Auferweckt und geheilt

Mt 9,18-26

In jener Zeit, als Jesus redete, kam ein Synagogenvorsteher, fiel vor ihm nieder und sagte: Meine Tochter ist eben gestorben; komm doch, leg ihr deine Hand auf und sie wird leben! Jesus stand auf und folgte ihm mit seinen Jüngern. Und siehe, eine Frau, die schon zwölf Jahre an Blutfluss litt, trat von hinten heran und berührte den Saum seines Gewandes; denn sie sagte sich: Wenn ich auch nur sein Gewand berühre, werde ich geheilt. Jesus wandte sich um, und als er sie sah, sagte er: Hab keine Angst, meine Tochter, dein Glaube hat dich gerettet! Und von dieser Stunde an war die Frau geheilt. Als Jesus in das Haus des Synagogenvorstehers kam und die Flötenspieler und die Menge der klagenden Leute sah, sagte er: Geht hinaus! Das Mädchen ist nicht gestorben, es schläft nur. Da lachten sie ihn aus. Als man die Leute hinausgeworfen hatte, trat er ein und fasste das Mädchen an der Hand; da stand es auf. Und die Kunde davon verbreitete sich in der ganzen Gegend.

***

Der Mann,  dessen Tochter gerade gestorben ist,  gehört zu den „ordentlichen Leuten“. Synagogenvorsteher, also sicher fromm und auf die Einhaltung der Gebote bedacht, verheiratet,  angesehen. Von dem wundertätigen Rabbi hat er gehört. Ganz sicher ist er nicht,  sonst hätte er Flötenspieler und Klagefrau nicht bestellt,  aber es ist den Versuch wert!
Doch jetzt, vor Jesus,  scheint er doch ganz zuversichtlich: „Leg ihr Deine Hand auf und sie wird leben!“
Jesus folgt ihm sofort, aber Er muss sich durch die Menge kämpfen. Und dabei kommt es zu der Begegnung mit der blutflüssigen Frau. Die ist nicht, was man „ordentliche Leute“ nennt: Seit Jahren rituell unrein und damit von der Gesellschaft ausgeschlossen, vom ständigen Blutverlust geschwächt, sehr wahrscheinlich in der Folge bitter arm. Sie will nur heimlich Jesu Gewand berühren,  um Ihn nicht unrein zu machen. Seine Reaktion ist für sie unerwartet liebevoll. Sie wird geheilt, denn Jesus sagt niemals Dinge wie „Jetzt passt es gerade nicht“. Das tote Mädchen wird auferweckt.

Viele Menschen sind und bleiben krank, obwohl sie Gott vertrauen. Auch junge Menschen sterben, obwohl sie oder ihre Eltern Gott vertrauen. Aber ich bin sicher,  dass es dennoch Sinn hat, Ihn zu bitten. Er hört uns immer, und Er hat immer Zeit. Er wird am Ende alle Tränen abwischen und den Tod vollständig vernichten.

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About Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin. Befürworterin der Vernunft, aber nicht in Überdosierung.
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6 Responses to Auferweckt und geheilt

  1. Avatar von Joachim Joachim sagt:

    Ja, Er hört uns immer, und Er hat immer Zeit.
    Und Er erhört uns auch.
    Wir glauben zu wissen, was geschehen muss, um erhört zu werden.
    Aber Er weiss, was gut ist, wirklich gut.
    Wir zweifeln nur, weil unser Blick nicht weit genug reicht.

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  2. Avatar von Hans-Jürgen Caspar Hans-Jürgen Caspar sagt:

    Liebe Frau Sperlich,

    Ihre im letzten Absatz zum Ausdruck kommende Sicherheit ist beeindruckend, und ich wünschte mir, ich könnte mich Ihnen anschließen.

    Danke für Ihren schon etwas zurückliegenden Eintrag über Blumen vor dem Haus und herzliche Grüße!

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    • Lieber Herr Caspar,
      Ich hoffe sehr, von dieser Zuversicht etwas vermitteln zu können.
      Und wo das nicht gelingt, gibt’s zum Trost die schöne Natur.

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      • Avatar von Hans-Jürgen Caspar Hans-Jürgen Caspar sagt:

        Ja, da haben Sie Recht. Vielen Dank.

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        • Avatar von Hans-Jürgen Caspar Hans-Jürgen Caspar sagt:

          Jahrzehntelang schrieb ich „recht haben“, also klein. Dann kam eine Rechtschreibreform, nach der „recht“ groß geschrieben werden musste. Einige Zeit später „reformierte“ man wieder zurück, und nun ist in diesem Zusammenhang „Recht“ und „recht“ beides richtig, wobei letzteres „bevorzugt“ wird. Abgesehen von der vorstehenden Antwort an Sie, schreibe ich sonst immer „recht“ zusammen mit „haben“. Im Moment war ich ganz durcheinander und nicht aufmerksam genug. 😦

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