Zeit, für die Schöpfung zu danken!

So ein schöner Frühlingstag geht zu Ende! Zum Dank für diese schöne Zeit mache ich eine Übersetzung öffentlich.
Carl Boberg (1859-1940) war ein schwedischer Dichter, dessen berühmtestes Werk, „O store Gud“ (O großer Gott) zu seinen Lebzeiten mehrmals ins Deutsche, dann ins Russische und ins Englische übertragen wurde. Die deutschen Übertragungen sind allerdings mangelhaft; die eine hat vier, die andere fünf Strophen – das Original hat neun. Die englische Übersetzung „How great Thou art“ ist bis heute sehr bekannt. Hier eine Interpretation von Alan Jackson:

Und hier nun meine sehr texttreue Übersetzung des Originals. Merke: Ich kann kein Schwedisch. Aber die Sprache ist erstaunlich nah am Deutschen. Mit einem Wörterbuch geht es; es ist nicht das erste Mal, daß ich aus dem Schwedischen übertrage.

1. O großer Gott, wenn ich die Welt betrachte,
die Du geschaffen hast durch Allmachtswort,
da Lebens Fäden webt die Weisheit sachte
und jedes Wesen nährt an seinem Ort,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

2. Schau ich nach oben in die Himmelsweiten,
das goldne Weltschiff pflügt das blaue All,
und Mond und Sonne messen unsre Zeiten
und wechseln ab zu ihrer Glocken Schall,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

3. Hör ich den Sturm mit Donnerstimme hallen,
wenn Blitzes Klinge aus der Wolke schnellt,
wenn Tropfen quellen, frische Schauer fallen,
des Bundes Bogen meinen Blick erhellt,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

4. Wenn Sommerwinde über Felder schwingen,
wenn Blumen duften an der Quelle Strand,
wenn in dem grünen Zelt die Drosseln singen
an Kiefernwaldes stillem dunklem Rand,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

5. Wenn mich die Bibel lässt die Wunder schauen,
die unser Herr gewirkt seit Adams Zeit,
und wie ich auf die Gnade kann vertrauen,
und wie Er hilft aus Lebens Sünd‘ und Streit,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

6. Hör ich in ihrer Torheit Nebel Toren
verleugnen Gott und höhnen, was Er spricht,
und sehe doch, Er gibt sie nicht verloren,
und Seine Macht und Gnade lässt sie nicht,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

7. Und seh ich Gottes Sohn auf Erden leben
und Gutes tun und helfen allen gern,
und seh den Satan flieh’n, den Tod erbeben
vor dem gekreuzigten, verklärten Herrn,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

8. Fall ich, bedrückt von Schuld und Sünde, nieder
vor Ihm und bitte, dass Er mich befreit,
führt Er auf guten Weg die Seele wieder
erlöst mich ganz von Sünde und von Streit,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Wie groß bist Du, wie groß bist Du!

9. Wenn einst die Hüllen aller Zeiten fallen
und ich darf schauen, was ich glaube nun,
wenn meinem Geist wird hell die Glocke schallen,
wenn er erlöst in Ewigkeit darf ruhn,
dann jubelt Dir, mein Gott, die Seele zu:
Dank sei Dir, Herr! Wie groß bist Du!

© der Übersetzung: Claudia Sperlich

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Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Zeit, für die Schöpfung zu danken!

  1. Pingback: Wenn ich an Kaffee denke | Katholisch? Logisch!

  2. akinom schreibt:

    Das Gedicht wünsche ich mir als Transparent bei Greta Thunbergs und „Fridays for Future“. Bei dieser Bewegung graust es mir. Mir scheint, sie ist ein Kindesmissbrauch des Staates und späte Frucht der `68er. Folgt sie nicht einem „Rattenfäner von Hameln“ ?

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