Mittwoch der vierten Fastenwoche

Wandlung

Kein andrer Ton bewegt mein Herz so stark
wie jene Glöckchen bei dem Hochgebet.
Kein Anblick trifft mich mit so großer Wucht
wie Christi Leib und Blut in Priesterhänden.
Die Hostie wird zerbrochen: Todeszeichen –
bei diesem leisen Krachen stockt mein Atem.
Dann tragen meine Füße mich nach vorn
und meine Hände werden Gottes Thron –
hier ist der Herr und will mir innewohnen,
die Weisheit selbst im törichten Geschöpf,
in einem Sünder die Vollkommenheit.

© Claudia Sperlich

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Kreuzweg

Ich habe einen vor Jahren geschriebenen Kreuzweg wieder vorgeholt und überarbeitet – vielleicht kann das als Anregung dienen.
Für die Responsorien habe ich Psalmverse benutzt; die vollständigen Psalmen sind darüber verlinkt.

1. Station – Jesus wird zum Tode verurteilt

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Ein besetztes Land, in dem verschiedene politische und religiöse Strömungen konkurrieren, einander bekämpfen, die Besatzer bekämpfen, sich mit den Besatzern arrangieren. Ein Politiker, der Sit­ten und Religion im besetzten Gebiet nicht einmal ansatzweise begreift und um seine Macht bangt. Ein junger Mann, der ans Messer geliefert wird und sich nicht wehrt, der keinen Versuch macht, sich herauszureden.
Der Prozess wird in aller Eile durch sämtliche Instanzen geführt. Der Angeklagte könnte sich verteidigen – und tut nichts weniger als dies.

Ps. 57
V Sei mir gnädig, o Gott, sei mir gnädig! Denn bei dir birgt sich meine Seele.
A Gott wird seine Gnade und Wahrheit senden.
V Ich nehme Zuflucht unter dem Schatten deiner Flügel, bis das Verderben vorübergezogen ist.
A Gott wird seine Gnade und Wahrheit senden.
V Ich rufe zu Gott, dem Allerhöchsten, zu Gott, der meine Sache hinausführt.
A Gott wird seine Gnade und Wahrheit senden.

Pilatus:
Ich verstehe diese Juden nicht. Der junge Mann, der die Gegend in solchen Aufruhr versetzte, hat­te, schien es, irgendwie gegen ihre Kultvorschriften verstoßen oder so. Ich fand ihn interessant, aber er kam mir auch seltsam vor – nicht direkt arrogant, aber – warum hat er mir nicht geantwortet?
Als die religiösen Führer der Juden mir drohten, mich beim Kaiser anzuschwärzen, mußte ich han­deln. Meine Haut ist mir wichtiger als die eines unbekannten Juden.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

2. Station – Jesus nimmt das Kreuz auf Seine Schultern

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Die Längsbalken stehen an der Hinrichtungsstätte parat. Delinquenten müssen den Querbalken wie ein Joch tragen; die ausgebreiteten Arme werden daran festgebunden. Die Geißelung mit Lederstricken, in die spitze und scharfkantige Metallstücke eingeflochten waren, hat den Rücken auf­gerissen. Dornen bohren sich in die Kopf­haut, das Blut läuft in die Augen. Von Blut und Schweiß angelockte Fliegen kann der Delinquent nicht verscheuchen.

Ps. 25
V Wende Dich zu mir und sei mir gnädig, denn ich bin einsam und elend!
A Vergib mir alle meine Sünden.
V Sieh an mein Elend und mein Leid, und vergib mir alle meine Sünden!
A Vergib mir alle meine Sünden.
V Bewahre meine Seele und rette mich! Laß mich nicht zuschanden werden, denn ich vertraue auf dich!
A Vergib mir alle meine Sünden.
V O Gott, erlöse Israel aus allen seinen Nöten!
A Vergib mir alle meine Sünden.

Jesus:
Angst hatte ich, so sonderbar das klingt, nicht mehr. Die hatte ich vorher ge­habt, im Garten, in dieser seltsamen Nacht nach dem Paschamahl. Da hatte ich um mein Leben zum Vater gefleht, aber im Gebet war mir klargeworden, wie anders mein Weg sein sollte. Als mir der Querbalken des Kreuzes aufgebunden wurde, war das wie ein Schlußstrich: Bis hierher ging das Leben, nun kam der Tod.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

3. Station – Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Durst, Schmerz und Blutverlust machen den Gang unsicher. Die an den Querbalken gefes­selten Arme verhindern ein Abstützen. Jesus landet schmerzhaft auf den Knien, richtet sich mühsam wieder auf. Sand und Steinchen bleiben an den aufgeschundenen Knien kle­ben.

Ps. 130
V Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr: Herr, höre meine Stimme! Laß Deine Ohren aufmerksam sein auf die Stimme meines Flehens!
A Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr: Herr, höre meine Stimme!
V Wenn Du, o Herr, Sünden anrechnest, Herr, wer kann bestehen? Aber bei Dir ist die Vergebung, damit man Dich fürchte.
A Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr: Herr, höre meine Stimme!
V Ich harre auf den Herrn, meine Seele harrt, und ich hoffe auf Sein Wort.
A Aus der Tiefe rufe ich zu Dir, o Herr: Herr, höre meine Stimme!

ein Soldat:
Es war der dritte an diesem Tag, den wir da hinauf trieben. Die Haut hing Ihm in Fetzen vom Leib, der Dornenkranz hatte die Kopfhaut eingeschnitten. Ein Aufwiegler, ein Halb­verrückter vielleicht, und Er soll auch irgend­welche Zeloten unterstützt haben. Eine Menge Zulauf hatte Er ge­habt, und jetzt war Er am Ende. Er stolperte – bei der Aus­peitschung war Er aufrecht geblieben. Jetzt fiel Er also doch noch. Aber Er richtete sich wie­der auf, ohne zu fluchen.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

4. Station – Jesus begegnet Seiner Mutter

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Auch wenn Kunst und fromme Legende das Verhältnis Jesu zu Seiner Familie vergolden – in der Bibel lesen wir ausschließlich von schwierigen Verhältnissen im Hause des Zimmermanns. Jesus ist kein braver und folgsamer Sohn, Er hat we­der die väterliche Werkstatt übernommen noch geheiratet, wie es die Konvention erwartet – und Seine Ver­wandten haben ihn für verrückt erklärt. Nun kommt Seine Mutter auf diesem hoffnungslos scheinenden letzten Weg zu Ihm. Sie sieht den ge­folterten, blutenden, geschwächten Mann mit der barbarischen Last auf dem Nacken und kann nichts für Ihn tun – außer da sein und dies Ende mit Ihm er­tragen.

Ps. 71
V Sei mir ein Felsenhorst, zu dem ich stets fliehen kann, der Du verheißen hast, mir zu helfen; denn Du bist mein Fels und meine Burg.
A Denn Du bist meine Hoffnung, o Herr, Du Herrscher.
V Mein Gott, befreie mich aus der Hand des Gottlosen, aus der Faust des Ungerechten und Gewalttätigen!
A Denn Du bist meine Hoffnung, o Herr, Du Herrscher.
V Auf Dich habe ich mich verlassen vom Mutterleib an, vom Mutterschoß an hast Du für mich gesorgt; mein Rühmen gilt Dir allezeit.
A Denn Du bist meine Hoffnung, o Herr, Du Herrscher.

Maria:
Ich hatte mit meinem Sohn oft Differenzen gehabt. Diese Leute, mit denen Er sich abgab, diese neumodischen Sachen, die Er sagte. Ich hatte an Seinem Verstand gezweifelt. Aber das spielte jetzt alles keine Rolle mehr. Hier war mein Sohn, der mal mein Baby ge­wesen war, den ich in meinem Leib und auf meinen Armen getragen und gewickelt und gewiegt und gestillt hatte, und jetzt konnte ich Ihn nicht einmal in den Arm neh­men.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

5. Station – Simon von Cyrene hilft Jesus das Kreuz tragen

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Aus Cyrene in Nordafrika ist er gekommen und hat hier Arbeit in der Landwirtschaft gefunden. Er kommt erschöpft vom Feld. Die Soldaten sehen, daß der Delinquent kurz vor dem Zusammenbruch ist, und kommandieren den Landarbeiter: Du da, hilf dem Kerl! Simon scheut sich vor der Verunreinigung durch Blut, vor der Begegnung mit dem Gesetzesbrecher, vor der Nähe zu den heidnischen Soldaten, will weder kollaborieren noch sich ver­unreinigen. Aber ihm bleibt nichts anderes übrig.

Ps. 130
V Meine Seele harrt auf den Herrn mehr als die Wächter auf den Morgen, mehr als die Wächter auf den Morgen.
A Ja, Er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden.
V Israel, hoffe auf den Herrn! Denn bei dem Herrn ist die Gnade, und bei Ihm ist Erlösung in Fülle.
A Ja, Er wird Israel erlösen von allen seinen Sünden.

Simon:
Ich wohnte noch nicht lang in der Gegend, und mir war nicht klar, was für Leute diesen Weg auch nehmen mußten. Ich kam von der Arbeit, und die Soldaten machten sich einen Spaß dar­aus, mich als Helfer zu mißbrauchen. Ich kam mir doppelt schäbig vor: den Römern zu helfen, ihre schmutzige Arbeit zu verrich­ten; einen Gesetzesbrecher (man sagte ihm irgendwelche Frevel nach) zu berühren, samt Staub, Schweiß, Tränen und Blut. Ir­gendwann schickten die Solda­ten mich nach Hause, und Er sagte leise und heiser: Friede.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

6. Station: Veronica reicht Jesus das Schweißtuch

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Blut, Schweiß, Staub und Tränen vermischen sich zu einem juckenden und brennenden Film auf der geschundenen Haut, laufen in die Augen und verschleiern die Sicht. Eine Frau geht auf Jesus zu, drückt ein sauberes weiches Tuch ganz behutsam auf Sein Gesicht und lindert durch diese zärt­liche Berührung die Schmerzen.

Ps. 41
V Wohl dem, der sich des Armen annimmt; der Herr wird ihn erretten zur bösen Zeit.
A Herr, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen Dich gesündigt!
V Der Herr wird ihn bewahren und am Leben erhalten, er wird glücklich gepriesen im Land; ja, Du wirst ihn nicht der Gier seiner Feinde ausliefern!
A Herr, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen Dich gesündigt!
V Der Herr wird ihn erquicken auf seinem Krankenlager; Du machst, daß es ihm besser geht, wenn er krank ist.
A Herr, sei mir gnädig! Heile meine Seele, denn ich habe gegen Dich gesündigt!

Veronika:
Ich hatte Ihn einige Male gehört und hatte gehofft, er würde uns Freiheit brin­gen. Nun hatten sie Ihn gefangen, und ich war voll Wut und Enttäu­schung hingelaufen. Dann sah ich, wie schrecklich sie Ihn zugerichtet hatten. Schweiß, Staub und Tränen muß­ten auf der zer­schundenen Haut brennen. Seine Arme waren an den Querbalken gebun­den, Er versuchte, den Schweiß aus den Au­gen zu blinzeln. Ich hatte ein sauberes Tuch da­bei und wischte Ihm das Gesicht ab.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

7. Station: Jesus fällt zum zweiten Mal unter dem Kreuz

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Es ist warm um die Mittagszeit, im Jerusalemer Frühling. Auf dem steinigen, baum­losen Weg nach Golgotha ist es heiß. Seit gestern Abend hat Jesus weder gegessen noch getrun­ken. Die Wunden von der Geißelung und der Dornenkrone entzünden sich. Er fiebert, der Gang wird unsicher. Wie­der stürzt Er. Mit äußerster Anstrengung kommt er wieder auf die Füße und schleppt sich weiter.

Ps. 62
V Nur auf Gott wartet still meine Seele; von Ihm kommt meine Rettung.
A Nur Er ist mein Fels und mein Heil, meine sichere Burg; ich werde nicht allzusehr wanken.
V Auf Gott ruht mein Heil und meine Ehre; der Fels meiner Stärke, meine Zuflucht ist in Gott.
A Nur Er ist mein Fels und mein Heil, meine sichere Burg; ich werde nicht allzusehr wanken.
V Vertraue auf Ihn allezeit, o Volk, schüttet euer Herz vor ihm aus! Gott ist unsere Zuflucht.
A Nur Er ist mein Fels und mein Heil, meine sichere Burg; ich werde nicht allzusehr wanken.

ein Zelot:
Die Römer hatten wieder zwei von uns zum Tode verurteilt, und ich wollte mich mit un­seren Kämpfern solidarisch zeigen. Dann kam noch dieser andere, in meinen Augen ein Träumer, der den bewaffneten Kampf abgelehnt hatte. Die Römer waren mit Ihm ge­nauso brutal umgesprun­gen wie mit den Widerständ­lern. Er stürzte vor meinen Augen hin; die Haut auf den Knien platzte auf. Ein Sol­dat riß Ihn grob nach oben. Er blieb still. Ich bekam so etwas wie Respekt vor Ihm.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

8. Station: Jesus begegnet den weinenden Frauen

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Freiheit von römischer Besatzung hat Er ihnen nicht versprochen – auch wenn die Frauen sich da­nach nicht weniger sehnten als die Männer. Aber Er ist ihnen mit Freundlichkeit begegnet, hat sie ernstgenommen, sie als Schülerinnen ange­nommen, mit ihnen über die Schrift diskutiert. Er – der Gesandte des Herrn.

Ps. 42
V Wie ein Hirsch lechzt nach Wasserbächen, so lechzt meine Seele, o Gott, nach Dir!
A Meine Seele lechzt, o Gott, nach Dir!
V Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott: Wann werde ich kommen und vor Gottes Angesicht erscheinen?
A Meine Seele lechzt, o Gott, nach Dir!
V Meine Tränen sind meine Speise bei Tag und bei Nacht, weil man täglich zu mir sagt: Wo ist nun dein Gott?
A Meine Seele lechzt, o Gott, nach Dir!

eine Frau:
Er tat mir unendlich leid. Meine Freundinnen und ich hatten Ihn einigemale ge­hört, und immer hatten wir Worte der Liebe gehört. Den Kindern war Er liebevoll und zärt­lich begegnet – auch den Mädchen. Uns hatte Er Verstand und Handlungsfähigkeit zugestanden – das war unge­wohnt. Nun standen wir da und weinten, als wir sahen, wie Er litt. Was er dann sagte – nahm Er sich selbst zurück? War Er resigniert, fürchtete Er den Untergang Judas? Auch Frauen und Ju­gendliche waren gekreuzigt worden – meinte Er das? Oder warnte Er uns: Hütet euch, roh und ge­fühllos zu werden?

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

9. Station: Jesus fällt zum dritten Mal unter dem Kreuz

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Durst, Schmerz und Erschöpfung nehmen überhand. Plötzlich dreht sich alles, Jesus verliert den Boden unter den Füßen, stürzt lang hin. Einen Augenblick liegt Er benommen da. Ein Soldat reißt Ihn grob nach oben. Immer noch benommen, stolpert Er langsam weiter.

Ps. 142
V Ich schreie mit meiner Stimme zum Herrn, ich flehe mit meiner Stimme zum Herrn.
A Ich schütte meine Klage vor Ihm aus und verkünde meine Not vor Ihm.
V Wenn mein Geist in mir verzagt ist, so kennst du doch meinen Pfad; auf dem Weg, den ich wandeln soll, haben sie mir heimlich eine Schlinge gelegt.
A Ich schütte meine Klage vor Ihm aus und verkünde meine Not vor Ihm.
V Ich schaue zur Rechten, siehe, da ist keiner, der mich kennt; jede Zuflucht ist mir abgeschnitten, niemand fragt nach meiner Seele!
A Ich schütte meine Klage vor Ihm aus und verkünde meine Not vor Ihm.

ein Zuschauer:
Zugegeben, ich war aus Sensationsgier gekommen. Vor mir selbst hatte ich gesagt, man müsse sich klarmachen, was diese schreckliche Strafe für die Opfer bedeutet – aber das war Selbstbetrug. Blut wollte ich sehen – und sah es. Der eine, angeblich ein Wun­dertäter, stürzte vor meinen Augen der Länge nach hin. Die Soldaten packten Ihn, Er rap­pelte sich wieder hoch. Zu­fällig blickte Er in meine Richtung – und ich empfand, daß Er mir gerade ins Gesicht sah. Von die­sem Augenblick an empfand ich nur noch Mitleid mit dem geschundenen Menschen.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

10. Station: Jesus wird Seiner Kleider beraubt

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Es ist üblich, die Kleider Hingerichteter den diensthabenden Soldaten zu überlas­sen. Oft sind es noch gute Kleider, und der Sold ist nicht übertrieben hoch. Abgese­hen davon ist den meisten Soldaten jede Ablenkung Recht, und während sie die Kleider teilen und um das gute Obergewand spielen, trinken sie und reißen derbe Witze. Ohne das würde es nachher keiner schaffen, einem lebendigen Menschen Nägel ins Fleisch zu trei­ben.

Ps. 142
V Ich schreie, o Herr, zu Dir; ich sage: Du bist meine Zuflucht, mein Teil im Land der Lebendigen!
A Du bist meine Zuflucht, mein Teil im Land der Lebendigen!
V Höre auf mein Wehklagen, denn ich bin sehr schwach; errette mich von meinen Verfolgern, denn sie sind mir zu mächtig!
A Du bist meine Zuflucht, mein Teil im Land der Lebendigen!
V Führe meine Seele aus dem Kerker, daß ich Deinen Namen preise! Die Gerechten werden sich zu mir sammeln, wenn Du mir wohlgetan hast.
A Du bist meine Zuflucht, mein Teil im Land der Lebendigen!

Jesus:
Daß mir jede Nervenfaser wehtat, war nicht so schlimm wie das hier. Nackt stand ich vor der Menge, wurde begafft wie ein Stück Vieh, die Soldaten gröl­ten, und die, die aus Solidarität da waren, sahen schamhaft weg – das war schlim­mer als die körperliche Folter. Niemals war ich so ausgeliefert gewesen.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

11. Station: Jesus wird an das Kreuz genagelt

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Bei der Kreuzigung werden dicke Nägel in Unterarme getrieben, zwischen Elle und Speiche hindurch. Ein großer Schmerznerv verläuft direkt daneben. Die Fußwurzelknochen werden ebenfalls mit Nägeln durchbohrt. Um den Erstickungstod hinauszuzögern, ist eine kleine Stütze unter den Füßen angebracht. Der Delinquent hängt an den durchbohrten Armen, ringt nach Luft, bäumt sich reflexhaft auf – immer im Wechsel, bis er stirbt. Dadurch schießt der Schmerz abwechselnd durch Unterarme und Unterschenkel, während die Luft immer schwerer in die durch das Hängen zusammengequetschten Lungen fließen kann. Was die Umstehenden durchdrang wie lau­tes Schreien, mag tatsächlich nur ein ersticktes Röcheln gewesen sein. Doch auch in scheinbarer Verlassenheit hören sie einen Psalmvers, in dem Sinn und Ziel vorausgesetzt wird: Mein Gott, mein Gott, wozu hast Du mich verlassen? Wozu – das hebräische le-mah, auf was hin, fragt nach dem Ziel, nicht dem Grund.

Ps. 22
V Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen? Warum bleibst du fern von meiner Rettung, von den Worten meiner Klage?
A Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?
V Mein Gott, ich rufe bei Tag, und du antwortest nicht, und auch bei Nacht, und ich habe keine Ruhe.
A Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?
V Aber du bist heilig, der du wohnst unter den Lobgesängen Israels!
A Mein Gott, mein Gott, wozu hast du mich verlassen?

Maria von Magdala:
Ich habe nicht gewagt, hinzusehen. Aber das Geräusch von Häm­mern und Nägeln, die sich in Hände und Füße bohrten, war nicht auszusperren. In diesem Augenblick fiel es mir zum ersten Mal schwer, das Leben meines besten Freundes in einem himmlischen Licht zu se­hen. Warum mußte dieser barba­rische Justizmord sein? Warum konnte der Ewige Ihn nicht leben lassen? Als das Kreuz aufgerichtet war, als Sein zerschundener Körper da hing und er immer schlechter Luft bekam – da betete ich um Seinen Tod, um ein Ende Seiner Leiden.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

12. Station: Jesus stirbt am Kreuz

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Blutverlust, Luftmangel und reißender, schneidender, stechender Schmerz führen langsam zum Tod. Die Worte, die Jesus am Kreuz noch spricht, sind kaum zu hören und kosten Ihn die letzte Kraft. Endlich ist es vorbei. Alles ist vorbei für die Freun­de, die unter dem Kreuz aushalten.

Ps. 22
V Eine Rotte von Übeltätern umgibt mich; sie haben meine Hände und meine Füße durchgraben.
A Du aber, o Herr, sei nicht ferne! O meine Stärke, eile mir zu Hilfe!
V Ich kann alle meine Gebeine zählen; sie schauen her und sehen mich schadenfroh an.
A Du aber, o Herr, sei nicht ferne! O meine Stärke, eile mir zu Hilfe!
V Sie teilen meine Kleider unter sich und werfen das Los über mein Gewand.
A Du aber, o Herr, sei nicht ferne! O meine Stärke, eile mir zu Hilfe!

Johannes:
Wie ein zu Tode Gefolterter aussieht, habe ich nicht beschrieben. Es war uns allen auch leider nur zu deutlich – Jesus war bei weitem nicht der einzige, der die­sen Tod sterben mußte. Als ich mich so weit gefaßt hatte, daß ich in Sein Ge­sicht sehen wollte – noch einmal -, da sah ich zu­gleich über ihm das ungelenk gemalte Schild: Jesus aus Nazareth, Kö­nig der Juden. Das sollte eine Verhöhnung sein – und war mir etwas ganz anderes: Unser Meister ist König über den Tod hinaus.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

13. Station: Jesus wird vom Kreuz genommen und in den Schoß Seiner Mutter gelegt

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Die römischen Behörden lassen Gekreuzigte gern noch einige Tage hängen – zur Abschreckung, als habe jemals eine öffentliche Hinrichtung abschreckend gewirkt. Joseph aus Arimathäa aber will ei­nerseits Jesus die letzte Ehre erweisen und an­dererseits den Sabbat nicht durch einen unbestatteten Leichnam entweiht sehen. In aller Eile erwirkt er von Pila­tus die Erlaubnis zur Bestattung. Der Leichnam ist blut- und staubverkrus­tet und zerschunden. Die Freunde waschen Ihn, sehr vorsichtig, um die Haut nicht noch schlimmer zu zerreißen, und hüllen Ihn in Tü­cher ein. Maria nimmt Abschied von Ihm, in­dem sie Ihn auf ihren Knien hält wie ein kleines Kind.

Ps. 116
V Die Fesseln des Todes umfingen mich und die Ängste des Totenreichs trafen mich; ich kam in Drangsal und Kummer.
A Ach, Herr, errette meine Seele!
V Da rief ich den Namen des Herrn an: Ach, Herr, errette meine Seele!
A Ach, Herr, errette meine Seele!
V Der Herr ist gnädig und gerecht, ja, unser Gott ist barmherzig.
A Ach, Herr, errette meine Seele!

Josef aus Arimathäa:
Erst heute habe ich gewagt, meine Sympathie für Rabbi Jesus öffent­lich zu zeigen. Ich half, Seinen geschändeten Körper vom Kreuz zu nehmen. Das hieß zunächst, die Nägel mit Werkzeug aus den zerfetzten Unter­armen und Füßen zu ziehen, sich unrein zu machen mit Blut. Aber ich konnte diese Barbarei nicht so sein lassen. Er sollte nicht über den Tod hinaus verhöhnt werden. Er war doch ein Gerechter – und dann dieser Schandtod!

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

14. Station: Der heilige Leichnam Jesu wird ins Grab gelegt

V Wir beten Dich an, Herr Jesus Christus, und preisen Dich.
A Denn durch Dein heiliges Kreuz hast Du die Welt erlöst.

Joseph von Arimathäa stellte seine Grabstelle zur Verfügung. Es war bei wohlhabenden Leuten üblich, die eigene Grabstätte zu kaufen, und also auch möglich, sie zu verschenken. Nikodemos sorgte für die Balsamierung des Leichnams. Wie ein Verbrecher war der Herr gestorben, wie ein Fürst sollte Er bestattet werden.

Ps. 18
V Den Herrn, den Hochgelobten, rief ich an — und ich wurde von meinen Feinden errettet!
A Er hörte meine Stimme in Seinem Tempel, mein Schreien vor Ihm drang zu Seinen Ohren.
V Die Fesseln des Todes umfingen mich, die Ströme Belials schreckten mich; die Fesseln des Totenreiches umschlangen mich, es ereilten mich die Fallstricke des Todes.
A Er hörte meine Stimme in Seinem Tempel, mein Schreien vor Ihm drang zu Seinen Ohren.
V In meiner Bedrängnis rief ich den Herrn an und schrie zu meinem Gott; Er hörte meine Stimme in Seinem Tempel, mein Schreien vor Ihm drang zu Seinen Ohren.
A Er hörte meine Stimme in Seinem Tempel, mein Schreien vor Ihm drang zu Seinen Ohren.

Nikodemus:
Leicht hat Er es keinem gemacht – provokant war Er gewesen! Aber kein Ver­brecher. Und selbst wenn – das hier war Justizmord. Er hatte keine Gelegenheit zur Verteidigung bekom­men. Nun war Er tot, und alles, was ich tun konnte, war, Ihm ein anständiges Begräbnis zu ver­schaffen. Wir waren ganze fünf: seine Mutter, noch eine Frau, er hatte ja auch Schülerinnen ge­habt, ein junger Ge­lehrter, einer aus der Partei der Pharisäer und ich. Ein stilles, verängstigtes Begräb­nis für einen mutigen jungen Mann.

V Gekreuzigter Menschensohn,
A erbarme Dich unser.

Schlußgebet
Die Welt steht voller Kreuze und wartet auf die Erlösung. Aber Du bist nicht im Grab geblieben. Niedertracht und Unrecht haben nicht das letzte Wort. Gott ist der Lebendigmacher.
Jesus Christus, auferstandener Menschensohn, laß uns vertrauen auf das Leben und auf Deine Lie­be, auch wenn um uns nur Hass und Tod zu sehen ist. Hilf uns, Gerechtigkeit und Liebe aufzuspü­ren und gegen die tägliche Gemeinheit und Tücke anzugehen.

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Dienstag der vierten Fastenwoche

Jesus Messias

Du bist, der wiederkommen wird in Herrlichkeit.
Du bist das Licht, in Bethlehem erschienen,
Du Schöpfer kamst, um dem Geschöpf zu dienen.
Du führst uns bis zum Ende dieser Zeit.

Du dienst auch jenen, die mit sauren Mienen
Behaupten, Glaube führt zu Krieg und Streit,
Denn Deine Liebe geht unendlich weit.
Hilf uns zu Deinem Reich – und hilf auch ihnen!

So wie die Erde um die Sonne kreist
Kann unser Wissen Dich nie ganz erreichen,
Wir können nur Bekanntem Dich vergleichen.

Wir fassen nicht Dein Reich, so nah es ist.
Errichte Du den Frieden, Jesus Christ!
Messias, komm zu uns, wie Du verheißt!

© Claudia Sperlich

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Behördenlob

Es kommt nicht häufig vor, daß ich über Behörden etwas Nettes sage. Aber jetzt ist mir danach.

Ich hatte meinen Ausweis verloren, schon vor längerer Zeit, und das Beantragen immer vor mir hergeschoben. Man kann ja im Allgemeinenen auch ohne Ausweis ganz gut leben. Nun aber stehe ich kurz vor einer Reise und mußte handeln.

1. Internetwache anschreiben: Ausweis ist weg, was soll ich machen?
2. Polizistin (sehr freundlich) ruft an, erklärt mir, was ich machen soll. Auf meine besorgte Frage, ob ich jetzt wegen einer Ordnungswidrigkeit drankomme, weil ich ja seit – öh, irgendwie nach Weihnachten… keinen Ausweis mehr habe, sagt sie: Ach, Pillepalle, Sie haben den ja möglicherweise bloß verlegt, wenn Sie ihn wiederfinden, müssen Sie ihn bei der nächsten Polizeidienststelle abgeben, der ist dann ungültig. Und zum Bürgeramt müssen Sie, wenn sie da keinen rechtzeitigen Termin bekommen, finden die auch ne Lösung.
3. Der nächste reguläre Termin im Bürgeramt wäre im Mai möglich, ich reise aber im März. Ich gehe zum Bürgeramt und sage dies, werde freundlich gebeten, mich anzustellen. Das dauert zwar ein bißchen, aber ich habe ein Buch mit. Dann: „Ich guck mal – ja, da ist gerade eine Frau gegangen, die einen Termin gehabt hätte, ich übertrage Ihnen den. Dauert aber noch ein bißchen.“
4. Warten ist langweilig, und ich kann mich auf das sehr gute Buch nun nicht mehr konzentrieren, aber was solls. Schließlich bin ich dran und werde empfangen mit einem fröhlichen „Guten Tag, Frau Sperlich“ – und nach Aufnahme meiner Daten: „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, ist ja noch nicht so lange her!“
5. Die Frau tut, was zu tun ist, um mir einen vorläufigen Personalausweis zu machen und den endgültigen zu beantragen, zwischendurch noch einige nette Worte. Und am Ende sage ich:

Ich bin ja jetzt in einem Alter, wo man gerne sagt, früher war es besser – aber in meiner Jugend waren die Leute in Behörden immer muffelig! Heute begegne ich hier nur freundlichen Leuten.

Das hat sie gefreut, und das freut wiederum mich.
Ich finde es immer noch gräßlich, zu Behörden zu gehen. Bürokratie ist mir ein Greuel. Aber dafür können die Angestellten nichts. Hoch sollen sie leben!

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Montag der vierten Fastenwoche

Erkenntnis

Von Deinem Wort trunken,
von Deinem Geist klar,
in Dein Licht versunken –
ich weiß: Du bist wahr.

Ich weiß, welche Sünden
ich oft schon beging,
kein Mahnen und Künden
dagegen verfing.

Du zogst mir die Decken
von Herz und Verstand.
Ich habe voll Schrecken
mich selber erkannt.

Mit wie vielen Ketten
mich fesselt die Welt –
nur Du kannst mich retten,
der alles erhält.

© Claudia Sperlich

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Hymnen und Katechese

Mein Hymnarium ist im Druck – und wird kurz vor Ostern im Buchhandel sein!
Und, wie neulich schon angekündigt, werde ich morgen um 16.30 Uhr zum Thema „Verklärung des Herrn“ auf Radio Horeb zu hören sein. Die Sendung kann auch später als mp3 oder podcast gehört werden.

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Lætare

Der eifersüchtige Bruder
Lk. 15,11-32

Die harte Arbeit hab ich gern gemacht.
Hab froh und gut gepflügt, gesät, geschnitten.
Ließ mich um keine Hilfe zweimal bitten,
Hab neues Land und Vieh uns eingebracht.

Ich liebe unsre alten Bauernsitten,
Dies Land, das grün in goldner Sonne lacht.
Ich hab mich mit dem Wildfang nie verkracht!
Er war doch immer bei uns wohlgelitten!

Es hat dem Vater fast das Herz gebrochen,
Als er mit seinem Erbe fortgegangen.
Nun hat ers durchgebracht, kommt angekrochen!

Er wird gefeiert. Ich bin nur Getriebe.
Darf ich, der Immertreue, nichts verlangen?
Und ich verlang doch nichts – nur Vaters Liebe.

© Claudia Sperlich

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Schuld, Gerücht und Anstand

Volker Beck ist mit Drogen erwischt worden. Das ist leider wohl kaum mehr bestreitbar, auch wenn die Staatsanwaltschaft korrekterweise nur die Menge der gefundenen Substanz bestätigt und im Übrigen noch Wörter wie mutmaßlich verwendet.
Die Bildzeitung hatte sofort auf eine bestimmte, hochgefährliche synthetische Droge getippt, dafür aber keinen weiteren Grund angegeben. Alle Medien haben diese Vermutung übernommen, so daß Beck jetzt nach Medienberichten Meth gehabt hat.

Also:
Ein Politiker wurde mit etwas erwischt, das wahrscheinlich eine Droge ist. Seine Reaktion läßt darauf schließen, daß es wirklich eine Droge ist. Ich habe kein Problem damit, zu sagen: Herr Beck wurde mit einer Droge erwischt.
Ich finde das schlimm, ich bin zornig auf Herrn Beck, und ich hoffe sehr, daß er von dem Zeug, was immer es ist, loskommt.

Was in der Facebook-Öffentlichkeit daraus gemacht wird, und zwar zu meinem körperlichen Schmerz auch und gerade von Katholiken, ist eine üble Hetze. Da findet jemand einen wohl glaubwürdigen Bericht, daß Meth derzeit besonders auf halbseidenen Sexparties von Schwulen benutzt wird, und verbreitet, daß ALLE Schwulen so sind. Und das ist kein Einzelfall, dies Gerücht verbreitet sich schneller, als man „Bitte nachdenken“ tippen kann. Denn der Bericht mag glaubwürdig sein, der direkte Bezug auf Beck ist ein Gerücht – ein sehr böses. Und die Verbreiter sind keine dummen Kinder, sondern arbeiten teilweise im Bereich der Justiz, sind fromme und gebildete Leute.

Noch einmal:
1. Herr Beck hat – das ist ziemlich sicher – mit Drogen zu tun.
2. Ein verlogenes Boulevardblatt hat in die Welt gesetzt, daß es Meth ist.
3. Alle gängigen Revolverblätter, Focus und Spiegel zähle ich dazu, haben das übernommen.
4. Herrn Becks sexuelle Orientierung wird nun in diesem Zusammenhang zum Thema gemacht, und zwar im Zusammenhang mit sexuell ausgerichten Drogenparties.

Natürlich kann es sich um Meth handeln. Muss aber nicht. Eine Substanz wird nicht davon zu Meth, daß die Bild das schreibt, und wenn sie schon Meth ist, hört sie nicht auf, es zu sein, wenn die Bild es schreibt. Die tatsächliche Art der Droge ist unabhängig von der Meinung der Presse.
Natürlich gibt es üble Verbrechen, die mit Drogen und Prostitution zu tun haben. Und natürlich gibt es auch da Moden und bestimmte Kreise, und natürlich kann es sein, daß diese Affäre auch damit zu tun hat. Muss aber nicht. Es ist bisher noch nicht ein einziger Hinweis von der Staatsanwaltschaft gekommen, daß irgendein solcher Zusammenhang in diesem besonderen Fall besteht.

Und schließlich: Daß ich von einem juristisch gebildeten Katholiken die hartnäckig wiederholte (und kaum widersprochene) Ansicht lese, sämtliche Schwulen seien „so“, also drogenaffine Lüderjahne, das ist schändlich, das ist für mich so schlimm wie ein IS-Angriff auf eine Kirche. Nein, schlimmer. Denn der Angriff kommt aus den eigenen Reihen.

Meine Sympathie mit Herrn Beck hält sich in Grenzen. Ich weiß, daß er Dinge vertritt, die ich schlecht finde. Aber darauf kommt es nicht an. Ich möchte, daß ihm Gerechtigkeit widerfährt – und nicht, daß er vor jedem standhaltenden Beweis öffentliche Häme ihn vernichtet.

Ich wünsche Herrn Beck von Herzen, daß er gesund an Leib und Seele wird. Das gleiche wünsche ich auch den Leuten, die ihm öffentlich unbewiesene Straftaten und Schändlichkeiten unterstellen.

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Samstag der dritten Fastenwoche

Der reiche Jüngling
Lk. 18,18-27

Ein neuer Lehrer war zu uns gekommen,
Der liebte Gott, war voll von Seinem Geist.
Er sagte, was der Ewige verheißt –
So hörte ich es nie von andern Frommen!

Doch daß man alles in die Ecke schmeißt?
Hab das Geschäft vom Vater übernommen,
Von ihm hab ich auch guten Rat bekommen.
Soll ich denn tun, was ihm das Herz zerreißt?

Und dieser Rabbi – mit wie großer Trauer
Sah Er mich an, als ich nicht mit Ihm ging.
Ich spürte, wie Sein Wort mein Herz umfing.

Die Arbeit hält mich. Zwar, ich möcht es fassen,
Doch das Geschäft kann ich nicht einfach lassen.
Vor meiner Sehnsucht stehts wie eine Mauer.

© Claudia Sperlich

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Freitag der dritten Fastenwoche

Zyklus: Versöhnung
Buße

Zu wohlfeil scheint mir, was mir auferlegt –
Ein leichtes Tun, ein Beten voll Vertrauen.
Doch lässt es mich den Weg von neuem schauen,
Auf dem mich Deine Gnade führt und trägt.

Ich sehe noch mit Staunen und mit Grauen,
Wie fleißig ich hab Angst und Zorn gehegt.
Nun bin ich hoffnungsvoll, bin neu bewegt,
Will lieben und will helfen, aufzubauen.

Mit Deiner Hand, Herr, stärke meine Hände,
Mit Deinem Geist erleuchte meinen Geist.
Durch Deinen Tod für mich zum guten Ende.

Ich will vor allen Menschen Dich bekennen,
Dir dienen, bis die Silberschnur zerreißt,
In Tat und Wort mich nie mehr von Dir trennen.

© Claudia Sperlich

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