Keine Gottesdienste.

Noch sind die Kirchen auf, man kann zum stillen Gebet hineingehen. Man kann noch vorm Tabernakel knien.

Aber heute habe ich vorerst zum letzten Mal eine Messe besucht, in einer der letzten Kirchen in Berlin, in denen das noch ging. Heute abend wurde landesweit beschlossen, daß Versammlungen sowohl im Freien als auch in geschlossenen Räumen nicht mehr gestattet sind, ausdrücklich auch nicht an religiösen Stätten.

Ich bin zu traurig, um zu beurteilen, ob dieser Einschnitt in ein Grundrecht unter diesen Umständen sinnvoll ist. Vielleicht wird die Ausbreitung von Corona auf diese Weise wirklich verlangsamt und würde es ohne diese Maßnahme nicht in dem Maße – wenn ich lese, daß Menschen eine abgesagte Großveranstaltung spontan einfach doch stattfinden lassen, scheinen mir Notstandsgesetze verständlich. Aber sinnvoll oder sinnlos, jetzt ist es erst einmal so.

Dankbar sehe ich, daß zahlreiche Übertragungen von katholischen Messfeiern gibt. Vorerst wird mein morgendlicher Gottesdienst also vor dem Bildschirm stattfinden. (Hier eine Liste der verfügbaren Sendungen.)

Ich werde also vorerst meinem Gelübde, täglich die Messe zu besuchen, so treu bleiben, wie es unter diesen Umständen geht: Übertragung im Fernsehen gucken und mitbeten.
Betend zuschauen, wie andere an einer Messfeier teilnehmen, ist nicht das Gleiche wie die Teilnahme an einer Messfeier. Tatsächlich ersetzt es die Messfeier nicht und kann nur als Behelf und Notnagel verstanden werden. Aber es ist eine gute Art, mit der Einschränkung umzugehen.

Am Sonntag wird in Heilig Kreuz Wilmersdorf die Heilige Messe ohne Volk gefeiert und (wenn alles technisch klappt) gestreamt. Wie es an den Heiligen Drei Tagen und in der Osternacht wird, will ich noch nicht denken.

Maranatha.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Keine Gottesdienste.

  1. emmauspilger schreibt:

    Im gewissen Sinn kann man sich ohne Hl. Messe auch hinterfragen, ob man Gemeinde, Liturgie, Feierlichkeit bei einer Hl. Messe sucht, oder allein den Herrn. ER ist auch im stillen Kämmerlein immer bei uns, in unserem Herz, wenn wir IHM eine Wohnung bereitet haben.
    Aber – nach der ersten Woche ohne Hl. Messe – irgendwie vermisse ich die Hl. Eucharistie. Gott wusste, warum ER sie uns schenkte – wir haben eben nicht nur eine Geistseele, sondern auch einen Leib, der dringend die Erfahrung SEINER Anwesenheit benötigt.
    Was mich etwas irritierte, war das Aussetzen von Taufen. Es gab einmal Zeiten, da taufte man Säuglinge besonders schnell, gerade weil eine Seuche umging.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Die Feierlichkeit und Liturgie werden für mich immer mehr das, was sie sein sollen: Mittel, um den Herrn zu preisen, im günstigsten Fall: Ihm zu begegnen.
      Die Heilige Eucharistie ist seit langem mein „tägliches Brot“, und sie fehlt mir sehr. Heute durfte ich sie nach der Beichte empfangen und bin sehr glücklich darüber.
      Das Aussetzen von Taufen finde ich furchtbar, ich stimme Dir vollkommen zu. Sehr wohl müssen natürlich die häufigen Riesenversammlungen zu Taufen verboten werden. Aber – Eltern, Paten, Täufling: das sollte wirklich mit den gebotenen Vorsichtsmaßnahmen gehen.
      Nottaufen sind natürlich weiter möglich.

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