keinesfalls lange, und keinesfalls ist der König ungehalten – im Gegenteil, er freut sich, dass ich komme. Ich bin wirklich allein mit ihm, kein Sekretär und kein Sicherheitsmann ist dabei.

Und dann knie ich vor dem König, lege als Geschenk einen Haufen Müll vor seine Füße (ein Teil davon schon gammelig und stinkend) und sage: „Herr, bring das bitte zur Mülltonne.“

Und daraufhin ist der König nicht etwa empört, sondern sagt ganz freundlich: „Gerne, Tochter. Hast du noch mehr Müll? Immer her damit – ich will ihn ganz!“

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Kein Gebet geht ins Leere

Wir beten für die Armen Seelen, und wir wissen doch nicht, ob der Mensch, für dessen Seele wir jetzt beten, überhaupt im Purgatorium ist. Vielleicht ist er ja längst in Gottes Herrlichkeit angekommen. Oder – leider nicht auszuschließen – er hat sein Heil verscherzt und ist in einem weit schlimmeren Zustand als die Armen Seelen.

Gott aber hört unsere Gebete, da bin ich sicher – und Er wird aus jeder aufrichtigen Bitte um etwas in sich Gutes (z.B. das Seelenheil eines Menschen) auch etwas Gutes machen (z.B. das Seelenheil eines anderen Menschen).

Glücklicherweise gibt es viele Menschen, bei denen ich mir ganz sicher sein darf: Die sind bei Gott! Für ungezählte Heilige haben wir gestern gedankt. Heute beten wir für die, die auf dem letzten Wegabschnitt zur Heiligkeit sind. Und weil Gebet etwas ganz Anderes ist als Magie, können wir ausschließen, daß unsere Gebete etwas Falsches bewirken. Weil Gott Gott ist, können wir ausschließen, daß sie ins Leere gehen.

Meinem Vater zu Allerseelen

Wie ein Niegewesen
kreist der blaue Ball
Zeichen ungelesen
stumm im leeren All

Martin Sperlich

Gesucht und nicht gefunden
die Wahrheit im Menschenleben.
Hat vielen vieles gegeben,
ist ganz und gar mir verschwunden.

Ich weiß nicht, wo er gelandet.
Hat Gott ihn zu sich genommen?
Wird er noch zu Ihm kommen?
Oder ist er gestrandet?

Es geht nicht ums Wiedersehen,
um meine Sehnsucht gehts nicht.
Aber es geht um das Licht –
es geht um das Auferstehen.

Die fromme Mutter geflohen,
er selbst vom Führer verführt.
Dann hat er das Unrecht gespürt
und bereut – man musste nicht drohen.

Hat Wahrheit in Bildern gesehen
und Stückwerk fürs Ganze gehalten.
Er liebte geschaffne Gestalten
und lehrte mich, Kunst zu verstehen.

Ein Heiliger war er zwar nicht.
Doch treu und tapfer im Tragen
von schweren und schönen Tagen.
Sei ihm gnädig, Herr, im Gericht.

© Claudia Sperlich

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