Heiliger Abend 2020

So anders dieses Jahr - und doch vertraut.
Ich habe mir ein Bäumchen aufgebaut,
Geschmückt mit rot und goldnem Bastelkram.
Der Folienengel, der die Spitze ziert,
Ist neu gemacht und wirkt schon leicht lädiert,
Wie vieles, das aus meinen Händen kam.

Zwei Schwesterkirchen feiern heut fünfmal
Christmette für die zugelassne Zahl,
Und ausgebucht sind sie tags vorher schon.
Die Messe ist erlaubt, doch nur bedingt.
Die Orgel jauchzt, des Kantors Stimme klingt,
Doch die Gemeinde singt nicht einen Ton.

Ihr lieben Engel, die ihr Christus schaut,
Zu Gottes Ehre singt heut doppelt laut
Und nehmt die leeren Kirchenbänke ein!
Sagt allem Volk und sagt den Hirten auch:
Was heuer fehlt, ist bloßer Festtagsbrauch.
Doch Christus bleibt! In Ihm darf jeder sein!

Und selbst wo Angst und Krankheit uns erstickt,
Bleibt jeder vom Dreieinen angeblickt,
Und jedem gilt der Engel Jubellied:
Dem Herrn die Ehre! Friede aller Welt!
Das ist die Wahrheit, die uns trägt und hält. 
Der Herr ist da, wenn alles andre flieht.

Seid froh in dieser kargen Feierzeit!
Gott wurde Mensch, und Er trug alles Leid,
Trägt Schuld und Not und trägt uns, wie wir sind.
Er zeigt sich jedem, der Ihn ehrlich sucht.
Der Ich-bin-da ist niemals ausgebucht.
Gebt Raum dem Herrn, dem lieben Christuskind.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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4 Antworten zu Heiliger Abend 2020

  1. Aebby schreibt:

    Liebe Claudia,

    Danke für Dein Gedicht und das Bild der Krippe, das mich mehr angerührt hat als große Krippen-Installationen, die man gelegentlich sieht.

    Ich wünsche Dir ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen gesunden Übergang ins neue Jahr

    Liebe Grüße Aebby

  2. Mechthild Neu schreibt:

    Wunderschön, liebe Claudia. Das hat mich sehr berührt! Danke!

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