Wenn ich an Kaffee denke

Gestern stellte ich meine Übersetzung des Chorals „O store Gud“ vor – O großer Gott vor. Heute, eingedenk eines weiteren, dort nicht bedachten Teils der Schöpfung, folgt meine Parodie. (Wenn ich meine Übersetzung des Werkes eines anderen Dichters parodiere, wen parodiere ich dann eigentlich? Mich oder ihn? Beide?)

O großer Gott, wenn ich an Kaffee denke,
Den Du geschaffen hast durch Allmachtswort,
Auf daß er morgens unsre Hirne tränke,
Uns helfe auf zu gutem Werk und Wort,
Dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

Er kam aus Morgenlandes bunten Weiten,
Und wird in neuen Welten angebaut,
Und die ihn kundig rösten und bereiten,
Hab stets voll Dankbarkeit ich angeschaut.
Dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

Du gibst uns Menschen Kaffee zum Erwachen,
Du gibst uns Kaffee zur Geselligkeit.
Du gibst Talent und Fleiß zum Kaffeemachen.
Dir sei ein kaffeevolles Lob bereit!
Dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

© Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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13 Antworten zu Wenn ich an Kaffee denke

  1. akinom schreibt:

    Bei der Erschaffung der Kaffeebohne hat der Herr sicher an Sie gedacht, Frau Sperlich! Mein Rat: Fasten Sie auf keinen Fall das Kaffeetrinken! Die Österliche Bußzeit ist dazu da, das zu tun und nicht zu lassen, was einem wirklich gut tut!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich denke nicht mal daran. Die Folgen von Kaffeefasten sind bei mir 1. meine eigene Unausstehlichkeit, 2. die von mir wahrgenommene Unausstehlichkeit der Welt.

  2. theomix schreibt:

    Der HERR ist mein Barista,
    mir wird nichts mangeln.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Er läßt mich lagern auf grünen Sofas,
      Er führt mich zum Ruheplatz im Café.

      • theomix schreibt:

        Er erquicket Leib und Seele,
        er führet mich zur richt’gen Tasse um seiner Crema willen.
        Und ob ich schon wanderte im Tal der Entbehrung,
        fürchte ich kein Unglück,
        denn du bist bei mir.

  3. gerd schreibt:

    Kaffee-Kantate von J.S. Bach

    Aria, Sopran

    „Ei! wie schmeckt der Coffee süße,
    Lieblicher als tausend Küsse,
    Milder als Muskatenwein.

    Coffee, Coffee muss ich haben,
    Und wenn jemand mich will laben,
    Ach, so schenkt mir Coffee ein!“

  4. Johann Hillermann schreibt:

    Liebe Frau Sperlich, wenn ich mich richtig erinnere, gibt es doch auch schon ein Sonett von Ihnen zu dem Thema. Wo finde ich das?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ein Sonett ist es nicht, dafür leicht polytheistisch:

      Auf Erden wenig kommt dem Kaffee gleich!
      Ich trink ihn morgens, mittags, abends und im Dunkel
      der Nacht, er macht die Sinne wach und reich,
      er spiegelt Sonnenschein und blitzt im Sterngefunkel.

      Du höchste Zier der besten Kuchentafel,
      du übertriffst die Kekse und die Torten,
      du machst Konversation aus dem Geschwafel,
      verleihst Kultur auch den banalsten Worten!

      Du wirst kredenzt in jeder Qualität
      in mannigfaltger Zubereitungsweise,
      in leichtem oder schwererem Gerät,
      im Hause, im Bureau und auf der Reise.

      Du machst das Leben angenehm und frisch
      und ohne dich kaum Arbeit möglich wäre.
      Dich stellen Hausfraun auf den Frühstückstisch
      und Sekretärinnen auf Sekretäre.

      Göttin Coffea, höre mein Gebet,
      laß niemals ab, in meinen Hals zu laufen!
      Gern will die Dichterin, die zu dir fleht,
      Göttin, für dich ihr Honorar versaufen.

      ***

      Und dann wäre da noch aus meiner Studienzeit

      Kaffee für Theologen

      Bittres schwarzes Elixier,
      Schlafes Scheucher, Ruhestörer,
      Liebestrank und Nervenbier,
      jeder Kuchentafel Zier,
      duftend heißer Herzbetörer!

      Böte jemand Geld und Land,
      daß ich soll den Kaffee meiden,
      böt er mir dazu die Hand,
      Haus und Hof und Adelsstand,
      würd ich höhnend von ihm scheiden.

      Wüßt ich alles auf der Welt,
      könnte nur nicht Kaffee brühen,
      gäb den Armen all mein Geld,
      stürb ich gar als Glaubensheld,
      wärn vergeblich meine Mühen.

      Kaffeetrinken macht uns gut,
      macht uns sittsam und bescheiden,
      Kaffee gibt uns frischen Mut,
      Kaffee heilt das böse Blut,
      macht uns standhaft, lindert Leiden.

      Asta, Mensa, Bafög – die
      werden alle einst vergehen,
      Griechisch auch und Liturgie,
      Kirchenrecht, Philosophie –
      nur der Kaffee bleibt bestehen.

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