Gottes Ansprüche sind hoch

Der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer hat kürzlich gesagt, der bedauerliche Mitgliederschwund der Kirche liege an den hohen moralischen Ansprüchen der Kirche. Und daran, daß Frauen nicht Priester werden können. Und natürlich am Mißbrauchsskandal.

Die Mißbräuche sind, kein Zweifel, ein Schandfleck, und Ehrlichkeit, Aufarbeitung und Prävention sind dringend vonnöten. Nur sind sie nicht das Wesen der Kirche, und auch nicht das Wesen des Zölibats. Sie sind die Folge von kranker, suchthafter Macht- und Sexgier (kommt in allen Gesellschaftsschichten und Berufszweigen vor) und von mangelhafter Katechese, mangelhaftem Glaubensleben, mangelhafter Gebetspraxis, mangelhafter Disziplin. Man möge mir doch nicht erzählen, ein Priester, der fest von der Wahrheit Jesu Christi überzeugt ist und täglich mit Innigkeit sein Stundenbuch benutzt, wird zu einem verlogenen Monster, das jahrelang Schutzbefohlene verführt und mißbraucht. Es mag sein, daß ein frommer Priester sich irgendwann in einer schwachen Stunde mit seiner ebenso schwachen Haushälterin im Bette findet, oder auch mit einem Seminaristen. Aber daß er (also: der nicht scheinheilige, sondern wirklich fromme Priester) dann nicht bereut, beichtet und an sich arbeitet, um die Versuchung zu meiden oder zu bekämpfen – daß ein solcher Mann sich stattdessen fortgesetzt und auch noch an Schutzbefohlenen vergeht, das glaube ich nicht. Die Pfaffen, die kleine Kinder kaputtgemacht haben, haben es doch lange vorher an geistlichem Leben fehlen lassen (auch wenn es vielleicht keiner gemerkt hat).

Und nein, Frauen können nicht Priester werden. Ich würde jetzt gerne sagen „Ich war ja auch mal jung und dumm und habe gedacht, das ginge“ – aber der Herr Generalvikar ist nicht jung, und über seine intellektuellen Fähigkeiten steht mir kein Urteil zu. Zum Thema „Priesterweihe“ habe ich auf meinem alten Blog geschrieben.

Sicher treten auch Leute aus der Kirche aus, weil sie die Anforderungen übertrieben finden. Die meisten Austritte geschehen aber deshalb, weil Leute nicht glauben, was die Kirche lehrt und was in der Bibel steht. Das wiederum liegt sehr oft nicht daran, daß die Leute zu blöd sind, es zu begreifen, sondern daran, daß die Kirche (einschließlich Religionslehrer) versucht, die tiefen Wahrheiten und hohen Moralansprüche wie Zuckerwatte aussehen zu lassen. Kein Mensch mag Zuckerwatte im Übermaß. Menschen (Kinder, Jugendliche und Erwachsene, um genau zu sein) suchen Klarheit. Wenn die Kirche ihnen die kristallen klare und harte Wahrheit Jesu Christi in rosa Zuckerwatte verpackt bis zur Unkenntlichkeit, dann werden sie sich ihre Kristalle im Esoterikschuppen kaufen. Dabei ist es gar nicht so schwer, ihnen die Schönheit des Evangeliums und der Kirche nahezubringen. Schauen Sie doch mal, wovon die erfolgreichsten Bücher und Filme handeln – von Heldentum, Opfermut und Leidensfähigkeit. Man kann also Menschen dafür begeistern, ihre eigenen Triebe zu beherrschen (damit meine ich nicht nur und nicht einmal an erster Stelle den Sexualtrieb) und sich bis über die eigenen Grenzen hinaus einzusetzen für Wahrheit und Gerechtigkeit. Selbst so zu sein und andere dafür zu begeistern ist übrigens Aufgabe aller Christen, zumindest ab Firmung, aber ganz besonders ist es die Aufgabe der Hirten.

Kurz gesagt, die Kirchenaustritte kommen nicht vom überzogenen Moralanspruch der Kirche – sondern von der Verwässerung kirchlicher Moral. In einen Klub, der sich an seine eigenen Regeln nicht hält, würde ich auch nicht eintreten.

Kirchenaustritte sind für den Herrn Generalvikar „bedrohlich, weil unser Bistum so abhängig von der Kirchensteuer ist.“
Ach daher weht der Wind? Kirchenaustritte sind nicht etwa bedrohlich für die Seelen derer, die die Kirche verlassen, und ein Jammer ebenso wie eine klare Aufgabe zur Mission, sondern einfach blöd, weil die Ortskirche dann weniger Geld hat? Und die Ortskirche – Kirche! Braut Christi! – fühlt sich von ein bißchen Armut bedroht? In den meisten Ländern ist die Kirche wirklich arm. Bedroht ist die Kirche natürlich überall vom Satan, das weiß sie auch, aber sie hat ja einen Bräutigam, der stärker ist und ganz eindeutig versprochen hat, daß die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden. Übrigens steht Satan eher im Ruf, mit irdischem Reichtum zu locken. Wenn also die Kirche in Deutschland materiell arm wird, liegt es wohl nicht an ihm.

Die Moralansprüche der Kirche sind so hoch, weil Gott uns nichts Geringeres zumutet. Er ist der Auffassung, wir verdienen es, ernstgenommen zu werden. Er hält uns für fähig, Härten durchzustehen. Er will nicht, daß wir verwöhnte Sandkastenkinder sind, denen noch der dümmste Wunsch sofort erfüllt wird, sondern daß wir die ewige Seligkeit erlangen. Er hat uns die Kirche zur Mutter gegeben und die Sakramente als Hilfsmittel geschenkt – weil Kirche und Sakramente heilsnotwendig sind. Er umgibt uns im Übrigen in diesem schwierigen Leben mit unfassbar viel Schönheit und Liebe.

Da wird man sich ja wohl mal an ein paar simple Regeln halten können.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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21 Antworten zu Gottes Ansprüche sind hoch

  1. akinom schreibt:

    „Ich weiß, dass die Mühlen Roms langsam mahlen und kann 3 Monate abwarten – nicht für die konkrete Aufklärung konkreter Missbrauchsfälle (um die es wohl nicht geht), sondern um die Verabschiedung genereller Leitlinien für die ganze Weltkirche. Das würde dann verhindern, dass jede Bischofskonferenz ihr eigenes Süppchen kocht.“ Das steht in einem Kommentar von mir als Reaktion auf den letzten Blogbeitrag des PAPSTTREUEN.

    Wir sind Salz (und Pfeffer) der Erde und dürfen unseren Geschmack nicht verlieren. Von Zückerchen ist nicht die Rede und nicht vom Verkauf der Lehre des Evangeliums zum Schnäppchenpreis!

    Schon lange bin ich froh, dass ich Nachfolgerin von Bischof Genn bin und ihm von Essen ins Bistum Münster nachgefolgt bin, obwohl er sich dort mit dem ZdK herumschlagen muss.

    Ich kann nur ganz dick unterstreichen und mit Ausrufungszeichen versehen, was dieser Blogbeitrag aussagt und darauf vertrauen, dass Papst Franziskus verhindert, dass jeder sein eigenes Süppchen kocht. Pfui Teufel!

  2. gerd schreibt:

    Das einzige, was mich noch als zahlendes (!) Mitlied in der katholischen Kirche hält, ist die Gewissheit, dass der ganze Mist nicht von mir zu verantworten ist, sondern den (Haupt) Verantwortlichen in der Verkündigung spätestens beim persönlichen und letzten Gericht vor den Latz geknallt wird. Und das mit aller Konsequenz. Bei allen Analysen, wie z.B. die von Klaus Pfeffer, die höchstens noch langweilig und nichtssagend sind, fehlt vollkommen der Bezug zum Stifter der Kirche, der ja, man lese und staune davon gesprochen hat, dass „sein Joch nicht drückt und seine Last leicht zu tragen ist.“ Natürlich nur wenn wir als Katholiken eng mit dem Herrn verbunden sind, z.B. im täglichen Gebet. Von „hohen moralischen Ansprüchen“ ist im Evangelium nie die Rede. Jesus fordert allerdings Konsequenz für die Menschen die in seine Nachfolge treten wollen. „Niemand der die Hand an den Flug legt und zurück schaut, taugt für das Reich Gottes!“ Das jämmerliche Bild der Kirche resultiert auch aus der Tatsache, dass die Bischöfe ihren Pflug längst verlassen haben. Statt dessen arbeiten sie auf dem Feld der Soziologie, des Umweltschutzes und der Migranten. Kardinal Woelke ist ein Fan der „Toten Hosen!“, las ich kürlich in der Rheinischen Post. Na denn, der Name der Band ist momentan Programm der katholischen Kirche aus der Sicht der Bischöfe. Was sagt der Herr zu diesem „Theater“?
    „Lasst die Toten ihre Toten begraben.“ Dem sollte man nichts mehr hinzufügen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das halte ich für einen vollkommen überzogenen Kommentar. Jesus hat sehr klare Vorgaben gemacht: Nächsten- und Feindesliebe bis zum Äußersten, absolute Ehetreue, absolute Treue zu Gott. Daraus ergibt sich durchaus eine moralische Forderung. Sodann ist es absolut unzulässig, verallgemeindernd von „den Bischöfen“ zu sprechen, auch wenn man nur die jetzt lebenden meint. Ach, und sollte Du der Ansicht sein, Migranten gehören nicht zu unseren Nächsten? – Selbst bin ich kein Fan von Popmusik, aber am Musikgeschmack eines Kardinals irgendetwas festzumachen, finde ich – nun ja, absonderlich.
      Also bitte, bei allem Kummer über den derzeitigen Zustand der Kirche, aufm Teppich bleiben. Sachlich bleiben. Danke.

  3. gerd schreibt:

    „Ich will nicht ins Paradies, wenn der Weg dorthin so schwierig ist, wenn ich nicht rein darf wie ich bin, bleib‘ ich meinetwegen hier.“
    Die toten Hosen

    Das kann man gut finden sollte man als Katholik oder Kardinal zumindest überdenken, bevor man sich als Fan outet. Wie man das „sachlich“ und „auf dem Teppich bleibend“ kommentieren soll finde ich, nun ja, absonderlich schwierig. Zumindest der Kardinal müsste wissen, dass man keine Wahl hat „hierzubleiben“!
    Was genau meinen Sie mit der Frage: „Ach, und solltest Du der Ansicht sein, Migranten gehören nicht zu unseren Nächsten?“
    Zum besseren Verständnis: Meine Frau steht mir näher als meine Nachbarin. Es gibt verschiedene Stufen der Nächstenliebe. Ich kann Frau Sperlich ja nicht genauso lieben wie meine Frau. Das wäre absonderlich. Nun denn, der Kurs der Bischöfe in der Migrantenfrage ist eindeutig: (Kurzfassung) Wir haben alle Migranten zu lieben wie unseren Nächsten. Da werden sogar Zusammenhänge konstruiert, die mit der angeblich fehlenden Nächstenliebe hierzulande und dem Ertrinken von Flüchtlingen in Verbindung gebracht werden. Wenig Sachlichkeit, dafür viel durch übertriebenes Gefühl, übertriebene Sentimentalität bestimmtes Denken, oder Verhalten. Gefühlsduselei halt.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ja, es gibt „verschiedene Stufen der Nächstenliebe“. Und ich bemerke, daß es Ihnen beliebt, Migranten pauschal auf die fernsten Stufen zu setzen. Das ist im Prinzip nicht besser und nicht schlechter als die zugegebenerweise unsachliche Methode, sie alle unterschiedslos gern haben zu wollen.

      Aber eigentlich geht es mir hier weder um Musikgeschmack noch um Migranten aller Art, sondern um das, was ich oben geschrieben habe.

      • gerd schreibt:

        “ In einen Klub, der sich an seine eigenen Regeln nicht hält, würde ich auch nicht eintreten.“

        Das haben Sie, kurz gesagt, geschrieben und das sinngemäß auf die kathlolische Kirche angewendet. Da sind wir einer Meinung. (in allem anderen übrigens auch) Den Unterschied zwischen „gern haben wollen“ und „Nächstenliebe“ ist uns wohl beiden bekannt. Dass ich Migranten oder Flüchtlinge pauschal auf die fernste Stufe setze, entnehmen sie aus meinem Kommentar wo genau her? Es geht mir auch nicht um Musikgeschmack sondern die Song-Texte die eine Gruppe in ihren Auftritten, den meist Jugendlichen Zuhörern um die Ohren haut, die diese dann johlend als Lebensmotto annehmen.

        • akinom schreibt:

          Sicher kennt die Bloggerin Kardinal Woelki besser als Sie und nimmt deshalb auch nicht Anstoß an dem Splitter in seinem Auge betreffend einem Liedtext, der nicht aus seiner Feder stammt. Anders ist das bei den Worten Generalvikars Pfeffer, die schaudern lassen und und hoffen auf Klartext bei der Antwort seines Bischofs Overbeck. Nehmen wir dies ins Gebet und freuen uns über den Klartext des Blogbeitrags von Claudia Sperlich!

    • Herr S. schreibt:

      Wie Nächstenliebe geschieht, zeigt uns der Herr im Gleichnis vom barmherzigen Samariter, der dem gläubigen Juden zunächst einmal per se eben nicht so nahestand wie ein jüdischer Glaubensgenosse.

      Trotzdem muss am Ende des Gleichnisses auf des Herrn Frage selbst der rechtgläubiger jüdische Gesetzeslehrer (widerwillig?) eben diesen Samariter als den dem Opfer der Räuber Nächststehenden bezeichnen. Warum? Weil der Samariter dem Verbrechensopfer Barmherzigkeit angedeihen ließ.

      Er TAT also etwas Richtiges im Gegensatz zu den anderen sogar Glaubensgenossen des Opfers.

      Durch das TUN von Gottes Willen – hier: einem Hilfsbedürftigen helfen – wurde zum einen das Verbrechensopfer zum liebenswerten Nächsten des Samariters und ebenso umgekehrt der Samariter zum Nächsten dieses Opfers, der fortan von diesem zu lieben ist!

      Der Herr gebietet dem Gesetzeslehrer, fortan ebenso zu handeln wie der Samariter im Gleichnis – und da sind auch wir alle angesprochen – auch u.a. in unserem Verhalten gegenüber Flüchtlingen in unserem Land, Gerd.

      • gerd schreibt:

        Das Gleichniss vom Samariter hilft nur bedingt, wenn es um die Problematik unkontrollierter Einwanderungen von Flüchtlingen und Migranten in unserem Land geht. Aus dem Gleichnis geht auch nicht hervor, wie wir uns gegenüber Gästen verhalten sollen, die es nicht gut mit ihren Gastgebern meinen.

      • Herr S. schreibt:

        Es geht mir nicht um Pauschalisierungen bzgl. Flüchtlingen. Aber genauso wie ein Migrant hier kriminell werden kann, können auch andere Migranten sich vielleicht als Nächste erweisen gegenüber uns Einheimischen.
        DAS lehrt uns das Gleichnis des Herrn. Voraussetzung ist allerdings auch eine gewisse Offenheit dafür und ein Vertrauensvorschuss.

        • gerd schreibt:

          „Es geht mir nicht um Pauschalisierungen bzgl. Flüchtlingen.“

          Da bin ich ganz bei ihnen. Aber ihre Schlussfolgerung, dass zwischen kriminellen Migranten auch andere sein könnten hilft nun wirklich nicht weiter. Wenn Migranten oder Flüchtlinge mit gestohlenen LKWs in Weihnachtsmärkte rasen, oder Massenvergewaltigungen veranstalten, hält sich meine Nächstenliebe ihnen gegenüber in Grenzen. Auch da hilft das Gleichnis vom barmherzigen Samariter nicht weiter.

        • Herr S. schreibt:

          Oh doch, Gerd. Solche Migranten entsprechen dann den Räubern in besagtem Gleichnis.

          NIEMAND, auch nicht der Herr, fordert dazu auf diese zu lieben wie sich selbst.

          Die Feindesliebe zu der der Herr aufruft, ist m.E. etwas anderes: Hier geht es darum, für die Feinde zu beten, damit sie im besten Fall ihr verderbliches Tun erkennen und zu Gott umkehren können.
          Übrigens nicht negativ paudchalieren: Es war EIN Attentäter Anis Amri, der in EINEN Weihnachtsmarkt fuhr und dort allerdings viele tötete und verletzte.

  4. Pingback: 2018-11-17 | Mitgliederschwund der Kirche wegen zu hoher moralischer Ansprüche der Kirche? | Gebetsgruppe St. Josef, Aachen

  5. gerd schreibt:

    Wir können gerne hoffen auf Klartexte der Bischöfe. Die Hoffnung stirbt ja bekanntlich als Letztes. Auf einen Klartext von Bischof Overbeck werden wir allerdings vergeblich hoffen. Das würde nämlich bedeuten, dass er seinen Generalvikar aus dem Amt befördern müsste. Die Forderung nach der Priesterweihe für Frauen ist streng genommen eine Häresie. Nach Paulus sind solche „Lehrer“ aus der Gemeinschaft zu entfernen, damit sie nicht noch größeren Schaden anrichten können. Und zwar unverzüglich. Das wird jedoch mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht passieren. Und so wird ein Herr Pfeffer weiter Irrlehren verbreiten, die Gläubigen verunsichern und den desolaten Zustand der katholischen Kirche in Deutschland festigen. Genau die Verhältnisse die Frau Sperlich, in ihrem Artikel beklagt. Dass wir diese Zustände als Gläubige nur im Gebet aushalten können, sollte eine Binsenwahrheit sein.

  6. Susann schreibt:

    Ich glaube, dass Leute, die aus Mangel an Glauben aus der Kirche austreten, egal, wie man die Glaubenslehren der Kirche verpackt. Mir als Ausgetretener wäre völlig Banane gewesen, ob man das Ganze eher zuckerig-lieb oder mehr auf der „Opfermut und Leidensfähigkeits“-Schiene zu verkaufen versucht hätte. Wer nicht daran glaubt, dass Jesus der Sohn Gottes ist etc. etc. (s. Glaubensbekenntnis), wer die christliche Theologie bestenfalls für Gedöns hält, oder für völlig absurd, der ist sowieso nicht zu halten (und im Prinzip noch wesentlich ehrlicher als jemand, der das Ganze EBENSO für Gedöns hält, sich aber die Option auf eine schöne Hochzeitsmesse oder Kindstaufe offen halten möchte).
    Die Kirchenaustritte kommen meines Erachtens nach von ehrlicher Empörung über die Scheinheiligkeit mancher Würdenträger (jeder Skandal = kleine Kirchenaustrittswelle), von Kirchensteuerersparnisgründen oder von Desinteresse an den Inhalten und mangelnder Bindung an die Gemeinde.
    Ich fand Benedict XVI. immer ganz visionär, aber besonders klarsichtig schien er mir immer, wenn er davon sprach, dass sich die Kirche vom Privileg der staatlich abgesicherten Volkskirche verabschieden müsse und sich auf den harten Kern echter Gläubiger zurückziehen müsse. Ich glaube mehr denn je, dass das die Zukunft der katholischen Kirche im Westen sein wird – ein absolutes Minderheitenprogramm. Nach einer, zwei oder drei Generationen ohne religiöses Verständnis und gelebte Religiosität bei Eltern und Erziehern ist doch bei den meisten das Fundament weg, das Menschen befähigen würde, zu glauben.

    • gerd schreibt:

      „Ich glaube mehr denn je, dass das die Zukunft der katholischen Kirche im Westen sein wird – ein absolutes Minderheitenprogramm.“

      Richtig. Mit dem Hinweis, dass die Zukunft schon die Gegenwart ist. Ohne die Gabe der Prophetie für mich zu beanspruchen: Es wird die Diakonatsweihe für Frauen geben. Das Zölibat als Zulassungsbedingung für die Priesterweihe wird fallen.
      Laut Bischof Genn, werden vorkonziliare „Typen“ nicht mehr zu Priestern geweiht. Häresien werden weiter um sich greifen. So verkündet unser Pfarrer in seiner Predigt. „Ein andächtig geschlagenes Kreuzzeichen ersetzt den Sonntagsgottesdienst.“ Sein Vorgänger hält „die Hölle für irrrelevant und für getaufte Christen als nicht mehr existent.“
      Kein Bischof wird sich, auf unsere Nachfrage daran die Finger verbrennen wollen. Statt dessen stellen sie Flüchtlingsboote auf.

      • Susann schreibt:

        Ich glaube, mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, wenn ich vorhersage, dass alle diese Liberalisierungstendenzen nicht viel nützen werden, wenn das Ziel ist, eine gläubige, lebendige Gemeinde zu haben, die sich in ihrem Handeln deutlich vom Rest der Welt unterscheidet.
        Rod Dreher hat mit „The Benedict Option“ – glaube ich zumindest – einen vernünftigen Weg vorgeschlagen. Anpassung und Angleichung an das säkulare Umfeld bringt nichts, christliche Gemeinden müssen daran arbeiten, eine Gegenkultur auf christlicher Basis aufzubauen.

  7. gerd schreibt:

    Bischof Overbeck möchte die Sexualmoral „weiterentwickeln“. Er will, dass „Homosexuelle nicht weiter diskriminiert werden“.
    http://www.kath.net/news/65947
    So wie ich das sehe, ohne gleich vom Teppich zu fliegen: Er ist voll auf der Linie seines Generalvikars. Von hier aus ist keine Hilfe für die verunsicherten Gläubigen zu erwarten. Das war allerdings abzusehen.

  8. Carolina Bauer schreibt:

    Hallo, in die Runde!
    Ich habe eben diesen Artikel vom 25.5.2018 im Berliner Express gefunden. Was haltet Ihr davon?
    Ich bin doch sehr irritiert.

    http://berliner-express.com/2018/05/papst-franziskus-der-islam-hat-gewonnen/

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Auf diese infame Lüge antworte ich mit dem Titel meines Artikels: Gottes Ansprüche sind hoch. Ich ergänze: Sie sind höher, als ein verlogener Schmierfink sich ausmalen kann, der im Frühjahr eine Lüge über den Heiligen Vater in die Welt setzte, die jetzt schon großenteils vergessen ist.

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