Wie man mich trotzdem wieder zur Meinungsäußerung bringt

Man versucht in einer offensichtlich gut geplanten Aktion den Reichstag zu stürmen und schwenkt dabei schwarz-weiß-rote Fahnen.

Da meine ich:

  1. Ein Hoch auf die Polizei, die diesen Sturm sehr professionell abwehrte, obwohl sie in einer verschwindenden Minderzahl war! Ein Hoch auf die Journalisten und Blogger, die darüber vor Ort berichtet haben und die Courage hatten, den Angriff zu filmen! Ich selbst bin nach dem Anblick dieser Aufnahmen sehr froh, nicht vor Ort gewesen zu sein mit meinen unsportlichen Beinen.
  2. Das demokratiefeindliche Lumpenpack hat sich nun wirklich gezeigt. Ich erkläre hiermit jeden, der mit diesen Menschen sympathisiert, diese Demonstration richtig fand, diese Geisteshaltung billigt, für diskussionsunwürdig.

Ich habe schon mit allen möglichen Sorten Spinnern geredet und diskutiert, zuletzt mit einer esoterisch nicht nur angehauchten, sondern vernebelten Glaubensschwester, die mir Wodarg et al. ans Herz legen wollte. (Ich gestehe allerdings, daß ich irgendwann nicht mehr nett war.) Hier aber sind meine Grenzen. Mit den Lumpen, die gestern versuchten, die Demokratie zu stürzen, muss man nicht reden (außer man ist ihr Anwalt, der ihnen in einer Demokratie ja zusteht). Mit ihren Sympathisanten auch nicht.

War es richtig, die Demonstration zu erlauben?

Ich bin keine Juristin. Allerdings glaube ich, unsere Gesetze und der Ermessensspielraum der Richter gaben beides her, Erlaubnis und Verbot. Nun haben die Knilche gezeigt, daß sie mit einer Erlaubnis unter milden Bedingungen nicht umgehen können und auch nicht wollen, daß sie vielmehr von vornherein vorhatten, gegen die Regeln der Demokratie zu verstoßen (und gleichzeitig die Freiheiten der Demokratie in Anspruch zu nehmen). Das war einerseits vorhersehbar, andererseits darf man nicht aufgrund einer Vorahnung die Freiheit der Meinungsäußerung einschränken. So kann ich das Gerichtsurteil verstehen, auch wenn mir ein Verbot lieber gewesen wäre.

Nicht verstehen könnte ich, wenn dieser Horde ein zweites Mal erlaubt wird, auf die Straße zu gehen (und sei es für saubere Klos in den Schulen). Sie hat bewiesen, daß sie gewalttätig und undemokratisch ist und sein will.

Zuletzt einige Worte an die katholischen Christen, die sich in geistiger Nähe zu diesen Leuten befinden und diese Demonstration unterstützen. Zunächst begebt Ihr Euch damit in ein Konglomerat aus Esoterikern, Neopaganen, Hare-Krishna-Jüngern und anderen heidnischen, deistischen und atheistischen Strömungen, und zwar nicht als Missionare, sondern bestenfalls als Mitläufer. Sodann unterstützt Ihr gewaltsames Vorgehen gegen den Staat. Sollte einer von Euch jetzt denken „Aber Stauffenberg…“, so kommt halt noch Stolz und Hochmut dazu. Im übrigen verweise ich auf Römer 13,1-7.

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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