Auf eine Reklame in der U-Bahn

In vitro

Im Menschendampf der U-Bahn zwingt den Blick
Die peinlichste der drängenden Reklamen:
Da bietet jemand Männern Geld für Samen,
Indem er dumpfe Eitelkeit beschickt.

„Kein Schuss ins Leere!“ Strikte Diskretion!
Das Sperma wird dann ohne Akt empfangen,
Und reift – zu mehr, als Kunden meist verlangen,
Das korrigiert man dann durch Reduktion.

„Kein Schuss ins Leere“, ja, so kann man zeugen
Für achtzig Euro pro Ejakulat,
Und kann sich brüsten der vollbrachten Tat,

Kann Fremden wunschgemäße Kinder machen
Ganz ohne jemands Liebe zu entfachen.
Und was zu viel ist, muss sich eben beugen.

© Claudia Sperlich

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
Dieser Beitrag wurde unter Höllisches, Weltliches abgelegt und mit , , , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

2 Antworten zu Auf eine Reklame in der U-Bahn

  1. akinom schreibt:

    Letzte Woche sah ich in der Zeitung das Foto des ersten auf diese Art „gemachten“ Menschen. Den Artikel über diese Frau habe ich entsorgt, nicht ohne zuvor für sie zu beten. Möge der Heiland auf solch krummen Zeilen grade schreiben und solche Menschen zu Botschaftern für wahre Liebe
    berufen!

  2. gerd schreibt:

    Manchmal wünsche ich mir das „finstere Mittelalter“ zurück.

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