Vier Tage im Kloster

Wieder einmal komme ich von einem Urlaub bei den Mägden Mariens in Wilhelmshorst. Vier Tage, an denen ich mit den Schwestern Stundengebet gebetet und Messe gefeiert habe, in völliger Ruhe (ohne Telephon und Internet) geschrieben und gelesen habe, und ein bißchen im Garten geholfen (d.h. massenhaft Laub geharkt) habe ich auch.
Mit Freude gelesen habe ich ein Buch, das ich neulich zum Dank für meinen Vortrag in der Arche Potsdam bekam: Robert Bellarmin, Ausführliche Erklärung des christlichen Glaubens, Echter Verlag 2013. Eine höchst empfehlenswerte Katechese!
Die Schwestern hatten sich sehr über den Vortrag gefreut und schenkten mir ein bibliophiles Büchlein aus dem Anhalt Archiv: Das Zerbster Prozessionsspiel. Ins Gegenwartsdeutsch übertragen und kommentiert von Hannes Lemke. – Auch das ist eine gute Lektüre, bebildert mit Photos des Originalmanuskripts und einer Aufführung unserer Tage. (Man sollte viel mehr Prozessionsspiele aufführen!)

Wie gewohnt, waren die Schwestern von großer Herzlichkeit. Die Novemberstimmung in dem großen Garten mit Buchen, Ahorn und einem schilfbestandenen Teich ist ganz eigentümlich schön; heute morgen war der Himmel über dem Teich ganz golden.

Das Gästezimmer ist still und hübsch, mit Blick auf den Garten, und ich habe dort vier Sonette geschrieben – drei davon sind Teil eines wachsenden Zyklus, den ich hier erst vorstellen werde, wenn er fertig ist. Eines ist eine Art Wunschzettel, und hierfür halte ich den Martinstag für passend. (Übrigens ist der Wunsch weder durch den ebenso würde- wie humorvollen alten Priester in Wilhelmshorst noch durch die Priester „meiner“ Großgemeinde angeregt. Aber es gibt halt noch andere.)

Katholischer Wunschzettel

Ich wünsche mir, daß unter allen Priestern,
Die mir begegnen, nicht ein einzger ist
Vom Typus „weichgespülter Modernist“!
(Ich habs nicht so mit ketzerischen Biestern.)

Ich halte ja, wie ihr vermutlich wisst,
Nicht viel von jenen Soziologisch-Tristen,
Die glauben, unsre Kirche auszumisten,
Doch trifft die Forke stets Herrn Jesus Christ.

Ich will, das Heilige die Botschaft künden,
Daß sie den Glauben logisch auch begründen
Und esoterisches Geschwafel meiden.

Ich will, daß sie die Geister unterscheiden,
Latein will ich und viel Gregorianik –
Und niemals NGL! Sonst krieg ich Panik.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Vier Tage im Kloster

  1. akinom schreibt:

    Mir persönlich sind solche lange nicht begegnet. Ich würde sie auch nicht ketzerische Biester nennen, sondern für sie beten. Gelernt habe ich, was NGL heißt. Es passt zum kölschen 11.11. 11 Uhr 11: „Wir kommen alle, alle in den Himmel, weil wir so brav sind!“ Auch der Karneval sollte sich wieder auf seine katholischen Wurzeln besinnen!

    • Claudia Sperlich schreibt:

      In Berlin gibt es ja alle Sorten: Von „katholischer als der Papst“ (selten) über „solide katholisch, lehramtstreu und fromm“ (in verschiedenen Spielarten, aber jedenfalls noch in der Minderheit) bis „allversöhnungspredigende Lehramtsverächter, die am liebsten eine protestantische transsexuelle Päpstin trauen würden“… letztere eben zum Glück nicht in meinem direkten Umkreis.

  2. akinom schreibt:

    Eben sah ich, dass Kardinal Paul Josef Cordes einen Kommentar zu Ihrem „Katholischen Wunschzettel“ geschrieben hat. Unter dem Titel „Laien als Pseudo-Priester? – Fragwürdige neue Dienstmodelle“ veröffentlichte er unter der Bestellnummer 00090 ein Büchlein mit 56 Seiten, das im Fe-Medienverlag zum Preis von 2 Euro erschienen ist. Er hat darin Stellung bezogen zu dem dramatischen Einbruch, den das Priesteramt in den letzten 20 Jahren erlitten hat. Die neuen Dienstmodelle, die einige Bistümer anbieten, um den Priestermangel wettzumachen, unterzieht er einer notwendigen theologischen Prüfung.

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