Melodie: O Licht der wunderbaren Nacht
Ein Diener der Gerechtigkeit,
Der Armen gab ihr Eigen,
War er in Wort und Tat bereit,
Das Liebeswerk zu zeigen,
Das Jesus an der Welt vollbracht.
Gott hat zum Boten ihn gemacht
Der Wahrheit und der Liebe.
Vom Geist der Wahrheit brannte er,
Zu lehren und zu dienen,
Und ohne Furcht bekannte er:
Der Herr ist uns erschienen –
Messias, Christus, Menschensohn,
Der Auferstandne auf dem Thron,
Der Ewige Gerechte.
Wer wie ein Engel rein und echt
Des Herren Wort verkündet,
Wer furchtlos, wahrhaft und gerecht
Den Glauben klar begründet,
Wer treu bleibt auch in Todesleid
Und seinen Gegnern gern verzeiht,
Der sieht den Himmel offen.
© Claudia Sperlich



Danke für Ihre Verse über den Heiligen Stephanus. Durch sie und weitere Studien wurde mir erst richtig klar, was und wie er war. – An seiner Hinrichtung nahm jemand teil, der den Anfang antiker Christenverfolgungen machte und sich später aktiv und fruchtbar ins Gegenteil wandelte.
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Schönes Lied (und absolut tolle Vorlage). Aber inhaltlich hakt’s zweimal.
1. war Stephanus allenfalls nebenher-irgendwie-auch-noch Diener der Gerechtigkeit, der Armen gab ihr Eigen. Als Diakon war er Diener der Liebe, der Armen zu ihrem (spärlichen, sie sind ja arm) Eigen *noch was dazu* gab, auf das sie gerade kein Recht gehabt hätten.
2. Den Himmel offen zu sehen war eine bestimmte Erscheinung, die Stephanus zuteil wurde. Klar, er hat das auch besonders verdient, weil er wirklich „wie ein Engel rein und echt des Herren Wort verkündet“ und „furchtlos, wahrhaft und gerecht den Glauben klar begründet“, „treu auch in Todesleid“ geblieben ist und „seinen Gegnern verziehen“ hat (wahrscheinlich tatsächlich „gern“, auch wenn ich nicht ausschließen kann, daß er sich das mühsam abgerungen hat). Aber es ist durchaus möglich, daß jemand das gleiche tut und ihm eine solche Erscheinung nicht geschenkt wird.
(Sorry.)
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Wenn jemand nicht genug zu essen hat, fehlt ihm sein Eigen.
Den Himmel offen sehen werden am Ende die, die Gott lieben.
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1) Aufgabe der Diakone war (und ist) aber nicht eine knapp bemessene Zuteilung der strikt zum Überleben notwendigen Menge an Essen mit penibler Rücksichtnahme darauf, daß nur ja niemand mehr bekommt, als ihm von natürlicher* Gerechtigkeit her zusteht. Sie teilen, zwar nicht ganz ohne das Hirn auszuschalten, aus dem, was ihnen – sei es mit einem Eifer, der es unwilligen Gemeindemitgliedern wie Hananias und Saphira fälschlicherweise geradezu als Pflicht erscheinen mag, wie in der Urkirche, sei es mit etwas weniger davon – aus dem Überfluß (bei manchen darüberhinaus auch einer wirklich aufopferungsvollen Selbstbescheidung) der wohlhabenderen Glaubensgeschwister zufließt, im Prinzip mit vollen Händen aus; und das ist ein Ding der Caritas, nicht der Justitia. En passant wird dabei natürlich auch letztere zufriedengestellt wird, aber das geschieht nebenher.
2) Die werden *im Himmel sein*. Um ihn offen zu sehen, und zwar in dem Sinne, in dem Stephanus das gemeint hat, muß man *selber noch draußen* sein, aber einer Erscheinung gewürdigt werden, bei der man *trotzdem* den Allmächtigen schaut und den Menschensohn zu seiner Rechten. Und das ist ein ebenso ausnahmsweises Vorkommnis wie, sagen wir, Tote aufzuerwecken.
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