Meinen Gegnern

Kritiker waren es ja nicht, denn Kritik befasst sich mit dem Werk, nicht mit dem tatsächlichen oder vermeintlichen Charakter des Autors. (Die einzige echte Kritik kam von einem, der keinesfalls mein Gegner ist.)

Aber die Anwürfe interessieren mich gar nicht. Gekränkt hat mich nur eines: daß das so lustvoll zerfetzte Gedicht mehrfach als „Sonett“ bezeichnet wurde.

Da schreibe ich seit vielen Jahren Sonette und andere Gedichtformen, habe mehrfach erklärt, wie ein Sonett aufgebaut ist, nebenbei findet man das auch bei Wikipedia und anderswo – und dann nennen mehrere wütende Leser ein Gedicht aus drei vierzeiligen Strophen ein Sonett.

Um jetzt ein für alle mal klarzustellen, woran man formal ein Sonett erkennt, präsentiere ich meinen Lesern – den einen wie den anderen – gleich zwei.

Nach dem Sturm
zwei Sonette

Ich wünsch euch nicht, was jene kühn riskieren
Im Namen ihrer Freiheit von Gedanken.
Nur werden einige durch die erkranken,
Die jetzt nach Freiheit (nur der eignen) gieren.

Vielleicht wird mancher später sich bedanken
Bei jenen, die er heut vergleicht mit Tieren,
Wenn er sein Leben doch nicht muss verlieren,
Wenn er nur halb geheilt kann heimwärts wanken.

Ihr wollt Million sein? Ihr seid zwanzigtausend.
Zugleich wollt ihr die Abstandsregeln halten?
Schon zwanzigtausend gehn nur dicht an dicht.

Ihr seid zu viele, das erkenn ich grausend.
Doch könnt ihr längst noch nicht das Land verwalten.
Die meisten seid zum Glück ihr lange nicht.

*

Ich habe Ungefälliges geschrieben,
Da brach Empörung über mich herein.
Ich sei ein Schlafschaf, blind und dumm, gemein,
Durch meinesgleichen sei das Land zerrieben.

Und Katholiken, Pfingstler, Calvinisten
War’n endlich einig: Diese ist satanisch!
Mir schien manch Kommentar ein wenig manisch,
Mich irritierten diese frommen Christen.

Nur einer mahnte mich in Freundeszeilen,
Ich solle bei Matthäus 5 verweilen.
Das ist Kritik, nicht bloßes Kesseltreiben!

Doch dem, der niederträchtig mich genannt,
Erklär ich: oderint dum metuant!
Ich werde weiter ohne Rücksicht schreiben.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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5 Antworten zu Meinen Gegnern

  1. Gerd schreibt:

    „Die jetzt nach Freiheit (nur der eignen) gieren.“

    Na ja, das könnte man als Überschrift über jede (!) Demo stellen, wenn man an das Gute im Menschen zweifelt. (vielleicht der Ausgewogenheit halber mal ein Sonett über die BLM-Demonstrationen, oder über unsere Bundespräsidenten Steinmeier der Wasser (Masken) predigt und Wein (ohne Maske) säuft) Der Inhalt von Geschichten, Gedichten oder Sonetten ist ja wohl hoffentlich maßgebend für die Qualität derselben und nicht die exakt eingehaltene Form. Dem Verweis auf Matthäus 5 könnte man entgegenhalten: Wie man in den Wald hineinruft………

  2. Wolfram schreibt:

    Wie gut, daß ich weder Katholik noch Pfingstler noch Calvinist bin. 🙂
    So manche Leute handeln nach „geben ist seliger denn nehmen, und austeilen besser als einstecken“, und wenn sie dann Wechselgeld auf ihre Austeilung bekommen, reagieren sie pikiert. Wer sich an dem Wort „irr“ stört, sollte allerdings dessen ureigene Bedeutung wahrnehmen.
    „Ahd. irri ‚umherschweifend, verirrt, unwissend, zügellos‘ (9.Jh.), mhd. irre, erre ‚vom rechten Weg abgekommen, verirrt, wankelmütig, erzürnt, aufgebracht, uneinig‘, asächs. ‚zornig‘ …“etc. So gefunden im Wörterbuch der deutschen Sprache https://www.dwds.de/wb/irr Ich vermute, das lateinische ira kommt aus derselben Wurzel.
    So lange Umschreibungen hätten allerdings eindeutig die Kunstform gesprengt.
    Nun ist Dichtung zwar Salz in der Suppe (auch Matth.5), aber nicht jedem irasciblen Geist ist es gegeben, diese Würze zu würdigen.

    • Gerd schreibt:

      Das Wort „irre“ wurde von Frau Sperlich allerdings in Verbindung gesetzt mit „Schwachsinn“ und „Gummizelle“.
      Schwachsinn bezeichnet auch eine Intelligenzminderung bzw. Minderbegabung.
      Gummizelle ist eine mit Gummi ausgekleidete Zelle in einer Heilanstalt zur Unterbringung unkontrollierbarer psychisch Kranker.

  3. H.-J. Caspar schreibt:

    Wer „ausgewogene“ Sonette
    sich wünscht und gerne welche hätte,
    thematisch anders orientiert,
    der hat die zwei hier nicht kapiert.

    Worum es bei Matthäus geht,
    ist klar, wenn man es recht versteht:
    wir sollen niemanden beschimpfen,
    uns nicht mit Hass und Hochmut impfen.

    • Claudia Sperlich schreibt:

      Ich bin, auch wenn ich das vielleicht
      nicht allzu deutlich ausgesprochen,
      nicht hasserfüllt. Jedoch: Mir reicht,
      was da an Ungeist kommt gekrochen.

      Denn Ungeist ist’s, den Gott nicht fordert,
      wenn rücksichtslos und abstandlos
      die eigne Freiheit wird geordert
      auf Kosten fremder Leben bloß.

      Wenn ich Matthäus recht verstehe,
      geht es um ungerechtes Pöbeln.
      Aus rechtem Grund – soweit ich sehe –
      kann Jesus Händler gar vermöbeln.

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