Espresso

Warum ich die Kaffeebohnen
direkt in den Topf tat,
noch nass vom Abwasch,
kann ich nicht sagen.
Doch daß die Handmühle
mit feuchten Bohnen bestückt
beim besten Willen nicht mahlt – 
das weiß ich nun.

Das Gute im Schlechten:
Beim Italiener sitzen
nach der Messe, der Kirche nah,
den doppelten Espresso
(so teuer war er nicht mal)
genüßlich trinken,
von Sonne beschienen
das Leben betrachten,
die Häuser und Bäume,
die Hildegardstraße,
die Menschen und Hunde 
(nicht allzu nah letztere,
und dito die Autos),
den blauen Himmel
und welkende Blätter
und reifende Ahornsamen
(auf Kindernasen zu kleben
wie trutzige Hörner) – 
die seltene Freude,
so schön und besonders,
erfüllt mich mit Dank.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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