Fastenzeit ist schön!

Die Fastenzeit ist halb um, und ich kann am Sonntag Laetare eine frohe Bilanz der Halbzeit ziehen: Sie ist schön! Sie ist segensreich und frohmachend, sie ist gut.

Ich habe mir vorgenommen, wirklich zu fasten – d.h. auf eine Menge leckerer Dinge zu verzichten, genauer: auf Zucker, Fett und tierische Produkte, und insgesamt wenig zu essen. An den fastenfreien Sonntagen esse ich zwar Milchprodukte und Eier, aber weder Fleisch noch Fisch und auch nichts Süßes (außer Marmelade). Ich stelle fest, daß ich das kann, ohne mich zu überanstrengen. Daß es mir gesundheitlich sehr gut tut, ist ein erwünschter Nebeneffekt. Im Wesentlichen aber hilft es mir, Disziplin zu lernen und Zeit und Geld zu sparen. Zeit für Gebet und Bibellektüre, Geld für den Klingelbeutel.

Das regelmäßige Stundengebet hatte ich vor der Fastenzeit leider etwas vernachlässigt; nun bete ich wieder nach Möglichkeit täglich Laudes, Sext, Vesper und Komplet. Auch wenn ich das nicht ganz schaffe – Sext und Vesper müssen an zwei Tagen der Woche aus Zeitgründen in der Regel ausfallen – gibt das dem Tag Struktur und Ruhe, auch an Tagen, wo ich die Horen eigentlich nur „herunterbete“. Die poetische Schönheit der Psalmen berührt mich. Bei manchen Psalmen denke ich, dies kann ich gar nicht für mich selbst beten, so fürchterlich ist meine Situation ja auch wieder nicht, mit zahlreichen Bedrängern, die mir nach dem Leben trachten… aber dann bete ich sie für die vielen bedrängten Christen, die unser Gebet so nötig haben.

O Gott, komm mir zu Hilfe. *Herr, eile, mir zu helfen.
Ehre sei dem Vater und dem Sohn und dem Heiligen Geist *
wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit und in Ewigkeit. Amen.

Ein Zeitraum, der so begonnen wird, hat schon gute Chancen.

Ich habe mir vorgenommen, in der Fastenzeit das Buch Jeremia vollständig zu lesen. Auch hier fallen zwei Tage aus, an allen anderen lese ich. Einfach ist dies Buch nicht – aber großartig! Ich sehe kommen, daß ich es tatsächlich in der Fastenzeit vollständig durchlese, und mir kam dabei auch der Gedanke, mal wieder Franz Werfels „Jeremias. Höret die Stimme“ zu lesen, einen Roman, der sich ganz eng an die biblische Vorlage hält.

Ein letztes, was ich nicht immer sehr erfolgreich versuche, ist der Verzicht auf Ärger. Ich bin ein Mensch, der sich zu leicht und zu schnell ärgert – und andere mit. Das Fasten macht es mir leichter, Unwägbarkeiten und Schwierigkeiten zu belächeln statt zu bemaulen. Oder wenigstens zu ignorieren.

Das bedeutet nicht, daß ich plötzlich eine sanfte, liebe, asketische und hochdisziplinierte Person bin, immer lächelnd und durch nichts aus der Ruhe zu bringen. (Allein die Vorstellung ist ziemlich gräßlich, oder?) Aber die Fastenzeit hilft mir, wenigstens zeitweise ein bißchen besser zu handeln (und vielleicht zu sein), als ich es normalerweise tue (und bin). Wenn das nichts ist!

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Fastenzeit ist schön!

  1. akinom schreibt:

    Als Überschrift der diesjährigen Fastenzeit habe ich das Leitwort des Dülmener Andenmissionars Bischof Friedrich Kaiser gewählt: „Jesus – Wort und Opfer“. Aber ich schaffe es nicht einmal, zwischen den Mahlzeiten nichts mehr zu essen…

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich (extrem verfressener Mensch) finde es unglaublich leicht. Kann nur mit Gnade zusammenhängen, ist nicht mein Verdienst.

      Aber wenn man auf diese Weise nicht fasten kann, hat man ja andere Möglichkeiten, sich geistlich vorzubereiten.

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