Fronleichnam 2021

Wir tragen Dich nicht durch die Straßen
mit Fahnen und Chorgesang.
Wir streuen nicht Palmen und Blumen,
wir zeigen Dich nicht der Welt.
Der Kantor besingt Dich alleine,
wir beten in Stille mit.

Doch Du bleibst der strahlende Heiland,
Du blickst uns an vom Altar.
Du bist in der Hostie zugegen,
Du nährst uns Seele und Leib.
Lebendiges Brot, unser Heiland,
Du gehst vor uns durch die Welt.

Zum Opfer hast Du Dich gegeben
als Sühne menschlicher Schuld,
zum Leben bist Du uns geworden
und ziehst uns liebend an Dich.
Du wirst uns auch weiter begleiten
auf schmucklos steinigem Weg.

Gib uns, daß der Welt wir Dich zeigen
auch ohne Blumen und Pracht!
Lass Worte, Gebärden und Taten
heut Zeugnis geben von Dir.
Gib, daß wir Dir überall folgen,
zu allen Folgen bereit.

Gib, daß wir dabei nicht verwechseln
den sturen eigenen Sinn
mit Deiner unfassbaren Weisheit,
mit Deiner liebenden Macht.
Lass uns in Gehorsam und Demut
und froh durchkämpfen die Zeit.

Und, Herr, lass im kommenden Jahre
uns neu mit Prunk und Gesang
Dich unter dem Baldachin tragen
durch Straßen in Stadt und Land,
und uns vor allen bekennen:
Du bist unser Herr und Gott.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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3 Antworten zu Fronleichnam 2021

  1. akinom schreibt:

    Wer weiß noch, dass an Fronleichnam der Gründonnerstag gefeiert wird?

  2. Herr S. schreibt:

    Denkwürdige Erinnerung an frühere vergangene katholische Zeiten

    Hugo von Hofmannsthal (1874-1929)

    Fronleichnam

    Von Glockenschall, von Weihrauchduft umflossen,

    Durchwogt die Straßen festliches Gepränge

    Und lockt ringsum ein froh bewegt Gedränge

    An alle Fenster, – deines bleibt geschlossen.

    So hab auch ich der Träume bunte Menge,

    Der Seele Inhalt, vor dir ausgegossen:

    Du merktests kaum, da schwieg ich scheu-verdrossen,

    Und leis verweht der Wind die leisen Klänge.

    Nimm dich in acht: ein Tag ist schnell entschwunden,

    Und leer und öde liegt die Straße

    wieder;

    Nimm dich in acht: mir ahnt, es kommen Stunden,

    Da du ersehnest die verschmähten Lieder:

    Heut tönt dir, unbegehrt, vielstimmiger Reigen,

    Wenn einst du sein begehrst, wird er dir schweigen.

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