Ein komischer Heiliger

Ob es im 7. Jh. tatsächlich nahe Arcis einen heiligen Einsiedler und strengen Asketen namens Helenus (andere Schreibweisen: Helynus, Helayim, Helaym) gegeben hat, wissen wir nicht. Sicher ist aber, daß es im 13. Jh. einen Dominikanerbruder namens Vincent de Beauvais gab, der eine Enzyklopädie des mittelalterlichen Wissens in französischer Sprache verfasste, und der von Heleni Existenz überzeugt war.

Soweit sie ihn noch kennt, feiert die Kirche seinen Gedenktag am 4. Mai.

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Bildquelle

Vincent schreibt über jenen Helenus:

Als er lange in der Wüste gelebt hatte, wollte er seine Brüder besuchen und ihnen etwas Fleisch mitbringen. Und da die Last des Fleisches ihn beschwerte, sah er in der Wüste einige Wildesel herumlaufen. Er rief einen zu sich und sagte im Namen unseres Erlösers Jesu Christi: „Einer von euch soll kommen und diese Last tragen“, und einer von ihnen kam und trug es mit ihm zu den anderen Brüdern.

Ein anderes Mal, als er seine Brüder besuchte, bemerkte er, daß sie den sonntäglichen Gottesdienst nicht so feierlich begingen wie sie sollten. Er erfuhr, daß sie keinen Priester hatten, denn der hatte morgens den Fluss überquert, über den nun niemand zurückkehren konnte, wegen eines Krokodils; das ist ein wildes Tier mit vier Beinen, von gelber Farbe, und über dreißig Cubit [ca. sieben Meter] lang. Es ist stark zu Wasser wie zu Lande und ist bewaffnet mit Klauen und großen Zähnen, und seine Haut ist so überaus hart, daß es viele starke Schläge aushält. Und dies Ungetüm lebte inmitten dieses Flusses und tötete alle Menschen, die ihm in den Weg kamen.

Darauf sagte der Greis: „Ich will gehen und den Priester holen.“ Als er nun das Wasser erreichte, sah er das Krokodil unter Wasser auf ihn zukommen. Er stieg auf seinen Rücken und wurde von dem Tier hinübergetragen und erreichte den Priester, den er dann zum Wasser mitnahm, um mit ihm überzusetzen. Und als der Priester ihm sagte, er habe kein Schiff, antwortete er ihm: „Hab keine Angst! Es ist ganz nah.“ Und sogleich rief er mit lauter Stimme das Krokodil und stieg auf seinen Rücken.

Der Priester war nun wahrlich so entsetzt über diesen Anblick, daß er fortlief und auf keinen Fall aufsteigen wollte. Und so wurde der heilige Mann allein hinübergetragen. Und da er von dem Tier abstieg, sagte er zu ihm: „Du solltest besser sterben, als soviel Unheil anrichten!“ Und sogleich starb es.

Et sicomme il descendi de la beste lui dist il te vault mieulz mourir que faire tant de maulz et tantost il morut.

Auch wenn der Illustrator das Krokodil nicht so ganz genau getroffen hat, und auch wenn sich die Geschichte möglicherweise nicht ganz so zugetragen hat – die Beschreibung des Krokodils ist erstaunlich genau.

Auch kräuterkundig soll der Heilige gewesen sein. Die Legende, daß er eine Feuerprobe unverletzt überstanden habe, ist wohl von einem anderen Helenus aus dem 3. Jh. auf ihn übertragen worden.

In den Acta Sactorum der Bollandisten heißt es im Eintrag zum 4. Mai (in meiner Übersetzung):

Es lebte ein heiliger Mann namens Helenus, der von Kindheit an im Dienst des Herrn stand und Ihm mit großer Enthaltsamkeit hingebungsvoll diente. Genährt durch überaus keusche Unterweisungen, erlangte er höchste Verdienste.

Als er noch im Knabenalter im Kloster war, trug er, wenn es nötig wurde, Feuer aus der Nachbarschaft zu erbitten, glühende Kohlen im unversehrten Gewand herbei, worüber alle anwesenden Brüder staunten und wünschten, seinen geistlichen Eifer und sein Leben nachzuahmen.

Als er nun einst allein war an einem einsamen Ort, bekam er Lust, Honig zu essen, und als er sich umwandte, sah er eine an einem Felsen klebende Honigwabe. Da er aber begriff, daß dies ein Betrug des Feindes war, schalt er sich sogleich selbst und sagte: „Geh weg von mir, trügerische und verführerische Begierde, denn es steht geschrieben: Wandelt im Geist und vollendet nicht die Begierden des Fleisches.“ [Gal. 5, 16] Und sogleich verließ er diesen Ort, ging fort und begab sich in die Wüste und begann dort, sich Fasten aufzuerlegen, um die Fleischeslust zu bestrafen. In der dritten Woche seines Fastens aber sah er in der Wüste verschiedene erlesene Früchte liegen, und er durchschaute die Listen des Feindes und sagte: „Ich werde das nicht essen und will es nicht berühren, damit ich meinem Bruder, das heißt meiner Seele, kein Ärgernis gebe. Denn es steht geschrieben, daß der Mensch nicht vom Brot allein lebt.“

Da er nun in der folgenden Woche fastete, wurde er im Traum ein wenig weggeführt, und ein Engel stand ihm bei und sagte: „Steh nun auf, und was du neben dir findest, iss nur ohne Furcht.“ Und er stand auf und sah eine sanft aufwallende Wasserquelle, und ihre Ufer waren ringsum mit zarten, duftenden Kräutern gesäumt. Es heißt, er sei von dem Engel zur Erfrischung dorthin geführt worden, und er trat heran, begann zu pflücken und zu essen und mit dem Becher aus der Quelle zu schöpfen. Da versicherte er, niemals in seinem ganzen Leben so etwas Köstliches genossen zu haben. Auch fand eran diesem Ort eine Höhle, in der er eine Weile ausruhte,  und solange Zeit und Notwendigkeit der körperlichen Wiederherstellung währten, fehlte durch Gottes Gnade nichts von dem, was er vom Herrn erbat. 

Ich möchte gern glauben, daß es im 7. Jh. einen furchtlosen und genügsamen Einsiedler gab, der gut mit Tieren umgehen konnte – und dem eine ordentliche Messe wichtiger war als seine Sicherheit und das leibliche Wohl.

Die Erfahrung, daß das Böse vor frommer Furchtlosigkeit zurückweicht, durften schon viele machen.

Sancte Helene, ora pro nobis!

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1000 Jahre Kloster Kaufungen

Im Mai 1017 hielt die Kaiserin Kunigunde sich in Kaufungen auf. Sie erkrankte dort schwer und gelobte, im Falle ihrer Genesung ein Kloster zu stiften. Und so geschah es!

Der Grundstein zum Benediktinerinnenkloster wurde im folgenden Jahr gelegt. Es war eine Reichsabtei, das heißt, die Äbtissin unterstand direkt dem Kaiser (und in diesem Falle wohl ohne Umweg über ihn der Kaiserin, denn Kunigunde war nicht nur Gattin Heinrichs II., sondern selbst eine fähige Herrscherin).

Heinrich der IV. hob die Reichsunmittelbarkeit 1189 auf; nun war das Kloster dem Bischof von Speyer unterstellt. Im darauffolgenden Jahrhundert wurde es in ein freiweltliches Damenstift (also eine ordensähnliche Gemeinschaft ohne Gelübde zur Versorgung adliger Frauen) verwandelt.

Im Zuge der Reformation wurde das Stift 1527 zu einer Versorgungsanstalt für Protestantinnen der Upper Class. Bis heute wird das Ritterschaftliche Stift Kaufungen – nun eine gemeinnützige Organisation, die u.a. bedürftige Frauen unterstützt – ausschließlich von Geschlechtern der Althessischen Ritterschaft betrieben.

Auch wenn ich in der geistlichen und organisatorischen Entwicklung einen kontinuierlichen Niedergang sehe – Kloster Kaufungen, die katholische Gründung, ist bis heute in Betrieb. Tausend Jahre lang.

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Martin Luther grüßt Maria

Lumen Gentium

66. Maria wird, durch Gottes Gnade nach Christus, aber vor allen Engeln und Menschen erhöht, mit Recht, da sie ja die heilige Mutter Gottes ist und in die Mysterien Christi einbezogen war, von der Kirche in einem Kult eigener Art geehrt. Schon seit ältester Zeit wird die selige Jungfrau unter dem Titel der „Gottesgebärerin“ verehrt, unter deren Schutz die Gläubigen in allen Gefahren und Nöten bittend Zuflucht nehmen (192). Vor allem seit der Synode von Ephesus ist die Verehrung des Gottesvolkes gegenüber Maria wunderbar gewachsen in Verehrung und Liebe, in Anrufung und Nachahmung, gemäß ihren eigenen prophetischen Worten: „Selig werden mich preisen alle Geschlechter, da mir Großes getan hat, der da mächtig ist“ (Lk 1,48). Dieser Kult, wie er immer in der Kirche bestand, ist zwar durchaus einzigartig, unterscheidet sich aber wesentlich vom Kult der Anbetung, der dem menschgewordenen Wort gleich wie dem Vater und dem Heiligen Geist dargebracht wird, und er fördert diesen gar sehr. Die verschiedenen Formen der Verehrung der Gottesmutter, die die Kirche im Rahmen der gesunden und rechtgläubigen Lehre je nach den Verhältnissen der Zeiten und Orte und je nach Eigenart und Veranlagung der Gläubigen anerkannt hat, bewirken, daß in der Ehrung der Mutter der Sohn, um dessentwillen alles ist (vgl. Kol 1,15-16) und in dem nach dem Wohlgefallen des ewigen Vaters die ganze Fülle wohnt (Kol 1,19), richtig erkannt, geliebt, verherrlicht wird und seine Gebote beobachtet werden.

67. Diese katholische Lehre trägt die Heilige Synode wohlbedacht vor. Zugleich mahnt sie alle Kinder der Kirche, die Verehrung, vor allem die liturgische, der seligen Jungfrau großmütig zu fördern, die Gebräuche und Übungen der Andacht zu ihr, die im Laufe der Jahrhunderte vom Lehramt empfohlen wurden, hochzuschätzen und das, was in früherer Zeit über die Verehrung der Bilder Christi, der seligen Jungfrau und der Heiligen festgesetzt wurde, ehrfürchtig zu bewahren (193). Die Theologen und die Prediger des Gotteswortes ermahnt sie aber eindringlich, sich ebenso jeder falschen Übertreibung wie zu großer Geistesenge bei der Betrachtung der einzigartigen Würde der Gottesmutter sorgfältig zu enthalten (194). Unter der Führung des Lehramtes sollen sie in der Pflege des Studiums der Heiligen Schrift, der heiligen Väter und Kirchenlehrer und der kirchlichen Liturgien die Aufgaben und Privilegien der seligen Jungfrau recht beleuchten, die sich immer auf Christus beziehen, den Ursprung aller Wahrheit, Heiligkeit und Frömmigkeit. Sorgfältig sollen sie vermeiden, was in Wort, Schrift oder Tat die getrennten Brüder oder jemand anders bezüglich der wahren Lehre der Kirche in Irrtum führen könnte. Die Gläubigen aber sollen eingedenk sein, daß die wahre Andacht weder in unfruchtbarem und vorübergehendem Gefühl noch in irgendwelcher Leichtgläubigkeit besteht, sondern aus dem wahren Glauben hervorgeht, durch den wir zur Anerkennung der Erhabenheit der Gottesmutter geführt und zur kindlichen Liebe zu unserer Mutter und zur Nachahmung ihrer Tugenden angetrieben werden.

Der Mai ist Marienmonat – das ist eine noch junge Tradition aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts, die die Blütenfülle des letzten Frühlingsmonats als Symbol für die Gnadenfülle der Gottesmutter sieht. Aber die Marienverehrung gibt es spätestens seit dem 3. Jahrhundert.

Der heuer besonders gefeierte Marienverehrer Martin Luther schrieb über Jesus:

Ich glaube, dass Er mir geboren ist von der reinen Jungfrau Maria ohne allen Schaden ihrer leiblichen und geistlichen Jungfrauschaft, auf dass er nach der Ordnung väterlicher Barmherzigkeit meine und aller seiner Gläubigen sündliche und verdammte Geburt gesegnet, unschädlich und rein machte.

Und über das Magnificat:

Nun weiß ich in der ganzen Schrift nichts, das so gut hierzu [zur Gottesfurcht und zum angemessenem Regieren] dient, wie dies heilige Lied der hoch gesegneten Mutter Gottes, das wahrhaftig allen, die gut regieren und heilsam Herren sein wollen, gut zu lernen und zu behalten ist. Sie singt in der Tat hierin aufs allerlieblichste von der Gottesfurcht, und was er für ein Herr sei vor allem, welches seine Werke sind in den hohen und niedrigen Ständen. Lass einen andern zuhören seinem Mädchen, die ein weltliches Lied singt. Dieser züchtigen Jungfrau hört billig zu ein Fürst und Herr, die ihm ein geistliches, reines, heilsames Lied singt.
Es ist auch kein unbilliger Brauch, dass in allen Kirchen dies Lied täglich in der
Vesper gesungen wird, dazu, verglichen mit anderem Gesang, auf eine besondere, angemessene Weise. Diese zarte Mutter Gottes wolle mir erwerben den Geist, der solchen ihren Gesang nützlich und gründlich auslegen könne. …

Die großen Dinge sind nichts anderes, als dass sie Gottes Mutter geworden ist, in welchem Werk ihr so viele und große Güter gegeben sind, dass niemand sie begreifen kann. Denn da folget alle Ehre, alle Seligkeit, und dass sie im ganzen menschlichen Geschlecht eine einzigartige Person ist über alle, der niemand (darin)gleich ist, dass sie mit dem himmlischen Vater ein Kind, und ein solches Kind hat. Und sie selbst kann ihm keinen Namen geben vor überschwänglicher Größe und muss es dabei bleiben lassen, dass sie heraus brünstet und schäumt, es seien große Dinge, die nicht auszureden seien noch zu messen. Darum hat man in einem Wort alle ihre Ehre begriffen, so man sie Gottes Mutter nennet. Es kann niemand Größeres von ihr noch zu ihr sagen, wenn er gleich so viel Zeugen hätte wie Laub und Gras, Sterne am Himmel und Sand im Meer ist. Es will auch im Herzen bedacht sein, was das sei, Gottes Mutter sein.
Sie schreibt’s auch frei Gottes Gnade, nicht ihrem Verdienst zu. Denn obwohl sie ohne Sünden gewesen ist, ist doch diese Gnade so außerordentlich, dass sie ihrer auf keine Weise würdig gewesen. Wie sollte eine Kreatur würdig sein, Gottes Mutter zu sein? Zwar schwätzen etliche Skribenten hier viel von ihrer Würdigkeit zu solcher Mutterschaft. Aber ich glaube ihr selber mehr als ihnen. Sie sagt, ihre Nichtigkeit sei angesehen worden, und Gott habe nicht ihren Dienst damit belohnt, sondern: »Er hat große Dinge an mir getan.« Von sich selbst aus hat ers getan, ohne meinen Dienst. Denn sie hat ihr Lebtage nie daran gedacht, viel weniger sich dazu bereitet und geschickt, dass sie Gottes Mutter werden sollte. Es kam ihr diese Botschaft ganz unversehens, wie Lukas schreibt. Aber ein Verdienst ist nicht unvorbereitet auf seinen Lohn, sondern um Lohnes willen wohl bedacht und unternommen.
Dass man aber in dem Lied »Himmelskönigin, freue dich« singt: »denn du hast verdient zu tragen« und an anderem Ort: »des du würdig bist gewesen zu tragen«, beweist nichts. Singt man doch dieselben Worte auch vom heiligen Kreuz, das doch ein Holz war und nichts verdienen konnte. Ebenso ist dies auch zu verstehen, dass, sollte sie eine Mutter Gottes sein, so musste sie ein Weib sein, eine Jungfrau vom Geschlecht Juda, und der Engelsbotschaft glauben, damit sie dazu tauglich sei, wie die Schrift von ihr gesagt hat. Wie das Holz kein anderes Verdienst und keine andere Würdigkeit hatte, als dass es zum Kreuz tauglich und von Gott verordnet war, so ist ihre Würdigkeit zu dieser Mutterschaft keine andere gewesen, als daß sie dazu tauglich und verordnet gewesen ist. So dass es ja lauter Gnade sei und nicht ein Lohn werde, damit man von Gottes Gnade, Lob und Ehre nichts abbreche, wenn man ihr zuviel gibt. Es ist besser, ihr zuviel abgebrochen, als der Gnade Gottes. Ja man kann ihr nicht zuviel abbrechen, da sie doch aus nichts geschaffen ist, wie alle Kreaturen. Aber Gottes Gnade hat man leicht zuviel abgebrochen. Das ist gefährlich. Und geschieht ihr keine Liebe damit. Es bedarf wohl auch eines Maßes, dass man den Namen nicht zu weit treibe, dass man sie eine Königin der Himmel nennt. Zwar ist das wahr, aber dadurch ist sie doch keine Abgöttin, dass sie geben oder helfen könne, wie etliche meinen, die mehr zu ihr als zu Gott rufen und Zuflucht haben. Sie gibt nichts, sondern allein Gott…

Luther sagt also: Maria ist immerwährend jungfräulich, sie ist Gottesmutter, und sie ist Himmelskönigin – nur sieht er bei diesem Titel die Gefahr, daß er zur Vergöttlichung der Gottesmutter verleite. Diese Gefahr besteht ja auch tatsächlich; dennoch werde ich sie weiter gerne als Regina Cœli betiteln und immer mal wieder erklären, daß Verehrung etwas anderes ist als Anbetung.

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Auferstehung des Fleisches

Mein Vortrag zur Auferstehung des Fleisches ist auf Radio Horeb als mp3 oder zum Download zu hören.

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Österliches auf Radio Horeb

Am Donnerstag, 27. April, 16.30-17.15 Uhr, bin ich auf Radio Horeb zu hören zum Thema „Auferstehung des Leibes“.
Wie immer kann man die Sendung auch später nachhören, ich gebe den Link dann bekannt.

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Esoterisches Geschwafel im Bistum Münster

Die Facebookseite des Bistums Münster glänzt nicht eben durch im christlichen Sinne aufbauende Worte. Sie ist tatsächlich eine Sammlung von Platitüden, teils lustig sein sollend, teils esoterisch angehaucht.
Für gewöhnlich ist mir meine Zeit zu kostbar, mich mit doofen Bistumsseiten auseinanderzusetzen. Heute aber ist der esoterische Schmarren des Bistums Münster so grauenvoll unchristlich, daß ich es nicht lassen kann.

Zitiert wird Oriah Mountain Dreamer. Oriah stammt aus einer Ortschaft in Northern Ontario und wuchs in einem irgendwie christlichen Umfeld auf. Sie begeisterte sich dann für schamanische Kulte und Riten und später auch für Yoga und studierte an der Universität von Toronto Philosophie. Den Namen Oriah will sie im Traum erhalten haben; Mountain Dreamer wurde sie später von einem Medizinmann genannt. Dies alles kann man auf ihren Seiten im Internet finden; ich verlinke nicht dorthin und lasse hier auch keine derartigen Links im Kommentarbereich zu.

Das Zitat wurde vom Bistum Münster etwas gekürzt; ich bringe es vollständig und setze die vom Bistum abgedruckten Teile kursiv.

Es interessiert mich nicht, wie du dein Geld verdienst.
Ich will wissen, wonach du dich sehnst, und ob du es wagst davon zu träumen, der Sehnsucht deines Herzens zu begegnen.

Es interessiert mich nicht, wie alt du bist.
Ich will wissen, ob du es riskierst, dich für die Liebe lächerlich zu machen, für deine Träume, für das Abenteuer, lebendig zu sein.

Es interessiert mich nicht, welche Planeten im Quadrat zu deinem Mond stehen.
Ich will wissen, ob du den Kern deines Leidens berührt hast, ob du durch die Enttäuschungen des Lebens geöffnet worden bist, oder zusammengezogen und verschlossen, aus Angst vor weiterem Schmerz.

Ich will wissen, ob du im Schmerz stehen kannst, meinem oder deinem eigenen, ohne etwas zu tun, um ihn zu verstecken, ihn zu verkleinern, oder ihn in Ordnung zu bringen.

Ich will wissen, ob du mit Freude sein kannst, meiner oder deiner eigenen,
ob du mit Wildheit tanzen und dich von Ekstase füllen lassen kannst bis in die Spitzen deiner Finger und Zehen, ohne uns zu ermahnen, vorsichtiger zu sein, realistischer zu sein, oder an die Beschränkungen des Menschseins zu erinnern.

Es interessiert mich nicht, ob die Geschichte, die du mir erzählt hast, wahr ist.
Ich will wissen, ob du einen anderen enttäuschen kannst, um dir selber treu zu bleiben. Ob du den Vorwurf des Verrats ertragen kannst und nicht deine eigene Seele verrätst.

Ich will wissen, ob du die Schönheit sehen kannst, auch wenn es nicht jeden Tag schön ist,
und ob du dein Leben aus SEINER Gegenwart entspringen lassen kannst.

Ich will wissen, ob du mit Versagen leben kannst, deinem und meinem, und trotzdem am Ende eines Sees stehen kannst, um zum silbernen Vollmond zu rufen, „Ja“.

Es interessiert mich nicht zu wissen, wo du lebst, und wieviel Geld du hast.
Ich will wissen, ob du nach der Nacht der Trauer und Verzweiflung aufstehen kannst, müde und zerschlagen, um dich um die Kinder zu kümmern.

Es interessiert mich nicht wissen, wer du bist, und wie es kommt, wie es kommt, dass du hier bist.
Ich will wissen, ob du in der Mitte des Feuers mit mir stehst, ohne zurückzuweichen.

Es interessiert mich nicht, wo oder was oder mit wem du studiert hast.
Ich will wissen, was dich von innen trägt, wenn alles andere wegfällt.
Ich will wissen, ob du alleine mit dir sein kannst, und ob du deine Gesellschaft in den leeren Momenten wirklich magst
.

Mir ist klar, daß viele Leser das ganz unglaublich weise und stark finden. Ich finde: Es ist gefährliches, unbarmherziges, sich als Weisheit darstellendes Geschwurbel und hat auf einer Bistumsseite absolut nichts zu suchen.

Denn in Wahrheit heißt es:

Hast du einen Beruf, der dich erfüllt, oder malochst du, um zu überleben? Hast du existenzielle Sorgen, bist du von Arbeitslosigkeit bedroht, lebst du von Stütze?
Das ist mir egal.
Und wenn du dich danach sehnst, in deinem Beruf etwas mehr Anerkennung zu erfahren oder überhaupt wieder bezahlte Arbeit zu haben, wenn die Sehnsucht deines Herzens einfach ein Leben in Würde ist – dann glaube ich dir nicht.

Bist du jung und lebensvoll und neugierig, oder bist du alt und schon etwas gebrechlich und nicht mehr so schnell mit Gedanken und Taten wie früher?
Das ist mir egal.
Wenn du mir nicht deine tiefsten und brennendsten Sehnsüchte gestehst, nehme ich dich nicht ernst.

Bist du in gefährlichem Aberglauben gefangen, der deine Seele schädigt?
Das ist mir egal.
Ich will, daß es dir schon mal so richtig dreckig gegangen ist, und ich will auf keinen Fall, daß du Leiden zu vermeiden oder zu lindern suchst. Das finde ich nämlich feige, und mit Feiglingen will ich nichts zu tun haben.

Bist du fähig zu überschäumender Freude von genau der Art, die ich verstehe?
Wenn nicht, bleib mir vom Leibe.

Bist du ein Lügner oder Aufschneider?
Das ist mir egal.
Hauptsache, du bist vollkommen unfähig, deine eigenen Wünsche dem Wohl eines anderen zu opfern.

Ich will, daß du deinen grundsätzlichen Optimismus schon für Reife im Glauben hältst und daß du die Gestirne anbetest in der Überzeugung, das sei Gottesdienst.

Lebst du in einer heruntergekommenen Sozialwohnung, in einem Slum, auf der Straße oder im Gefängnis? Oder lebst du in erdrückendem Reichtum?
Das ist mir egal.
Hauptsache, du kümmerst dich um die Kinder – aber ich biete dir keine Hilfe an.

Hast du schon von Jesus gehört?
Das ist mir egal.
Hauptsache, du stehst mir in der Gefahr bei.

Hast du etwas gelernt, was dich begeistert?
Das ist mir egal.
Sollte etwas davon dir Halt geben auch in schwersten Tagen, werde ich dir das nicht glauben.
Ich will dein Innerstes kennen, obwohl du mich einen Dreck interessierst.

Ich habe jetzt ein neues Tag: wir brauchen mehr Exorzisten.

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Einladung zum Mittwochsklub

Das dritte „Dinner mit Gott“ des Mittwochsklubs wird am

Mittwoch, dem 3. Mai,
von 19.00 bis 22.00 Uhr

stattfinden, wie immer im Pfarrsaal der Gemeinde Herz Jesu Tegel, Brunowstraße 37, 13507 Berlin. Diesmal wird es Bolognese geben (wird gemeinsam zubereitet) und zum Nachtisch Obstsalat (von mir morgens hergestellt).

Über das erste Treffen hatte ich hier berichtet. Tobias hat neulich ein erstes hoffnungsvolles Resumée des jungen Klubs geschrieben. Auf der facebook-Seite heißt es:

Wir sind von Gott zu Priestern, Propheten und Königen berufen… und was MACHEN wir nun mit dieser Berufung?
Wir wollen:
– im Alltag Raum für den Glauben schaffen
– neue Formen des Laienapostolats entwickeln und erproben
– bestehende Initiativen miteinander vernetzen und Synergieeffekte ermöglichen
– Ungetaufte und kirchenferne Menschen für Jesus Christus begeistern.
Dafür brauchen wir Euch — mit Euren Begabungen und Euren Ideen!

Das „Dinner mit Gott“ findet jeden ersten Mittwoch im Monat statt und ist offen für alle, die an gemeinsamem Kochen und Essen Freude haben und das gesellige Zusammensein mit Christen nicht gerade fürchten. Weitere Veranstaltungen des Mittwochsklubs – Erlebnisberichte, Vorträge, Dichterlesungen, was auch immer – hat es bereits gegeben und soll es weiter geben. Ich hätte da auch schon ein paar Ideen.

Ich freue mich, mit den Gründern Tobias und Suse gemeinsame Sache machen zu können. Ich hoffe sehr, daß der Mittwochsklub wächst und gedeiht. Und ich verrate mal gleich: Das Essen ist jedenfalls grandios. Der Rest auch, werdet Ihr schon sehen.

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Josef Bordat zum Geburtstag

In klaren Worten voller Witz und Geist
Die Wahrheit Jesu tapfer zu verfechten,
Die Lüge zu benennen und zu ächten,
Ist Josefs Sache, wie sein Blog beweist.

Und wo beim Bruch von ersten Menschenrechten
Der guten Sitte dünne Decke reißt,
Erklärst Du, bis die Tastatur zerschleißt:
Es gibt nicht gute Gründe in den schlechten.

In Demut, Glauben und Gelehrsamkeit
Sophias Freund, Roxanas treuer Mann,
Dazu Marias nüchternster Verehrer –

Vielleicht hat unsre wilde Stadt und Zeit
In Dir, was kein Jahrhundert noch ersann –
Den ersten Ehemann und Kirchenlehrer.

© Claudia Sperlich

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Tulpenfieber

Ganz kurze Zeit war heute das Licht gut und ich mit meiner Kamera draußen, und die Tulipanen sahen mich herausfordernd an. Was für schöne Blumen – selbst dann noch, wenn einige schon ein wenig zerrupft aussehen!

Tulpen
TulpenTulpe
Tulpen
TulpenTulpen
Tulpen
TulpenTulpe
Tulpen
TulpeTulpe
TulpeTulpe
Tulpen

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Emmaustag

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Caravaggio: Emmaus

Gleiche ich jenem Jünger, der ganz plötzlich
an wohlvertrauter segnender Gebärde,
den sanften Fremden kennt, die Arme breitet –
halb lachend und halb weinend, unentschieden,
ob er umarmen, ob er knien solle?

Gleiche ich jenem, der die Lehnen klammert,
sich vorbeugt und mit aufgerissnen Augen
das junge Antlitz absucht nach Vertrautem –
kann dieses Haupt ganz ohne Blut und Wunden
der Freund sein, den zu Tode man gefoltert?

Gleiche ich jenem Wirt, der leicht verlegen
und schwankend zwischen Sorge und Bewundrung
und Wißbegier – was ist mit diesen Fremden? –
die Kanne hält, doch ohne einzuschenken –
die dienende Gewohnheit weicht Verblüffung?

Nur eines weiß ich wohl: Nicht gleich ich jenem,
der völlig sicher, ruhig und ohne Bangen
dankt für das Brot in liebender Vertrautheit,
der oft nur karg gelebt und doch nicht sorgte,
ob morgen Brot und Leben noch zu haben.

aus: Lass mich bekennen Deine Mandelblüte

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