Warum ich künftig vor Querdenkern fliehen werde

Bis vor kurzem dachte ich, es langt, einem querdenkenden und maskenverweigernden Gegenüber schlicht klarzumachen, daß ich mit ihm nicht diskutieren werde, und zwar gleich worüber. Der Mord an einem jungen Studenten in Idar-Oberstein zeigt mir, daß das nicht langt. Ich werde zumindest die Straßenseite wechseln, und zwar möglichst schnell.

Ganz kurz der Hergang: 49jähriger Mann kommt nachts ohne Maske in Tankstelle und will einen Sechserpack Bier. An der Kasse jobbender 20jähriger Student sagt, daß hier Maskenpflicht herrscht und er ihn nur bedient, wenn er eine Maske trägt. Mann geht. Bis hierher ist es noch erträglich. Jemand akzeptiert eine seit Monaten aus gutem Grund geltende Regel nicht, der Kontakt (hier: das Geschäft) wird abgebrochen. Mag der Mann ohne Sechserpack glücklich werden.

Dann kommt er wieder, mit Maske, die er sich direkt vor der Kasse abnimmt. Der Kassierer weist ihn nochmals darauf hin, daß er ohne Maske nicht bedient wird. Der Mann zieht eine Pistole und schießt den Kassierer aus nächster Nähe in den Kopf. Der Kassierer ist tot.

Der Querdenker hat also 1. eine Waffe zu Hause, 2. diese Waffe nach der Zurückweisung durch den Kassierer in der Absicht geholt, den Kassierer zu provizieren und dann totzuschießen.

Im Internet gibt es aus Querdenkerrichtung hämischen Applaus für die Tat.

Es ist mir vollständig egal, ob hier lesende oder mir künftig in die Quere kommende Querdenker tatsächlich gewalttätige Suffkes sind oder nicht. Denn ich kann es nicht sehen. Zu meiner Sicherheit werde ich es aber annehmen. Deshalb erscheint mir Flucht die sinnvollste Reaktion auf Querdenker. Diskussionen mit dieser Sorte sind ja offenbar lebensgefährlich.

Der Herr nehme den Studenten Alexander auf in Sein Reich. Er tröste die Eltern, Verwandten, Freunde des jungen Mannes. Er stehe auch dem Besitzer jener Tankstelle bei und allen, die von diesem Mord auf irgendeine Weise betroffen sind. Kommilitonen, Dozenten, Nachbarn, andere Jobber in Tankstellen… ein Mord betrifft immer viele Menschen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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2 Antworten zu Warum ich künftig vor Querdenkern fliehen werde

  1. Wolfram schreibt:

    Amen.

    Ich möchte allerdings zu bedenken geben, daß man nicht von einem Menschen auf alle schließen darf – von Adam abgesehen. Sonst wären wir alle Brudermörder oder würden schlafende Menschen mit Zeltnägeln durchbohren. Querdenker mögen verblendeter als andere sein, aber sie sind nicht SA und Rotfront.

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