Ein harter Arbeitstag

… war heute, obwohl er nur recht kurz war.

Mein Job – Kirche, Büros und Sozialräume auf einem Friedhof putzen – ist schön, ich mache das wirklich gerne. Ich habe auch kein Problem mit Särgen – die ich selbstverständlich ab und zu sehe. Aber heute habe ich etwas gesehen, das mich wirklich mitnimmt.

Zu früh

In einem kleinen Raum, schwarzweiß gefliest,
in einer Ecke eine Blumensäule,
in einer Reihe an der Wand vier Stühle.
Auf einem Stuhl ruht eine weiße Schachtel
mit einem Rand aus schwarz- und goldner Borte,
nicht größer als für Kinderschuhe.

Schuhe

hat dieses Kind im Leben nie gebraucht.

Auf dem Heimweg sah ich ein junges Paar mit einem rosigen, knuddeligen Baby in einer Babytrage. Ich musste es einfach anschauen, so süß, so gesund und lebendig. Und die Eltern so glücklich.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter KATHOLONIEN, LITERATUR, WELTLICHES abgelegt und mit , , , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Ein harter Arbeitstag

  1. meckiheidi schreibt:

    Mir kamen sofort die Tränen. Danke für diesen Beitrag.

  2. Gertraude Vymetal schreibt:

    Das erinnert mich an das Begräbnis unserer jüngsten Schwester. Der winzige Sarg stand auf einem Regal in der Aufbahrungshalle. Ein Friedhofsbediensteter nahm den Sarg in die Arme. Dann gingen wir, Vater, Großmutter, und wir drei Kinder, mit zum Grab. An die Gebete des Pfarrers kann ich mich nicht erinnern. Eingebrannt hat sich der winzige Sarg, in dem unsere Schwester Angelika lag, die wir nie kennengelernt hatten.

  3. Susann schreibt:

    Wenn wir mit unserer vierjährigen Tochter über den Friedhof gehen und an der Ecke mit den Kindergräbern vorbeigehen – gestorben am Tag der Geburt, im ersten Monat, in den ersten Monaten, mit einem Jahr, mit zwei…es bricht einem das Herz. Wir, mit unserem gesunden, lebhaften, rundum gut versorgtem Kind, das so viel Raum im Leben einnimmt, und dann die Eltern dieser Kinder, die das nie mit diesen Kindern erleben durften….
    Und gleichzeitig ein Memento Mori.

  4. akinom schreibt:

    Ich denke dabei besonders an all die Kinder, die gar nicht mehr erst geboren werden dürfen und wünsche mir Kinder- und Menschenrechte für Ungeborene! Meine jüngste Tochter, Mutter von vier Söhnen hat ihr 5. Kind im Mutterleib verloren. Im Garten unter einem Apfelbäumchen brennt oft auf einem Stein ein Kerzchen im Gedenken an dieses Kind. Der kleine Thilo ist ganz stolz, dass er nicht mehr das jüngste Familienmitglied ist.

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