Vom Umgang mit Corona

Natürlich muss auch in Zeiten der Epidemie (oder gerade da) ein Friedhof gepflegt sein. Meine Arbeit als Putzfrau auf dem St. Matthias-Friedhof geht also weiter. Ich habe die große Ehre, die dortige St-Fidelis-Kirche sauber zu halten, außerdem die Büroräume, die Wartehalle, die öffentlichen Toiletten und die Räume der Arbeiter (Pausenräume, Toiletten, Umkleiden, Waschgelegenheiten).

Das ist keine schlechte Arbeit; der oft gehörte Kommentar „Das ist doch nicht schlimm“ auf meine Angabe, daß ich mein Geld als Putzfrau verdiene, ist komplett daneben. Natürlich ist ehrliche Arbeit nicht schlimm, das muss man mir nicht erklären! Schlimm wäre, wenn ich daneben nicht mehr zu meiner anderen ehrlichen Arbeit, zum Schreiben, käme. Komme ich aber.

Nur wer sich krank fühlt, darf halt nicht arbeiten. Das ist klar genug geregelt.

Wie es mit Begräbnissen weitergeht, ist nicht völlig sicher. Zusammenkünfte von mehr als fünfzig Personen sind in Berlin derzeit verboten, das gilt natürlich auch für diese Art der Zusammenkunft. Allerdings sind die meisten Trauergemeinschaften erheblich kleiner.

Heute war ursprünglich noch eine Messe in meiner Heimatkirche St. Marien in Friedenau geplant; es war dann ein stiller Wortgottesdienst mit Eucharistieempfang. Der Pfarrer hatte offenbar beschlossen, die Feier wegen der Ansteckungsgefahr nicht zu lang zu machen. Es waren nur wenige Gläubige da; offiziell wäre es also noch erlaubt gewesen – aber ich kann den Pfarrer gut verstehen, der lieber auf Nummer Sicher geht und außerdem keinen Zähldienst für die Gläubigen einführen mag.
Gesungen wird im Gottesdienst vorläufig nicht. Denn beim Singen verlässt erheblich mehr Speichel den Mund als beim Sprechen – dadurch ist die Infektionsgefahr dann weit größer.
Es wirkt zugleich ein wenig komisch und beruhigend, daß der Priester sich vor der Kommunionausteilung die Hände desinfiziert – so in die Liturgie eingebunden, daß ich schon über einen passenden lateinischen Namen für diesen Ritus nachdenke. Ein Kind, das nach vorne kam, wurde natürlich nicht ohne Segen fortgeschickt – aber der Pfarrer zeichnete das Kreuz über dem Kind, nicht auf seine Stirn.

Ab morgen gibt es in der Großgemeinde nur noch in der Krankenhauskapelle St Gertrauden öffentliche Messen – dort ist üblicherweise eine geringe Zahl an Gottesdienstbesuchern, wenn die aber höher wird und 50 überschreitet, muss man auch dort einen Riegel vorschieben. Auch die Eucharistische Anbetung wird dort zumindest vorläufig weiter stattfinden – das nächste Mal am kommenden Donnerstag. In der übrigen Großgemeinde sind alle Zusammenkünfte, Andachten, Bibelkreise usw. vorerst gestrichen. Man kann aber den Kreuzweg und den Rosenkranz auch alleine in der Kirche oder daheim beten!

Aus Heilig-Kreuz Wilmersdorf wird es voraussichtlich ab kommenden Sonntag einen Streamingdienst geben, der die Messe (nur mit Priester, Diakon und Lektor) überträgt. Als Lektorin bin ich eingespannt. Sollte auch das verboten werden, sollte ich also nicht mehr imstande sein, täglich zur Messe zu gehen, werde ich die Übertragung der Messe im Fernsehen verfolgen und mitbeten. Das ersetzt die Teilnahme an der Messe nicht, ist aber eine gute Art, damit umzugehen, wenn man aus irgendwelchen Gründen nicht zur Messe gehen kann. Übrigens gilt in Berlin wie in zahlreichen anderen Bistümern vorläufig der Dispens von der Sonntagspflicht.

Die Heilig-Kreuz-Kirche sowie die Krankenhauskapelle werden vorläufig tagsüber geöffnet bleiben. Das heißt, zur stillen Anbetung kann ich (und kann jeder) auch weiterhin kommen. Sollte auch dies nicht mehr möglich sein, will ich stattdessen zu Hause den Rosenkranz beten. Das ist auch wieder kein Ersatz und nicht ansatzweise das Gleiche, aber es ist, was ich dann tun kann.
Wie ich mit dieser Situation und meinem Gelübde umgehe, weiß ich noch nicht. Natürlich bedrückt es mich, daß mir die tägliche Messe und Anbetung vielleicht bald nicht mehr möglich sein wird. Es ist, als ob man mir das Dach abdeckt! Aber dann denke ich – unser Herr hatte auch nicht immer ein Dach überm Kopf, Er starb vollkommen schutzlos am Kreuz. Auf Ihn kann ich mich in jeder Lage verlassen.

Ich bitte alle Christen, gleich welcher Konfession: Betet weiter. Betet für die Gesunden, die Kranken, die Sterbenden, die Toten, für Ärzte, Schwestern, Pfleger, Apotheker, für Bestatter, Friedhofsverwalter, alle, die auf Friedhöfen arbeiten, für die Angehörigen Infizierter und Erkrankter, für die Trauernden – und immer wieder für die Geistlichen. Keiner von ihnen macht sich seine Entscheidungen in Sachen Corona, wie auch immer sie ausfallen mögen, leicht.

Und ich bitte alle Menschen: Nehmt das Corona-Virus ernst, passt auf Euch auf, aber verfallt nicht in Panik. In Panik werden Menschen totgetrampelt. Vorsicht führt zur Eindämmung des Virus und rettet Leben.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Vom Umgang mit Corona

  1. Xeniana schreibt:

    Gestern hat der Gatte noch eine Taufe im engsten Familienkreis begleitet. Als es von der empore hustete war die aufregung groß. Aber er hustet schon seit 20 Jahren:) Schön der Satz: schlimm wenn ich nicht zum Schreiben kommen würde.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich habe bei der Belehrung neulich im Betrieb gesagt: Ich niese manchmal morgens – das ist nichts Infektiöses. Sofort meldeten sich noch mehrere Allergiker. 🙂

  2. Matthias Hergert schreibt:

    Liebe Claudia Sperlich, der schöne Friedhof an der Röblingstraße heißt – glaube ich – nicht St. Matthäus, wie oben geschrieben, sondern St. Matthias. Viele Grüße – Matthias Hergert (marianisches.de)

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