… Sie lassen sich auf der Seite der Diözese Rottenburg-Stuttgart darüber aus, daß es doch eigentlich ganz, ganz schade ist, wenn zwei lesbische Nonnen nur standesamtlich heiraten dürfen und nicht kirchlich.
Und nein, das ist keine Satire. Sie finden das wirklich. Und die Diözese RoSt findet, Sie dürfen finden, in ihrem Namen und auf ihrer Seite. Da sagt also der Herr Raabe:
Zwei Nonnen, die 44jährige Federicia und die gleichaltrige Isabel – vor drei Jahren sind sie sich bei einer pastoralen Reise nähergekommen. Jetzt haben die beiden in Turin geheiratet, standesamtlich, versteht sich. Federicia sagt: „Wir wünschen uns von unserer Kirche, daß sie alle Menschen, die sich lieben, aufnimmt.“
Das wünsche ich mir auch. Klar, in der Kirche sind alle willkommen, egal welcher Orientierung. Aber mit der kirchlichen Trauung für Homosexuelle, da tut sie sich schwer, auch mit dem Segen für die Paare. Es fehlt an einem Ritus, mit dem die Kirche den homosexuellen Paaren sagt: „Es ist gut so, eure Liebe ist gut so. Ihr seid ein wichtiger Teil der Kirche.“
Ich hoffe nur, daß sich Federicia und Isabel nach dem Kloster nicht auch von der Kirche abwenden – von der Kirche, die zwar die Liebe predigt, ihre Vielfalt aber ausblendet. Aber vor allem wünsche ich mir, daß die beiden Verliebten sich nicht von Gott abwenden, denn Gottes Liebe ist größer als unser menschliches Klein-klein.
Ich kann nicht so gut Satiren schreiben, zumal die in aller Regel bei Veröffentlichung schon von der Wirklichkeit überholt sind. Dafür kann ich Klartext.
Und jetzt mal Klartext, Herr Eckhart Raabe:
Ich zweifle nicht daran, daß die beiden es ernst meinen. Daß sie sich lieben. Nur halte ich es, gleich wie lieb sie sich haben, für vollkommen falsch, daß sie miteinander Sex haben. Und das halte eben nicht bloß ich für falsch (dann wäre es nämlich egal), sondern das hält die Kirche für falsch.
Als Ordensleute haben die beiden Ehelosigkeit versprochen. Die hätten sie auch gebrochen, wenn sie Federico und Isabel hießen. Kein Grund zum Jubel, auch wenn die Kirche weiß, daß dergleichen immer mal wieder geschieht.
Die Kirche sagt, daß Federica und Isabel ein wichtiger Teil der Kirche sind – denn das sagt sie jedem Getauften. Man nennt das „Würde der Gotteskindschaft“. Sie hat beide in der Taufe aufgenommen, und sie bietet jedem, der sich von ihr entfernt – wie die beiden es gerade tun und wie jeder Sünder (also jeder) es immer mal wieder tut – immer wieder die Möglichkeit, wieder vollständig aufgenommen zu werden durch Beichte und Absolution.
Die katholische Billigung und gar Segnung homosexueller Partnerschaften „fehlt“ nicht, es gibt sie ganz einfach nicht. „Es gibt nicht“ und „es fehlt“ sind zwei verschiedene Dinge. Bunte Einhörner „fehlen“ nicht, sondern es gibt keine bunten Einhörner. Sie verstehen doch sicher den Unterschied?
Sehr deutlich ist das übrigens erläutert im Katechismus der Katholischen Kirche:
2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen
Geschlechtes hingezogen fühlen. Homosexualität tritt in verschiedenen Zeiten und
Kulturen in sehr wechselhaften Formen auf. Ihre psychische Entstehung ist noch
weitgehend ungeklärt. Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet [Vgl. Gen 19, 1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor 6,10; 1 Tim 1,10.], hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, „daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind“ (CDF, Erkl. „Persona humana“ 8). Sie verstoßen gegen das natürliche Gesetz, denn die Weitergabe des Lebens bleibt beim Geschlechtsakt ausgeschlossen. Sie entspringen nicht einer wahren affektiven und geschlechtlichen Ergänzungsbedürftigkeit. Sie sind in keinem Fall zu billigen.
2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen sind homosexuell veranlagt. Sie haben diese Veranlagung nicht selbst gewählt; für die meisten von ihnen stellt sie eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitleid und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Veranlagung erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.
2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich – vielleicht auch mit Hilfe einer selbstlosen Freundschaft -‚ durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.
Was Sie sich wünschen, Herr Raabe, ist, Gott sei Lob und Preis, völlig egal. Es geht nämlich nicht um Ihre Wünsche, auch nicht um meine – sondern um Gott. Und der hat es, wie man aus der Heiligen Schrift entnehmen kann, anders bestimmt. Der hat auch, wie man ebenfalls aus der Heiligen Schrift entnehmen kann, die Kirche begründet und versprochen, daß nicht einmal die Pforten der Hölle sie überwältigen werden. Viel weniger ein häretischer Theologe und zwei untreue Nünnekens.
Die Diözese RoSt kann übrigens froh sein, daß Tobias Klein bald heiratet.
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