Wie mir die Lust an der Meinungsäußerung verging

Dumm, niederträchtig, böse, menschenverachtend, demokratiefeindlich, selbstverliebt, arrogant. Selbstverliebtes Geschreibsel. Du in deiner Zuckerwattewelt.

Das sind nur einige der Anwürfe gegen mich aus den letzten zwei Wochen. Ich finde das grundsätzlich nicht schlimm; wir haben freie Meinungsäußerung, und wenn jemand meint, ich sei so, darf er das sagen (wobei mich eine Äußerung wirklich getroffen hat, weil sie von einer Person kam, die ich bis dahin als Freundin angesehen hatte, und zwar ungeachtet zuweilen erheblicher politischer Differenzen).

Ich werde dennoch das Recht auf freie Meinungsäußerung künftig weniger in Anspruch nehmen, oder vielmehr in weniger Angelegenheiten. „Gott ist gut, Kunst ist schön, Eichhörnchen sind niedlich“ werde ich weiter postulieren, aber „Verantwortungslosigkeit ist schlecht, Erstickungstod gilt es zu vermeiden“ eher nicht. Grund hierfür ist, daß ich keinen Sinn mehr darin sehe. Aus mir unbegreiflichen Gründen führen solche Aussagen nämlich zu heftigem Streit. Zudem glaube ich nicht, daß irgendjemand sich ausgerechnet durch meine Mahnung davon abhalten lässt, Corona oder irgendetwas anderes Schlechtes munter in der Welt zu verbreiten, wenn ihm gerade danach ist.

Allerdings werde ich Äußerungen, die mir nicht passen, hier auch nicht mehr zulassen. Das heißt: ich werde nicht mehr unter allen Artikeln eine Kommentarfunktion haben und auch dort, wo es eine gibt, diese erheblich einschränken. Falls jemand das als „Zensur“ bezeichnet: Ist es nicht. Zensieren kann ein Staat, und ich bin kein Staat. Ich bin nur einfach ich und habe keinen Bock auf blöde Streitereien. Auch nicht auf mir unangenehme Äußerungen. Beides gibt es auch außerhalb meines Blogs übergenug, da muss ich sie hier nicht auch noch über mich ergehen lassen. Mein Blog ist keine asketische Übung.

Hugh, ich habe gebloggt.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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