Gottes Braut, mütterliche Heimat, in der und mit der ich Gott feiere und Ihm diene, Sein Wort höre und als Lektorin und Kantorin auch künde, Ort der Ruhe und des Gebets und auch ein Ort der Kunst und Schönheit.
Viele werfen der Kirche vor, durch prächtige Ausstattung Geld zu verschwenden. Das ist ein kulturfeindliches Argument. Die prächtigen Kirchengebäude haben nicht nur unzähligen Künstlern Lohn und Brot verschafft, sondern bieten jedem, auch dem Ärmsten, unabhängig von seinem Glauben Orte der Ruhe und Schönheit. In Frankreich und Italien habe ich oft gesehen, wie Menschen mit schweren Einkauftaschen in den offenen Kirchen saßen, zwischen Einkauf und Haushalt eine Viertelstunde der Ruhe genossen, mit oder ohne Gebet, aber immer im Schutz der Kirche und unter dem liebenden Blick Gottes, ob sie letzteres wussten oder nicht.
Kirche und Schönheit waren für mich schon in glaubensfernen Kindertagen eine Einheit. Mein Vater, Atheist und Kunsthistoriker, hatte mich früh für Kirchen begeistert und bestand auch darauf, man müsse die Bibel lesen, um europäische Kunst zu verstehen. (Daß ich später dazu überging, der Bibel zu glauben und der Kirche beizutreten, war dann auch wieder nicht recht, aber das ist eine andere Geschichte.)
„Auf nach Hause“, sage ich zu mir selbst, wenn ich zur Kirche gehe. Ich reise gern (wenn auch nur noch selten), aber an einen Ort ohne römisch-katholische Kirche würde ich nicht wollen, gleich wie schön er sein mag.
Heute feiert die Kirche den 1700. Weihetag der Lateranbasilika – des ersten großen Kirchengebäudes, durch Umbau eines Palastes und Abbruch einer Kaserne entstanden kurz nach der Legalisierung des Christentums. Mehrmals zerstört und geplündert, wurde sie immer wieder aufgebaut, restauriert und verschönert. Maurer, Steinmetze, Künstler verschiedener Zeiten und Fakultäten und Restauratoren verdanken ihr ihre Arbeitsstelle.
Die Kirche
Melodie: Wenn ich, o Schöpfer, Deine Macht (GL 463)
Die Kirche steht auf festem Grund,
der Herr hat sie errichtet.
Sie ist des Glaubens treuer Bund,
den keine Macht vernichtet.
Sie ist des Herren liebe Braut,
von Ewigkeit Ihm angetraut,
sie atmet Seine Liebe.
Die Kirche preist zu aller Zeit
den Herrn in allen Sprachen.
Sie öffnet ihre Arme weit,
wo Traum und Bilder brachen.
Sie lehrt die Wahrheit, zeigt den Weg,
sie ist in Weltenflut der Steg
zu Gottes Wort und Liebe.
Die Kirche reicht die Helferhand
den Schwachen und den Kleinen.
Wer zu ihr seinen Heimweg fand,
kann sich mit Gott vereinen.
In ihr ist Christi Leib und Blut,
Versöhnungsdienst und Glaubensgut,
in ihr ist Christi Liebe.
Die Kirche bleibt in Ewigkeit
des Paradieses Pforte.
Sie kämpft und leidet in der Zeit,
bringt Licht an alle Orte.
Sie kommt, wie Gott verheißen hat,
sie ist die goldne Gottesstadt,
erbaut aus lauter Liebe.
Die Kirche hält in ihrem Schoß
mich liebevoll geborgen.
Sie ist im Sturm mein Halt und Floß
und Linderung der Sorgen.
Ich bin getauft, hab an ihr teil,
sie weist allein den Weg zum Heil,
sie weist den Weg zur Liebe.
© Claudia Sperlich


