Der eifersüchtige Bruder

Lk. 15,11-32

Die harte Arbeit hab ich gern gemacht.
Hab froh und gut gepflügt, gesät, geschnitten.
Ließ mich um keine Hilfe zweimal bitten,
Hab neues Land und Vieh uns eingebracht.

Ich liebe unsre alten Bauernsitten,
Dies Land, das grün in goldner Sonne lacht.
Ich hab mich mit dem Wildfang nie verkracht!
Er war doch immer bei uns wohlgelitten!

Es hat dem Vater fast das Herz gebrochen,
Als er mit seinem Erbe fortgegangen.
Nun hat ers durchgebracht, kommt angekrochen!

Er wird gefeiert. Ich bin nur Getriebe.
Darf ich, der Immertreue, nichts verlangen?
Und ich verlang doch nichts – nur Vaters Liebe.

Claudia Sperlich, aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte, tredition 2015

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Der eifersüchtige Bruder

  1. akinom schreibt:

    Ich habe dazu gestern eine wunderbare Predigt in der Vorabendmesse gehört: Wir wollen einen gerechten Gott und keinen barmherzigen. Deshalb sind wir das Problem, wie die Schriftgelehrten und Pharisäer, die sich darüber empört hatten, dass Jesus mit Zöllnern uns Sündern sogar (gefeiert) und gegessen hatte. Der heimgekehrte Sohn des Vaters „war tot und lebt wieder“. Für den „Immertreuen“ bleib dagegen das große ? am Ende des Evangeliums. Kann er – kann ich –
    die Göttliche Barmherzigkeit feiern?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Der Schluss lässt ja offen, ob der eifersüchtige Bruder den jüngeren wieder freundlich ansieht. Ob er am Ende gar selbst den Vater um Verzeihung bittet. Solange er allerdings diese Einstellung pflegt, geht es nicht. Ich glaube aber, daß, wenn wir nur Gottes Liebe wollen und wünschen und versuchen, Ihm zu dienen, so gut wir es eben können, solche Dinge wie Eifersucht und Neid im Fegefeuer zurückbleiben.

  2. ester769 schreibt:

    Ich glaube, nach all den Jahren wo ich schon über dieses Gleichnis habe predigen hören, dass es dem älteren Bruder so geht wie dem durchschnittlichen Gottesdienstbesucher.
    Der durchschnittliche Gottesdienstbesucher bekommt nur den liebenden, barmherzigen Vater vor Augen gestellt, der denjenigen der schon mal seinen Erbanteil durchgebracht hat, wieder als seinen Erben einsetzt (das steckt ja hinter der Geste des Ring ansteckens) und dann sozusagen als Ausgleich zu dem älteren Sohn wirklich ungerecht und unbarmherzig ist,
    Was der ältere Sohn nicht weiß und dem durchschnittlichen Gottesdienstbesucher vorenthalten wird, ist die Umkehr, die Reue und die Einsicht des jüngeren alles verspielt zu haben, und deshalb als Tagelöhner des Vaters leben zu wollen.

  3. gerd schreibt:

    Niemand hindert den älteren Bruder daran, einen Ziegenbock zu nehmen und mit seinen Freunden ein Fest zu feiern.

    • ester769 schreibt:

      das habe ich auch mal in einem Kommentar was gelesen. Der jüngere Sohn bittet und erhält, damit ist er ein Zeichen dafür, dass Gott denen gibt die ihn bitten, aber auch gleichzeitig eine Mahnung beim Bitten vorsichtig zu sein.
      Der ältere Sohn hat sich einfach nicht getraut zu fragen und der Vater weißt ihn mit dem Satz „Was mein ist, ist auch dein“ darauf hin, dass er Erbe ist, nicht Knecht.

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