Steile Mail und steile Kurve

Am 15. August erhielt ich eine gar verwunderliche Mail über das Kontaktformular meines Blogs. Ich habe lange überlegt, ob ich dem Autor oder der Autorin (das Geschlecht geht aus dem Schreiben nicht hervor) antworte. Nun will ich nicht, daß dieser Mensch meine Mailadresse bekommt. Aber ein so bemerkenswertes Schreiben verdient schon eine Reaktion. Also auf diesem Wege.

Sehr geehrte Frau Sperlich,
Sie behaupten gegen Abtreibung zu sein, stimmen aber in den Tenor der Abtreiberterroristen mit ein, wenn es um die Coronademonstration geht. Sie behaupten, wieder besseren Wissens, dass es nur 17000 gewesen seien.

Sie beziehen sich auf mein Gedicht, in dem ich nach erstem Kenntnisstand von 17.000 Irren schrieb. In einem kurze Zeit später veröffentlichten Blogartikel schrieb ich von 20.000 Demonstranten, was der polizeilichen Schätzung entspricht. Rückblickend kann ich sagen: vielleicht waren ja bis zu 3000 Teilnehmer nicht vollkommen durchgeknallt. Dann stimmt beides. Nebenbei: wider (ohne e) zieht den Akkusativ nach sich.

Daß Sie mich mit Abtreibungsbefürwortern in einen Topf werfen, macht Sie im Prinzip diskussionsunwürdig. Der Gedankengang „Es gibt Abtreibungsbefürworter, die die Größe dieser Demonstration recht gering einschätzten – die Sperlich schätzt ähnlich – also muss die Sperlich Abtreibungsbefürworter sein“ ist von besonderer Unlogik. Aber da ich schon einmal dabei bin, gehe ich auch auf den Rest Ihres Pamphletes ein. 

Nun, dank gut verfügbarer moderner Medien wie z.B. Handes und Smart Phones mit Kamerafunktion ist diese Lüge sehr leicht zu durchschauen. Es waren viel mehr, ich weiss es aus allererster Hand.

Dank moderner Technik ist klar, daß es nicht „1,3 Millionen“ waren, wie vom Veranstalter postuliert, sondern etwa 20.000. Man kann das leicht erkennen, wenn man die Luftaufnahmen von der Loveparade am gleichen Ort (ca. 1 Million Teilnehmer) und die der von mir harsch kritisierten Demonstration in jüngerer Zeit vergleicht. Man kann natürlich auch weiter behaupten, es seien dort 1,3 Mio. gewesen. Am besten noch mit dem (auch schon gehörten) Zusatz, diese 1,3 Mio. haben sich an die Abstandsregeln gehalten – was nicht einmal 20.000 möglich war.

Und wo bleibt denn die Explosion der Coronainfektionen, jetzt, zwei Wochen später?

Die Infektionskurve in Berlin steigt stetig. Vom 26. Juni bis zum 30. Juli war sie gegenüber der Zeit davor etwas flacher. Seit dem 1. August ist sie wieder steiler, seit dem 10. August so steil wie im März.

Aktive Infektionsfälle (Infektionen nach Übermittlungsdatum an das LAGeSo abzüglich Genesene und Verstorbene) in Berlin: 1. August 468; 17. August 772. Berlin-Mitte ist dabei nicht nur von allen Berliner Bezirken am stärksten betroffen, sondern steht bundesweit an zweiter Stelle.

Berlins Fallzahlen insgesamt (also sämtliche Corona-Infektionen – auch die noch bestehenden aus dem Vormonat – und der Todesfall dieses Monats an Corona, zum Glück derzeit wirklich nur einer) sind noch höher: 1. August 9318; 17. August 10318.

Genesungen (Schätzwert, da Genesung nicht meldepflichtig ist): 1. August 8627; 17. August 9322. Hierbei ist zu beachten, daß „Genesung“ nicht unbedingt bedeutet „Patient ist wieder gesund“, sondern nur „nicht mehr krankenhauspflichtig, nicht mehr infektiös, kann wieder krauchen“ – zahlreiche Betroffene haben bleibende Schäden. Nach derzeitigem Kenntnisstand können dabei alle Organe, nicht nur die Lunge, betroffen sein. Ja, auch das Hirn – und hier habe ich Mühe, mir eine bissige Bemerkung zu verkneifen.

Inzidenz (also Erkrankungen pro 100.000 Einwohner) in Berlin: 1. August 8,7; 17. August 15,36. Im gleichen Zeitraum stieg der 7-Tages-Durchschnitt von 7,23 auf 14,18 (Schätzwerte).

Quelle

In sage und schreibe einem Landkreis in Bayern sind es mehr als 50 pro 100000 Erkrankte, und das, wo sie fast wieder überall Urlaub machen dürfen, völlig gleichgültig, was diese Länder gegen Corona tun und was nicht, bzw. wie sie betroffen sind.

Dank strenger Vorschriften und einer Vielzahl von Menschen, die nicht so sind wie der Autor dieser Mail, sondern Vernunft walten lassen, ist es in Bayern besser geworden. Dank der Lockerungen kann es auch wieder schlimmer werden – wenn sich genug Leute zusammenfinden, die dem Betreffenden zustimmen. Daß die Zahlen jetzt noch nicht ganz katastrophal sind, mag auch daran liegen, daß die meisten Bayern gescheit genug sind, eben nicht wie blöd in Risikogebiete zu fahren.

Sind Sie eigentlich auch für die Maskenpflicht und Singeverbot in Kirchen, wo die Restaurantes wieder proppenvoll sind, und die Urlauber im Ausland sich darum bestimmt auch nicht scheren?

Masken sind in Kirchen derzeit empfohlen, nicht geboten. Da die meisten Kirchgänger vernünftiger sind als der Autor dieser Mail, langt das auch. Ich halte mich an die Empfehlung. Das Singverbot in Kirchen schmerzt mich, aber ich sehe es ein (und freue mich, daß es dem Kantor von der Empore aus erlaubt ist, zu singen, und daß unter Beachtung der Abstandsregeln auch wieder ein Konzert in meiner Heimatgemeinde stattfinden konnte.) Die vollen Restaurants machen mir einige Sorge, auch wenn ich nicht kategorisch gegen Restaurantbesuche bin – nur eben für Einhaltung von Abstandsregeln. Die Quittung für mangelnde Disziplin in Restaurants hat Berlin auch kürzlich bekommen – zahlreiche Neuinfektionen in einigen wenigen Restaurants, in denen nicht aufgepasst wurde.

Sie sind eine Heuchlerin, aber, dem Herrn Jesus Christus  und seiner jungfräulichen, unendlich weisen königlichen Mutter sei Dank, sehr leicht zu durchschauen.

Ich bin ganz sicher eine Sünderin – in diesem Punkt unterscheiden wir uns nicht. Heuchelei gehört nun gerade nicht zu meinen Hauptlastern, ich mache keinen Hehl daraus, daß ich Sie für einen Widerling halte, und auch nicht daraus, daß meine Hoffnung, Sie verstehen dies Posting, äußerst gering ist. Den Mißbrauch Jesu und Mariä verbitte ich mir.

Ich empfehle Ihnen nicht Mathäus 5, Sie sind ja nicht meine offizielle Feindin, sondern eine Heuchlerin, eine von der Art, die den Herrn Jesus Christus, ihren Bruder, ans Kreuz schlagen ließen, weil er ihre Heuchelei offenbar gemacht hat. So empfehle ich ihnen eher Jesaja 5, 18-20, bzw. den Judasbrief.

Danke. Immer wieder gut, die Bibel zu lesen. 

In diesem Sinne

Reden Sie mir nicht von Sinn. Davon verstehen Sie nichts.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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36 Antworten zu Steile Mail und steile Kurve

  1. akinom schreibt:

    Das möchte ich nicht weiter kommentieren, Ihnen aber, liebe Frau Sperlich ganz herzlich zum heutigen Namenstag gratulieren. Nach der heiligen Messe habe ich ein Kerzchen bei unserer Pfarrpatronin Gudula für Sie angezündet. Gudula war immer mit einer Laterne unterwegs, die der Teufel regelmäßig auspustete. Ihr Schutzengel zündete sie aber ebenso regelmäßig wieder an.
    !!! VIVAT !!! sagt

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Herzlichen Dank!
      Allerdings feiere ich meinen Namenstag am 20. März. Es gibt vier heilige Claudias; „meine“ hat unter Diokletian das Martyrium erlitten.
      Andererseits – warum soll man nicht mehrmals jährlich Namenstag feiern? 😉

    • akinom schreibt:

      Papst Franziskus hat die Gläubigen darum gebeten, in ihren Herzen oft das Stoßgebet zu wiederholen: „Ich bin mit Christi Blut geimpft. Kein Virus kann mir schaden!“ Ob man das wirklich allen Gläubigen empfehlen kann?

      • Claudia Sperlich schreibt:

        Nein, kann man nicht. Empfehlen kann man das den Gläubigen, die zwischen religiösem Sprachbild („schaden“ in seelischer Hinsicht) und wissenschaftlich erwiesenem Schutzmechanismus gegen körperliche Leiden unterscheiden können – und ich fürchte, das sind nicht allzu viele.

        • Gerd schreibt:

          Mal abgesehen davon, dass wir durch Christi Blut erlöst und nicht geimpft sind.

        • Herr S. schreibt:

          Da gebe ich Gerd mal recht.
          Der Spruch mit „geimpft durch Christi Blut“ ist m. M. n. dagegen dummes Zeug.

  2. Gerd schreibt:

    Diese Mail zeigt nun aber auch deutlich, wie vergiftet diese Diskussion mittlerweile geworden ist. Es geht ja nun auch um Glaubwürdigkeit und verwendete Begriffe. Ich z.B. habe von Beginn an, den Ausführungen von Professor Sucharit Bhakdi in seinem ersten Vidio Ende März absolutes Vertrauen geschenkt. Der Mann sagt u.a. bis heute: Es gab keine Pandemie mit dem Covid-Virus, es wird keine Pandemie geben. Warum sollte er sowas behaupten? Hat er Freude am Tod von Millionen von Menschen? Ist er ein Verschwörungstheoretiker? Immerhin ist Bhakdi nicht irgendjemand der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat. Er war von 1991 bis 2012 Leiter des Instituts für Medizinische Mikrobiologie und Hygiene an der Johannes Gutenberg-Universität in Mainz. Nach eigenen Angaben hat der Mann 12 000 angehende Ärzte ausgebildet. Wurde dieser Professor in die Talk-Shows eingeladen? Wurde er als Berater für das Gesundheitsministerium hinzugezogen? Heute kann man sagen: Natürlich nicht! Seine Meinung ist nicht gefragt, er ist ein alter seniler Spinner, der noch mal etwas an seiner Bekanntheitsschraube drehen will. Seine Videos werden zensiert und gelöscht, niemand konnte allerdings verhindern, dass das Buch „Corona Fehlalarm?“ in kürzester Zeit die Spiegel-Bestseller-Liste angeführt hat. Dort belegt Bahkdi mit seiner Frau glasklar mit Zahlen und Fakten den Unsinn der Maßnahmen, die die Regierungen weltweit im Panikmodus veranlasst haben.
    Am 29. August wird es wieder zu einer Demonstration in Berlin kommen. Bin echt gespannt ob diese stattfinden wird und was die Medien draus machen.

  3. Gerd schreibt:

    Im der sog. Grippesaison 2017/18 gab es in Deutschland (Quelle RKI) ca. 9 000 000 Influenza-Infektionen in Deutschland. Gestorben sind daran leider ca. 25 100, eine Legalitätsrate von 0,28%. In den letzten drei Jahren starben laut RKI in den Grippesaisonen ca. 50 000 Menschen. Ich frage die verantwortliche Politiker: Wo war da ihre Fürsorge? Wo blieb der dringend erforderliche Lockdown? Warum mussten alleine in einer Grippesaison 25 000 Menschen sterben? Gibt es erst seid 2020 Risikogruppen? Was macht ihr bei der nächsten Grippesaison?

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Und noch etwas. Ich habe oben die Zahlen für Berlin in einem halben Jahr Corona. Nicht für Deutschland in einem ganzen Jahr Influenza (das heißt üblicherweise 1,5 bis 2 Grippewellen). Ja, es gab schlimme Grippewellen und weniger schlimme. Und was macht das Gesundheitsamt? Es klärt auf, jedes Jahr wieder, daß besonders ältere Leute sich impfen lassen sollen. Und es wird dafür jedes Jahr wieder von Impfgegnern beschimpft.

  4. Claudia Sperlich schreibt:

    Gerd, wenn genügend Leute sich so benehmen wie der Mailschreiber, wird die nächste Grippesaison ganz sanft ausfallen. Dann sind nämlich nicht mehr genügend Leute für eine Masseninfektion übrig.

  5. Herr S. schreibt:

    Gegen die Virus-Grippe kann man sich impfen lassen – das liegt im Ermessen und der Verantwortung jedes Einzelnen.
    Meine Frau und ich tun das z. B. jedes Jahr, weil wir zur Risikogruppe gehören. Damit schützen wir übrigens nicht nur allein uns selbst sondern auch unsere Umgebung, da wir so als Virenüberträger für Influenza ausfallen.

    Im Unterschied zur Influenza gibt es gegen Covid19 bislang noch keinen Impfschutz sondern einzig und allein die Vernunft der Menschen, z. B. Die sog. Aha-Regeln zu beachten.

    In der Grippesaison 2017/18 wurde übrigens unverantwortlicherweise am Impfstoff gespart und statt des sog. vollschützenden Vierfachimpfstoffes den Kassenpatienten nur ein Dreifachimpfstoff verabreicht, wodurch eine gefährliche Impfschutzlücke entstand, denn gerade der mit dem Dreifachimpfstoff nicht abgedeckte Influenzastamm verbreitete sich besonders weit und führte zu massenhaften Infektionen mit massivsten Erkrankungen bis hin zum Tod. Ein glattes Versagen insbesondere der damals verantwortlichen Fachexperten!

    Ich und meine Frau kennen persönlich einen an sich sehr sportlich-durchtrainierten Mitfünfziger (Physiotherapeut, bei dem meine Frau wenige Monate davor noch in Behandlung war), der Ende Februar 2018 wahrscheinlich an einer verschleppten Influenza verstorben ist. Das hat uns damals arg erschüttert.
    Schon damals hat uns wahrscheinlich u. a. unsere vorsichtige sehr zurückgezogene Lebensweise in der betr. Wintersaison vor Schlimmerem bewahrt.

    Für Rentner wie uns ist das natürlich relativ leicht durchführbar im Gegensatz zu jüngeren noch beruflich aktiven Menschen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Das mit dem Dreifach- statt Vierfachimpfstoff wußte ich nicht (und es ist wirklich schlimm). Ich habe nur immer wieder die Aufrufe gelesen, sich impfen zu lassen. Und das sind ja nicht wenige.

      • Herr S. schreibt:

        Immerhin hat man daraus gelernt, und seitdem wird nur noch jährlich mit Vierfachimpfstoff gegen Grippe geimpft – wenn man sich denn impfen lässt…

  6. Gerd schreibt:

    In Australien wird jetzt offen über eine Zwangsimpfung nachgedacht. Galt vor einigen Wochen noch als Verschwörungstheorie.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nein, tat es nicht. Nur daß in Deutschland offen darüber nachgedacht wird, und zwar von Leuten, bei denen das Nachdenken politisch relevante Folgen hat, galt und gilt immer noch als Verschwörungstheorie.
      Ich schreibe hier nicht über die Zustände in Australien (außer wenn ich mich gerade an gewissen Utilitaristen abarbeite).

      • Gerd schreibt:

        In Sachen Covid 19 lohnt es sich über Deutschland hinaus einen Blick zu riskieren. Ich wurde auf jeden Fall als Verschwörungstheoretiker bezeichnet, als ich das Thema Zwangsimpfung ins Gespräch brachte. Das war so ungefähr vor 3 Monaten.

  7. Gerd schreibt:

    „Hätten wir gewusst, was wir jetzt wissen, hätten wir keinen Lockdown gemacht.“

    Karl-Josef Laumann, Gesundheitsminister in Nordrhein-Westfalen, bei Maybritt Illner, 20.8.20

    Es gab geügend Stimmen in der Wissenschaft bei Virologen und Ökonomen die Mitte März vor einem Lockdown und den unsinnigen Maßnahmen gewarnt haben. Diese waren dann Aluhüte, Covidioten und irre Spinner.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Nicht „waren“. Sind. Pardon, aber ich halte mich da lieber an die Wissenschaftler, die wohlbegründete dringende Mahnungen aussprechen, z.B. Prof. Drosten, der sich wahrlich intensiv mit dem Thema beschäftigt.
      Was übrigens ein Ökonom mir zur Gefährlichkeit eines Virus zu sagen hat, ist mir schnuppe. Ist nicht sein Fach. Klar, er kann über die Gefährlichkeit eines Lockdown für die Wirtschaft etwas sagen. Und er kann mir auch glaubhaft versichern, was ich eh weiß: Daß das kein Zuckerschlecken wird. Aber besser pleite als tot oder wegen organischer Probleme arbeitsunfähig (was übrigens auch auf Pleite herauskäme).

      • Gerd schreibt:

        Laumann ist immerhin Gesundheitsminister, der sich ja wohl auch von Drosten und Co. hat beraten lassen. Ist der jetzt zum Cofidioten mutiert? Sein Resume ist ja genau das Gegenteil von Drostens Empfehlungen.

        • Claudia Sperlich schreibt:

          Ich habe nicht Laumann als Idioten bezeichnet, sondern Drosten als Wissenschaftler.

        • Gerd schreibt:

          Wenn Laumann es jetzt besser weiß, dann unterstützt bewusst oder unbewusst die Forderungen der Demonstranten in Berlin und anderswo, die Sie liebe Frau Sperlich als Irre bezeichnen. Er spricht ausdrücklich davon, dass sie nach heutigem Kenntnisstand den Lockdown nicht gemacht hätten. Kann man sehr leicht googlen: ZDF > Politik > viel gelernt wenig getan? > Lockdown nicht noch einmal so machen.
          Aber sozusagen als Resume: Sie glauben Herrn Drosten, ich glaube Herrn Bhakdi, beide sind Wissenschaftler und sagen komplett was anderes.

        • Herr S. schreibt:

          Minister Laumann in eine geistige Übereinstimmung mit den demonstrierenden Impfgegenern setzen zu wollen, ist eine zutiefst unredliche und geradezu unverfrorene Konstruktion, gegen die sich der Betroffene zur Wehr setzen würde, wenn Sie, Gerd, es in seinem Beisein sagten.
          Sie sollten sich als Katholik schämen, solch dreiste Unwahrheiten zu verbreiten.

      • Sokleidas schreibt:

        „Was übrigens ein Ökonom mir zur Gefährlichkeit eines Virus zu sagen hat, ist mir schnuppe. “

        Sehr geehrte Frau Sperlich, aus der Lektüre Ihrer Beiträge und Ihrer Kommentare gewinne ich den Eindruck, dass Sie sich zu einer Risikogruppe zählen und von daher zu Ihrer Einschätzung der Lage kommen. Dennoch glaube ich, dass Sie sich die Angelegenheit zu einfach machen. Es scheint mir nicht, als hätte sich je ein Ökonom angemaßt, sich zur Gefährlichkeit des Virus zu äußern; dass er sich aber zu den absehbaren und unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen der nach wie vor massiven Eingriffe in unser Leben äußert, dazu ist er nicht nur berechtigt, sondern auch verpflichtet. Wenn wir unser Leben weiterleben wollen und zugleich das Virus bekämpfen wollen, dann brauchen wir ein gesunde Wirtschaft, in der die Gruppen, die gesundheitlich kaum von dem Virus betroffen sind, weiterarbeiten dürfen und sollen. Es wird immer deutlicher, welche psychischen und gesundheitlichen Spätfolgen der Lockdown bei uns und weltweit zeitigen wird, und ich wage die Prophezeiung: das wird wirklich alles andere als ein „Zuckerschlecken“ werden.

        Wären die Horrorzahlen, die im Frühjahr für D prognostiziert wurden, nur annähernd richtig gewesen, müssten wir ganz andere Todeszahlen haben; wie sehr die drastischen Maßnahmen wirklich wirken, sieht man ja in Italien, Spanien und den USA: gar nicht. Ich gehöre zu keiner Risikogruppe, ich gestehe es zu. Aber der Verlust an Lebenszeit und Lebensglück und die wirtschaftlichen Schäden, den ich in diesem Jahr erlitten habe (z.B. Verschieben der kirchlichen Hochzeit, und viele andere Eingriffe, massive Verlängerung einer beruflichen Übergangsphase ohne Einkommen), ist durch nichts mehr aufzuheben. Der Verlust an Unterrichtszeit für Kinder – einzuholen? Die Verluste, denen sich Musiker und Künstler gegenübersehen – einzuholen? Meine Studenten leiden wie Hunde, weil Ihnen der wissenschaftliche und soziale Umgang an der Uni genommen ist. Und so geht die Liste weiter. Was ist mit den Selbstmorden und zerbrochenen Familien, die niemals in der Statistik auftauchen werden? Verdammt noch mal, es muss gelebt werden! Der Tod ist allen Formen allgegenwärtig!

        Risikogruppen haben allen Anspruch, dass man sie vor Gefahren schützt. Ein Anspruch, die ganze Gesellschaft anzuhalten – auf ziemlich unklarer Datenlage – besteht nicht. Die Diskussion darüber wird in D massiv unterdrückt. Der Wille der Bürger zur Solidarität wird inzwischen massiv missbraucht. Niemand hat den Anspruch, dass für die eigene Gesundheit Existenzen vernichtet werden, wie es in diesem Frühjahr geschehen ist (reden Sie mit Handwerken, Gastronomen, Steuerberatern…).

        Mal ein paar neue Erkenntnisse:
        – Das RKI geht vom 11–20fachen als Dunkelziffer zu den positiven Testungen aus.
        – Neuere Studien gehen von einer Kreuzimmunität aufgrund anderer Coronaviren von 20–50% aus.
        – Intensivhospitalisierungen unter 300, aktive Fälle 16.000: das sind 0,02% der Bevölkerung (es besteht natürlich kein Zweifel, dass es im Winter mehr sein wird).
        – Eine halbe Million Testungen pro Woche, davon 1–2% positiv.
        – Schauen Sie mal die heutige FAZ an, dort findet sich ein Beitrag zu den massiven psychisch-physischen Schäden, die Einsamkeit im Lockdown zeitigen können.
        – Organschäden sind auch die Folge anderer Viruserkrankungen.

        Ich bin selbst Wissenschaftler. Leute wie Herr Drosten haben den Anspruch, als Wissenschaftler frei von politischen Erwägungen argumentieren zu dürfen, formuliert, aber ständig gebrochen. Ich kann ihn daher als wissenschaftliche Autorität nicht mehr akzeptieren. Es ist in diesem Jahr in D politisches Porzellan zerschlagen worden, wie ich mir es in diesem Ausmaß niemals hätte vorstellen können. Volksgesundheit ist mehr, als nur nicht Corona zu kriegen.

    • Herr S. schreibt:

      Habe mir das Interview mit Minister Laumann angehört. Sie, Gerd, zitieren ihn falsch und verkürzt. Er sagt nämlich, dass er auf Grund der mittlerweile viel genaueren Tazsachenkenntnisse, nicht etwa KEINEN Lockdown wie im März machen würde, sondern einen VIEL DIFFERENZIERTEREN.
      Das ist an sich wenig spektakulär, denn natürlich ist auch Minister Laumann inzwischen auf Grund zusätzlicher Kenntnisse, die er im März einfach noch nicht hatte und nicht haben konnte, auch wieder schlauer geworden – es ist aber etwas ganz anderes, als Sie uns hier einzureden versuchen.
      Hören Sie doch endlich mal auf, uns hier in AfD-Manier für dumm zu verkaufen.

  8. Gerd schreibt:

    Taz(!)sachenkenntnisse. Ein schöner freudscher Versprecher lieber Herr S. Schön, dass Sie sich ihren AFD Vorwurf solange verkneift haben.

    • Herr S. schreibt:

      Kein „Freudscher Versprecher“ meinerseits sondern ganz einfach die Autokorrekturfunktion des Smartphones, die ich nicht beachtet habe.
      Ist Ihnen als bekennendem AfD-Anhänger mit dem „verkneift“ ja in ähnlicher Weise widerfahren.

  9. Gerd schreibt:

    Das war irgendwie zu erwarten: Der Berliner Senat hat nun die Demonstration am Samstag verboten. Das halte ich für eine sehr schlechte Entscheidung, mit jeder Menge Eskalationspotenzial. Warum eine Demo verbieten, die eh nur ein paar tausend Spinner auf die Strasse lockt?

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