Jacques Hamel

Jacques Hamel war Auxiliar-Priester in der nordfranzösischen Gemeinde Saint-Etienne-du-Rouvray. 1958 wurde er ordiniert. 86jährig war er noch immer aufrecht und dienstbereit. Er vertrat heute den Pfarrer der St-Etienne-Kirche.
Die Wochentagsmesse ist in St. Etienne üblicherweise nicht besonders gut besucht. Auch heute war die Kirche nicht voll. Hwd. Jacques Hamel zelebrierte.

Zwei Männer drangen während der Messe durch einen Hintereingang in die Kirche ein, nahmen fünf Geiseln – den Priester, zwei Ordensschwestern und zwei weitere Gläubige. Sie beriefen sich auf IS. Einer der beiden ist identifiziert als ein Syrer, der bereits als „terrorverdächtig“ eingestuft war. Die Terroristen durchschnitten dem Priester die Kehle. Eine andere Geisel wurde so schwer verletzt, daß ihr Überleben noch ungewiss ist.

Jacques Hamel war beliebt in der Gemeinde. Er hat praktisch sein Leben lang der Kirche und den Gläubigen gedient. Abbé Aimé-Rémi Mputu Amba, Priester in Sotteville-lès-Rouen, sagt über ihn:

Malgré son âge avancé, il était toujours aussi investi dans la vie de la paroisse. On lui disait souvent, en rigolant ‘Jacques, tu en fais un peu trop, il serait temps de prendre ta retraite‘. Ce à quoi il répondait , en riant, ‚tu as déjà vu un curé à la retraite? Je travaillerai jusqu’à mon dernier souffle‘. Pour lui, partir au moment où il célebrait la messe, c’est une forme de consécration, malgré les circonstances dramatiques.

Trotz seines fortgeschrittenen Alters hat er sich immer voll in das Gemeindeleben eingebracht. Wir sagten ihm oft im Spaß, „Jacques, du machst ein bißchen zu viel, es wäre an der Zeit, daß du in den Ruhestand gehst.“ Worauf er lachend antwortete: „Hast du schon mal einen Pfarrer im Ruhestand gesehen? Ich werde bis zu meinem letzten Atemzug arbeiten.“ Daß er ging, während er die Messe feierte, ist für ihn eine Art der Heiligung, trotz der dramatischen Umstände.“

Im Pfarrblatt vom Juni schrieb Jacques Hamel diesen Feriengruß (Übersetzung von mir):

Der Frühling war ziemlich kühl. Wenn unsere Stimmung ein bißchen trübe war, nur Geduld, der Sommer wird endlich kommen. Und auch die Ferienzeit.
Die Ferien sind eine Zeit, um von unseren gewöhnlichen Beschäftigungen Abstand zu nehmen. Aber sie sind nicht eine einfache Unterbrechung. Sie sind eine Zeit der Erholung, aber auch der Selbstbesinnung, der Begegnungen, des Teilens, der Geselligkeit.
Eine Zeit der Selbstbesinnung: Manche Leute werden einige Tage zu Exerzitien oder zum Pilgern nehmen. Andere werden wieder das Evangelium lesen, allein oder mit anderen, als ein Wort, das heute leben lässt. Andere werden neue Kraft schöpfen aus dem großen Buch der Schöpfung, werden die so verschiedenen und großartigen Landschaften bewundern, die uns erheben und zu uns von Gott sprechen.
Könnten wir doch in diesen Augenblicken die Einladung Gottes hören, uns um diese Welt zu kümmern, sie dort, wo wir sind, zu einem wärmeren, menschlicheren, brüderlicheren Ort zu machen.
Eine Zeit der Begegnung mit Nächsten, mit Freunden: Ein Augenblick, um sich die Zeit zu nehmen, gemeinsam etwas zu erleben. Ein Augenblick, um auf andere zu achten, wer sie auch sein mögen.
Eine Zeit des Teilens: Teilen unserer Freundschaft, unserer Freude. Teilen wir den Kindern unsere Hilfe mit, und zeigen wir so, daß sie für uns zählen.
Auch eine Zeit des Gebets: Aufmerksam auf das, was in unserer Welt gerade vorgeht. Beten wir für jene, die es am meisten benötigen, um Frieden, um ein besseres Zusammenleben.
Und dann ist immer noch das Jahr der Barmherzigkeit. Bereiten wir unser Herz, daß es aufmerksam wird auf die schönen Dinge, auf jeden, auch auf jene, die sich vielleicht noch etwas einsamer fühlen werden.
Mögen die Ferien uns erlauben, die Fülle der Freude, der Freundschaft und der Besinnung zu erleben. Dann werden wir, besser ausgestattet, den Weg gemeinsam wieder aufnehmen können.
Schöne Ferien euch allen!
Père Jacques

Erlauben wir den Terroristen nicht, diese heiteren und guten Worte zu vernichten. Ehren wir Jacques Hamel, indem wir uns besinnen, teilen, aufmerksam sind auf unsere Nächsten, beten – auch und gerade für die, die es am meisten benötigen. Zum Beispiel für die Terroristen.

Quellen:
Wikipedia
Figaro
rouen.catholique.fr

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Darf man lachen?

Es gehört sich nicht, laut zu lachen, wenn gerade jemand neben einem umgebracht wurde. Es ist geschmacklos, wenn das ZDF unmittelbar nach dem Bericht über einen Amoklauf in München Comedy sendet.

In den sozialen Medien – in denen sich soziales ebenso wie unsoziales Handeln sehr bemerkbar abspielt – haben weinende Smileys, hasserfüllte Pauschalurteile und Verschwörungstheorien Hochkonjunktur. Attentate in Würzburg und Ansbach, ein Amoklauf in München, der Mord an einer Schwangeren mittels Machete in Reutlingen, von Nizza, Bagdad und Kabul ganz zu schweigen – das Böse ist mächtig, da werden mir selbst die zustimmen, die den Bösen für ein bloßes Horrormärchen halten. In der Tat ist es zum Weinen, und auf die Frage, was ich gegen das Böse in der Welt tue, kann ich auch nur sagen: Beten – und zu meiner jesidischen Mitbewohnerin und möglichst vielen anderen Menschen freundlich sein.

Also, flugs alles mit Trauerflor versehen, „Je suis Nice et Würzburg et Ansbach et Bagdad et Kaboul“ als Avatar nehmen, Je suis la Betroffenheit, und zum Lachen in den Partykeller gehen? Ohne mich, bitte. Pauschalurteile und Hassparolen sind bitte ebenso zu unterlassen, denn sie sind dumm.

Ich habe nah am Wasser gebaut, und je älter ich werde, desto leichter kommen mir die Tränen – vor Rührung ebenso wie vor Trauer, leider zuweilen auch vor Selbstmitleid. Ganz genau lässt sich nicht immer sagen, welche Gefühlslage mir jetzt schon wieder das Wasser in die Augen treibt. Und natürlich bin ich traurig, wenn Menschen sinnlos sterben, habe ich Sorgen, daß Terroristen oder andere Durchgeknallte auch in meiner unmittelbaren Nachbarschaft in Berlin auftreten.

Sehr nah waren terroristische Akte mir zweimal, als ich noch eine Jugendliche war. Die RAF zündete eine Bombe in einem Einkaufzentrum, in dem meine Mutter öfter mal Kundin war – glücklicherweise nicht an jenem Tag. Ein Drohanruf der RAF (oder eines Trittbrettfahrers) bei uns zu Hause, mit der Ankündigung, im Schloss Charlottenburg eine Bombe zu zünden, wurde von mir entgegengenommen, während der Rest der Familie beim Abendbrot saß – außer meinem Vater, der noch spät abends in seinem Büro im Schloss Charlottenburg war. Ich habe damals sofort die 110 gewählt. Ob der Anruf ein übler Scherz oder eine echte Drohung war, habe ich nie herausbekommen. Ich glaube mich zu erinnern, daß mir das Lachen damals einige Stunden lang verging.

Aber ich werde nicht einen ständigen Trauerflor in Blick und Stimme haben. Wenn Terroristen und andere Übeltäter mich dahin bringen, das Lachen zu verlernen, haben sie einen Sieg errungen. Ich kann nicht nur leicht weinen, ich kann auch gut lachen – und ich will nach Möglichkeit fröhlich sein. Den Humor der Heiligen will ich haben, den eines Laurentius, der auf einem Rost zu Tode gebracht wurde und dem Henker sagte, er möge ihn umwenden, die eine Seite sei gar. Den eines Dominicus, der auf die Morddrohung katharischer Hooligans sagte, sie mögen ihn bitte schön langsam und qualvoll umbringen, damit er einen besseren Platz im Himmel bekomme. (Sie ließen es übrigens sein. Ich vermute, sie waren entsetzt über diesen Irren.)

Risus paschalis, Osterlachen, heißt ein alter kirchlicher Brauch. Dem Bösen ins Gesicht lachen ist sicher nicht einfach – aber auch nicht schlecht. Ganz im Gegenteil.

Platte Comedy am Tatabend ist und bleibt geschmacklos. Aber eine ständige Aufforderung zum Zeigen der Betroffenheit, eine soziale Verpflichtung zu hängenden Mundwinkeln, wahlweise zu traurigen Avataren, ist nicht nur keine Lösung – sie spielt dem Bösen in die Hände.

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Auf der Pfaueninsel

Zu dritt waren wir dort: die Jesidin Seve, ihre Nachhilfelehrerin und ich. Und sehr schön war das! Für die Jesiden hat der Pfau eine besondere Bedeutung: Melek Taus, der oberste Engel, wird in Pfauengestalt dargestellt.

Für die Zukunft habe ich mir vorgenommen, öfter mal auf die Pfaueninsel zu fahren, schon weil es dort so wunderbar ruhig ist.

Pfaueninsel - SchlossPfau
Pfaueninsel - HortensienPfaueninsel
PfaueninselPfaueninsel
PfaueninselPfaueninsel
PfaueninselPfaueninsel
PfaueninselPfaueninsel
PfaueninselPfaueninsel
PfauPfau
PfauPfau
Pfau
PfauPfau
PfauPfaueninsel - Voliere
Pfaueninsel - Hühner in der VolierePfaueninsel - Silberfasan in der Voliere
Pfaueninsel

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Heilige Maria aus Magdala, bitte für uns

Manchmal braucht die Kirche eben ein bißchen länger – aber irgendwann ist dann der Gedenktag der Apostola apostolorum doch hochgestuft zum Feiertag.

Noli me tangere

Rabbuni!

Kein weiteres Wort
vor dem Ersehnten, dem Totgewussten,
dem Auferstandnen, der Liebe.

Mirjam!

Nur niederknien,
die Lippen schon Seinen Füßen nähern –

Berühre mich nicht!
Die harten Worte so sanft gesprochen –

Sag es den andern, dein Leben lang,
durch alle Zeiten, sage: Er lebt!

Und dann am Ende
ist alles Leben, sind alle Zeiten
nur eine kurze Unterbrechung,
nur die Zeit zwischen Kniefall und Kuss.

© Claudia Sperlich

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Hörnchen wird mutig

Es bleibt ihm auch nichts anderes übrig – auf dem Fensterblech gibt es heute kein Futter. Am Schreibtisch sitze ich, mit der drohenden Kamera in der Hand. Und auf dem inneren Fensterbrett sind Sonnenblumenkerne.
Man kann es ja mal wagen.

EichhörnchenEichhörnchen
EichhörnchenEichhörnchen
EichhörnchenEichhörnchen
EichhörnchenEichhörnchen

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Vorträge

Für Radio Horeb habe ich nun schon mehrmals gearbeitet – und es geht weiter. Das ist die Art von Katechese und Bildungsarbeit, zu der ich willens und imstande bin! Drei Vorträge sind nun in Arbeit zum Thema „Das stichdunkle Mittelalter – die völlig falsche Mittelalterrezeption des 19. Jhs.“; der erste wird am 29.9. um 20.30 gesendet, live, die Hörer werden Gelegenheit bekommen, mir Fragen zu stellen.

Auch in der Arche Potsdam war ich schon mehrmals und werde dort am 29. November um 19.30 Uhr über den Kirchenlehrer und Dichter Ambrosius sprechen, ebenfalls mit anschließender Möglichkeit zum Gespräch.

Wie wäre es denn, wenn ich mehr davon mache? Ich bin bereit, auch für andere Veranstaltungen Vorträge und Reden zu schmieden. Einfach Bescheid sagen!

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Malerarbeiten

Was tut man nicht alles für liebe Freunde!

In diesem Falle – eine nicht mehr benötigte Wohnung weiß anmalen.
Die banalsten Dinge sind schön, wenn man sie für nette Menschen macht.

Renovierung
Renovierung

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Gelungener Abend in Potsdam

Gestern habe ich in der Arche Potsdam vor einer angenehmen Zahl aufmerksamer Zuhörer über den Heiligen Dominicus geredet – das war ein sehr schöner Erfolg!

Mein nächster Termin dort steht nun auch schon fest – am 29. November werde ich über den Kirchenlehrer Ambrosius reden. Und fürs nächste Jahr – noch ohne genaueren Termin – ist ein Vortrag geplant zur Entwicklung der Religiosität nach der großen Pest.

Potsdam ist übrigens immer wieder zauberhaft schön.

Fassade in Potsdam
Fassade in Potsdam
Fassade in Potsdam

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Absolut dunkelkatholisch!

Jetzt bin ich sogar schon auf kath.net veröffentlicht in der Causa Sternberg!

Und dann ist ja auch bekannt, daß ich morgen zum Albigenserkreuzzug aufrufen werde.

Ein Hinweis: Ironieresistente und pöbelhafte Kommentare werden gelöscht, außer sie sind unfreiwillig so saukomisch, daß ich sie meinen Lesern zeigen möchte. Das wäre Zensur, wenn ich ein Staat oder der Sonnenkönig wäre. Bin ich nicht, ist es also nicht. Seine Gesprächspartner darf man sich als Privatmensch nämlich aussuchen – sogar im Internet.

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Morgen in der Arche: Prediger und Katharer

Dienstag, 12. Juli
Dominicus – Prediger und Ordensgründer
19.30 Uhr
Arche Potsdam
Am Bassin 2
14467 Potsdam

Nicht vergessen: In der Arche Potsdam spreche ich morgen über den Heiligen, der vollständig gewaltfrei, allein durch das Wort, durch Argumente, gegen machtvolle Häresien anging.
Und auch heute brauchen wir gute katholische Prediger gegen die zahlreichen Häresien unserer Zeit. Vielleicht ist mein Vortrag schon deshalb hörenswert.

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