Niemand soll töten müssen!

In dem Augenblick, wo ein Kind abgetrieben wird, gibt es drei unmittelbar Betroffene:

Das erste Opfer ist das Kind, dessen Leben je nach Alter mehr oder weniger brutal beendet wird. Sofern dies sehr kurz nach der Empfängnis durch Gift („Pille danach“) geschieht, ist das Kind sich nach menschmlichem Ermessen seiner selbst noch nicht bewußt und empfindet keinen Schmerz; in späteren Stadien der Schwangerschaft wird ein Angst und Schmerzen empfindender Mensch zerstückelt. Moralisch ist das kein großer Unterschied. In beiden Fällen wird ein ganzer Mensch in frühem Stadium vernichtet. Im Falle von Spätabtreibungen wird ein Mensch getötet, der, wenn er durch Frühgeburt auf die Welt gekommen wäre, eventuell überleben könnte.

Das zweite Opfer ist die Mutter. Selbst wenn sie die Abtreibung niemals bereut und nur Erleichterung verspürt, ist sie danach für immer ein Mensch, der einen auf ihren Schutz angewiesenen Menschen zu Tode gebracht hat oder vielmehr (meistens) jemand anders mit der Beseitigung dieses Schutzbefohlenenen beauftragt hat. (Ehe Sie jetzt „Fanatikerin!“ brüllen, denken Sie bitte nach. Ein lebensfähiges Wesen mit menschlicher DNA ist ein Mensch, und sofern dies Wesen sich im Bauch eines anderen Menschen befindet, ist es von jenem abhängig.) Niemand kann dergleichen ohne Schaden für seine Seele tun.

Das dritte Opfer ist der Ausführende, in unseren Breiten in der Regel ein Arzt, mancherorts eine Engelmacherin. Beide, der Arzt in einem sauberen Operationssaal und die Engelmacherin in einem schmuddeligen Hinterzimmer, können hinterher nie wieder guten Gewissens sagen: „Ich habe niemals einen Menschen umgebracht.“ Beide haben als bezahlte Auftragsarbeit einen wehrlosen und unschuldigen Menschen getötet. Erzähle mir bitte niemand, das macht denen auf Dauer nichts aus.

Im Falle von Sterbehilfe scheint es zunächst etwas anders. Das erste Opfer wird ja, wenigstens im angenommenen Regelfall, auf eigenen, im freien Willen geäußerten Wunsch getötet. Wie frei der Wille eines schwer Leidenden tatsächlich ist, bleibt die Frage; zudem wäre es naiv anzunehmen, daß die Möglichkeit zu strafloser Tötung eines kranken Verwandten nicht sehr bald und häufig missbraucht würde.

Das zweite Opfer ist auch hier wieder der ausführende Arzt. Ich weiß zwar, daß es Ärzte gibt, die sich für große Menschenfreunde halten, gerade weil sie Menschen auf deren Wunsch zu Tode bringen. Aber ich glaube auch hier, daß es jedem Menschen einen tiefsitzenden seelischen Schaden verursacht, einen anderen umzubringen.

Wenn wir nun – wie viele wünschen – dahin kommen, daß sowohl Abtreibung als auch Sterbehilfe legalisiert werden, dann besteht auch ein Rechtsanspruch darauf. Dann kann man die Tötung des ungeborenen Kindes oder seiner selbst von einem Arzt fordern. In der Schweiz ist es bereits schwierig, sich zum Frauenarzt ausbilden zu lassen, ohne Abtreibungen zu machen. Auch in Deutschland geht die Ausbildung schneller, wenn man bei Abtreibungen hilft – weil man auf diese Weise ohne Schwierigkeiten die notwendigen Nachweise zusammenbekommt, bei Operationen geholfen zu haben. In Schweden bekam 2013 die Hebamme Ellinor Grimmark in einer Klinik ausdrücklich deshalb keinen Arbeitsplatz, weil sie sich weigerte, bei Abtreibungen mitzuhelfen.

Ich bin gegen Tötung von Menschen – auch gegen die Tötung von Kindern und unheilbar Kranken. Mir geht es dabei auch um die Täter. Opfer sind am Ende alle Beteiligten.

Auch das ist ein Grund, am 17. September 2016 am Marsch für das Leben teilzunehmen.

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Wieder mal ein Büchlein von mir!

Eben habe ich den Druckauftrag abgeschickt. Bald kommt ein 112 Seiten starker Band mit Sonetten auf den Markt!
Darunter dies:

Marienleben
VIII

Du sagtest: „Tut Sein Wort.“ – So sei es immer!
Da wurde auf Sein Wort aus Wasser Wein.
So schenkte Er als Gast den Wirten ein.
Von Seiner Macht erfuhrst du ersten Schimmer.

Dann wollte Er das Gotteshaus befrein –
Der Vorraum glich schon einem Wechselzimmer –
Von der Profitgier und vom Geldgeflimmer:
„Der Tempel darf nicht Räuberhöhle sein!“

So freundlich und so zornig war dein Kind,
Zu Großen harsch, zu Kleinen weich wie Samt,
Und ganz vom Eifer für den Herrn entflammt.

Dein Sohn, den diese liebten, jene mieden,
War von den andern allen so verschieden.
Zu Zeiten meintest du, Er irrt und spinnt.

Das Büchlein ist katholisch bis dorthinaus. Die Blogoezese wird schon jetzt gebeten, ihren Senf dazuzugeben. Aber natürlich erst kaufen, lesen, zweites und drittes Exemplar zum Verschenken kaufen.
Ganz ehrlich – ich war selten so sicher, etwas gut gemacht zu haben. Bleibt natürlich die Sorge, daß ich sinnentstellende Druckfehler gemacht habe oder der Einband durch einen Produktionsfehler quietschrosa mit Herzchen wird.

Haltet mir die Daumen. Am besten, indem Ihr betet.

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Marsch für das Leben – nicht gegen irgendwas

In zwei Wochen werde ich wieder mit vielen anderen auf die Straße gehen, um für den Schutz menschlichen Lebens Stellung zu beziehen. Für das Leben der jüngsten Menschen, der Behinderten, der Alten und Uralten, der Depressiven, derer, die sich ungewollt fühlen und derer, die von anderen nicht gewollt werden.

Man kann sagen, und es wird auch wieder gesagt werden: Wir sind gegen Abtreibung, gegen Euthanasie (denn das Beseitigen von Menschen, die einem bestimmten Ideal nicht entsprechen, ist Euthanasie), gegen Sterbe“hilfe“, gegen Suizid, auch auf Verlangen.

Man kann auch – kürzer, umfassender und klarer – sagen: Wir sind für das Leben. Wir
gehen nicht, weil wir gegen alles Mögliche sind, sondern weil wir für das Leben sind, gleich wie eingeschränkt, wie unpassend und wie hilfsbedürftig es ist.

Leben ist kostbar. Menschenleben vernichten ist schlecht – nicht nur für das Opfer, sondern auch für jeden, der das tut oder in Auftrag gibt oder billigt. Ich habe zu dem Thema auf meinem alten und diesem Blog schon viel geschrieben, heute nur dies:

Eventuell können Gegner des Marsches für das Leben ja auch Argumente wahrnehmen und das Recht auf Meinungsäußerung auch anderen zugestehen.

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Armenier stehen mir näher als Osmanen.

Des Glaubens, von einer Horde elender Feiglinge regiert zu werden, die vor einem osmanischen Despoten einknicken, wenn es darum geht, Mord aus politischer Raison nicht mehr als Mord zu bezeichnen, schrieb ich einen Artikel.
Dann hieß es, der Vorwurf gegen die Regierung sei eine Ente. Daraufhin berichtigte ich den Artikel etwas beschämt.
Dann hieß es, vielleicht sei es doch keine. Mein zweimal korrigierter Artikel schien mir nun nicht mehr so gut. Ich nahm ihn kurze Zeit vom Netz, entschied mich dann doch dafür, zu genau diesem über-überarbeiteten Artikel zu stehen.

Was mich aber tatsächlich überzeugte, mit der Annahme über die Regierung wenigstens teilweise Recht zu haben, war die Einsicht, besagter Osmane werde auf jeden Fall geschont und gehätschelt. Denn so, wie das Dementi des Dementis der Armenien-Resolution formuliert ist, heißt es am Ende doch nur:

Keine Angst, keine Angst, Erdoğan!

Ich gebe gern zu, nichts von Politik zu verstehen. Das muss ich auch nicht, denn es ist nicht mein Beruf. Aber Politiker müssen ihre Arbeit so erklären können, daß auch minder Politikbegabte imstande sind, wichtige Entscheidungen zu verstehen. Die Entscheidung, daß nicht gesagt wird:

Die Türkei ist Rechtsnachfolger des Osmanischen Reiches, das sich 1915 eines Völkermordes an den Armeniern schuldig gemacht hat, und damit basta.

– die verstehe ich nicht. Geschrieben habe ich zum Thema schon mehrmals:
Völkermord darf Völkermord heißen
Die Leugnung des Bösen
Was Europa nicht braucht

Und solange mir nicht ein hochrangiges Mitglied des Bundestags vermitteln kann, daß ich mich irre, glaube ich genau dies:

Ich werde von einer Horde elender Feiglinge regiert.

Bald sind Wahlen, und unglücklicherweise kenne ich keine wählbare und in meinem Wahlkreis antretende Partei, werde aber trotzdem wählen. Denn wenn ich schon nichts nützen kann mit meinem Stimmzettel, dann will ich wenigstens der AfD schaden. Und das ist ja dann auch irgendwie wieder ein Nutzen für dies Land.

Ein Bundestag, der die Bürger nötigt, um mehrere Ecken zu denken und Parteien nur deshalb zu wählen, weil es noch schlimmere gibt; ein Bundestag, der erst in einer Resolution beschließen muss, daß Völkermord Völkermord ist, und dann beschließt, daß diese Resolution das Papier nicht wert ist, auf dem sie gedruckt wurde, weil ein Despot meint, Völkermord sei nur dann Völkermord, wenn es seiner Reputation nicht schade – ein solcher Bundestag gehört nach Maghrebinien.

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Regierende Feiglinge?

Oder doch nicht?
DIESER ARTIKEL WURDE AUS GRÜNDEN ZWEIMAL ÜBERARBEITET.
Heute morgen schockierten Spiegel, Welt, FAZ und andere mit der Meldung, die Bundesregierung wolle sich von der Armenien-Resolution distanzieren. Erzürnt schrieb ich:

Die Armenien-Resolution sagt, was längst bewiesen ist: Der Völkermord an den Armeniern, begangen 1915 durch das Osmanische Reich, dessen Rechtsnachfolger die Türkei ist, war – nun ja: eben ein Völkermord. Ich habe darüber schonmehrmalsgeschrieben, und ich werde meine Solidarität mit den Armeniern nicht aufgeben.

Der Antrag, den Völkermord so nennen zu dürfen und die Opfer zu ehren, wurde am 2. Juni 2016 mit überwältigender Mehrheit vom Bundestag angenommen. Frau Merkel war nicht dabei.

Erdoğan ist beleidigt ob dieser Resolution – das war nicht anders zu erwarten bei diesem hypersensiblen Männlein. Und weil er beleidigt ist, stampft er auf und sagt: Wer das sagt, darf aber nicht in die Türkei – auch nicht, wenn er als Abgeordneter seine in der Türkei stationierten Landsleute besuchen will.

Und das ist für die Bundesregierung ein Grund, sich urplötzlich von der Armenien-Resolution zu distanzieren, zu sagen, es sei ja alles nicht so gemeint gewesen. Frau Schwesig (SPD), mit der ich gewiß nicht immer einer Meinung bin, behält Format: „Als Mitglied der Bundesregierung stehe ich hinter diesem Beschluss. Da sollte niemand aus der Bundesregierung wackeln.“ Aber zur Stunde sieht es aus, als ob die Mehrheit wackelt – jene Mehrheit, die im Juni die Resolution so tapfer verteidigt hat.

Ich rufe hinüber zu den deutschen Soldaten nach Incirlik:

Soldaten, legt Ihr eigentlich Wert auf den Besuch von einer Bande von Feiglingen? Von Leuten, die die Hose voll haben, wenn Erdoğan mit der Faust droht? Ihr übt einen Beruf aus, der hohen Mut erfordert. Braucht Ihr den Besuch von Menschen, denen Mut vollständig wesensfremd ist?

Später fügte ich einen Nachtrag hinzu:

Inzwischen gibt es eine Distanzierung von der Distanzierung. Allerdings halte ich die erste Distanzierung, also die von der Resolution, nicht für eine Ente – Frau Schwesigs Worte wären sinnlos, wenn sie nicht stattgefunden hätte. Das heißt, ich halte die zweite Distanzierung, die von der Distanzierung, für den Versuch, angerichteten Schaden zu reparieren.

Dann sollte es eine Ente gewesen sein. Aber irgendwie doch wieder nicht so ganz. Wer weiß.

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Schöpfung bewahren

Die katholische Kirche begeht heute den von Papst Franziskus initiierten Weltgebetstag um die Bewahrung der Schöpfung. Das heißt, die meisten Menschen, die diesen Tag tatsächlich begehen, beten um verantwortungsvollen Umgang mit dem Leben auf der Erde und denken dabei besonders an Bäume sowie schöne oder niedliche oder bizarre, womöglich bedrohte, Tierarten. Das ist richtig und wichtig, aber…

Es geht dem Heiligen Vater um die Überwindung oder wenigstens Eindämmung der ökologischen Krise. Das heißt, es geht zwar auch um die möglichst schonende Behandlung anderer, zum Teil leidensfähiger Arten – aber zunächst einmal geht es um den Menschen. Denn Menschen leiden unter Umweltzerstörung und schlechtem Umgang mit Ressourcen. Man darf Menschen nicht antun, mutwillig oder fahrlässig ihre Umwelt zu zerstören.

Oft ist das ein Dilemma. So brauchen Menschen zu einem auch nur einigermaßen guten Leben technische Hilfsmittel, medizinische Versorgung, Bildung – und das bedeutet, sie brauchen Energie. Jedes noch so ökologische Kraftwerk ist ein Eingriff in die Natur. Wir können uns bemühen, diesen Eingriff so gering wie möglich zu halten, aber paradiesisch intakt können wir die Erde nicht halten, wenn wir leben wollen. Wir müssen den Heiligen Geist bitten, uns Wege zum schonenden Umgang mit der Erde zu zeigen.

Ich denke zudem daran, daß die Schöpfung ein großes Rätsel ist. So rätselhaft wie die Theodizeefrage, zuweilen so rätselhaft wie das Böse, obwohl zu meiner Glaubensgewissheit gehört, daß die Schöpfung grundsätzlich gut ist. Es gehören aber Wesen dazu, deren Sinn ich nicht erkennen kann. Amöben, die menschliche Gehirne zerstören, Bakterien, die ein Drittel der europäischen Bevölkerung dahinraffen, Viren, die Ungeborene erblinden lassen – ich bin froh, wenn diese mikroskopischen Monster vernichtet werden zur Bewahrung des Menschen, der Schöpfung ist und dem die Schöfpung anvertraut wurde.

Bewahrung der Schöpfung heißt nicht „Rückzug des Geschöpfes Mensch aus der übrigen Schöpfung“. Es ist Gottes Wille, daß wir uns die Erde untertan machen. Aber es ist sinnvoll, sich dabei klarzumachen, was mit Herrschern geschieht, die ihre Untertanen grausam behandeln. Darüber klären Geschichtsbücher auf, nicht Biologiebücher.

Und schließlich: Dem winzigsten, eben erst gezeugten Menschlein ist diese königliche Würde übertragen. Man muss es schützen. Man darf es nicht töten. Der Mensch ist Teil der Schöpfung und zugleich über alle anderen Wesen der Erde erhaben. Wenn ich um Bewahrung der Schöpfung bete, bete ich auch für die Menschen, deren Leben so schrecklich gefährdet ist.

Heute bete ich um die Bewahrung der Schöfung. Am 17. September werde ich am Marsch für das Leben teilnehmen. Das hat miteinander zu tun.

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Wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird?

Auf Cathwalk hat Monsignore Florian Kolfhaus einen sehr lesenswerten Artikel zum Thema Demut geschrieben. Die Diskussion darunter verlief leider etwas unglücklich. Da mich das Thema aber sehr beschäftigt und ich um Antwort ringe, versuche ich hier, meine Gedanken dazu deutlich zu machen.

Wörtlich ist Demut „dienende Gesinnung“ (das mittelhochdeutsche „muot“ kann nicht einfach mit dem neudeutschen „Mut“ gleichgesetzt werden).
Meiner Auffassung nach gehört dazu, das selbst erlittenes Unrecht auch mal herunterschlucke und übergehe, aber zugleich das anderen Menschen zugefügte Unrecht als solches benenne. Den Teil mit dem Herunterschlucken habe ich allerdings noch nicht gelernt.

Es geht mir dabei nicht nur um das Übergehen alltäglicher Nickeligkeiten (auch wenn das zuweilen schwer genug fällt). Es geht mir um den Verzicht auf das Rechtbehalten um jeden Preis. Und wenn es noch so Recht wäre!

Das ist etwas anderes als der nie ganz wahrheitsgetreue Satz „Du hast Recht und ich meine Ruhe“ – der ist Ausdruck der praktischen Vermeidung sinnloser Diskussionen, ist in sich weder Recht noch Unrecht und schon gar nicht demütig (im Gegenteil, der Satz kann sehr von oben herab gesagt werden). Es geht vielmehr um die Nachfolge Jesu in ihrer für mich krassesten, schwersten Form.

Bei Jesaja heißt es über den Messias:

Er wurde mißhandelt, aber er beugte sich und tat seinen Mund nicht auf, wie ein Lamm, das zur Schlachtbank geführt wird, und wie ein Schaf, das verstummt vor seinem Scherer und seinen Mund nicht auftut.

Vermutlich nach dem Exil entstanden, liest sich dieser Vers wie eine Antwort auf die für viele heutige Christen aktuelle Klage aus dem Exil:

Ja, um deinetwillen werden wir getötet den ganzen Tag; wie Schlachtschafe sind wir geachtet.
Ps. 44,23

Bei Hiob heißt es gar:

Wenn wir das Gute von Gott annehmen, sollten wir da das Böse nicht auch annehmen?

Ich darf und will nicht schweigen, wenn es um Unrecht geht, das andere leiden. Im Gegenteil, ich muss mich in Wort und Tat dagegen einsetzen, so gut ich kann. Würde ich einem nigerianischen oder syrischen Christen nur einfach Jesaja 53 und Hiob 2 vor die Nase halten, wäre ich eine unerträgliche Heuchlerin. Zugleich aber habe ich für mich selbst zu akzeptieren, daß mir vielleicht irgendwann ähnliches blüht – und daß ich, wie fast jeder, hin und wieder Unrecht am eigenen Leib erfahre.

Ist das unlogisch? Unrecht, das andere leiden, als solches benennen, solches, das ich leide, aber nicht – und beide Male auf der Grundlage des Glaubens handeln?

Ich bin heute sicher, daß ich in mehreren Fällen mir widerfahrenes nicht ganz kleines Unrecht besser geschluckt hätte, um seine Konsequenzen so gering wie möglich zu halten. (Ich rede jetzt nicht von meiner Unbeherrschtheit bei Nickeligkeiten, die kommt dann noch hinzu und steht auf einem anderen Blatt.) Allerdings glaube ich, damit noch lange nicht bei der Hauptsache zu sein: beim Ertragen von Unrecht immer dann, wenn Gott es will, und nur deshalb, weil Er es will. Nicht, weil ich es verstehe (da könnte ich lange warten).

Dieser Artikel wird nicht fertig, denn ich bin wohl noch lange nicht fertig mit dem Thema. Einstweilen kann ich nur hoffen, halbwegs richtig zu liegen, und mich darum mühen, hinzunehmen. Und wenn ich falsch liege und gar nicht hinnehmen sollte? Dann nennt man das „irrendes Gewissen“. Kommt vor.

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Monica – eine heilige Mutter

Ohne Monica von Tagaste gäbe es keinen Augustinus von Hippo Regio. Ohne ihre drängenden, Gott bestürmenden Gebete wäre ihr Sohn vielleicht nur als spätantiker Philosoph und liederlicher Frauenheld, der sich aus dem spirituellen Überangebot seiner Zeit griff, was gerade passend schien, noch einem ganz kleinen Kreis von Gelehrten bekannt.
Aber sie hat nicht aufgehört, für ihn zu beten, immer wieder, unter Tränen, zuweilen wohl fast verzweifelt – hat das so sinnlos scheinende Gebet beibehalten, bis Augustinus sich bekehrte. Auch ihre Gebete für ihren religiös indifferenten, groben Mann wurden erhört.

Monica
Melodievorschlag: Befiehl du deine Wege

In ihrer Jugend brannte
In Herz und Seele schon
Ein Licht, da sie bekannte
Sich zu dem Gottessohn.
Von Demut und von Güte
War Monica beseelt,
Und wo der Hader glühte,
Hat nie ihr Trost gefehlt.

Sie weinte im Gebete
Für ihren wilden Sohn,
Und für den Gatten flehte
Sie oft vor Gottes Thron.
Den überreichen Segen
Hat Gott ihr spät gewährt:
Zu Jesu Wort und Wegen
Sich Mann und Sohn bekehrt.

Wenn Traum und Bilder schweigen
Und auch die Seele schweigt,
Dann werden wir uns neigen
Vor dem, der uns gezeigt
In einem Atemholen,
In Augenblickes Zeit,
Daß Er uns anbefohlen
Die frohe Ewigkeit.

© Claudia Sperlich

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Ich bin auf kath.net!

Ich weiß, das klingt für viele – auch Katholiken – wie Ich bin auf Opium. Und wenn es dann auch noch um einen Artikel zum Thema Anbetung geht, was mich ja als Ultra-Irgendwas kennzeichnet, verliere ich vermutlich Follower. Und die Zutrittserlaubnis in der ein oder anderen Kneipe.

Juckt mich aber nicht. Erstens ist das, worüber ich schreibe, wichtiger als alle Follower und Kneipen zusammen. Zweitens schreiben auf kath.net zwar auch Leute, deren Meinung ich zum Teil verunsichernd finde – aber so ist das auch in allen anderen Medien, in denen mehr Leute als ich schreiben. Drittens ist kath.net meiner Ansicht nach alles andere als ein Tummelplatz für Fanatiker, sondern ganz einfach ein katholisches Medium mit einem bestimmten, eher konservativen Gepräge und Kommentaren von ganz verschiedenen Leuten. Insgesamt kann man sich da sehr gut über katholische Belange informieren.

Also, hört auf, über kath.net zu nörgeln, lest meinen Kommentar, drückt mir die Daumen, daß er im Sommerpreisausschreiben eine Romreise gewinnt, und geht zur Anbetung. Darum gehts nämlich.

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Der Herr Alipius hat schon wieder Geburtstag!

Da es für eine fürstbischöfliche Residenz immer noch nicht reicht und ich mir heuer noch nicht einmal eine Cappa Magna oder eine Mitra leisten konnte, bekommt er nur einfach ein Sonett.

Dem Herrn Alipius zum Geburtstag

Dem Herren dienend, Diener Seiner Schar,
Dem Guten Hirten treu und selbst ein Hirt,
Der lehrend, betend die Dämonen kirrt,
Durch Christi Gnade standhaft in Gefahr –

Von güldnen Jubelputten sei umschwirrt!
Voll Segen sei Dein neues Lebensjahr,
Nicht so dramatisch wie das vor’ge war,
Von keiner Krankheit Herz und Leib verwirrt!

Durchs ganze Internet Dein Ruhm erklingt,
Dein Blog ist jedes wahren Christen Freude,
Dein Rat ein heller Strahl im Weltgebäude.

Ich schau nach Deinen Postings jeden Morgen!
In Geist und Seele frei, in Gott geborgen
Leb hoch! Und blogge weiter. Unbedingt.

© Claudia Sperlich

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