Genesis 18,1-15 berichtet von Abrahams Gastfreundschaft gegenüber drei Engeln, durch die der Herr ihn dann wissen lässt, dass seine betagte Frau Sarah gegen alle Wahrscheinlichkeit schwanger werden wird. Auch im Buch Tobit ist ein Engel erst Reisegefährte, dann Gast bei einer anderen, jungen Sarah, bei Tobias und dessen Vater. Beide Male wird den Gastgebern erst am Ende klar, dass sie es mit Gottes Boten zu tun hatten.
Hebräer 13,2 nimmt darauf Bezug: Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, Engel beherbergt!
Das heutige Evangelium berichtet von den Emmausjüngern. Auch sie nehmen einen Fremden auf, wie sie meinen, und erkennen endlich, dass es der Herr ist.

Das bedeutet nicht, dass wir nur deshalb gastfreundlich sein sollten, weil der Eingeladene ja eventuell ein Engel oder Jesus sein könnte. (Opportunisten will Gott ganz sicher nicht in Seinen Reihen haben!) Aber wir sollen uns klarmachen, dass wir, wenn wir Hilfe und Gastfreundschaft gegenüber Fremden grundsätzlich ablehnen, wir möglicherweise einem Engel oder Gott selbst die Tür vor der Nase zuschlagen. Das sollten wir nun wirklich nicht riskieren. Gastfreundschaft und Freigebigkeit sind für Christen nicht optional.

Caravaggio hat das Mahl in Emmaus zweimal dargestellt. Das bekanntere und frühere Gemälde durfte ich einmal im Original betrachten und habe ein Sonett darauf geschrieben. Das spätere Emmaus-Gemälde ist düsterer, Jesus wirkt älter und strenger und die Jünger wirken auch, als hätten sie schon einiges durchgemacht. Caravaggio schuf es, nachdem er als Teilnehmer einer Randale, bei der ein Mensch getötet wurde, aus Rom verbannt worden war. Also, falls jemand das mit der Religion und der Gastfreundschaft nicht versteht, hier nochmal was mit der Welt und der Gastfreundschaft: Vergesst die Gastfreundschaft nicht; denn durch sie haben einige, ohne es zu ahnen, begnadete Künstler beherbergt!
Der Wirt von Emmaus
Drei Männer kommen, staubig von der Reise.
Sehr jung scheint einer mit vernarbten Händen.
Zwei ältre, die sich fragend an Ihn wenden –
Sie scheinen fasziniert von Seiner Weise.
Sie setzen sich zu Tisch. Die Worte enden.
Zwei sinnen nach. Ich bring die simple Speise.
Der Junge betet drüber, Gott zum Preise –
Er scheint von sich den Segen auszusenden.
Sie schauen hoch, sie rufen einen Namen.
Und plötzlich ist der Dritte nicht zu sehen!
Und sie, ganz ohne Angst: „Wir müssen gehen.”
Sie gehen auf den Weg, auf dem sie kamen.
Sie tanzen fast! Ihr Schritt ist jung und schnell.
Du Fremder – mach auch meine Augen hell.
© Claudia Sperlich


