In Köln und Berlin findet kommenden Samstag, 19. September 2026, der Marsch für das Leben statt. Auch ich werde wieder dabei sein – wieder im Leihrollstuhl, weil mein rechtes Knie lange Strecken wohl nie wieder schaffen wird. Das macht nichts, Radfahren kann ich weiterhin gut, und kurze Strecken notfalls an Krücken. Der Marsch für das Leben ist die einzige Gelegenheit, zu der ich mir einen Rollstuhl leihe (was problemlos und kostengünstig beim DRK geht).
Epileptiker, lahm und etwas spinnert – muss man so ein Leben eigentlich erhalten? Noch wird das nicht ganz öffentlich gefragt, aber insgeheim schon lange. Wäre die Gesellschaft bereits 1972 auf diesem Weg gewesen, hätte man meine Eltern vielleicht überredet, ihr komatöses Kind „abzuschalten“ – aus Gnade, weil es ja nur leiden wird. (Ja, ich habe nach dem Unfall lange gelitten. Nein, ich bedauere nicht, zu leben.)
Das Hauptaugenmerk des MfdL liegt auf der Abtreibung, und in der Tat sind die Zahlen fürchterlich: 105.710 Kinder wurden 2025 im Mutterleib getötet, davon 3940 aufgrund medizinischer Indikation und 85 aufgrund kriminologischer Indikation (Quelle), also 101.685 aus persönlichen Gründen, wie Angst vor Armut oder Überforderung, Druck von der Familie oder dem Partner, Angst um das Fortkommen in der Arbeit oder Ausbildung, zuweilen auch, weil dies Kind schlichtweg gerade nicht gewollt wurde. Meistens dürfte aber Angst der ausschlaggebende Grund für Abtreibung sein.
Wir leben in einer angstvollen Gesellschaft. Der Bundesverband für Lebensrecht ist ein Zusammenschluss deutscher Lebensrechtsorganisationen – hier eine Aufstellung der Mitglieder von Ärzte für das Leben bis Weißes Kreuz e.V., die dieser Angst eine Menge entgegensetzt: Praktische und finanzielle Hilfe für Schwangere in Not, Aufklärung, medizinische Hilfe für Schwangere, Ungeborene und Neugeborene (und alle anderen auch), Sympathie und Gebet.
In letzter Zeit wird auch auf Alte und Kranke zunehmend Druck ausgeübt mit unverblümten Angeboten zum Assistierten Suizid. Die Gesetzeslage (§217 StGB) lässt scheinbar jedem die Freiheit, seinem Leben ein Ende zu setzen und dabei Hilfe in Anspruch zu nehmen. „Jedem“ heißt aber: Auch jedem, der in seiner Entscheidungsfähigkeit aufgrund einer Erkrankung oder anderer Umstände gar nicht mehr frei sein kann. Depressionen und schwere Traumata können so zum Grund der assistierten Selbsttötung werden. Abgesehen davon ist nun die Tür offen für alle Verwandten, die einem alten oder kranken Menschen nicht wohlgesonnen sind und ihn so lange beeinflussen, bis er „entscheidet“, sich zu töten. Also: der reiche, ungeliebte und sterbenskranke Großvater oder die arme, persönlich schwierige und pflegebedürftige Tante will eigentlich gar nicht sterben, wird aber so lange plattgeschwätzt, bis der Sterbewunsch dann doch geäußert wird. Alles wird bereitgestellt, das tödliche Gift („Medikament“ genannt) wird bereitgestellt, es wird pro forma noch einmal gefragt, ob der Todeswunsch auch ganz sicher ist, und das Gift wird dargereicht – nur schlucken muss das arme Wesen selbst. Und das ist Entscheidungsfreiheit?
Der Möglichkeiten, einen Mensch zur vorgeburtlichen Kindstötung oder zur Beseitigung alter, kranker und unpraktischer Menschen zu beschwätzen, sind viele. Gegen jede davon und gegen den unverhohlenen Ableismus gehe bzw. rolle ich am Samstag auf die Straße. Ich freue mich darauf, denn neben dem ernsten Thema ist der MfdL auch immer ein Fest für das Leben, und ich feiere das Leben gern!
Der Herr des Lebens feiert übrigens auch mit.



