Mord und Beifall

Der Mann, der einen in einer Tankstelle jobbenden Studenten erschoss, weil der ihn ermahnte, eine Maske zu tragen, wird nicht nur im Internet bejubelt. Seine Tat wird teils gutgeheißen, teils relativiert. Ich weiß nicht, wie oft ich jetzt schon gelesen habe, daß man einen Mord ja irgendwie verstehen müsse, wenn es um die „Diktatur“ der Maskenpflicht gehe.

Inzwischen ist auch eine junge Optikerin von einem maskenlosen Kunden bedroht worden. Weitere Aussagen zeigen, daß das Beseitigen von Menschen, die für die Maskenpflicht sind, offenbar eine in Deutschland geduldete und populärer werdende Schar von Befürwortern findet. Eine Morddrohung wird relativiert, ist ja nicht so schlimm, weil der Mann keine Waffe hatte. (Auch der Täter in jener Tankstelle hatte zunächst keine Waffe bei sich, kam dann aber bewaffnet wieder.)

Mein Artikel, daß und warum ich Querdenkern künftig überdeutlich aus dem Weg gehen werde, hatte harsche Kritik zur Folge; ich gelte seither einigen Ex-Lesern als intolerant und unchristlich. Das verwundert mich ein wenig, da ich bislang der Meinung war, das 5. Gebot erfreue sich weitgehender Zustimmung nicht nur unter Christen, und die Vermeidung eines Verstoßes sei allgemein verständlich. Selbstverständlich bin ich irrtumsanfällig, aber in diesem Fall war ich mir doch sehr, sehr sicher (zumindest wenn es um bereits geborene Menschen geht). Besonders schmerzlich ist dieser Irrtum, wenn sich Glaubensgeschwister unter den Relativierern befinden.

Sehr viele Menschen, die Morde relativieren oder gar gutheißen, gehen heute wählen. Aus Gründen der Gerechtigkeit finde ich ganz richtig, daß sie das dürfen. Aber für mich ist es ein starkes Argument, vielleicht das stärkste, auch wählen zu gehen – denn dieser Sorte will ich nicht das Feld überlassen. Ich verstehe wenig von Politik, aber ich verstehe durchaus etwas von Pack. Denn mit Pack habe ich meine Erfahrungen, und die möchte ich künftig so gering wie möglich halten.

Falls sich jemand an dem unfrommen Ausdruck „Pack“ stört: Mit Schlangenbrut, Heuchlern, unkenntlich gewordenen Gräbern und toten Hunden habe ich auch Erfahrung, die ich nicht weiter ausbauen möchte. Gott segne sie alle – und halte sie mir fern. Denn ich werde nicht gern erschossen.

Über Claudia Sperlich

Dichterin, Übersetzerin, Katholikin.
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7 Antworten zu Mord und Beifall

  1. Hans-Jürgen Caspar schreibt:

    Liebe Frau Sperlich,

    ich stehe weiter auf Ihrer Seite. Gott segne Sie!

    Ihr Hans-Jürgen Caspar

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  2. Herr S. schreibt:

    Dem Kommentar von Hans-Jürgen Caspar schließe ich mich voll und ganz an.

    Heute sagte unser scheidende polnischer Pfarrer in seiner Predigt u. a., man solle in JEDEM Mitmenschen Christus sehen.

    Nein, dem Pflichten ich ausdrücklich so NICHT bei: Jesus Christus hat weder andere Menschen umgebracht noch solche Gewalt gutgeheißen.

    Man darf als Christ sehr wohl differenzieren und muss nicht total naiv nach dem Motto „Seid umschlungen, Millionen“ handeln.

    Trotzdem sollen wir auch unsere erkannten Feinde lieben und für sie beten, dass sie ihre Irrtümer erkennen und von ihrem verderblichen Weg umkehren.

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    • Claudia Sperlich schreibt:

      Volle Zustimmung.
      In jedem Menschen soll man einen von Gott Geliebten sehen, einen, um den Gott selbst trauert, wenn er Seine Wege verlässt. Und man soll vertrauen, daß auch der böseste Mensch die Möglichkeit zur Umkehr hat.
      Aber dem Mörder sagen „Ich sehe Gott in dir“, das wäre ja ein Hohn gegenüber dem Ermordeten und den Trauernden.

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  3. Herr S. schreibt:

    Wie kann man nur als angeblich erklärte „Christ“ eine bewusst herbeigeführte Tötung – vielleicht ist es gar als Mord einzustufen – eine Menschen gutheißen?

    Das ist eine gravierende Sünde – ein wahrer und erklärter Christ tut so etwas nicht!

    Kürzlich wurde im NDR ein Streitgespräch eines ev. Kirchenvertreters mit einem kandidierende AfD-Politiker gesendet, in welchem sich letzterer gleich zu Anfang als „gottgläubig“ bezeichnete, worauf ihn der Kirchenvertreter als christlich wie er selbst bezeichnete.

    Naiver geht’s kaum, denn der Begriff „Gott gläubig“ ist in der Nazizeit offiziell benutzt worden und bezeichnete m. W. Die nazihörigen „deutschen Christen“.

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  4. Herr S. schreibt:

    Muss mich korrigieren:

    Als „gottgläubig“ galt (in der Nazizeit) , wer sich von den anerkannten Religionsgemeinschaften abgewandt hatte, jedoch nicht glaubenslos war.

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  5. Claudia Sperlich schreibt:

    Himmel! Das ist wirklich unfassbar.

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